„Typhus und Schwäche – ach ja. Ich glaube aber bestimmt, dass Anne am Tod ihrer Schwester gestorben ist. Es lässt sich schrecklich leicht sterben, wenn man allein im KZ ist“.
Diese Worte sind von einer Augenzeugin des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, die Anne und Margot Frank kennengelernt und beobachtet hat, wie die beiden Schwestern sich bis zu dem Tod
Margots und bald darauf auch Anne Franks eine gegenseitige Stütze gewesen sind. Die Lebensgeschichte der untergetauchten Jüdin Anne Frank steht beispielhaft für das verheerende
Schicksal von mehr als 6 Millionen Juden in ganz Europa, die von Adolf Hitler und seinen Anhängern im 2. Weltkrieg wegen ihrer Rasse und ihrem ethischen Hintergrund in Konzentrationslager verschleppt und systematisch ermordet worden sind. Der Spiegel ihrer Seele,
Anne Franks Tagebuch, gibt diesbezüglich einen Denkanstoß sich mit der menschenverachtenden Ideologie von Faschismus und uferlosen Fremdenhass auseinanderzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
I. Hinführung zum Thema
II. Biografie Anne Frank
III. Zeitgeschichtlicher Hintergrund
IV. Darstellung des literarischen Werkes
1. Inhaltliche Zusammenfassung
1.1 Anne Franks Beziehung zu ihrer Familie
1.1.1 Das Verhältnis zu ihrem Vater Otto Frank
1.1.2 Das Verhältnis zu ihrer Mutter Edith Frank
1.1.3 Das Verhältnis zu ihrer Schwester Margot Frank
1.2. Anne Franks Beziehung zu Peter van Daan
1.3 Das Seelenleben von Anne
1.4 Annes Urteil über den Kriegsverlauf
1.5 Der mühsame Alltag im Hinterhaus
V. Darstellung der Verfilmung „Anne Frank – Die wahre Geschichte“
1. Biografie Regisseur Robert Dornhelm
2. Formale Analyse
2.1 Bildgestaltung
2.1.1 Kameraführung
2.1.2 Einstellungsgrößen
2.1.3 Wechsel zwischen Farbfilm und panchromatischen Filmelementen sowie die Farbgebung
2.2 Musikalische Untermalung
2.3 Besondere Effekte
2.3.1 Ellipsen
2.3.2 Schwarzblenden
VI. Vergleich zwischen Tagebuch und Spielfilm
1. Parallelen
1.1 Personendarstellung
1.2 Sprachliche Übereinstimmungen
2. Unterschiede
2.1 Inhaltliche Unterschiede
2.1.1 Differierende Exposition
2.1.2 Differierendes Filmende
2.1.3 Hinzufügungen
2.2 Sprachliche Unterschiede
3. Empathie des Lesers oder des Zuschauers
VII. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die textuellen Grundlagen und deren filmische Umsetzung in der Verfilmung „Anne Frank – Die wahre Geschichte“ (Originaltitel: „Anne Frank: The Whole Story“), um Gemeinsamkeiten und Differenzen in der Darstellung der Lebensgeschichte von Anne Frank herauszuarbeiten. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie sowohl das literarische Tagebuch als auch der Spielfilm das Schicksal der untergetauchten Jüdin vermitteln und welche erzählerischen sowie formalen Mittel dabei zum Einsatz kommen.
- Vergleich der inhaltlichen Darstellung von Annes Beziehungen und ihrem Seelenleben.
- Analyse der filmischen Gestaltungsmittel (Kamera, Musik, Farbe) und deren Wirkung.
- Gegenüberstellung von erzählerischen Parallelen und narrativen Abweichungen.
- Untersuchung der Empathiewirkung auf den Leser beziehungsweise Zuschauer.
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Das Verhältnis zu ihrem Vater Otto Frank
Die Beziehung zwischen Anne und ihrem Vater, den sie liebevoll mit dem Kosenamen „Pim“ betitelt, ist durchgängig vertraut und sehr innig. Otto Frank ist für seine Tochter eine Art Ruhepol, der ihr stets bei Auseinandersetzungen mit anderen Hinterhausbewohnern zur Seite steht.
So gibt es beispielsweise einen großen Reibungspunkt zwischen Anne und Herr Pfeffer bezüglich der gemeinsamen Benutzung des Schreibtisches, den Otto Frank klärt, indem er den Standpunkt seiner Tochter vertritt.
Selbst bei Wortgefechten und Uneinigkeiten mit ihrer Mutter Edith unterstützt er Anne nach Möglichkeit. Im Gegensatz zu ihrer „unvollkommenen“ Mutter, sieht sie in ihrem Vater ein „Vorbild an Güte“ und einen „Schatz“. Diese grenzenlose Wertschätzung und Zuneigung vermittelt Anne ihm auch offen durch Gesten und Worte. Ihre Liebe zu Pim geht sogar so weit, dass er für Anne der Einzige ist, den sie wirklich zu ihrer Familie zählt und der ihr auch ein Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln kann. Völlig eingenommen von ihrem Vater, beansprucht Anne ihn sehr für sich und erträgt es nicht, wenn er sein Wort gegen sie richtet.
Besonders erwähnenswert ist, dass ihr die „oberflächlichen Zärtlichkeiten“ bald nicht mehr genügen und Anne nach aufrichtiger Liebe gegenüber ihrer Person strebt, die ihr aber auch Otto Frank nicht mehr vermitteln kann. Der ständige Drang Vaters Zuneigung zu erheischen, lässt erst nach, als sie zu dem zuerst eher langweilig wirkenden Peter van Daan eine zarte Liebe aufbaut.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Hinführung zum Thema: Einleitung in die Thematik der Lebensgeschichte von Anne Frank und deren Bedeutung für die Auseinandersetzung mit dem Faschismus.
II. Biografie Anne Frank: Darstellung der Lebensdaten und Umstände der Flucht der Familie Frank nach Amsterdam.
III. Zeitgeschichtlicher Hintergrund: Überblick über die politischen und sozialen Entwicklungen in der Weimarer Republik und während des Nationalsozialismus.
IV. Darstellung des literarischen Werkes: Analyse des Tagebuchs hinsichtlich Annes Beziehungen, ihrem Seelenleben und ihrem Verständnis des Kriegsgeschehens.
V. Darstellung der Verfilmung „Anne Frank – Die wahre Geschichte“: Untersuchung der filmischen Formsprache durch Regisseur Robert Dornhelm, inklusive Kameraführung und musikalischer Gestaltung.
VI. Vergleich zwischen Tagebuch und Spielfilm: Gegenüberstellung der inhaltlichen und sprachlichen Übereinstimmungen sowie Analyse der Unterschiede bei der Exposition und dem Filmende.
VII. Schlusswort: Zusammenfassende Betrachtung der Veröffentlichung des Tagebuchs durch Otto Frank und der Wirkung der Lebensgeschichte auf die Nachwelt.
Schlüsselwörter
Anne Frank, Tagebuch, Hinterhaus, Holocaust, Nationalsozialismus, Robert Dornhelm, Verfilmung, Zeitgeschichte, Biografie, Zweiter Weltkrieg, Literaturverfilmung, Auschwitz, Bergen-Belsen, Antisemitismus, Filmästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer vergleichenden Analyse des literarischen Tagebuchs von Anne Frank und der Spielfilm-Adaption „Anne Frank – Die wahre Geschichte“.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Darstellung der familiären Beziehungen Annes, ihr persönliches Seelenleben, die historischen Hintergründe der NS-Zeit sowie die filmische Umsetzung dieser Aspekte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der narrativen Darstellung des Schicksals von Anne Frank zu identifizieren und die Wirkung auf den Rezipienten zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Tagebuchtextes mit einer formalen Filmanalyse kombiniert, um beide Medien gegenüberzustellen.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Betrachtung des Tagebuchs, die technische und formale Analyse des Spielfilms sowie den direkten Vergleich beider Werke.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Holocaust, Nationalsozialismus, mediale Adaption, Hinterhaus und autobiografische Literatur.
Wie unterscheidet sich die Exposition des Films von der des Tagebuchs?
Während das Tagebuch erst am dreizehnten Geburtstag Annes beginnt, setzt der Film bereits 1938 mit dem Einzug der Großmutter ein, um einen breiteren historischen Kontext zu schaffen.
Was ist das wesentliche Ergebnis beim Vergleich der Enden?
Das Tagebuch bricht offen ab, während der Film ein geschlossenes Ende wählt, das das Schicksal der Hinterhausbewohner in den Konzentrationslagern explizit dokumentiert.
Welche Rolle spielt die Musik im Film laut der Analyse?
Die Musik untermalt die Stimmungsschwankungen von Annes Unbekümmertheit bis hin zur dramatischen Zuspitzung und dem Verlust jeglicher Hoffnung.
Wie wird die emotionale Wirkung (Empathie) bewertet?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass sowohl das Buch als auch der Film eine starke empathische Bindung beim Rezipienten erzeugen, wobei der Film durch die visuelle Darstellung des Hinterhauses besonders authentisch wirkt.
- Arbeit zitieren
- Alexandra Hörl (Autor:in), 2011, Bearbeitung und Gegenüberstellung des literarischen Werkes "Das Tagebuch der Anne Frank" und der Verfilmung "Anne Frank - Die wahre Geschichte", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197926