Der Wandel der deutschen Tanzkultur


Seminararbeit, 2003

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialgeschichtliche Aspekte des Wandels der Tanzkultur in den 20er Jahren
2.2. Entwicklung der Vergnügungsindustrie und Massenunterhaltung
2.3. Amerikanisierung der deutschen Tanzkultur
2.3. Die Bedeutung der neuen gesellschaftlichen Stellung der Frauen in der Tanzkultur der 20er Jahre

3. Analyse der modernen Gesellschaftstänze am Beispiel von Charleston
3.1. Aufkommen des neuen Jazz Dances in Deutschland
3.2. Grundtechniken von Charleston
3.3. Kritik und Tanzverbote

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Weltwirtschaftskrise, zerstörte Existenzen und ausschweifendes Leben. Und in den Bars schmusten die Paare im Takt eines exotischen Tanzes, eng umschlungen, umeinander herum schmelzend. Hitze statt Wärme, Sex statt Liebe, Feier als ‚Tangokavaliere“.[1]

Hans Fallada „Wolf unter Wölfen“

In Deutschland der 20er Jahre vollzog sich nach dem 1. Weltkrieg ein tiefgreifender Wandel in der Tanzkultur: in unaufhaltsamer Wechselfolge wurden neue Tänze entwickelt, verändert und wieder fallengelassen. Die traditionellen Tänze des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts verschwanden fast vollständig. Statt Walzer und Polka erlebten in diesen Jahren neue Tänze, insbesondere Tänze afroamerikanischen Ursprungs einen Aufschwung in Deutschland.

Die in den 20er Jahren mit Begeisterung getanzten Onestep, Foxtrott, Shimmy und Charleston revolutionierten das Tanzgeschehen in Deutschland durch ihre neuen Grundtechniken für kurze Zeit ganz erheblich. Diese Tänze sowie Tango, Boston, Blues, Jazz, Rag, Turkey Trot, Black Bottom, und wie sie alle hießen, waren als Modetänze ein Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaftsformen.

Es ist offensichtlich, dass die Tanzkultur mit der Entwicklung des Staates und Gesellschaft herbeigeht. Die Tanzkultur ist Ausdruck und Bestandteil einer sich wandelnden Gesellschaft. Deswegen kann man behaupten, dass die politischen, ökonomischen und kulturellen Veränderungen die Tanzkultur der 20er Jahre auf vielfältige Weise einwirkten. Die Frage nach dem konkreten Inhalt der Tänze ermöglicht auf solche Weise eine Annäherung an die deutsche Gesellschaft der 20er Jahre.

Die Jahre zwischen dem Ende des I. Weltkrieges und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten werden gerne als „die goldenen Zwanzigerjahre“ bezeichnet. Andererseits ist man sich der Kriegsfolgen, Inflation, Massenarbeitslosigkeit und Weltwirtschaftskrise bewusst. Wie lässt sich das Aufkommen neuer Gesellschaftstänze unter solchen soziapolitischen und soziokulturellen Bedingungen dieser Zeit erklären? Hier bietet sich der Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit erklären, die zum Ziel hat, folgende Fragen zu beantworten:

1. Welche sozipolitischen, sozioökonomischen und soziokulturellen Aspekte der Weimarer Republik haben den neuen Tänzen den Weg bereitet?
2. In wie weit wurde die deutsche Tanzkultur von den anderen Kulturen beeinflusst?
3. Was waren die Grundtechniken und Grundgesetze der neuen Tänze? (Charleston als Beispiel)?
4. Welchen Stellenwert hatte der neue Tanz in der deutschen Gesellschaft der 20er Jahre? Wie wirkten die neuen Tänze auf das Publikum? Welcher Kritik waren die neuen Tänze ausgesetzt? Warum waren diese Tänze so populär?

Aus arbeitstechnischen Gründen konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf die neuen Gesellschaftstänze. Deswegen wurden zwangsläufig Kunsttanz, Volkstanz und Ballet ausgeklammert.

Im zweiten Kapitel wird die Arbeit versuchen eine Synchronität zwischen historischen Abläufen und verändertem Verhaltenswandel in der Tanzkultur zu erläutern. Dabei wird auf einige wichtige gesellschaftliche Phänomene der 20er Jahre wie die Entwicklung der Vergnügungsindustrie, Einfluss der amerikanischen Kultur auf die deutsche, die neue gesellschaftliche Rolle der Frau ausführlicher eingegangen. Im dritten Kapitel wird die Analyse des gesellschaftlichen Tanzens Charleston erläutert. Die Grundtechniken des Tanzes, die Bedeutung Charlestons in der damaligen Gesellschaft, die Kritik, die dieser Tanz ausgeliefert wurde, stehen dabei im Vordergrund.

Die vorliegende Arbeit stützt sich hauptsächlich auf die Werke, die den Wandel in der Tanzkultur aus dem zeitgenössischen Blick betrachteten, wie „Der Tanz“ von Oskar Bie (1925); „Geschichte des Tanzes“ von John Schikowskij (1926); „“Tanz“ von Max von Boehn (1925) usw . Unabdingbar für diese Arbeit war Christians Schärs „Der Schlager und seine Tänze in Deutschland der 20er Jahre“, wo er ausführlich die sozialgeschichtlichen Aspekte zum Wandel in der Musik- und Tanzkultur während der Weimarer Republik beschreibt.

2. Sozialgeschichtliche Aspekte des Wandels der Tanzkultur in den 20er Jahren

Es gibt eine enge Verbindung zwischen der sozigeschichtlichen Entwicklung der Gesellschaft und deren Kultur, dessen Bestandteil auch der Tanz ist. So geht C. Schär[2] von einer möglichen Synchronität zwischen historischen Abläufen und dem Wandel im Tanzverhalten aus. Er betrachtet den Tanz als Bestandteil einer bestimmten Zeit. Deswegen gebe die Untersuchung der Tanzkultur eine Annäherung an die deutsche Gesellschaft der 20er Jahre.

Die 20er Jahren zeichnen sich in erster Linie durch Modernität, Demokratisierungsversuche und engere Beziehungen zwischen den Kontinenten. Diese Tendenzen brachten afro- und hispanoamerikanische Musik – und Tanzformen in Europa ein, die in den 20er Jahren in Deutschland zu grundlegenden Veränderungen des Gesellschaftstanzes führten. Heinz Pollack[3] beschrieb diese Entwicklung 1922 folgerichtig als „Revolution des Gesellschaftstanzes“. Der Einbruch der neuen Tanzformen und die Verdrängung von höfischen Tänzen und bürgerlichen Rundtänzen bewegte sich auch nach Noram Sonda[4] auf der „Schnittlinie zwischen Tradition und Modernität“.

Die Ursachen, die den Wandel der Tanzstile in den 20er Jahre ermöglicht haben, sind vielfältig und bedürfen einer weitergehenden Interpretation. Im großen Ganzen lassen sich drei wichtige Aspekte unterscheiden: Entwicklung der Massenunterhaltung und Vergnügungsindustrie in der Nachkriegszeit, Amerikanisierung der deutschen Kultur, die neue gesellschaftliche Stellung der Frauen.

2.1. Entwicklung der Vergnügungsindustrie und Massenunterhaltung

Was in diesen Jahren wirtschaftlich, politisch und kulturell in Deutschland passierte beschreibt Schikowskij[5] 1925 folgendermaßen:

„Der große Krieg und die an ihn sich anschließenden Revolutionen haben einen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Wandel heraufgeführt. Wohin der Weg der Zukunft geht, welche Gestalten das gärende Chaos endlich annehmen wird, weiß heute kein Mensch. Dass aber etwas Gewaltiges und Neues im Werden ist, bezweifelt kaum einer.

[...]


[1] Fallada, Hans: Wolf unter Wölfen. Hamburg: Rowohlt, 1975

[2] Schär, Christian: Der Schlager und seine Tänze im Deutschland der 20er Jahre. Sozialgeschichtliche Aspekte zum Wandel in der Musik- und Tanzkultur während der Weimarer Republik. Zürich: Chronos, S. 96

[3] Pollack, Heinz: Die Revolution des Gesellschaftstanzes, Dresden , S.52

[4] Sonda, Norma O.: Tango-Fieber in Europ kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Zürich, S.57

[5] Schikowskij, Jon: Geschichte des Tanzes, Berlin, S.23

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Wandel der deutschen Tanzkultur
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Kultur der 20er Jahre
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V19795
ISBN (eBook)
9783638238397
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandel, Tanzkultur, Seminar, Kultur, Jahre
Arbeit zitieren
Elvira Nafikova (Autor), 2003, Der Wandel der deutschen Tanzkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19795

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