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Die Darstellung des Gandersheimer Streits in den Bischofsviten Bernwards und Godehards

Titel: Die Darstellung des Gandersheimer Streits in den Bischofsviten Bernwards und Godehards

Hausarbeit , 2010 , 24 Seiten , Note: 1

Autor:in: Andreas Thum (Autor:in)

Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Als Gandersheimer Streit bezeichnet man die lange Auseinandersetzung zwischen dem Mainzer Metropoliten und dessen Hildesheimer Suffragan um die Diözesanzugehörig­keit des Kanonissenstifts Gandersheim, das an der Grenze zwischen beiden Sprengeln lag. Über den Verlauf des Konflikts sind wir im Wesentlichen aus zwei Quellen unter­richtet: Der Vita Bernwardi episcopi Hildesheimensis, die in Teilen dem Kleriker Thangmar von Hildesheim zugeschrieben wird, und der Vita Godehardi episcopi prior des Hildesheimer Domherren Wolfhere. Letztere lehnt sich in ihrer Beschreibung des Gandersheimer Streits bis 1007 stark an den Inhalt der Vita Bernwardi an. Oft hat man daher Wolfheres Übertragung als phantasielose, uninspirierte Kopie abgetan. Hermann Hüffer, der 1858 die erste deutsche Übersetzung der Vita Godehardi prior vorlegte, wag­te noch zu bezweifeln, „ob sich die Mühe lohne, sie [sc. die von Thangmar übernom­menen Kapitel; AT] hier mitzutheilen“, da sie im Grunde nur einen Auszug aus der Vita Bernwardi darstellten. Allerdings erkannte auch er, dass Wolfhere „Einzelnes nicht ganz Werthlose zugesetzt“ habe.
Und tatsächlich lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen und zu untersuchen, inwieweit es Wolfhere gelungen ist, eigene Akzente und Schwerpunkte zu setzen und welche Be­weggründe ihn zu seinem ausführlichen Exkurs über die Geschichte des Streits bewo­gen haben mögen. Ziel der Quellenanalyse ist es, einen Eindruck von der Wahrnehmung des Gandersheimer Streits zur Zeit Wolfheres zu gewinnen. Zu diesem Zweck sollen in der vorliegenden Arbeit exemplarische Kapitel der Vita Bernwardi und der Vita Gode­hardi prior in den Editionen der Monumenta Germaniae Historica formal und inhaltlich verglichen werden.
Um den Rahmen der Untersuchung nicht zu sprengen, kann auf Einzelheiten der Aus­einandersetzung, deren politische Dimension, biographische Angaben sowie Gattungs­merkmale hagiographischer Texte nur insofern eingegangen werden, als sie für das Ver­ständnis der Ausführungen hilfreich oder unerlässlich erscheinen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die Quellen und ihre Verfasser

2 Die Bischofsviten im Vergleich

2.1 Formaler Vergleich

2.2 Inhaltlicher Vergleich

2.2.1 Die Einkleidung der Sophia

2.2.2 Die Weihe der Gandersheimer Stiftskirche

2.2.3 Die Synode in Gandersheim

2.2.4 Die Synoden in Rom, Pöhlde, Frankfurt und Todi

2.2.5 Die vorläufige Beilegung des Streits

3 Mögliche Intentionen und Beweggründe Wolfheres

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand eines formalen und inhaltlichen Vergleichs der Vita Bernwardi und der Vita Godehardi prior, wie der Gandersheimer Streit in diesen hagiographischen Quellen dargestellt wird, um die Absichten und Schwerpunkte des Verfassers Wolfhere zu analysieren.

  • Analyse der narrativen Strategien von Wolfhere gegenüber seiner Vorlage.
  • Vergleich der Darstellung zentraler Streitpunkte wie der Einkleidung der Sophia und der Stiftskirchenweihe.
  • Untersuchung der tendenziösen Auslassungen und Hervorhebungen im Text.
  • Rekonstruktion der Beweggründe hinter der detaillierten Rückschau auf den Konflikt.
  • Bewertung des Einflusses des zeitlichen Abstands zur Abfassung auf die Darstellung des Streits.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Die Einkleidung der Sophia

Die Sympathielenkung erfolgt in beiden Viten eindeutig zugunsten des Hildesheimer Bischofs Osdag. Mainzer Erzbischof Willigis wird dagegen als anmaßender und furchteinflößender Mann dargestellt. Mehr noch als der Verfasser der „Denkschrift“ bemüht sich Wolfhere darum, die eigenverantwortliche Schuld des Metropoliten am Ausbruch des Streits zu betonen. Könnte man bei Thangmar noch der Meinung sein, Willigis habe den vermeintlichen Rechtsbruch aus Unachtsamkeit oder Unwissenheit, „haut considerans quantum antiqua canonum instituta temeravit“, begangen, so wird dem Erzbischof in der VGodeh. unzweifelhaft vorsätzliches Handeln unterstellt.

Wolfheres Beschreibung der spannungsgeladenen Einkleidungszeremonie orientiert sich stark an Thangmars Vorlage. In beiden Fällen endet der Bericht mit einem symbolträchtigen Versprechen, das Osdag allen Teilnehmern der Feier abnimmt. Dessen vollständiger Wortlaut ist bei Wolfhere jedoch nicht überliefert. Thangmars Zusatz, demzufolge der Mainzer Erzbischof unter bestimmten Umständen durchaus Rechte am Gandersheimer Stift beanspruchen könne, fehlt in der VGodeh. Anhand dieser kleinen, aber entscheidenden Veränderung wird die Absicht Wolfheres deutlich, die Ansprüche der Diözese Hildesheim auf das Gandersheimer Stift ohne Einschränkung geltend zu machen. Dass er an der Darstellung rechtlicher Grauzonen kein Interesse zu haben schien, versteht sich von selbst; stattdessen bekräftigte er, wann immer sich die Gelegenheit bot, den Absolutheitsanspruch des Bistums Hildesheim.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in den Gandersheimer Streit und die relevanten Quellen, sowie Formulierung der Zielsetzung der Arbeit.

1 Die Quellen und ihre Verfasser: Vorstellung der Vita Bernwardi und der Vita Godehardi prior sowie deren Verfasser im Kontext ihrer Entstehung.

2 Die Bischofsviten im Vergleich: Systematische Gegenüberstellung der formalen Struktur und des inhaltlichen Aufbaus beider Viten.

2.1 Formaler Vergleich: Analyse der Unterschiede in Umfang, Kapitellänge und Auswahl der behandelten Ereignisse.

2.2 Inhaltlicher Vergleich: Detaillierte chronologische Untersuchung der textlichen Divergenzen zwischen beiden Werken.

2.2.1 Die Einkleidung der Sophia: Analyse der einseitigen Schuldzuweisung an Willigis bei der Einkleidung.

2.2.2 Die Weihe der Gandersheimer Stiftskirche: Untersuchung der negativen Charakterisierung der Sophia und ihrer Motive.

2.2.3 Die Synode in Gandersheim: Darstellung des Streits und der vermeintlichen Diffamierung der Mainzer Seite.

2.2.4 Die Synoden in Rom, Pöhlde, Frankfurt und Todi: Vergleich der Kürzungen und Tonalitätsunterschiede bei den Berichten über weitere Synoden.

2.2.5 Die vorläufige Beilegung des Streits: Analyse der Darstellung des „Schuldbekenntnisses“ von Willigis.

3 Mögliche Intentionen und Beweggründe Wolfheres: Diskussion über die Absichten, die den ausführlichen Rückblick auf den bereits beendeten Streit motiviert haben könnten.

Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Tendenz Wolfheres, die Ansprüche Hildesheims zu untermauern und die Rolle von Willigis negativ zu stilisieren.

Schlüsselwörter

Gandersheimer Streit, Wolfhere, Thangmar, Vita Bernwardi, Vita Godehardi, Erzbischof Willigis, Bistum Hildesheim, Hagiographie, Quellenvergleich, Kanonissenstift, Einkleidung der Sophia, Rechtsanspruch, Stiftskirche, Denkschrift, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie zwei verschiedene hagiographische Lebensbeschreibungen (Viten) den historischen Konflikt um das Stift Gandersheim unterschiedlich darstellen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die hagiographische Darstellung von Rechtsansprüchen, die parteiische Schilderung von Bischofsstreitigkeiten und die Analyse von Quellenveränderungen durch spätere Autoren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Beweggründe des Autors Wolfhere zu verstehen, der in seiner Lebensbeschreibung des Bischofs Godehard den Gandersheimer Streit sehr ausführlich thematisiert und dabei seine Vorlage gezielt verändert hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird ein formaler und inhaltlicher Vergleich (textchronologisch) zwischen der Vita Bernwardi und der Vita Godehardi prior durchgeführt, ergänzt durch eine Quellenanalyse.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen formalen Vergleich, die detaillierte Analyse spezifischer Ereignisse (Einkleidung der Sophia, Stiftskirchenweihe, verschiedene Synoden) sowie eine Untersuchung der Intentionen hinter Wolfheres Schilderungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Gandersheimer Streit, Hagiographie, Wolfhere, Vita Godehardi und Bistum Hildesheim geprägt.

Warum spielt die Person des Erzbischofs Willigis eine so zentrale Rolle in der Untersuchung?

Willigis wird in den Viten als der Gegenspieler Hildesheims aufgebaut; die Analyse zeigt, dass Wolfhere ihn gezielt negativer zeichnet als die ursprüngliche Vorlage, um die Ansprüche der Hildesheimer Seite zu rechtfertigen.

Wie unterscheidet sich die Darstellung der Sophia in der Vita Godehardi im Vergleich zur Vorlage?

Wolfhere zeichnet Sophia deutlich negativer, indem er ihr unrechtmäßige Motive zuschreibt und ihre Handlungen als gezielte Provokation gegen den Hildesheimer Bischof darstellt.

Welche Bedeutung kommt dem formalen Vergleich von Kapitellängen und Auslassungen zu?

Diese Analyse deckt Wolfheres Schwerpunkte auf: Er kürzt Ereignisse, die für seine beabsichtigte Tendenz irrelevant sind, und baut diejenigen aus, die den Rechtsanspruch des Bistums Hildesheim unterstreichen.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Darstellung des Gandersheimer Streits in den Bischofsviten Bernwards und Godehards
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1
Autor
Andreas Thum (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V198001
ISBN (eBook)
9783656241942
ISBN (Buch)
9783656242307
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung gandersheimer streits bischofsviten bernwards godehards
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Andreas Thum (Autor:in), 2010, Die Darstellung des Gandersheimer Streits in den Bischofsviten Bernwards und Godehards, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198001
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Leseprobe aus  24  Seiten
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