Lebenswelt der Volksschulkinder:

Macht soziale Integration glücklich?


Seminararbeit, 2012

52 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Hypothesen

3. Material & Methoden

4. Datenerhebung
4.1. Wichtige Fragen der Volksschulzeit
4.2. Zentrale Logik
4.3. Fragebogenkonstruktion

5. Auswertungsplan

6. Datenauswertung
6.1. Hypothese 1
6.2. Hypothese 2
6.3. Hypothese 3
6.4. Integrationsindex
6.4.1. Hypothese 4
6.4.2. Weitere Auswertungen

7. Fazit
7.1. Reflexion des Forschungsprozesses

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang
9.1. Vorschlag Fragebogen “Soz. Gemeinschaft/Integration”
9.2. Endgültiger Fragebogen

1. Einleitung

Im Zuge der Lehrveranstaltung SE+UE Datenerhebung und Datenauswertung, geleitet von Herrn Prof. Dr. Eder und Frau Mag. Hager, wird von mir der Versuch unternommen, die Lebenswelt der Volksschulkinder näher zu beleuchten. Ich, der Autor, studiere Soziologie an der Universität Wien, habe in meiner weiteren Familie auch einige Kinder, die im Volksschulalter sind und das Seminarthema ins Auge gefasst, da es mir interessant und sinnvoll erscheint, mehr über die Handlungen, Intentionen und das Verhalten von Volksschulkindern zu erfahren. Dazu zählt nicht nur die Sozialisation mit den Hauptinstanzen Familie und Schule, besonders die persönliche Umwelt und soziale Integration der Kinder ist wichtig, um Einblick in ihre Lebenswelt zu bekommen. Weiters sehe ich auch ein breites, öffentliches Interesse am Forschungsthema, das nicht nur auf Soziologinnen und Soziologen gemünzt ist, sondern auch Eltern wie Lehrerinnen und Lehrern von Volksschulkindern neue Einblicke und Denkansätze ermöglichen soll.

Von Seiten der LV-Leitung wurde ein Feldzugang eröffnet. Mit freundlicher Unterstützung von Lehrkräften einer österreichischen Volksschule etwas außerhalb von Wien wurde es möglich gemacht, die Datenerhebung direkt an der Schule durchzuführen. Diese Vorgangsweise bietet den großen Vorteil, viele Kinder in sämtlichen vier Volksschulklassen, sowie einer Integrativklasse mit einem Mal befragen zu können. Natürlich gibt es auch Nachteile dieser Vorgangsweise, ich werde noch darauf zu sprechen kommen. Unbestritten ist jedenfalls, dass die Schule im okzidentalen Kulturkreis eine wichtige Sozialisationsfunktion übernimmt und einen wesentlichen Baustein zum Glücklichsein und zur sozialen Integration von Kindern darstellt. Diese beiden sozialen Tatsachen bilden den Fokus dieser Arbeit. Dass im Zuge des Forschungsprozesses nie oder nur selten die Ergebnisse auftreten, die man erwartet, wird Eingeweihte nicht verwundern. Dennoch wurde ich mit manchen sozialen Mechanismen und Resultaten überrascht und ich hoffe, den interessierten Leserinnen und Lesern wird es ebenso ergehen.

2. Theoretischer Hintergrund

Die theoretische Überlegung zum Forschungsthema besteht ganz allgemein im Leben und Überleben in der Gesellschaft. Dazu gehören vor allem zwei Faktoren: einerseits die biologischen Bedürfnisse und Anforderungen, andererseits die sozialen Bedürfnissen und Anforderungen der Kinder.

In Bezug auf die biologischen Bedürfnisse und Anforderungen ist es wichtig für die Kinder zu essen, trinken, schlafen und die Sexualität zu erkennen, wobei auf Grund der Vorerhebungen zur Fragebogenkonstruktion besonders das Thema Essen in den Vordergrund trat. Bei den sozialen Bedürfnissen und Anforderungen geht es darum, auf Grund der bisher erfolgten und weiter erfolgenden Sozialisation, eine eigene Persönlichkeit auszubilden, die Gesellschaft in unserem kulturellen Umfeld wahrzunehmen und zu deuten, sowie sich einen persönlichen Platz in dieser Gesellschaft zu suchen, vorläufig zu fixieren und diesen einerseits auszubauen und andererseits zu verteidigen. Eine wichtige Rolle scheinen dabei „Idole“ zu besitzen, die imitiert werden können. Für Kinder sind die elterlichen und familiären Faktoren wesentliche Einflußgrößen auf deren Zukunft (vgl. Piwonka 2010, S. 3).

Bei beiden Faktoren spielen die in den Kindern bereits ausgebildeten Vorlieben und Neigungen eine wesentliche Rolle, um so mehr als Kinder im Volksschulalter noch nicht im selben Maße wie Erwachsene den allgemeinen, gesellschaftlichen Zwängen unterliegen und dadurch (noch) etwas mehr Freiheit genießen dürfen. Dies wird an den (sozialen) Handlungen der Kinder erkennbar. Beispiele dafür sind Lieblingsspeisen, -getränke, -spielzeuge und –beschäftigungen. Auch die Wahl der Freunde und Spielkameraden scheint emotioneller als dies bei Erwachsenen der Fall ist. Kurz gesagt: es regiert das Lustprinzip, um individuelles Glück zu generieren.

Als Glücksfaktoren lassen sich vor allem Familie und enge Freunde verorten. Negative Auswirkungen haben Kinder zu tragen, die nur mit einem Elternteil aufwachsen bzw. bei nur einem Elternteil leben (vgl. Layard 2005, S. 195). Die funktionierende Familie wirkt sich auch indirekt positiv auf das Glücksempfinden der Kinder aus, was durch das geringere Auftreten von psychischen Krankheiten bei den Kindern nachgewiesen wurde (vgl. Flickinger 2011, S. 48). Dies entspricht auch der These, dass sich die meisten Menschen in Gesellschaft wohler fühlen als wenn sie alleine sind. Gehen ein Platz in der Gemeinschaft bzw. Freundschaften verloren, fühlen wir uns unglücklich. Ein gesellschaftliches Netzwerk, die soziale Integration in die Gesellschaft ist Teil von uns und erfüllt unser Leben mit Sinn (vgl. Layard 2005, S. 241f). Gerald Flickinger verwendet dazu den Begriff „positives, soziales Setting“ und meint damit das Zusammenspiel von Familie, Schule, Unternehmen, Gemeinde und Gesellschaft (vgl. Flickinger 2011, S. 24). Natürlich sind Gefühle Veränderungen unterworfen. Dennoch werteten bei einer durchgeführten Studie 900 befragte Frauen nach dem „Sex“ auf Platz eins das „gesellige Beisammensein“ als zweitwichtigste Glücksempfindung (vgl. Layard 2005, S. 27f). Ob diese Wertung im gleichen Maß auf Männer zutrifft, erscheint zwar möglich, wurde aber nicht nachgewiesen.

Auf Grund der nicht abgeschlossenen Sozialisation erforschen Kinder mit großem Interesse ihr soziales, gesellschaftliches und kulturelles Umfeld. Sie tasten sich nach dem „try and error“-Prinzip an ihre Möglichkeiten heran und lernen auch auf diese Art Normen und Werte kennen. Dazu gehören vor allem die Sanktionen bei Normverstößen, sowie Gebote und Verbote. Handlungsschablonen und –routinen entstehen und entlasten (auch zeitlich) vom Entscheidungsdruck. Das Verhalten anderer wird gedeutet und kategorisiert, somit entsteht ein Erwartungs- und Ereignisfahrplan, der für das zukünftige Leben und Überleben der Kinder von eminenter Bedeutung ist. Dies sind die wesentlichen Gründe, neben dem persönlichen Interesse des Autors, warum der Fokus dieser Arbeit auf den Themen „Glück“ und „soziale Integration“ basiert.

2.1. Hypothesen

Auf Grund des in der Lehrveranstaltung gemeinsam ausgearbeiteten Fragebogens können nicht alle in der Theorie enthaltenen Annahmen optimal überprüft werden, daher möchte ich mich hier auf die Themen des Glücks und der sozialen Integration in die Gemeinschaft beschränken, welche durch die Theorie auch gut wissenschaftlich begründet werden können (siehe theoretischer Hintergrund).

Hypothese 1:

Kinder, die bei nur einem Elternteil aufwachsen sind unglücklicher als Kinder, die bei beiden Elternteilen aufwachsen.

Hypothese 2:

Kinder, die viele FreundInnen haben sind glücklicher als Kinder, die wenige bis keine FreundInnen haben.

Hypothese 3:

Kinder, die sich oft auch außerhalb der Schule mit FreundInnen treffen sind glücklicher als Kinder, die diese Möglichkeit nicht haben.

Hypothese 4:

Diese Hypothese wurde im Zuge der Arbeit konkretisiert. Um den zeitlichen Ablauf und die Konstituierung der Fragestellung deutlich zu machen, findet man sie nicht hier, sondern unter Pkt. 7.4.1.

3. Material & Methoden

Die Lebenswelt der Volksschulkinder wird mit quantitativen Methoden der empirischen Sozialforschung analysiert. Zur Datenerhebung wird ein durch die LV-Leitung hergestellter Feldzugang in eine österreichische Volksschule in der Nähe von Wien in Anspruch genommen, was einer Clusterstichprobe entspricht. Über Lehrpersonal dieser Schule, das freundlicherweise auch die Durchführung der Fragebogenbefragung der Kinder übernahm, ist dieser Kontakt zustande gekommen. Auf Grund dieser Durchführungssart war es möglich, viele Kinder der vier Volksschulklassen und einer Integrativklasse auf einen Schlag zu befragen. Nachteilig wirkt sich ein eventuelles Antwortverhalten der Kinder in Bezug auf soziale Erwünschtheit aus, auch Repräsentativität ist bei dieser Datenerhebungsart nicht gegeben.

Die Fragebogenkonstruktion verläuft in mehreren Phasen. Zuerst wurde jede LV-Teilnehmerin und jeder LV-Teilnehmer gebeten, sich in die eigene Volksschulzeit zurückzuversetzen und vier wichtige, vorgegebene Fragen der damaligen, eigenen Lebenswelt zu beantworten (siehe Datenerhebung), sowie die damals erhaltenen bzw. nicht erhaltenen Antworten zu reflektieren. Danach wurden die erarbeiteten Antworten thematisiert und kategorisiert, um wichtige Einflußfaktoren der kindlichen Lebenswelt zu verorten und eine zentrale Logik aufzudecken. Diese wurde in Rollenspielen mit den LV-Teilnehmerinnen und LV-Teilnehmern erprobt und anschließend ein „Referenzkind“, d. h. ein Volksschulkind im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis, explorativ interviewt und das Interview reflektiert. Das Transkript wurde auf zentrale Thematiken untersucht und eine persönliche (Mini)theorie aufgestellt. Diese wurde wieder reflexiv (was hätte man noch fragen können und wo verorten sich verpasste Fragechancen) überarbeitet. Weiters wurde versucht, mögliche Antworten des Referenzkindes auf die vier eingangs gestellten Fragen, zu generieren und zu begründen. Auf Grund dieses Ergebnisses wurde die persönliche Theorie wieder überarbeitet und eine zentrale Logik des Kindes aufgestellt. Danach wurden in themenbezogener Gruppenarbeit (soziale Gemeinschaft, Normen, Sozialstruktur, Identität und Autorität) Fragen für den Fragebogen bzw. gruppenweise eigene Fragebögen generiert. Diese wurden den Referenzkindern zur Beantwortung vorgelegt und somit ein Pretest vorgenommen. Anhand der Ergebnisse wurden die Fragebögen und die persönlichen Theorien nochmals überarbeitet. Schließlich wurden die Fragen und Ergebnisse im Seminar besprochen, die endgültigen Fragen für den Fragebogen von der LV-Leitung ausgewählt und der so entstandene, kollektive Fragebogen an die Lehrkräfte der Partnervolksschule zur Prüfung übermittelt. Nach weiteren Änderungen des Fragebogens wurde die Befragung der Volksschulkinder durchgeführt und die ausgefüllten Fragebögen an die LV-Leitung retourniert.

Nunmehr konnte mit der Datenauswertung begonnen werden. Die prinzipielle Variablenbildung, der Codeplan und die SPSS-Eingabehilfe wurden von der LV-Leitung vorgegeben. Die ausgefüllten Fragebögen wurden in Gruppenarbeit der Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmern in SPSS (Versionen 17 bis 20) eingetragen, für Problemfälle wurde ein Protokoll angelegt, das gemeinsam mit der LV-Leitung abgearbeitet wurde. Nach erster Datensichtung wurden die persönlichen (Mini)theorien überarbeitet, Hypothesen gebildet und ein Auswertungsplan erstellt.

Für meine Datenauswertung habe ich SPSS, Version 19 verwendet. Nachdem die Korrelationen und Signifikanztests der drei Hypothesen nicht meinen Erwartungen entsprachen, gelang es mir, geeignetere Faktoren durch gezielten Vergleich der relevanten Variablen zu verorten. Die Relevanz der Variablen in Bezug zur Fragestellung (Hypothese 4) wurde in einem zweistufigen Verfahren ermittelt. Die erste Stufe bestand darin, relevant erscheinende Fragebogenfragen bzw. Items mit ihrem jeweiligen Antwortset zu sondieren. In der zweiten Stufe wurde die Korrelation zwischen diesen Fragen und der Hypothese getestet und nur jene Fragen in einen Index aufgenommen, die mindestens eine schwache Korrelation zur Fragestellung aufweisen. Dabei entstand ein Integrationsindex, der einen guten Vergleich zwischen Glücksgefühl und sozialer Integration bildet.

4. Datenerhebung

Die Datenerhebung verlief phasenweise und begann mit der Aufgabe, sich selbst in die eigene Volksschulzeit zurück zu versetzen und vier wichtige, von der LV-Leitung vorgegebene, Fragen zu beantworten.

4.1. Wichtige Fragen der Volksschulzeit

Was hat mich damals bewegt?

Ich war begierig Neues zu lernen, mir dauerte alles zu lange (Schule, erwachsen werden, etc.), mich beschäftigte unser Hausbau (Eltern) wesentlich, ich wollte in der Schule neue Freunde finden und ich wollte und bekam einen Hund.

Was wäre ich gerne gefragt worden?

Ich wäre gerne um meine Meinung gefragt worden, speziell zu den Themen Schule und Hausbau.

Was waren meine Fragen (keine Antworten)?

Warum läuft alles so langsam ab?

Warum können wir uns nicht mehr leisten?

Bekomme ich noch eine Schwester?

Welche Unterstützung hätte ich gerne gehabt?

Jemand, der mir meine Fragen nach Schule, Normen, Leben, etc. verständlich beantworten kann, starke Freunde.

4.2. Zentrale Logik

Nach einer subjektiven Messung der Volksschulerinnerungen der SeminarteilnehmerInnen und Stichwortbildung wurde als erster Anhaltspunkt versucht, die genannten Stichworte in soziale Hauptkategorien einzuteilen. Diese sind für das soziale Leben wesentlich und in allen Gesellschaften und Kulturen zu finden. Danach konnten nach dem Ranking der genannten Stichworte, weitere zentrale Themen als (Unter)kategorien identifiziert werden. Diese können, müssen aber nicht in den einzelnen Gesellschaften relevant sein. Jedenfalls wird hier von der okzidentalen Gesellschaft mit ihrer Kultur ausgegangen.

Die wichtigste, weil am öftesten genannte, Schlüsselkategorie ist die „soziale Gemeinschaft/Integration“. Folgende, zentrale Themen wurden erkannt: Freundschaft, Familie, Sport und soziale Ungleichheit. Die Freundschaft dient sowohl dem Zusammenhalt der Gruppe, wie auch der Abgrenzung nach Außen und ist von vielen sozialen Faktoren abhängig/begünstigt (räumlicher Bezug, sozio-ökonomischer Status, gemeinsame Interessen, etc.). Die Familie – hier am zweitöftesten genannt – ist wohl die wichtigste, soziale (Klein)gruppe überhaupt. Nicht nur, dass man von der Mutter geboren wurde, die Familie ist auch die wichtigste Sozialisationsinstanz, obwohl staatliche Institutionen immer mehr Kompetenz überantwortet bekommen. Der Sport hat ebenfalls wichtige Funktionen, er verbindet – meistens jedenfalls – körperliches Training mit Spiel, kann soziale Gruppenbildung fördern, dient der Gesundheit (einem wesentlichen Paradigma heutzutage) und nicht zuletzt dem Wettkampf. Somit könnte man den Sport auch einer anderen Hauptkategorie zurechnen, was gewissermaßen eine logisch-willkürliche Entscheidung deutlich macht. Die soziale Ungleichheit wird von den Kindern bereits deutlich wahrgenommen, bleibt von den Sozialisierungsinstanzen jedoch weitgehend unerklärt und damit unverständlich. Dass soziale Ungleichheit kein Mangel der Gesellschaft ist, sondern eine Voraussetzung der gesellschaftlichen Ordnung, sollte nicht nur den Kindern deutlicher auseinander gesetzt werden.

Als weitere Schlüsselkategorien wurden identifiziert: „Normen“, „Sozialstruktur“, „Wirtschaft“ und „Identität“. Interessant sind nicht nur die genannten Stichworte, sondern auch zweifellos vorhandene aber nicht genannte Stichworte, die im Zuge der Sozialisation auftreten. Als solche werden Geschlechter als soziale Konstrukte und deren Differenzen verortet. Auch Macht- und Herrschaftsparadigmen treten zweifellos stärker auf als in der Stichprobe genannt. Aus den Kategorien und Stichwörtern lässt sich der kulturelle Auftrag unserer Gesellschaft an die Sozialisationsinstanzen ablesen. Die gegebenen Beschreibungen der SeminarteilnehmerInnen aus ihrer Volksschulzeit vermitteln jedoch auch das Bild, dass die Sozialisierungsinstanzen diesen Auftrag nur ungenügend erfüllen bzw. dass Verbesserungsbedarf besteht. Eine bessere, soziologische Schulung der Eltern und LehrerInnen wäre ein erster Schritt dazu.

4.3. Fragebogenkonstruktion

Die zentrale Logik wurde in Rollenspielen mit den LV-Teilnehmerinnen und LV-Teilnehmern erprobt und anschließend ein „Referenzkind“, d. h. ein Volksschulkind im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis, explorativ interviewt und das Interview reflektiert. Das Transkript wurde auf zentrale Thematiken untersucht und eine persönliche (Mini)theorie aufgestellt. Diese wurde wieder reflexiv (was hätte man noch fragen können und wo verorten sich verpasste Fragechancen) überarbeitet. Weiters wurde versucht, mögliche Antworten des Referenzkindes auf die vier eingangs gestellten Fragen, zu generieren und zu begründen. Auf Grund dieses Ergebnisses wurde die persönliche Theorie wieder überarbeitet und eine zentrale Logik des Kindes aufgestellt. Danach wurden in themenbezogener Gruppenarbeit (soziale Gemeinschaft, Normen, Sozialstruktur, Identität und Autorität) Fragen für den Fragebogen bzw. gruppenweise eigene Fragebögen generiert. Den erarbeiteten Fragebogen zum Thema „soziale Gemeinschaft/Integration“ als Vorschlag für einen endgültigen Fragebogen findet die Leserin bzw. der Leser im Anhang.

Dieser Fragebogenvorschlag wurde den Referenzkindern zur Beantwortung vorgelegt und somit ein Pretest vorgenommen. Anhand der Ergebnisse wurden die Fragebögen und die persönlichen Theorien nochmals überarbeitet. Die Endversion der (Mini)theorie findet sich im Kapitel „Theoretischer Hintergrund“. Schließlich wurden die Fragen und Ergebnisse im Seminar besprochen, die endgültigen Fragen für den Fragebogen von der LV-Leitung ausgewählt und der so entstandene, kollektive Fragebogen an die Lehrkräfte der Partnervolksschule zur Prüfung übermittelt. Nach weiteren Änderungen des Fragebogens wurde die Befragung der Volksschulkinder durchgeführt und die ausgefüllten Fragebögen an die LV-Leitung retourniert, womit die Datenerhebungsphase abgeschlossen wurde.

5. Auswertungsplan

Bemerkungen zum Fragebogen:

Generell möchte ich hier auf die Unschärfe hinweisen, die durch das negative Extrem bei Frage 29.2 hindeutet. Das Gegenteil von „glücklich“ sollte meiner Meinung nach nicht „traurig“, sondern „unglücklich“ genannt werden. Nicht optimal finde ich auch die Antwortkategorien bei Frage 4. Die Ausprägung 1 mit dem Text „Ja“ am Beginn könnte eine Verzerrung herbeiführen. Die Ausprägungen 2 = einige und 3 = wenige erscheinen mir nicht gut gewählt. Der Unterschied ist schwer zu verstehen. Bei den Antwortkategorien der Frage 6 fällt auf, dass die Ausprägung 4 = nie als Einzige kleingeschrieben wurde, was ebenfalls Auswirkungen auf das Antwortverhalten haben könnte.

Statistische Auswertung:

Im Folgenden werden die Gruppierungen und Vergleichsgruppen definiert, die zur Hypothesenprüfung statistisch ausgewertet werden. Zuerst werden die gebildeten Gruppen auf Grund von prozentualen Häufigkeiten mittels Kreuztabellen miteinander verglichen. Zusammenhänge können mittels Cramers V ermittelt werden. Als Signifikanztest kommen Chi-Quadrat-Tests in Frage. Die Auswertung der im Laufe der Forschungsarbeit entstandene Hypothese-4 wird später im Auswertungsteil beschrieben, um auch die schrittweise, zeitliche Entwicklung dieser Arbeit darzustellen.

Datenniveau und Werte der relevanten Variablen zur Hypothesenprüfung:

F3.1, F3.2: nominal Werte 0 (nicht zutreffend) oder 1 (zutreffend)

F4: ordinal Werte 1 – 4 (viele, einige, wenige, keine)

F6: ordinal Werte 1 – 4 (sehr oft, oft, manchmal, nie)

F29.2: ordinal Werte 1 – 4 (glücklich bis traurig)

Auswertung Hypothese 1:

Unabhängige Variable: F3.1 bzw. F3.2 bzw. beide (wohnt mit Mutter/Vater)

Abhängige Variable: F29.2 (Ich bin glücklich…traurig)

Selektiert werden alle Personen, die F3.1 oder F3.2 angegeben haben, im Unterschied zu Personen, die F3.1 und F3.2 angegeben haben. Danach wird die Variable F29.2 ausgewertet, wobei die Antwortkategorie 1 als glücklich, die Antwortkategorien 2 bis 4 als weniger glücklich bzw. nicht glücklich interpretiert werden.

Signifikanztest:

H0: Kinder, die bei nur einem Elternteil aufwachsen sind glücklicher bzw. genauso glücklich wie Kinder, die mit beiden Elternteilen aufwachsen.

H1: Kinder, die bei nur einem Elternteil aufwachsen sind unglücklicher als Kinder, die bei beiden Elternteilen aufwachsen.

Prüfmaß: Chi-Quadrat-Test, einseitig

Signifikanzniveau: 95 %

Auswertung Hypothese 2:

Unabhängige Variable: F4 (Hast du viele FreundInnen)

Abhängige Variable: F29.2 (Ich bin glücklich…traurig)

Selektiert werden alle Personen, die F4.1 oder F4.2 angegeben haben, im Unterschied zu Personen, die F4.3 oder F4.4 (wegen o. a. Begründung) angegeben haben. Danach wird die Variable F29.2 ausgewertet, wobei die Antwortkategorie 1 als glücklich, die Antwortkategorien 2 bis 4 als weniger glücklich bzw. nicht glücklich interpretiert werden.

Signifikanztest:

H0: Kinder, die viele FreundInnen haben sind unglücklicher bzw. genauso glücklich wie Kinder, die wenige bis keine FreundInnen haben.

H1: Kinder, die viele FreundInnen haben sind glücklicher als Kinder, die wenige bis keine FreundInnen haben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Lebenswelt der Volksschulkinder:
Untertitel
Macht soziale Integration glücklich?
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Datenerhebung und Datenauswertung
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
52
Katalognummer
V198024
ISBN (eBook)
9783656242123
ISBN (Buch)
9783656246497
Dateigröße
954 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
mit Fragebogen im Anhang.
Schlagworte
Sozialwissenschaften, Seminar, Datenerhebung, Datenauswertung, SPSS, Volksschulkinder, Kinder, Schule, Lebenswelt, Integration, Statistik, Universität, Glück, Seminararbeit, Sozialisation, Piwonka, Sozialforschung, empirische Sozialforschung
Arbeit zitieren
Heinz Piwonka (Autor), 2012, Lebenswelt der Volksschulkinder:, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198024

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