Der Handel erlebte im 13. Jahrhundert einen großen Aufschwung. Neben dem starken Bevölkerungsanstieg trugen besonders das Aufkommen des Geldhandels und die immer umfangreicheren internationalen Handelsbeziehungen hierzu bei. Neben dem Haus der Welser entwickelte sich besonders die Familie Fugger zum bedeutendsten deutschen Handelshaus und wird zum führenden Wirtschaftsunternehmen Europas. Nicht selten werden sie heutzutage auch als der erste multinationale Konzern der Weltgeschichte bezeichnet. Dieser neuzeitliche Begriff ist keinesfalls übertrieben, wenn man sich die Menge, sowie die Orte der Außenposten ihrer Faktorei auf ihrem Höhepunkt unter Anton Fugger ansieht. Bei einer solchen Aufstellung steht Venedig häufig an erster Stelle, noch vor Antwerpen, das für den Seehandel von großer Bedeutung war. Doch inwiefern trug Venedig zum Aufstieg der Augsburger Kaufmannsfamilie bei? War es wirklich von so großer Bedeutung für die Fugger und wenn ja, warum und in welcher Hinsicht? Auf diese Fragen soll diese Arbeit Antworten geben. Hierfür werde ich zunächst die Familie und das Handelshaus Fugger, sowie den Handelsplatz Venedig näher betrachten. Es folgt eine Analyse der Handels- und Geldgeschäfte der Fugger. Abschließend setze ich die deutsche Handelsfamilie und die oberitalienische Stadt in Beziehung zueinander und versuche Antworten auf die genannten Fragen zu finden.
Die Forschung hat sich in den letzten Jahren von diesem Thema zurückgezogen, was vermutlich auch mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Die Bedeutung der Familie Fugger für den deutschen Handel im Mittelalter ist in der Forschungsliteratur unbestritten. Bereits 1896 nannte Richard Ehrenberg sein Buch Das Zeitalter der Fugger. Dieser Titel lässt erahnen, welche Rolle die Fugger im Handels- und Geldverkehr des 15. und 16. Jahrhundert gespielt haben müssen. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erschien regelmäßig neue Literatur zum Hause Fugger, besonders Götz von Pölnitz tat sich hier als Kenner hervor. Da die Geschäftsbücher der Fugger nicht mehr existieren, beruft sich die Forschung in der Regel auf die Musterbuchhaltung des Matthäus Schwarz.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Aufstieg der Fugger
2.1. Die Familie Fugger
2.2. Das Unternehmen Fugger
3. Venedig
3.1. Der Handelsplatz Venedig
3.2. Die Fugger in Venedig
3.2.1. Importe
3.2.2. Exporte
4. Die Geldgeschäfte der Fugger
4.1. Das Wechselgeschäft
4.2. Das Darlehensgeschäft
5. Der Niedergang der Fugger und Venedigs
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wirtschaftliche Bedeutung der Handelsstadt Venedig für das Augsburger Handelshaus Fugger während des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit. Das primäre Ziel ist es, die Rolle Venedigs als zentralen Umschlagplatz für den Waren- und Geldverkehr der Fugger zu analysieren und zu klären, inwiefern diese Verbindung zum Aufstieg des Familienunternehmens beigetragen hat.
- Entwicklung und Aufstieg des Handelshauses Fugger
- Stellenwert von Venedig als internationaler Handelsplatz
- Analyse der Import- und Exportstrukturen der Fugger in Venedig
- Mechanismen des Wechsel- und Darlehensgeschäfts im mittelalterlichen Bankwesen
- Einfluss der veränderten Welthandelsrouten auf die Handelsbeziehungen
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Importe
Bereits Ulrich Fugger hatte den ursprünglichen Fugger-Handel „mit Spezereien, Wolle und Seide“ immer weiter eingedämmt und war stattdessen in den Bergbau, später auch in das Wechselgeschäft eingestiegen. Zu dieser Zeit war daher Kupfer bereits das bedeutendste Gut, welches Jakob Fugger nach Venedig importierte. Hier machte sich das kaufmännische Talent besonders bemerkbar. Zunächst übernahm er vom Tiroler Erzherzog Sigismund den Falkenstein sowie Tirol als Pfand für einen gewährten Kredit.
Im Jahre 1498 gründete er schließlich gemeinsam mit den Augsburgern Baumgartner, Herwart und Gossembrot ein Kupferkartell. Doch bereits 1495 war er mit der ungarischen Kaufmannsfamilie Thurzo in Verbindung getreten und in die oberungarische Montanindustrie eingestiegen.
Dies veranlasste ihn dazu, im Gründungsjahr des Kupferkartells ungarisches Kupfer auf den venezianischen Markt zu bringen und somit eine starke Erschütterung des eigenen Kartells herbeizuführen. Mit dieser rücksichtslosen Ausnutzung seiner Macht erhoffte sich Jakob Fugger vermutlich das Monopol auf dem europäischen Kupfermarkt zu erlangen.
Wie oft überhaupt ungarisches Kupfer an den Rialto gebracht wurde, darüber gibt das Journal der Musterbuchhaltung des Matthäus Schwarz keine Auskunft. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass diese Vorgehensweise nicht die Regel war. In einem Vertrag aus dem Jahr 1514 verpflichtete sich Jakob Fugger dazu, in den Jahren 1516 bis 1519 kein ungarisches Kupfer nach Venedig einzuführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Aufstieg der Fugger zum bedeutendsten deutschen Handelshaus und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Bedeutung Venedigs für diesen wirtschaftlichen Erfolg.
2. Der Aufstieg der Fugger: Dieses Kapitel zeichnet die Geschichte der Familie Fugger sowie die Entwicklung ihres weitverzweigten, internationalen Unternehmens nach.
3. Venedig: Hier werden die historische Relevanz Venedigs als Handelsmetropole und die spezifische Etablierung der Fugger in der Lagunenstadt (insbesondere im Fondaco dei Tedeschi) sowie deren Warenhandel analysiert.
4. Die Geldgeschäfte der Fugger: Dieses Kapitel behandelt die hochkomplexen Wechsel- und Darlehensgeschäfte, die den Warenhandel ergänzten und als wesentliche Säulen des Fuggerschen Erfolgs dienten.
5. Der Niedergang der Fugger und Venedigs: Der Abschnitt erläutert die Auswirkungen der Entdeckung neuer Handelsrouten und veränderter politischer Rahmenbedingungen auf die Vormachtstellung Venedigs und das Fuggersche Unternehmen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt Venedig als zentralen, wenn nicht wichtigsten Handelsplatz für die Fugger in der untersuchten Epoche.
Schlüsselwörter
Fugger, Venedig, Handelsgeschichte, Mittelalter, Geldhandel, Kupfer, Silber, Wechselgeschäft, Darlehen, Fondaco dei Tedeschi, Augsburger Kaufmannsfamilie, Welthandel, Wirtschaftshistorie, Faktorei, Jakob Fugger
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historischen Geschäftsbeziehungen zwischen der deutschen Kaufmannsfamilie Fugger und der Handelsmetropole Venedig im Mittelalter und der Frühen Neuzeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen der Aufstieg der Familie Fugger, deren Handelsstrategien, die Bedeutung von Venedig als logistisches Zentrum sowie die Entwicklung des Bank- und Geldwesens.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie bedeutend Venedig als Handelsplatz für den Aufstieg der Fugger tatsächlich war und in welcher Hinsicht die Stadt als "Gegenpol" zu Augsburg fungierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor stützt sich auf eine Analyse von Primärquellen, insbesondere der Musterbuchhaltung des Matthäus Schwarz, sowie auf historische Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Aufstiegs der Fugger, die Analyse des Handelsplatzes Venedig sowie eine detaillierte Betrachtung der Warenimporte, Exporte und der Finanzgeschäfte (Wechsel und Darlehen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Fugger, Venedig, Geldhandel, Kupfermonopol, Wechselgeschäft und Handelsgeschichte.
Warum war das Fondaco dei Tedeschi so wichtig für die Fugger?
Es diente als fester Stützpunkt und Handelskammer für die deutschen Kaufleute in Venedig und war für die Abwicklung der Geschäfte vor Ort essenziell.
Warum spielt Kupfer eine so große Rolle in der Untersuchung?
Kupfer war eines der bedeutendsten Handelsgüter der Fugger, mit dem sie versuchten, durch strategische Marktmanipulationen (z.B. Kartellbildungen) europäische Monopole zu erlangen.
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- Danielle Klußmann (Author), 2008, Die Bedeutung Venedigs für die Familie Fugger, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198046