„In St. Petersburg wird ein Schwarzafrikaner von Skinheads erstochen.“ „In Moskau werden zwei ermordete Tadschiken gefunden.“ Immer wieder veröffentlichen Forschungsstellen für Osteuropa solche und ähnliche Schlagzeilen. Dies macht deutlich, dass Rechtsextremismus kein rein deutsches Phänomen ist. Vielmehr findet er auch in Russland immer mehr Anhänger. Opfer sind meist Migranten, Schwarzafrikaner und Menschen mit kaukasischem Aussehen. Hier scheint es keine Rolle zu spielen, dass diese teilweise aus den ehemaligen Sowjetrepubliken kommen. Die Empörung über solche Übergriffe bleibt meist aus, die Medien berichten nur wenig darüber. Auch bei der Forschungsliteratur fällt auf, dass sich fast ausschließlich westliche Wissenschaftler mit diesem Problem beschäftigen.
Da der Rechtsextremismus in Russland seit dem Zerfall der UdSSR stark zugenommen hat, werde ich mich in dieser Arbeit mit dem Thema beschäftigen, welche durch die Perestrojka ausgelösten Schwierigkeiten diesen Anstieg des Rechtsextremismus in Russland förderten. Zu Beginn werde ich den Begriff der politischen Transformation klären und einen kurzen Abriss über die Ereignisse der Perestrojka geben. Im zweiten Teil werde ich die fünf größten Probleme der Nachperestrojka beleuchten. Die sozialen Problemen und die Glaubwürdigkeitskrise der Politik, die wirtschaftlichen Probleme, das Problem der Gleichzeitigkeit von sozialem und wirtschaftlichem Umbruch, der russische Nationalismus und der schwere Stand der Demokratie. Die unterschiedlichen Gruppen von Rechtsextremen und ihre Einstellung zum Zerfall des Imperiums schließen den Hauptteil ab. Die Quellen beruhen hier ausschließlich auf internationalen und russischen Statistiken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Was versteht man unter Transformation?
2.1. Wie veränderte die Perestrojka die Sowjetunion?
2.1.1. Gorbatschows Pläne
2.1.2. Der Zusammenbruch der Sowjetunion
2.2. Welche Probleme entstanden durch die Perestrojka?
2.2.1. Soziale Desorientierung und die Glaubwürdigkeitskrise der Politik
2.2.2. Die Wirtschaftskrise und die materielle Armut
2.2.3. Die Gleichzeitigkeit von ökonomischer und politischer Neuorientierung
2.2.4. Der russische Nationalismus
2.2.5. Der schwere Stand der Demokratie
2.4. Die Rechtsextremen und der Zusammenbruch der UdSSR
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die durch die Perestrojka ausgelösten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten in Russland den Anstieg des Rechtsextremismus nach dem Zerfall der Sowjetunion begünstigten.
- Politische Transformation und Systemwechsel in postkommunistischen Staaten
- Soziale Desorientierung und Glaubwürdigkeitskrise der Politik
- Wirtschaftskrise, Armut und die Folgen der Privatisierung
- Russischer Nationalismus und das Erbe des Imperiums
- Einstellungen zur Demokratie und zum autoritären Regime
Auszug aus dem Buch
2.2.4. Der russische Nationalismus
Eine Thematik, die bei der Betrachtung der Problematik der Perestrojka fälschlicherweise häufig unterschätzt wird, ist der russische Nationalismus. Dieser hat alte Wurzeln und im Gegensatz zum Nationalgefühl der anderen sowjetischen Völker wurde er auch von der Regierung nicht unterdrückt, sondern vielmehr unterstützt und gefördert. So verwundert es kaum, dass die Russen ihre Identität, im Gegensatz zu den anderen sowjetischen Ländern, nicht mit ihrer Heimat in Verbindung brachten, sondern vielmehr mit dem Vielvölkerstaat UdSSR. Dies kam vermutlich daher, dass sich die Russen den anderen Völkern der Sowjetunion stets überlegen gefühlt hatten und dies auch offen zeigten. Dieses Selbstbewusstsein wurde durch das Militär und die Herrschaft über die anderen osteuropäischen Völker und Länder stetig gestärkt.
Die gefühlte Überlegenheit zerbrach, als die Teilrepubliken sich gegen das aufgezwungene Regime ablehnten und ihre Unabhängigkeit anstrebten. Dass die Menschen in Russland bis heute den Bruch des Systems bedauern macht eine im vergangenen Jahr durchgeführte Studie der internationalen Forschungsagentur Eurasien-Monitor deutlich. Demnach bedauern 68% der russischen Umfrageteilnehmer den Zerfall der UdSSR. Überraschend ist jedoch, dass diese Meinung nicht nur bei den Älteren existiert, sondern vielmehr über alle Generationen relativ ähnlich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Thema vor, definiert den Untersuchungsgegenstand und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Auswahl der Quellen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Transformation und beleuchtet die fünf zentralen Problemfelder der Nachperestrojka, welche den Nährboden für rechtsextreme Strömungen bildeten.
2.1 Was versteht man unter Transformation?: Dieses Kapitel definiert den Begriff der postkommunistischen Systemtransformation im politikwissenschaftlichen Kontext.
2.1. Wie veränderte die Perestrojka die Sowjetunion?: Das Kapitel beschreibt Gorbatschows Reformpläne zur Umgestaltung von Planwirtschaft und Gesellschaft sowie die daraus resultierenden Prozesse, die zum Zerfall der UdSSR führten.
2.1.1. Gorbatschows Pläne: Fokus auf die Ziele von Perestrojka und Glasnost zur Verbesserung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit und Demokratisierung.
2.1.2. Der Zusammenbruch der Sowjetunion: Untersuchung der Gründe für den Kollaps, insbesondere der ökonomischen Legitimitätskrise und des Dominoeffekts in den Satellitenstaaten.
2.2. Welche Probleme entstanden durch die Perestrojka?: Einführung in die sozialen und politischen Herausforderungen, die nach dem Zusammenbruch des Sozialismus entstanden.
2.2.1. Soziale Desorientierung und die Glaubwürdigkeitskrise der Politik: Analyse der gesellschaftlichen Verunsicherung durch den Systemwechsel und den Vertrauensverlust gegenüber der neuen politischen Führung.
2.2.2. Die Wirtschaftskrise und die materielle Armut: Darstellung der wirtschaftlichen Stagnation, der rapiden Verarmung weiter Bevölkerungsschichten und der Entstehung einer oligarchischen Oberschicht.
2.2.3. Die Gleichzeitigkeit von ökonomischer und politischer Neuorientierung: Erörterung der Schwierigkeiten, die sich aus der parallelen Transformation von Wirtschaft und Politik ergeben.
2.2.4. Der russische Nationalismus: Untersuchung der Rolle des russischen Nationalgefühls als Identitätsanker nach dem Verlust des imperialen Status.
2.2.5. Der schwere Stand der Demokratie: Analyse der skeptischen Einstellung der russischen Bevölkerung gegenüber demokratischen Institutionen und liberalen Werten.
2.4. Die Rechtsextremen und der Zusammenbruch der UdSSR: Beschreibung der Charakteristika des russischen Rechtsextremismus, seiner Ideologie und seiner Haltung zum Zerfall der Sowjetunion.
3. Schluss: Zusammenfassung der Kernergebnisse und ein Ausblick auf die Notwendigkeit einer stabilen Demokratie in Russland.
Schlüsselwörter
Perestrojka, Rechtsextremismus, Russland, Transformation, Sowjetunion, Transformation, Nationalismus, Wirtschaftskrise, Demokratie, Systemwechsel, UdSSR, Politischer Umbruch, Transformation, Sozialismus, Autoritär.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Ursachen des Anstiegs von rechtsextremen Tendenzen in Russland in der Zeit nach der Perestrojka und dem Zusammenbruch der Sowjetunion.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die politische Transformation, die wirtschaftliche Krise und Verarmung der Bevölkerung, soziale Orientierungslosigkeit sowie der russische Nationalismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die durch den Zusammenbruch des sowjetischen Systems entstandenen Schwierigkeiten den Zulauf zu rechtsextremen Gruppen und Ideologien gefördert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die internationale und russische Statistiken sowie Sekundärliteratur (Aufsätze und Fachbücher) zur Auswertung nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert betrachtet?
Der Hauptteil analysiert Transformationstheorien, die ökonomischen Probleme, das Scheitern der sozialen Sicherheit, den Nationalismus sowie die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Demokratie und Marktwirtschaft.
Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Transformation, Perestrojka, Rechtsextremismus, Systemwechsel, Nationalismus, Armut und das politische Erbe der UdSSR.
Inwieweit spielt der russische Nationalismus eine Rolle für den Erfolg rechtsextremer Gruppen?
Der Autor argumentiert, dass der Nationalismus als Kompensation für den Machtverlust des Imperiums dient und rechtsextremen Parteien hilft, Frustration in der Bevölkerung für ihre Ziele zu mobilisieren.
Welchen Einfluss hatte die wirtschaftliche Situation auf das Vertrauen in die Demokratie?
Die wirtschaftliche Krise und die soziale Not in den 1990er Jahren führten dazu, dass weite Teile der Bevölkerung die neue demokratische Regierungsform mit den wirtschaftlichen Problemen assoziieren, was die demokratische Konsolidierung erschwert.
- Arbeit zitieren
- Danielle Klußmann (Autor:in), 2007, Welche durch die Perestrojka entstandenen Schwierigkeiten förderten den Rechtsextremismus in Russland?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198052