Eignungsanalyse zum Barrierefreien Tourismus in Rheinsberg


Seminararbeit, 2012
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Vorwort
1 Barrierefreier Tourismus - Merkmale und ökonomische Bedeutung
2 Zum barrierefreien Tourismus in Rheinsberg
2.1Zur Region Rheinsberg
2.2 SWOT - Analyse
2.3 Eignung für barrierefreien Tourismus
3 Fazit und Handlungsempfehlungen

Anhang

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Zielgruppen des barrierefreien Tourismus

Abbildung 2: Charakteristika der Nachfrager und Anbieter

Abbildung 3: SWOT - Matrix zur Eignung Rheinsbergs für barrierefreien Tourismus

Abbildung 4: Prüfkriterien für die Eignung einer Region für barrierefreien Tourismus

Vorwort

Tourismus[1] in seiner heutigen Form ist ubiquitär. Nahezu jede Region weltweit definiert sich selbst als Urlaubsregion oder hat den Tourismus in regionalen Entwicklungs- oder Marketingkonzepten implementiert. Demzufolge partizipieren gegenwärtig etliche Anbieterregionen an diesem Wirtschaftszweig und sind auf dem Reisemarkt präsent.

Doch der aktuelle Status Quo hat sich erst nach und nach entwickelt. War das Reisen in der Anfangsphase von 1850 bis 1914 nur der Elite mittels Kutschen vorbehalten, so haben, mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, steigende Gehälter, zunehmende Freizeitperioden und eine größere Erreichbarkeit von globalen Reisezielen, durch die avantgardistische Weiterentwicklung von Transportmitteln, dazu geführt, dass das Reisen einer breiten Masse zugänglich und finanzierbar geworden ist.[2] Parallel hierzu hat sich die Zahl der Anbieter von touristischen Dienstleistungen und der Nachfrager stetig nach oben entwickelt bis hin zur Ausprägung des Massentourismus.[3] Aus dieser Evolution heraus resultiert eine heutzutage starke Verhandlungsmacht des Touristen gegenüber oben genannter Fülle an Tourismusanbietern.

Des Weiteren haben sich die Bedürfnisse und Wünsche der Reisenden über die Jahrzehnte hinweg verändert. Dieser Fakt spiegelt sich in dem Verlangen des Urlaubers nach immer neuen emotionalen und kognitiven Erlebnissen wider. Summa Summarum hat der potenzielle Gast die Qual der Wahl zwischen lokalen, regionalen, überregionalen und sogar weltweiten Reisezielen und -regionen. Aus diesem Grund ist es wichtig im Bereich des Tourismus innovativ zu sein, um am Markt bestehen zu können und einer zunehmenden Marktsättigung entgegenzuwirken.

Um in diesem harten Wettbewerb der Urlaubsdestination um den loyalen Kunden, den wiederkehrenden Touristen, bestehen zu können, ist es seitens der Anbieter vonnöten, sich durch maßgeschneiderte Angebote in Bezug auf eine spezifische Zielgruppe zu differenzieren und somit die Region für die Zukunft strategisch zu positionieren und selektiv zu vermarkten[4].

Vor diesem Hintergrund fokussieren sich zunehmend die Anbieterregionen auf spezielle Tourismusformen, um sich hierbei durch eine noch stärkere Kundenorientierung von anderen Regionen abzuheben. Beispielhaft können hier Bildungs-, Städte-, Kur-, Wellness-, Abenteuer-, Strand-, Kreuzfahrt-, Seminar- und Tagungstourismus als besondere, vertiefende Tourismusformen genannt werden. Hierzu zählt auch der barrierefreie Tourismus, der im Mittelpunkt dieser wissenschaftlichen Abhandlung steht.

Diese Urlaubsform hat in den letzten Jahren bedingt durch den demographischen Wandel enorm an Bedeutung gewonnen. Die sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Potenziale, vor allem für die Zukunft, haben mittlerweile viele Regionen erkannt. Doch längst nicht jedes Gebiet ist für diese Art des Reisens prädestiniert.

Inwiefern eine Region für barrierefreien Tourismus geeignet ist, soll anhand der ausgewählten Region Rheinsberg konkret analysiert werden. Die regionsspezifischen Ergebnisse werden dann grafisch in der SWOT - Analyse zur Eignung der Region Rheinsberg für barrierefreien Tourismus dargestellt (siehe Kapitel 2.2 ab Seite 7). Abschließend wird im Abschnitt Fazit und Handlungsempfehlungen eine Entscheidung über die Qualifikation der Region Rheinsberg getroffen.

Zunächst sollen jedoch die Merkmale des barrierefreien Tourismus speziell in Deutschland und die daraus abgeleitete ökonomische Relevanz für eine Region näher beleuchtet und nach Anbieter- und Nachfragerseite aufgeschlüsselt werden.

1 Barrierefreier Tourismus - Merkmale und ökonomische Bedeutung

Obwohl der Tourismussektor zu einer der größten Wirtschaftsbranchen zählt, ist das Reisen für vereinzelte Bevölkerungsschichten immer noch mit Komplikationen verbunden. Exemplarisch dafür stehen mobilitätseingeschränkte Personen und Behinderte, die lange Zeit vom touristischen Ablauf und der Planung ausgeschlossen und nicht als potenzielle Touristen erfasst und mit eingebunden wurden. Diese Situation wird sich aber vor dem Hintergrund des demographischen Wandels künftig ändern. Bereits heutzutage haben einige Anbieterregionen dieses sich bietende Potenzial erkannt und immer mehr Destinationen wollen auf diesen Zug mit aufspringen. Da es besonders im Bereich des Fremdenverkehrs ausgesprochen schwierig ist neue Innovationen zu entwickeln und innovative Angebote zu offerieren, bietet der barrierefreie Tourismus die einmalige Möglichkeit eine Unique Local Proposition[5] für die Region zu generieren und folglich im bereits erwähnten Wettbewerb der Urlaubsdestination einen Vorteil zu genießen. Welche ökonomischen Potenziale dahinter stehen, soll nachfolgend anhand der Nachfragerseite aufgezeigt werden.

Die stereotype Auffassung der „nicht - behinderten Umwelt“, dass barrierefreier Tourismus ausschließlich auf mobilitätseingeschränkte Personen und Behinderte abzielt, muss an dieser Stelle klar widerlegt werden. In erster Linie dient der Abbau von Hindernissen, z.B. das Absenken von Bordsteinen, der Einbau von breiten rollstuhlgerechten Fahrstühlen, die Aufbereitung von Wegen, die Bereitstellung von Pflegern, Begleitpersonen für Sehbehinderte und vieles mehr, zweifelsohne dem engeren Nachfragerkreis (siehe Abbildung 1). Insbesondere für diese Personen ist das Verreisen ein wichtiger Faktor der Partizipation am gesellschaftlichen Leben[6] und gleichsam ein Reproduktionsfaktor zum Erhalt ihrer Leistungs- und Arbeitsfähigkeit und zur Steigerung der Kohärenz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[7]

Doch die Annehmlichkeiten einer barrierefreien Umwelt sprechen weitere Zielgruppen an, die ebenfalls aus der Abbildung 1 entnommen werden können. Dazu zählen zum Beispiel Schwangere, Familie, Übergewichtige und Ältere/Senioren. Alleine die Gruppe der Älteren und Senioren wächst bedingt durch den Alterungsprozess in der Gesamtbevölkerung enorm an. Prognosen zeigen, dass der Altenqoutient bis[8] auf 72,7 % im Jahr 2030[9] ansteigen könnte. Diese fortschreitende Entwicklung der Über - 60 - Jährigen bedingt ebenfalls die Zunahme von chronischen Krankheiten[10] und Mobilitätseinschränkungen beispielsweise durch Rollstühle.

Wie vormals genannt, kann der eindimensionalen Eingrenzung des barrierefreien Tourismus auf körperlich und seelisch Behinderte widersprochen werden. Vielmehr richtet sich dieser spezielle Tourismus an ein breites Zielgruppenspektrum. Bekräftigt wird dieses Charakteristikum nochmals durch die Aussage, „dass eine barrierefreie zugängliche Umwelt für etwa 10 % der Bevölkerung zwingend erforderlich, für etwa 30 bis 40 % notwendig und für 100 % komfortabel ist.“[11] Dementsprechend liegt auch die Zahl der potenziellen Nachfrager weit über den 6,8 Millionen schwer behinderten Menschen in Deutschland. Im Grunde ist ein Großteil der gesamten Bevölkerung, wenn sie zahlungswillig ist, als Nachfrager in Betracht zu ziehen.

Der barrierefreie Tourismus hat heute die Bedeutung eines Qualitätsmerkmals[12], das allen, den Besuchern und Bewohner sowie allen touristischen Dienstleistungen, zu Gute kommt.

In Korrelation mit dem steigenden Interesse und Bewusstsein für Qualität, nimmt überdies die Zahlungsbereitschaft des Kunden für höherwertigere touristische Dienstleistungen zu. Von der Warte her bietet die strategische Positionierung einer Region auf diese gehobene und umsatzstarke Form des Spezialtourismus die Möglichkeit, die lokale Wirtschaft zu stärken ohne auf die Schiene des Massentourismus setzen zu müssen, sondern sich vielmehr auf eine kaufkräftigere Nachfragersparte zu fokussieren.

Die hiesige Zielgruppe zeichnet sich durch weitere signifikante Merkmale in Bezug auf ihr Reiseverhalten aus.

So beweisen sie eine höhere Loyalität gegenüber ihrem Reiseziel, was gerade im Kampf um den wiederkehrenden Kunden von entscheidender Relevanz ist. Zudem wirkt ihre ganzjährige Reisetätigkeit der Saisonalität entgegen und sichert der örtlichen Hotellerie eine durchgehende Auslastung.[13] Darüber hinaus ist der barrierefreie Tourismus durch vermehrte Inlandsreisen geprägt. Wenn mobilitätseingeschränkte Personen und Behinderte außerhalb Deutschlands ein Urlaubsziel ansteuern, dann liegt dieses meist in Grenznähe zur Bundesrepublik um die Anreise zeitlich zu minimieren.[14] Aus den, in Abbildung 2, subsummierten Aspekten der Nachfragerseite lässt sich ein starkes wirtschaftliches Potenzial für Tourismusregionen schlussfolgern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[15]

Abbildung 2: Charakteristika der Nachfrager und Anbieter

Zusammenfassend ist der wohl bedeutsamste Vorteil des barrierefreien Tourismus für eine Region, die Kombinierbarkeit mit nahezu allen weiteren speziellen Tourismusformen. Im Gegensatz zum Städte-, Strand und Badetourismus, Kreuzfahrttourismus usw., welche sich nur schwerlich bis gar nicht miteinander verbinden lassen. Folglich ermöglicht der barrierefreie Tourismus eine Erweiterung der Zielgruppe und das Herausbilden eines eminenten Qualitätsmerkmals ohne dabei andere Urlaubsarten, wie beispielsweise den Kultur- oder Städtetourismus, auszuschließen. Exemplarisch für diesen Aspekt steht die ausgewählte kulturell geprägte Region Rheinsberg, die im Punkt 2 im Mittelpunkt der Betrachtung steht.

Um all diese Potenziale erschließen zu können, muss die Anbieterseite im Gegenzug maßgeschneiderte Angebote entlang der gesamten touristischen Servicekette offerieren d.h. von der Bereitstellung barrierefreier Informationen für die Reise, über eine bequeme An- und Abreise bis hin zur zielgruppengerechten Unterbringung (siehe Anhang 2). Hierdurch kann das Interesse und die vorhandene Zahlungsbereitschaft der Zielgruppe angeregt werden. Andererseits setzt diese starke Kundenorientierung fachliche und kommunikative Skills der Mitarbeiter voraus.

Des Weiteren muss eine Vernetzung der regionalen Akteure auf drei Ebenen stattfinden. Diese Vernetzungen sollen vor allem zwischen den regionalen Akteuren und der Destination, zwischen den regionalen Akteuren und den Nachfragern sowie zwischen den einzelnen Akteuren selbst bestehen, um Synergien zu generieren. Somit sind die in einer Destination operierenden Akteure die Key - Ressource und das bedeutendste Potenzial einer jeden Tourismusregion. Ferner muss auch der Bevölkerung die Möglichkeit eingeräumt werden, an dieser Entwicklung partizipieren zu können. Diese in Abbildung 2 in Gänze aufgelisteten Merkmale der Anbieterseite sollen im Verlauf der wissenschaftlichen Arbeit mit Hilfe der SWOT - Analyse auf ihr Vorhandensein in der Region Rheinsberg überprüft werden. Somit sind diese Determinanten kongruent zu den Prüfkriterien, die für die Eignung einer Region für barrierefreien Tourismus von Relevanz sind.

[...]


[1] Eine Definition zu Tourismus befindet sich im Anhang 1

[2] Vgl.: Freyer, W.: Tourismus. Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie, 2001, S. 5ff

[3] ebenda, S. 10

[4] Vgl. Meyer, J.-A.: Regionalmarketing, 1999, S. 129

[5] eigene Darstellung in Anlehnung an Allgemeiner Deutscher Automobil Club E.V.[Hrsg.]: Barrierefreier Tourismus für Alle. Eine Planungshilfe für Tourismus-Praktiker zur erfolgreichen Entwicklung barrierefreier Angebote. 2003, S. 14

[6] Der Altenqoutient ist das Verhältnis von den Über - 60 - Jährigen zu den 20 - bis 60 - Jährigen

[7] Vgl.: Freyer, W.: Tourismus. Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie, 2001, S. 25

[8] Vgl.: Trute, F.-U./Trute, I.: Regionalentwicklung - Gesundheitsregion - Gesundheitsmanagement. In: OIKOS, Heft 3, 2007, S. 4

[9] Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie [Hrsg.]: Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus für Alle. Kurzfassung der Untersuchungsergebnisse, 2004, S. 13

[10] Vgl.: Stoy, R.: Die Bedeutung von Barrierefreiheit für Stadt- und Tourismusmarketing, 2010, S. 7

[11] Vgl.: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie [Hrsg.]: Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus für Alle. Kurzfassung der Untersuchungsergebnisse, 2004, S. 16ff

[12] Vgl.: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie [Hrsg.]: Barrierefreier Tourismus für Alle in Deutschland - Erfolgsfaktoren und Maßnahmen zur Qualitätssteigerung, 2008, S. 60

[13] siehe Quelle 13

[14] siehe Quelle 14, S. 79ff

[15] Vgl.: Allgemeiner Deutscher Automobil Club E.V.[Hrsg.]: Barrierefreier Tourismus für Alle. Eine Planungshilfe für Tourismus-Praktiker zur erfolgreichen Entwicklung barrierefreier Angebote. München 2003, S. 14

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Eignungsanalyse zum Barrierefreien Tourismus in Rheinsberg
Hochschule
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
27
Katalognummer
V198072
ISBN (eBook)
9783656244516
ISBN (Buch)
9783656245094
Dateigröße
743 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Barrierefreier Tourismus, Tourismus, Barrierefreiheit, Brandenburg, Rheinsberg
Arbeit zitieren
Victor Killian (Autor), 2012, Eignungsanalyse zum Barrierefreien Tourismus in Rheinsberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198072

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Eignungsanalyse zum Barrierefreien Tourismus in Rheinsberg


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden