Neofunktionalismus und Intergouvernementalismus- Zwei Integrationstheorien im Vergleich


Essay, 2003

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Akteure

2 Die Motive

3 Der Prozess

4 Kritik am Neofunktionalismus

5 Eine Brücke zwischen Intergouvernementalismus und Neofunktionalismus

6 Abschließende Bemerkung

7 Literaturverzeichnis

Bei der Analyse der Europäischen Integration kann man sich mitunter zweier Theorien bedienen, die einerseits höchst unterschiedliche Sichtweisen einnehmen und sich gegenseitig widersprechen, sich aber andererseits gegenseitig ergänzen und miteinander vereint ein probates Mittel darstellen, um den Europäischen Integrationsprozess zu erklären. Die Rede ist vom Neofunktionalismus auf der einen und vom Intergouvernementalismus auf der anderen Seite.

Im folgenden soll versucht werden, die wichtigsten Aspekte beider Theorien in vergleichender Weise darzustellen[1]. Aus didaktischen Gründen soll das Gewicht dabei klar auf Seiten der erstgenannten Theorie liegen.

Untersucht werden zunächst die jeweiligen Motive für die Integration, gefolgt von den Akteuren, die bei der jeweiligen Theorie im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, und abschließend der entsprechende Integrationsprozess selbst. Auf der Basis der erarbeiteten Ergebnisse sollen letztlich die Hauptkritikpunkte am Neofunktionalismus und eine mögliche Verbindung zwischen Neofunktionalismus und Intergouvernementalismus dargestellt werden.

1 Die Akteure

Für den (liberalen) Intergouvernementalismus stehen die Nationalstaaten im Zentrum der Analyse. Nationale Regierungen handeln dabei als rationale Akteure, deren Handeln in erster Linie von dem Wunsch ihrer Wiederwahl geleitet wird. Um diese zu erreichen, müssen sie die nationalen Interessen, die sich in innerstaatlichen politischen Prozessen herausgebildet haben, wahrnehmen und vertreten. Der Grad an Integrationsfreundlichkeit bzw. –feindlichkeit nationaler Interessen bestimmt das Zustandekommen internationaler Verhandlungen und somit auch den Grad der Integration.[2]

Aus neofunktionalistischer Sicht sind hingegen supra- und subnationale Akteure – und nicht Nationalstaaten – die treibende Kraft für den Integrationsprozess.

So verfolgen subnationale wirtschaftliche und gesellschaftliche Eliten ihre eigenen Interessen und versuchen, (entweder auf nationaler oder) auf supranationaler Ebene Einfluss zu gewinnen, um den Integrationsprozess voranzutreiben, sofern sie sich von der Integration einen Nutzen bzw. Gewinn versprechen. Dabei gehen sie davon aus, dass supranationale Institutionen über eine höhere Problemlösungskapazität verfügen als der einzelne Nationalstaat – dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn mehrere Staaten von den gleichen sozioökonomischen Problemen betroffen sind.[3]

Neben den Eliten können aber auch supranationale Institutionen und Organisationen den Integrationsprozess beeinflussen und vorantreiben, zumal sie mit dessen Umsetzung und Koordination betraut sind.

2 Die Motive

Bei der Darstellung der von den Nationalstaaten verfolgten Zielen geht der Intergouvernementalismus von der (neo-)realistischen Annahme eines anarchischen und kooperationsfeindlichen internationalen Systems aus. Innerhalb dieses Systems streben die Staaten nach Sicherheit und Macht(-erhalt). Sind mehrere Staaten von gemeinsamen politischen oder ökonomischen Problemen betroffen, entsteht die Notwendigkeit einer gemeinsamen Lösung. Diese wird im Rahmen internationaler Kooperationsstrukturen erreicht, wobei eine kalkulierte Abgabe von Souveränität an die supranationale Institution stattfindet.[4]

Der Neofunktionalismus wiederum führt idealistische und sozioökonomische Gründe für die Integration an: Zum einen soll der internationale Frieden durch eine Überwindung der Nationalstaaten gesichert, zum anderen der gesellschaftliche Wohlstand gefördert werden[5].

Allerdings besteht – wie bereits angedeutet – das Problem, dass sich bestimmte Probleme aufgrund sozioökonomischer Interdependenzen zwischen verschiedenen Gesellschaften nur auf supranationaler Ebene lösen lassen.

[...]


[1] Aufgrund zahlreicher Ergänzungen und Weiterentwicklungen des neofunktionalistischen Ansatzes, sowie dessen Verschränkungen mit anderen Theorien, ist eine umfassende Darstellung im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich.

[2] vgl. Rosamond (2000), S. 136 f. & 142

[3] vgl. Karolewski (2000), S. 27 f.

[4] vgl. Rosamond (2000), S. 139 f.

[5] vgl. Rosamond (2000), S. 53 & 57

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Neofunktionalismus und Intergouvernementalismus- Zwei Integrationstheorien im Vergleich
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Fakultät Internationale und europäische Politik)
Veranstaltung
Proseminar: Europäische Integration
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
9
Katalognummer
V19808
ISBN (eBook)
9783638238502
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neofunktionalismus, Intergouvernementalismus-, Zwei, Integrationstheorien, Vergleich, Proseminar, Europäische, Integration
Arbeit zitieren
Sebastian Wiesnet (Autor), 2003, Neofunktionalismus und Intergouvernementalismus- Zwei Integrationstheorien im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19808

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