Judenemanzipation in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert


Seminararbeit, 2009
9 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

I Einleitung

II Hauptteil
1) Das „Generalreglement“ von 1750
2) „Sechs Toleranzpatente“ 1782 bis 1789
3) Verfassung des Königreichs Westfalen 1808 und das Aufkommen des
deutschen Nationalismus
4) Edikt vom 11. März 1812
5) Die europäische Revolution und die Verfassung des neuen Deutschen
Reiches

III Schluss

IV Literatur- und Quellenverzeichnis

I Einleitung

Im Zeitalter des Absolutismus lebten die Juden in Deutschland unter ständischen Privilegienordnungen. Sie wurden von der christlichen Mehrheit als lästige Konkurrenten betrachtet und daher als abgesonderte Gruppe behandelt. Die Judenemanzipation im 18. und 19. Jahrhundert war ein wichtiger Schritt in der Geschichte der Juden. Es ist der Weg einer ausgegrenzten religiösen Randgruppe zu einer integrierten Gruppe mit Rechten und Pflichten.[1]

„Ursprünglich entstammt der Begriff „emancipatio” dem römischen Recht und bezeichnet die Entlassung des Sohnes aus der väterlichen Herrschaft. In der Neuzeit wurde der Ausdruck „Emanzipation” auf die Befreiung von Individuen oder sozialen Gruppen aus rechtlicher, politisch-sozialer oder geistiger Abhängigkeit bei ihrer gleichzeitigen Erlangung von Mündigkeit und Selbstbestimmung ausgeweitet.“[2]

Dieser Prozess verlief in ganz Europa und besonderes in Deutschland in einem Zickzackkurs, was die hier verwendete Literatur belegt.

Diese Hausarbeit soll zeigen wie die Judenemanzipation verlief und einen kurzen geschichtlichen Einblick in die Vorgeschichte geben.

II Hauptteil

1) Das „Generalreglement“ von 1750

1750 erließ der Preußenkönig Friedrich II ein „Generalreglement“ für Juden. In diesem Reglement wurden die Juden allerdings nur als nützlicher Faktor für den Herrscher betrachtet. Der französische Aufklärer Mirabeau bezeichnete dies als „eines Kannibalen würdig“.[3]

Das Edikt teilte die Juden in sechs Gruppen auf. An oberster Stelle standen die Juden mit dem „Generalprivileg“. Sie durften Haus und Grund erwerben und waren wirtschaftlich gesehen den Christen gleich gestellt. Auch durften alle Kinder die Eltern beerben und waren somit für die Zukunft abgesichert.

„Ordentliche Schutzjuden“ nannte man die zweite Gruppe. Sie durften sich beruflich nur an einem bestimmten Ort betätigen und der Wohnort war nicht frei wählbar. Nur an zwei Nachkommen durfte vererbt werden, und auch das nur in geringem Maße.

An dritter Position standen die „außerordentlichen Juden“. Das Privileg auf einen Wohnort und Arbeit war nur auf die einzelne Person beschränkt, nach dem Tod konnte die Familie sofort abgewiesen werden. Beamte der Gemeindekorporation fanden sich in der vierten Gruppe wieder. Handel oder Gewerbe wurde ihnen untersagt.

Söhne „ordentlicher Schutzjuden“ die nicht den Status des Vaters erbten und alle Söhne „außerordentlicher Juden“ wurden auf die vorletzte Stufe gestellt. Handwerk und Handel mussten sie unterlassen.

Die am schlechtesten gestellte Gruppe war das Dienstpersonal der privilegierten Juden. Ihnen war sogar Heirat abgesagt worden. In der Stadt durften sie nur so lange verweilen, bis das Arbeitsverhältnis beendet wurde.[4]

Diese Ausgrenzung war jedoch seit etwa 1770 nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die liberale Leistungsgesellschaft veränderte sich, die Spannungen zwischen Juden und Christen löste sich etwas auf. Religion wurde zur Privatsache erklärt. „Der Verzicht auf ihre uralten und durch ihre Religion geheiligten traditionellen Werte und Gebräuche“[5] war jedoch die Voraussetzung für diese Perspektive und wurde durch das Ritualgesetz bekräftigt.

2) „Sechs Toleranzpatente“ 1782 bis 1789

1782 bis 1789 führte der Habsburgerkaiser Joseph II sechs Toleranzpatene ein. Innerjüdische Autonomie und rabbinische Gerichtsbarkeit wurde damit abgeschafft. Jüdischen Schülern wurde damit erlaubt nichtjüdische Schulen zu besuchen um eine weltliche Bildung zu erlangen. Auch eine Militärdienstpflicht war in den sechs Patenten vorgesehen. Zur Erfassung durch die Steuerbehörden mussten Familiennamen angenommen werden, Geburten, Trauungen und Todesfälle durften nicht mehr in Hebräisch vermerkt werden.

Dies wurde „mit Schrecken und Erbittern zur Kenntnis genommen.“[6] Ausnahmeregelungen erhielten die benachteiligte jüdische Minderheit, da es dem Kaiser nicht um eine Verbesserung der Judenproblematik ging, sondern um eine Steigerung der Effizienz seines Staates.

3) Verfassung des Königreichs Westfalen 1808 und das Aufkommen des deutschen Nationalismus

Nach der Französischen Revolution (1789 - 1799) verkündete 1808 Napoleons Bruder Jerome die Verankerung der vollen Gleichstellung von Juden in der Verfassung des Königreichs Westfalen. Hiermit wurden der gesamten Bevölkerung ausnahmslos alle Rechte zuteil.

Im Zeitalter der napoleonischen Vorherrschaft wuchs der deutsche Nationalismus heran. Hierin wird das Christentum zu einem zentralen Bestandteil ernannt und in einer Kategorisierung von Menschenrassen gedacht, welche hierarchisch angeordnet war.

[...]


[1] vgl. „Kampf um Gleichberechtigung und modernen Antisemitismus. Emanzipation der Juden in Europa“; in „Antisemitismus in Europa. Vorurteile in Geschichte und Gegenwart“; Bonn 2008; Seite15

[2] http://www.jaecker.com/2002/03/judenemanzipation-und-antisemitismus-im-19-jahrhundert/; Stand 25.

[3] Grab, Walter. „Der Deutsche Weg der Judenemanzipation 1789-1938“; München 1991; Seite 11

[4] vgl. ebd. Seite 11f

[5] vgl. ebd. Seite 14

[6] vgl. ebd. Seite 15

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Judenemanzipation in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Fachliche Grundlagen des Geschichtsunterrichts in der Hauptschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
9
Katalognummer
V198086
ISBN (eBook)
9783656243151
ISBN (Buch)
9783656245650
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Judenverfolgung, Judenemanzipation, Juden, Geschichte, Deutschland, 18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert
Arbeit zitieren
B. Ed. Yvonne Schyrer (Autor), 2009, Judenemanzipation in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198086

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