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Es kommt immer anders als gefühlt

Serialität und die finale Umkehrung in GREY'S ANATOMY

Title: Es kommt immer anders als gefühlt

Seminar Paper , 2012 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: B.A. Danny Gronmaier (Author)

Film Science
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„Was war das denn nun bitte?“ Im Zuge erster Seherfahrungen mit der Krankenhaus-Dramedy-Serie GREY'S ANATOMY folgt meist ein solcher Ausspruch oder eine ähnliche Reaktion auf das Ende einer Episode. Verfolgt man die 2005 auf ABC gestartete Serie weiter, schaut ganze Staffeln, ändert sich diese Reaktion auch nicht wesentlich – mit Ausnahme der Tatsache, dass der Zusatz „…schon wieder“ angehängt wird. Immer wieder lassen die finalen Szenen einer Episode den Zuschauer vor dem TV-Gerät irgendwie verblüfft und geschockt zurück.Dieses Phänomen auf Seiten der Rezeption scheint in einer spezifischen narratologischen Struktur der Serie begründet, die beinahe jede Episode zu durchziehen scheint und eben besonders am Ende einer solchen kulminiert: die plötzliche Verkehrung des handlungstheoretischen Sinngehalts in sein genaues Gegenteil. Über die ganze Zeit einer Episode entwickelte Handlungsstränge mit einem etablierten, für den Zuschauer eigentlich klar erwartbaren Ausgang nehmen in letzter Minute eine ungeahnte Wendung. Vor dem Hintergrund einer Theorie des seriellen Erzählens im Fernsehen wird mit der Beschreibung des oben genannten Phänomens schnell eine Gattung und ihr vermeintlich wichtigstes narratives Stilmittel assoziiert: die Soap Opera mit ihren Cliffhangern.
In der folgenden Ausarbeitung soll nun gezeigt werden, inwieweit es sich bei den Enden von GREY’S ANATOMY jedoch um eine mehr spezifische Erscheinung (oder zumindest eine besondere Variation dieses Phänomens) sowohl auf erzähltheoretischer Ebene als auch im Hinblick auf eine Strategie der Zuschauerbindung handelt. Ausgehend von einer Gegenüberstellung zu einigen Überlegungen zum Ende im Film sollen zuerst die Besonderheiten von Enden beim seriellen Erzählen näher bestimmt werden. Danach soll es spezifischer um die Techniken und Theorien des Cliffhangers gehen, um mit diesem Rüstzeug dann eine Analyse der Enden bei GREY’S ANATOMY durchführen zu können. Dabei soll immer auch der Aspekt des Betrachters einer Serie mit in den Blick genommen und mit der narratologischen Analyse enggeführt werden. Zur allgemeinen Verortung der Serie inmitten der immer heterogener werdenden Landschaft des Quality TV und dessen Vorläufer ist diesen analytischen Blöcken außerdem ein einführender Teil voran gestellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. GREY’S ANATOMY als Serienhybrid

3. Serielles Erzählen: Kein Ende in Sicht?

4. Der Cliffhanger

5. GREY’S ANATOMY: Der auserzählte Wendungs-Cliffhanger

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die spezifischen narrativen Strukturen der Krankenhaus-Dramedy-Serie GREY'S ANATOMY, insbesondere wie die Serie durch plötzliche, unerwartete Wendungen am Ende von Episoden und Staffeln Zuschauerbindung erzeugt und dabei Genre-Konventionen variiert.

  • Narratologische Analyse von Serienenden und Cliffhangern
  • Klassifizierung von GREY'S ANATOMY als "Medical Dramedy" und "Quality TV"
  • Untersuchung des Phänomens des "auserzählten Wendungs-Cliffhangers"
  • Wechselwirkung zwischen serieller Erzählweise und Rezeptionsästhetik
  • Bedeutung der parasozialen Interaktion und emotionalen Zuschauerbindung

Auszug aus dem Buch

5. GREY’S ANATOMY: Der auserzählte Wendungs-Cliffhanger

In steter Regelmäßigkeit kommt es bei GREY’S ANATOMY zu unerwarteten Wendungen, welche zumeist die zwischenmenschlichen Beziehungen (zu möglichen Lebenspartnern, aber auch Familienmitglieder) der Protagonisten betreffen. Eine über eine längere Erzählzeit (zumeist eine Episode, aber auch episoden- und sogar staffelübergreifend) etablierte Handlungslinie, die in ihrer Anlage eine äußerst bestimmte Weiterführung vermuten lässt, wird stark gebrochen und sehr oft in ihr genaues Gegenteil verkehrt. Diese unerwarteten Wendungen bewegen sich zumeist in der kondensierten Dialektik des Dramatischen: Happy End oder kein Happy End. Erzählstränge, die eigentlich und beinahe überdeutlich auf einen glücklichen oder unglücklichen (bzw. zumindest auf einen bestimmten) Ausgang hin ausgerichtet sind, nehmen in kürzester Zeit und vor allem am Ende (in den letzten 5 Minuten) der jeweiligen Episode/Staffel im letzten Moment eine handlungstheoretische Kehrtwendung. Der so abrupt auf einen Endpunkt gebrachte melodramatische Verlauf mit seiner betonten emotionalen Affizierungs-Strategie stoppt plötzlich und evoziert schockähnliche Zustände beim Rezipienten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Phänomen der schockierenden Episodenenden bei GREY'S ANATOMY und Herleitung der Forschungsfrage zur spezifischen narrativen Struktur.

2. GREY’S ANATOMY als Serienhybrid: Einordnung der Serie in das "Quality TV"-Gattungssystem und Beschreibung als "Medical Dramedy" unter Berücksichtigung ihrer Entstehungsgeschichte.

3. Serielles Erzählen: Kein Ende in Sicht?: Theoretische Betrachtung der seriellen Erzählweise, der Rolle von "ongoing narratives" und verschiedener Typologien von Serienenden nach Jason Mittell.

4. Der Cliffhanger: Definition des Cliffhangers als erzählerisches Mittel der Zuschauerbindung und Abgrenzung verschiedener Formen wie Neugier- oder Überraschungs-Cliffhanger.

5. GREY’S ANATOMY: Der auserzählte Wendungs-Cliffhanger: Analyse der spezifischen Wendungs-Strategien der Serie, die Erwartungen unterlaufen und Zuschauer auf eine Meta-Ebene der Reflexion heben.

6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Bestätigung, dass die Serie durch "auserzählte Wendungs-Cliffhanger" das "involvement with a character" durch Meta-Reflexion neu definiert.

Schlüsselwörter

GREY'S ANATOMY, Serielles Erzählen, Cliffhanger, Wendungs-Cliffhanger, Medical Dramedy, Quality TV, Rezeptionsästhetik, Zuschauerbindung, Narratologie, Episodenende, Handlungsstränge, Fernsehserie, Fernsehtheorie, Narrative Komplexität, Parasoziale Interaktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der spezifischen narrativen Struktur der TV-Serie GREY'S ANATOMY, insbesondere mit der Art und Weise, wie die Serie Episoden und Staffeln durch überraschende Handlungskehrungen beendet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Theorie des seriellen Erzählens, die Definition und Funktion des Cliffhangers, die Gattungsbestimmung von GREY'S ANATOMY als "Quality TV" sowie die Analyse von rezeptionsästhetischen Strategien der Zuschauerbindung.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Die Forschungsfrage untersucht, inwieweit die Enden bei GREY'S ANATOMY eine spezifische, neue Form des Cliffhangers darstellen, die über konventionelle Spannungserzeugung hinausgeht und den Zuschauer in einen Reflexionsprozess einbindet.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es erfolgt eine narratologische Filmanalyse unter Einbeziehung medienwissenschaftlicher Theorien zu Serienstrukturen, Zuschauerbindung und Fernsehästhetik.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einordnung serieller Erzählformen, die detaillierte Analyse der Cliffhanger-Technik und die fallbezogene Untersuchung der "Wendungs-Cliffhanger" anhand von Beispiel-Episoden wie "Great Expectations" oder "Elevator Love Letter".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind "auserzählter Wendungs-Cliffhanger", "Quality TV", "Serielles Erzählen", "Zuschauerbindung" und "Narrative Komplexität".

Wie unterscheidet sich der "auserzählte Wendungs-Cliffhanger" von einem klassischen Cliffhanger?

Im Gegensatz zum klassischen Cliffhanger, der die Narration an einem Spannungs-Höhepunkt unterbricht und Fragen offen lässt, vollendet der "auserzählte Wendungs-Cliffhanger" die Handlung zwar, verkehrt sie aber abrupt in ihr Gegenteil, sodass keine inhaltlichen Fragen offenbleiben, aber der Zuschauer schockiert zurückgelassen wird.

Warum ist das Beispiel "Losing my Religion" für die Argumentation relevant?

Die Episode dient als Beispiel für eine massive Verkehrung der Handlung durch das Motiv des Todes, die einen langen Handlungsbogen ad absurdum führt und verdeutlicht, wie die Serie dramatische Erwartungen der Zuschauer gezielt bricht.

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Details

Title
Es kommt immer anders als gefühlt
Subtitle
Serialität und die finale Umkehrung in GREY'S ANATOMY
College
Free University of Berlin  (Theaterwissenschaften - Seminar Filmwissenschaft)
Course
Oberseminar: Große Erzählungen – Komplexität und Serialität in Literatur und Medien
Grade
1,0
Author
B.A. Danny Gronmaier (Author)
Publication Year
2012
Pages
25
Catalog Number
V198096
ISBN (eBook)
9783656241324
ISBN (Book)
9783656241683
Language
German
Tags
Serie Serialität Grey's Anatomy serielles Erzählen Cliffhanger Mittell Hayward Thompson Quality TV HBO Weber Junklewitz Zuschauergefühl Zuschauerbindung Erzähltheorie Narratologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Danny Gronmaier (Author), 2012, Es kommt immer anders als gefühlt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198096
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