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Der Neoliberale Institutionalismus - Eine Symbiose aus Intergouvernementalismus und Neo-funktionalismus?

Title: Der Neoliberale Institutionalismus - Eine Symbiose aus Intergouvernementalismus und Neo-funktionalismus?

Essay , 2003 , 10 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sebastian Wiesnet (Author)

Politics - Topic: European Union
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Summary Excerpt Details

Betrachtet man die einzelnen Argumentationsmuster der neoliberalen Integrationstheorie, so stellt man einige Parallelen zum Intergouvernementalismus einerseits und zum Neofunktionalismus andererseits fest. Möchte man Aufschluss über die spezifischen Vor- bzw. Nachteile des Neoinstitutionalismus erhalten, ist es unabdingbar, sowohl die Gemeinsamkeiten mit, als auch die Unterschiede zu den beiden anderen Theorien genauer zu beleuchten. Dabei sollen weniger die einzelnen Theorien detailliert vorgestellt, als vielmehr deren Überschneidungen im Neoinstitutionalismus untersucht werden, um mitunter eine Antwort auf die Frage zu finden, ob man den neoliberalen Institutionalismus als eine Symbiose aus Intergouvernementalismus und Neofunktionalismus auffassen kann.
Hierfür werden zunächst die Charakteristika (Akteure, Motive, Prozess und Milieu) des Neo-institutionalismus anhand der anderen beiden Integrationstheorien hergeleitet, um eine kritische Betrachtung zu ermöglichen.

Richten wir unseren Blick zunächst auf diejenigen Akteure, welche in den einzelnen Theorien als die wichtigsten aufgefasst werden: Der Intergouvernementalismus betont die Bedeutung von Nationalstaaten - genauer gesagt, deren Regierungen. Diese vertreten den jeweiligen nationalen politischen Willen, der sich in innerstaatlichen Willensbildungsprozessen herauskristallisiert hat. In zwischenstaatlichen Verhandlungen versuchen sie, die Sicherheit des jeweiligen Staates in einer anarchischen Staatenwelt zu gewährleisten und dessen Macht zu erhalten. Sind die einzelnen Staaten von politischen und/oder ökonomischen Problemen betroffen, die sich nicht durch unilaterales Handeln lösen lassen, so kann (in zwischen-staatlichen Verhandlungen) die Bildung von Institutionen beschlossen werden. Diese Institutionen erleichtern die zwischenstaatliche Kooperation insofern, da sie einerseits Transaktionskosten reduzieren und dadurch Kooperationsgewinne versprechen, und andererseits die staatlichen Handlungsmöglichkeiten bezüglich eines gemeinsamen Problems erhöhen.
Gleichwohl muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass der Intergouvernementalismus den Institutionen selbst keine große Bedeutung beimisst. Sie sind lediglich zu verstehen als "outcome" von Regierungskonferenzen, quasi als festes Verhandlungsergebnis, welches ausschließlich durch eine erneute Regierungskonferenz eine Veränderung erfahren könnte. Ebenso ist es aus intergouvernementaler Sicht möglich, dass die Institution selbst keine optimale Problemlösung darstellt, da sie von Staaten geschaffen wurde, die aufgrund unterschiedlicher Interessen und Zielen zu einer Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners neigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakteristika der Integrationstheorien

2.1 Intergouvernementalismus

2.2 Neofunktionalismus

2.3 Neoinstitutionalismus

3. Kritische Betrachtung

4. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit der Neoliberale Institutionalismus als eine Synthese zwischen den Integrationstheorien des Intergouvernementalismus und des Neofunktionalismus betrachtet werden kann. Dabei steht die Analyse der Akteure, Motive, Prozesse und des Milieus im Vordergrund, um die theoretischen Stärken und Schwächen dieses Ansatzes kritisch zu beleuchten.

  • Vergleich der Argumentationsmuster von Intergouvernementalismus und Neofunktionalismus.
  • Analyse des Neoinstitutionalismus hinsichtlich seiner theoretischen Voraussetzungen.
  • Untersuchung der Rolle von Institutionen als strategisch-rationale Handlungsoptionen.
  • Kritische Würdigung der Erklärungsleistung des Neoliberalen Institutionalismus in der EU-Politik.

Auszug aus dem Buch

Der Neoliberale Institutionalismus

Aus neoinstitutionalistischer Sicht spielt weniger der Gedanke der Sicherheit oder der Wunsch nach Frieden und Wohlstand eine Rolle, sondern vielmehr der egoistische Wunsch nach Nutzenmaximierung (vgl. interessengeleitete Eliten im Neofunktionalismus). Die Staaten werden hierbei als strategisch-rationale Akteure verstanden. Unter der Prämisse der optimalen Information sind Staaten in der Lage, aufgrund von Kosten-Nutzen-Kalkülen sämtliche Handlungsoptionen ihrer selbst und diejenigen anderer Staaten gegeneinander aufzuwiegen und jene Handlungsweise zu präferieren, von der sie sich den größten Nutzen und die geringsten Kosten versprechen.

In einer anarchischen und interdependenten Staatenwelt kommt es deshalb weniger aus Systemzwängen (Intergouvernementalismus) oder aus funktionalen Sachzwängen (Neofunktionalismus), sonder vielmehr aus strategisch-rationalen Eigeninteressen der einzelnen Staaten zu einer Kooperation und somit zur Institutionenbildung. Die Institutionen werden also aufgefasst als optimale Lösung für ein Problem, von dem mehrere Staaten betroffen sind. Durch eine Institutionenbildung können – im Gegensatz zum Intergouvernementalismus – suboptimale Ergebnisse verhindert und eine maximale Ausnutzung von ökonomischen Ressourcen bzw. eine bestmögliche Lösung politischer Probleme erreicht werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und legt dar, dass der Neoliberale Institutionalismus als Bindeglied zwischen Intergouvernementalismus und Neofunktionalismus untersucht werden soll.

2. Charakteristika der Integrationstheorien: Hier werden die theoretischen Grundlagen der drei genannten Theorien hinsichtlich ihrer Akteure, Motive und Zielsetzungen detailliert dargelegt.

3. Kritische Betrachtung: In diesem Teil erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Erklärungsleistung sowie den Schwachstellen des Neoinstitutionalismus im Kontext der europäischen Integration.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet, ob der Neoliberale Institutionalismus als eigenständiger, symbiotischer Ansatz überzeugen kann.

Schlüsselwörter

Neoliberaler Institutionalismus, Intergouvernementalismus, Neofunktionalismus, europäische Integration, Nutzenmaximierung, Institutionenbildung, Kooperation, Staatenwelt, strategisch-rationale Akteure, Politikprozesse, Transaktionskosten, Interdependenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integrationstheorie des Neoliberalen Institutionalismus und dessen Einordnung zwischen den etablierten Ansätzen des Intergouvernementalismus und des Neofunktionalismus.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Analyse der Akteursrollen, die Bedeutung von Institutionen sowie die Frage, wie politische Prozesse innerhalb der EU durch diese theoretischen Linsen erklärt werden können.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, herauszufinden, ob der Neoliberale Institutionalismus als „Symbiose“ der anderen beiden Theorien verstanden werden kann und wo seine spezifischen Vor- und Nachteile liegen.

Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?

Die Arbeit nutzt eine theoretische vergleichende Analyse, bei der Argumentationsmuster gegenübergestellt und auf ihre Kompatibilität sowie Erklärungskraft untersucht werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der systematischen Herleitung der Charakteristika des Neoinstitutionalismus sowie der kritischen Reflexion seiner Annahmen gegenüber der realen Politikgestaltung.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Schlagworte sind Nutzenmaximierung, strategische Kooperation, Institutionenbildung und das Spannungsfeld zwischen Nationalstaat und supranationaler Ebene.

Wie bewertet der Autor die Rolle der Staaten?

Der Autor stellt heraus, dass der Neoliberale Institutionalismus Staaten als strategisch-rationale Akteure betrachtet, die Kooperation vor allem dann suchen, wenn sie ihren eigenen Nutzen maximieren können.

Was ist laut der Arbeit das größte Problem des Neoinstitutionalismus?

Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass die Theorie die systemische Ebene betont, dabei aber innerstaatliche Faktoren und politische Prozesse teils vernachlässigt und die Entstehung von Institutionen aus einem Gefangenendilemma heraus nicht vollständig widerspruchsfrei erklären kann.

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Details

Title
Der Neoliberale Institutionalismus - Eine Symbiose aus Intergouvernementalismus und Neo-funktionalismus?
College
University of Bamberg  (Fakultät Internationale und europäische Politik)
Course
Proseminar: Europäische Integration
Grade
2,0
Author
Sebastian Wiesnet (Author)
Publication Year
2003
Pages
10
Catalog Number
V19810
ISBN (eBook)
9783638238526
ISBN (Book)
9783638836364
Language
German
Tags
Neoliberale Institutionalismus Eine Symbiose Intergouvernementalismus Neo-funktionalismus Proseminar Europäische Integration
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Wiesnet (Author), 2003, Der Neoliberale Institutionalismus - Eine Symbiose aus Intergouvernementalismus und Neo-funktionalismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19810
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