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Der Bauernbursche: „als Verbrecher selbst so schuldlos“? – Die Bauernburschenepisode im „Werther-Roman“

Titel: Der Bauernbursche: „als Verbrecher selbst so schuldlos“? – Die Bauernburschenepisode im „Werther-Roman“

Hausarbeit , 2011 , 16 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Kristin Zabel (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Erst ist es Liebe und Leidenschaft. Dann Leiden und Eifersucht. Und schließlich muss ein Mensch sterben.
Die Rede ist hier nicht etwa vom tragischen Schicksal Werthers, dessen leidenschaftliche Liebe zu Lotte unerfüllt bleibt und welcher daran so sehr verzweifelt, dass er den einzigen Ausweg in der Tötung seiner selbst sieht.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit soll im Folgenden vielmehr ein unscheinbarer Knecht stehen, dessen Schicksal jedoch nicht minder tragisch als das Werthers ist und welches auf seine eigene Art zu faszinieren vermag.
Die Episode des Bauernburschen, welche Werther selbst mit aufrichtigem Interesse verfolgt, beginnt zunächst wie eine zarte Liebesgeschichte, um dann langsam und doch schier unaufhaltsam in einen Kriminalfall umzuschlagen . Der Bauernbursche verliebt sich, erfährt jedoch statt Gegenliebe Zurückweisung und wird letztlich zum Mörder. Seine Schuld steht dabei eigentlich außer Frage. Und doch betrachtet Werther ihn als unschuldig.
Diese Bewusstseinshaltung Werthers erscheint zunächst kontraintuitiv und widerspricht dem allgemeinen Moralverständnis. Fragen ergeben sich, auf die Antworten gefunden werden wollen:
Worin liegt diese ungewöhnliche Einstellung Werthers dem Knecht gegenüber begründet? Warum also empfindet er ihn als schuldlos? Und weshalb nimmt er an dem Schicksal dieses unscheinbaren Menschen überhaupt solch starken Anteil? So stark, dass Werther letztendlich sein eigenes Schicksal an das des Bauernburschen knüpft und seine eigene Leidenschaft ein ebenso großes Ausmaß an Gewalt annimmt?
Es gilt herauszufinden, ob die intuitive Verurteilung der Tat des Bauernburschen gerechtfertigt ist, oder ob Werther doch dazu fähig ist, wenn nicht die Gesellschaft, so doch vielleicht den Leser von der Unschuld des Knechts zu überzeugen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Bauernbursche: „als Verbrecher selbst so schuldlos“? – Die Bauernburschenepisode im „Werther-Roman“

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen der Hauptfigur Werther und dem Bauernburschen in Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“, wobei sie der Frage nachgeht, warum Werther den Mörder als schuldlos betrachtet und wie sich diese Identifikation auf Werthers eigenes Selbstbild und seine Wahrnehmung der Natur auswirkt.

  • Die psychologische Identifikation Werthers mit dem Bauernburschen
  • Die Idealisierung des „natürlichen Menschen“ und dessen Grenzen
  • Der Einfluss von Triebhaftigkeit und Instinkten auf die Handlungsweise
  • Die moralische Bewertung der Gewalttat im Kontext von Gesellschaft und Natur
  • Die Funktion der Bauernburschenepisode für den Werther-Roman

Auszug aus dem Buch

Der Bauernbursche: „als Verbrecher selbst so schuldlos“? – Die Bauernburschenepisode im „Werther-Roman“

Ich habe heut eine Scene gehabt, die, rein abgeschrieben die schönste Idylle von der Welt gäbe […] Schelte mich nicht, wenn ich dir sage, daß bey der Erinnerung […] mir die innerste Seele glüht […] und daß ich, wie selbst davon entzündet, lechze und schmachte.3

An diesen Worten, mit denen Werther von der ersten Begegnung mit dem Bauernburschen berichtet, wird deutlich, wie angetan und begeistert er von diesem einfachen Menschen ist. Zunächst lamentierend, es gar nicht mit Worten ausdrücken zu können, beschreibt Werther dann aber dennoch, warum genau denn dieser unscheinbare Knecht ihn „[…] zu dieser lebhaften Theilnehmung hingerissen hat“4 : Es ist dessen leidenschaftliche Liebe für eine Witwe, in deren Diensten er steht, und diese Liebe ist geprägt von „dringende[r] Begierde“ und „heiße[m] sehnliche[n] Verlangen“5 , zugleich aber auch von „Zartheit“, „Unschuld“ und „Reinheit“6 . Eine durch und durch sinnliche Art der Zuneigung, die dabei jedoch äußerst rein ist, wie Werther immer wieder betont,7 – Mit eben diesem Doppelcharakter gelingt es dem Bauernburschen unbewusst, Werther zu faszinieren und für sich einzunehmen.

Die Bauernburschenepisode ist durchgängig in einem von Triebhaftigkeit und instinkthafter Körperlichkeit bestimmten Ton gehalten. Besonders die ausgesprochen sinnliche Färbung der Liebe hebt sich von den sonst eher züchtigen, wenn auch nicht weniger leidenschaftlichen Darstellungen von Verliebtheit des übrigen Romans ab.8

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Bauernburschenepisode ein und wirft die zentrale Forschungsfrage nach der ungewöhnlichen Parteinahme Werthers für einen Mörder auf.

2. Der Bauernbursche: „als Verbrecher selbst so schuldlos“? – Die Bauernburschenepisode im „Werther-Roman“: Dieser Abschnitt analysiert die tiefgreifende Identifikation Werthers mit dem Knecht, seine romantische Überhöhung von dessen „natürlicher“ Triebhaftigkeit sowie die daraus resultierende moralische Täuschung Werthers.

3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Episode trotz ihrer nachträglichen Einfügung essenziell für das Verständnis von Werthers Scheitern ist und seine illusionäre Suche nach einer vom gesellschaftlichen Moralgesetz losgelösten „Natur“ entlarvt.

Schlüsselwörter

Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werthers, Bauernburschenepisode, Identifikation, Naturphilosophie, moralische Verantwortung, Triebhaftigkeit, Idealisierung, Romananalyse, Schicksalsverbundenheit, Regelfreiheit, literarische Figur, Leidenschaft, Eifersucht, Mord

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung der sogenannten Bauernburschenepisode in Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ und analysiert, warum sich die Titelfigur so stark mit dem Mörder identifiziert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das Spannungsfeld zwischen Natur und Gesellschaft, die Idealisierung des „natürlichen Menschen“, psychologische Identifikationsprozesse und die moralische Bewertung von Gewalt innerhalb des Romans.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuklären, worauf Werthers Wahrnehmung des Bauernburschen als „unschuldig“ beruht und warum diese Einschätzung eine fatale Fehlinterpretation der Realität durch Werther darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zu Goethes „Werther“.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert die Charakterunterschiede zwischen Werther und dem Bauernburschen, untersucht die Rolle der Sinnlichkeit und Naturverbundenheit und dekonstruiert die „natürliche Moral“, die Werther seinem Vorbild zuschreibt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Idealisierung, Naturprinzip, moralische Täuschung, Triebhaftigkeit, Identifikation und schicksalhafte Verknüpfung charakterisieren.

Warum hält Werther den Bauernburschen trotz dessen Mord für unschuldig?

Werther idealisiert den Bauernburschen als einen Menschen, der im reinen „Naturzustand“ lebt und daher den gesellschaftlichen Moralgesetzen entzogen sei; für Werther sind die Taten des Knechts daher Ausdruck einer „naturhaften Notwendigkeit“.

Wie entlarvt der Text Werthers Illusion über den Bauernburschen?

Der Text zeigt auf, dass der Knecht faktisch Teil der Gesellschaft bleibt und durch seine egoistische Tat (Mord aus Eifersucht) seine „Unschuld“ sowie die Reinheit seines Handelns widerlegt, was Werthers Theoriegebäude letztlich zum Einsturz bringt.

Inwiefern beeinflusst diese Episode Werthers eigenes Schicksal?

Die Identifikation mit dem Bauernburschen spiegelt Werthers eigenes Leiden wider; das Scheitern des Knechts dient für Werther als Vorbote des eigenen unausweichlichen Endes.

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Details

Titel
Der Bauernbursche: „als Verbrecher selbst so schuldlos“? – Die Bauernburschenepisode im „Werther-Roman“
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Germanistik)
Veranstaltung
"Werther" und "Werther"-Rezeption
Note
1,3
Autor
Kristin Zabel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V198110
ISBN (eBook)
9783656241287
ISBN (Buch)
9783656242475
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bauernbursche verbrecher bauernburschenepisode werther-roman
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kristin Zabel (Autor:in), 2011, Der Bauernbursche: „als Verbrecher selbst so schuldlos“? – Die Bauernburschenepisode im „Werther-Roman“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198110
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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