Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg

Der Einsatz von Wehrmachthelferinnen im Zweiten Weltkrieg

Ein chronologischer Forschungsüberblick zur feministischen Historiografie anhand ausgewählter repräsentativer Publikationen

Titel: Der Einsatz von Wehrmachthelferinnen im Zweiten Weltkrieg

Forschungsarbeit , 2012 , 25 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Eric Kresse (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Ohne Zweifel können die sozialen, kulturellen und politischen Umbrüche des 20.
Jahrhunderts als wegweisende Faktoren für die Aufweichung fester Geschlechterrollen und
den Emanzipationsprozess betrachtet werden. [...]
Dass die Frauen nun noch stärker in den äußeren Raum männlicher Gewaltsphären
eindrangen, ist durch die Forschung bewiesen, doch stellt die Rezeptionsgeschichte zur
historischen Aufarbeitung dieses Einsatzes selbst einen Spiegel des gesellschaftlichen
Umgangs mit den weiblichen Erfahrungen in der Nachkriegszeit beginnend bis zur aktuellen
Genderforschung dar. Aus diesem Grunde soll die vorliegende Arbeit Parallelen zwischen der
gesellschaftlichen Betrachtung der Frauen und dem zeitgenössischen Forschungsstand
aufzeigen. So möchte ich anhand ausgewählter und repräsentativer Referenzliteratur
darlegen, wann und wie der Einsatz der Frauen durch die bundesdeutsche Historiografie
betrachtet wurde und innerhalb welchen Rahmens sie – denn auch sie ist stets ein Kind ihrer
Zeit – ihre Fragestellungen formulierte. Wann und weshalb genau zu diesem Zeitpunkt
begann die Rezeption zum Thema? Öffnete sich mit der zunehmenden gesellschaftlichen
Gleichstellung auch ein eventuell zuvor enger geschnürtes Fragenkorsett? Beeinflussten
öffentliche Diskussionen zur Frauenrolle auch die Art, wie nach weiblicher Vergangenheit
gefragt wurde? Wann wurden welche Forschungsergebnisse präsentiert? Und schließlich:
Was ist der aktuelle Forschungsstand, was sind die aktuellen Forschungsfragen und welche
Forschungslücken bestehen?
Zur Beantwortung diese Fragen gliedere ich die Arbeit in fünf Kapitel. Im folgenden zweiten
Kapitel wird der Einsatz der Wehrmachthelferinnen selbst thematisiert werden, um auf
dieser historischen Grundlage die Entwicklung der Historiografie im dritten Kapitel
nachzuzeichnen. Dabei zeige ich signifikante Relationen zur zeitgenössischen
Frauenbewegung und der gesellschaftlichen sowie politischen Rollendebatte bis zur
Jahrtausendwende auf. Im vierten Kapitel präzisiere ich den aktuellen Forschungsstand und
stelle den damit verbundenen interdisziplinären Fragenkatalog dar, bevor ich zukünftig zu
schließende Forschungslücken verorte und die Ergebnisse dieser Arbeit im fünften
zusammenfassenden Kapitel resümiere.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Einsatz von Wehrmachthelferinnen zwischen 1939 und 1945

3. Entwicklung der Historiografie

3.1. Tabuisierung bis Ende der 1960er Jahre

3.2. Eindimensionale Opfer-Darstellung bis Mitte der 1980er Jahre

3.3. Der Weg zur differenzierten Darstellung: Opfer, Täterinnen, Mittäterinnen

4. Aktuelle Forschungsfragen, -ergebnisse und -lücken

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert chronologisch die Entwicklung der feministischen Historiografie zum Einsatz von Wehrmachthelferinnen im Zweiten Weltkrieg, um zu untersuchen, wie sich die wissenschaftliche Betrachtung und gesellschaftliche Bewertung dieses Themas von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart gewandelt hat.

  • Historische Rolle und Einsatzfelder der Wehrmachthelferinnen 1939-1945
  • Rezeptionsgeschichte des weiblichen Kriegsdienstes in der westdeutschen Geschichtswissenschaft
  • Wandel des Frauenbildes von der „Opfer“-Darstellung hin zur differenzierten Analyse von Täterschaft und Mittäterschaft
  • Einfluss der gesellschaftlichen Frauenbewegung und aktueller Debatten auf die historische Forschung

Auszug aus dem Buch

3.3. Der Weg zur differenzierten Darstellung: Opfer, Täterinnen, Mittäterinnen

Die einseitige Darstellung der Frauen als Opfer der nationalsozialistischen Verhältnisse führte Mitte der 1980er Jahre schließlich in einen Historikerstreit: Angestoßen durch die Studie zur NS-Frauen- und Rassenpolitik „Zwangssterilisation im Nationalsozialismus“ von Gisela Bock, in welcher die Autorin geschlechterspezifisch „die männlichen Akteure und die weiblichen Opfer“ hervorhebt, formierte sich Kritik gegen diese verallgemeinernden Äußerungen und die Darstellung einzelner Fürsorgerinnen und Schwestern, welche sich laut Bock der Mithilfe bei der Durchführung der Zwangssterilisation verweigert oder Frauen vor dieser bewahrt hätten. Angelika Ebbinghaus wandte sich 1987 mit der Publikation „Opfer und Täterinnen“ gegen diese eindimensionale Betrachtungsweise und bemängelte das Ausblenden von eventueller Täterschaft bei der Untersuchung weiblicher NS-Vergangenheit. Bestrebt aufzuzeigen, „daß und wie Frauen in der rassistischen und sexistischen Sozialpolitik des Nationalsozialismus partizipiert und sie in ihrem Berufsalltag umgesetzt haben“, lehnt Ebbinghaus die reine Schuldzuweisung an den männlichen Soldatenraum ab und identifiziert Täterinnen mittels Biografien von KZ-Aufseherinnen, KZ-Ärztinnen und Fürsorgerinnen im Euthanasieprogramm. Unter Hinzuziehen von weiblichen Opferberichten lenkt das Werk den wissenschaftlichen Blick auf den neuen Aspekt der Verfolgung von Frauen durch Frauen und charakterisiert somit erstmals weibliche Schuld und Verantwortung, wodurch die Historikerin versucht, Frauen in den Kategorien der eigenverantwortlichen Täterin oder des Opfers zu determiniert.

Schnell folgte eine Präzisierung der Täter-Opfer-Debatte durch Christina Thürmer-Rohr. In ihrem Aufsatz „Aus der Täuschung in die Ent-täuschung“ entwickelt sie den Ansatz der Mittäterschaft von Frauen und argumentiert, Patriarchate hätten die Mittäterschaft von Frauen erzeugt, „damit sie Männer nicht verraten, bekämpfen oder in ihren Taten behindern.“ Indem sie Männer im privaten Raum entlasteten und die ihnen zugewiesenen Rollen im Männerstaat ausfüllten, wurden die Frauen somit selbst zu Mittäterinnen - schließlich stellte Claudia Koonz bereits 1984 fest: „Eine totalitäre Gesellschaft wäre ohne die weibliche Hälfte nicht in der Lage gewesen zu funktionieren. Die Geschichte in dieser Gesellschaft wird nicht abgeschlossen sein, solange die Bedeutung der Frauen in dieser Gesellschaft nicht gründlich untersucht worden ist.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den gesellschaftlichen Wandel der Geschlechterrollen im 20. Jahrhundert und führt in die Thematik des Einsatzes von Wehrmachthelferinnen sowie die Zielsetzung der Forschungsarbeit ein.

2. Der Einsatz von Wehrmachthelferinnen zwischen 1939 und 1945: Dieses Kapitel beschreibt die Rekrutierung, Sozialisation und die vielfältigen Einsatzbereiche von Wehrmachthelferinnen im Kontext des NS-Regimes.

3. Entwicklung der Historiografie: Hier wird der chronologische Wandel der wissenschaftlichen Rezeption nachgezeichnet, der von der anfänglichen Tabuisierung über die einseitige Opfer-Darstellung bis hin zur differenzierten Analyse weiblicher Täterschaft reicht.

4. Aktuelle Forschungsfragen, -ergebnisse und -lücken: Dieses Kapitel beleuchtet den modernen interdisziplinären Forschungsstand unter Einbeziehung der Oral History und identifiziert weiterbestehende Forschungslücken.

5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zur Rezeptionsgeschichte und zum Paradigmenwechsel in der feministischen Geschichtsschreibung.

6. Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis listet sämtliche für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Publikationen und Quellen auf.

Schlüsselwörter

Wehrmachthelferinnen, Zweiter Weltkrieg, feministische Historiografie, Nationalsozialismus, Opfer-Täter-Debatte, Genderforschung, Mittäterschaft, Frauengeschichte, Rezeptionsgeschichte, NS-Frauenpolitik, Militärgeschichte, Oral History, Emanzipation, Wehrmacht, Geschlechterrollen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die Geschichtswissenschaft im Laufe der Jahrzehnte den Einsatz von Wehrmachthelferinnen im Zweiten Weltkrieg interpretiert und bewertet hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen sind der tatsächliche militärische Einsatz von Frauen, die Entwicklung der Frauenforschung zum Nationalsozialismus und der Wandel der gesellschaftlichen Sichtweise auf weibliche Verantwortung im NS-Regime.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Parallelen zwischen der historischen Aufarbeitung des Themas und zeitgenössischen gesellschaftlichen Debatten über Frauenrollen von 1945 bis heute aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine chronologische Analyse ausgewählter repräsentativer wissenschaftlicher Publikationen sowie einen interdisziplinären Ansatz, der Erkenntnisse aus der Sozial-, Mentalitäts- und Militärgeschichte verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des historischen Einsatzes von Wehrmachthelferinnen sowie eine detaillierte Nachzeichnung der historiografischen Entwicklung von der Tabuisierung bis hin zu aktuellen Forschungsperspektiven.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Besonders prägend sind Begriffe wie Wehrmachthelferinnen, feministische Historiografie, Opfer-Täter-Debatte, Genderforschung und NS-Frauenpolitik.

Inwiefern hat die Frauenbewegung die Forschung beeinflusst?

Laut der Arbeit war die feministische Forschung maßgeblich durch den Wunsch geleitet, weibliche Handlungsspielräume in der Geschichte zu analysieren, um dadurch aktuelle politische Forderungen nach Gleichberechtigung wissenschaftlich zu untermauern.

Welche Bedeutung hat der „Historikerstreit“ Mitte der 1980er Jahre?

Dieser Streit markiert einen Wendepunkt, da erstmals die bis dahin vorherrschende einseitige Darstellung von Frauen als reine Opfer des NS-Regimes scharf kritisiert und durch Ansätze zur Erforschung weiblicher Täter- und Mittäterschaft ersetzt wurde.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Einsatz von Wehrmachthelferinnen im Zweiten Weltkrieg
Untertitel
Ein chronologischer Forschungsüberblick zur feministischen Historiografie anhand ausgewählter repräsentativer Publikationen
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Historisches Denken und Geschichtsschreibung
Note
1,3
Autor
Eric Kresse (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
25
Katalognummer
V198165
ISBN (eBook)
9783656241768
ISBN (Buch)
9783656242420
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte Wehrmacht Wehrmachthelferinnen Feminismus Militär Historiografie Emanzipation
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Eric Kresse (Autor:in), 2012, Der Einsatz von Wehrmachthelferinnen im Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198165
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  25  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum