Überwiegend konservativ, teilweise katholisch, stark auf Personen fixiert wählten die Rosenberger bis zum Ende des Ersten Weltkrieges; in der Weimarer Republik (1919 – 1933) spielten die parteipolitischen Inhalte eine stärkere Rolle. Das lernen wir, wenn wir uns die Wahlergebnisse für den Kreis Rosenberg für den Zeitraum von 1848 bis 1933 anschauen, sowohl bei den Wahlen zum Preußischen Landtag als auch zum Reichstag. Seit 1933 bis zum Jahr 1990 fanden im Kreis Rosenberg keine freien Wahlen statt. Mittlerweile (2002) kann man beobachten, dass das Wahlverhalten dem Verhalten in der Kaiserzeit und in der Weimarer Republik nicht unähnlich ist: Wieder wird eher konservativ gewählt, stark auf Personen fixiert, und Wahlbündnisse zwischen Parteien und Gruppierungen, die eigentlich in Konkurrenz zueinander stehen, sind auch nichts Ungewöhnliches.
Inhaltsverzeichnis
1. Wahlen in Rosenberg (OS) 1848 bis 1933
1.1 Einleitung
1.2 Erste Schritte des Parlamentarismus im Kreis Rosenberg
1.3 Politische Strömungen im Wahlkreis Kreuzburg-Rosenberg
1.4 Wahlergebnisse zum Preußischen Landtag 1867–1913
1.5 Entwicklungen im Reichstag und Wahlen in der Weimarer Republik
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Entwicklung und das Wahlverhalten im Kreis Rosenberg (Oberschlesien) im Zeitraum von 1848 bis 1933, wobei der Fokus auf den Wahlen zum Preußischen Landtag und zum Reichstag liegt.
- Analyse der Wahlmechanismen und des Dreiklassenwahlrechts im 19. Jahrhundert.
- Biografische Betrachtung der Abgeordneten aus dem Kreis Rosenberg.
- Darstellung der politischen Rivalitäten zwischen Konservativen, Liberalen und dem Zentrum.
- Dokumentation der Wahlergebnisse und Wahlbündnisse über verschiedene Epochen hinweg.
- Vergleich des Wahlverhaltens zwischen Kaiserzeit und Weimarer Republik.
Auszug aus dem Buch
Erste Schritte des Parlamentarismus im Kreis Rosenberg
Die erste „moderne“ Wahl im Kreis Rosenberg fand im Jahr 1848 statt. Am 1. Mai 1848 wurden Urwahlen zum Preußischen Landtag (Preußische Nationalversammlung) durchgeführt. Der Preußische Landtag bestand aus zwei Kammern: Die erste Kammer nannte sich Preußisches Herrenhaus; seine Mitglieder berief der König. Die zweite Kammer, das Preußische Abgeordnetenhaus, wurde indirekt von der wahlberechtigten Bevölkerung gewählt.
Alle männlichen Bewohner von Preußen, die das 24. Lebensjahr vollendet hatten, waren verpflichtet, Vorschläge für die sogenannten Wahlmänner per Post abzugeben; sie hatten auf einem Zettel jeweils den Namen ihres Kandidaten an das Wahlkomitee nach Kreuzburg zu schicken. Fürsorgeempfänger und Soldaten im Dienst waren davon ausgenommen. Die ausgewählten Wahlmänner sollten dann die zukünftigen Abgeordneten wählen.
Diese zweite Stufe der Wahl fand am 8. Mai 1848 statt. Im Wahlkreis 103 - Oppeln Nr. 1, den Rosenberg und Kreuzburg gemeinsam bildeten, hatte man zwei Abgeordnete für den Preußischen Landtag zu bestimmen. Aus dem Kreis Rosenberg wurde Martin Gorzołka gewählt.
Der erste Abgeordnete für den Kreis Rosenberg wurde am 9. November 1808 in Groß-Borek geboren. Dort hatte er als Bauer eine ca. 15 ha große Landwirtschaft. Gorzołka konnte kaum deutsch, deshalb hat er im Landtag nie eine Rede gehalten. Aus seiner Korrespondenz erfahren wir, dass er für die Abschaffung der Jagdprivilegien der Adligen gestimmt hat. Außer der Forderung, die den Bauern das Jagen ermöglichen sollte, hat sich Gorzołka für die Verfassung als ein Werk des Parlamentes eingesetzt. Er stand damit im Gegensatz zu anderen Abgeordneten, welche die zukünftige Verfassung als einen einmaligen Akt des Königs ansahen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wahlen in Rosenberg (OS) 1848 bis 1933: Einleitender Überblick über die politische Grundhaltung der Rosenberger Bevölkerung und die Bedeutung parteipolitischer Inhalte im Zeitverlauf.
1.1 Einleitung: Kurze Hinführung zum Untersuchungsgegenstand und zur historischen Ausgangslage im 19. Jahrhundert.
1.2 Erste Schritte des Parlamentarismus im Kreis Rosenberg: Beschreibung der Anfänge des Wahlwesens, der Rolle der Wahlmänner und der Tätigkeit von Abgeordneten wie Martin Gorzołka.
1.3 Politische Strömungen im Wahlkreis Kreuzburg-Rosenberg: Darstellung der rivalisierenden politischen Richtungen wie Konservative, Zentrum und Liberale sowie deren parteipolitische Organisation.
1.4 Wahlergebnisse zum Preußischen Landtag 1867–1913: Detaillierte Auflistung der Wahlergebnisse, Ersatzwahlen und der politischen Bündnispolitik zwischen den Parteien.
1.5 Entwicklungen im Reichstag und Wahlen in der Weimarer Republik: Analyse der Transformation des Wahlverhaltens nach dem Ersten Weltkrieg unter den neuen Bedingungen der Weimarer Republik.
Schlüsselwörter
Wahlrecht, Kreis Rosenberg, Preußischer Landtag, Reichstag, Zentrumspartei, Konservative, Dreiklassenwahlrecht, Wahlmänner, Weimarer Republik, Oberschlesien, Politische Parteien, Wahlbeteiligung, Parlamentarismus, Wahlergebnisse, Mandat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung des Wahlverhaltens und der politischen Repräsentation im Kreis Rosenberg (Oberschlesien) zwischen 1848 und 1933.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen gehören die Entwicklung des preußischen Wahlrechts, die Analyse der politischen Rivalitäten zwischen verschiedenen Parteien und die Dokumentation spezifischer Wahlergebnisse in dieser Region.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Kontinuitäten und Brüche im Wahlverhalten der Rosenberger Bevölkerung sowie die Rolle der gewählten Abgeordneten über fast ein Jahrhundert hinweg aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Der Autor stützt sich primär auf die Auswertung von Archivdaten (Wahlergebnisse, Korrespondenzen der Abgeordneten) sowie historische Quellenanalysen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der frühen Wahlen ab 1848, die politischen Kämpfe während der Kaiserzeit und die gravierenden Veränderungen durch das neue Wahlrecht in der Weimarer Republik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation am besten?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Dreiklassenwahlrecht, Zentrumspartei, Wahlmänner, Kreis Rosenberg, Landtag und Reichstag.
Warum war die Person Martin Gorzołka für den Kreis Rosenberg so bedeutend?
Er war einer der ersten Abgeordneten aus dem Kreis, der trotz sprachlicher Barrieren versuchte, die Interessen der oberschlesischen Bauern gegenüber den Adligen und dem Landtag zu vertreten.
Wie veränderte sich das Wahlverhalten mit Gründung der Weimarer Republik?
Mit der Einführung des direkten und geheimen Wahlrechts traten parteipolitische Programme in den Vordergrund, während die zuvor dominante Fixierung auf einzelne, persönlich bekannte Kandidaten an Bedeutung verlor.
- Arbeit zitieren
- Andreas Pawlik (Autor:in), 2012, Wahlen in Rosenberg (OS) 1848 bis 1933, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198290