Diese 9. Ausgabe bricht damit, in meinen eigenen Aussagen noch von (realer) Dialektik zu
sprechen, wie Marx und Engels das tun, obwohl sie damit nur noch einen Prozeß und nicht
mehr die Hegelsche Form meinen (These > Antithese > Synthese). Dieser Versuch, beides zu
verbinden – erkannte ich nun –, war unbewußter Restbestand meiner früheren, noch
rudimentär sowjetideologischen Interpretation. Auch der Begriff: Soziale Evolution sollte
heute nicht mehr benutzt werden.1 (siehe Abschnitt „Zur 9. Ausgabe“)
Ein Thema - ein Buch, also ein Buch mit allem, was zum Verständnis von Marx und
Engels nötig ist, sollte es werden, eines das ich Anfang der 70er Jahre gebraucht hätte.
Entsprechend soll es als wissenschaftliches Buch für junge Leute verstehbar sein. So
umfangreich ist es geworden, damit es lesbar ist, ohne Lexikon und Geschichtsbuch oder
andere Fachbücher parat zu haben. Dabei werden die „Klassiker“ der sozialistischen
Literatur, die so lange als die steifen Götterfiguren der untergegangenen Sowjetideologie
dienen mußten, aus einem besonderen Blickwinkel vorgestellt: aus dem ihrer
gesellschaftlichen Theorie und nicht so sehr als Ökonomen und Politiker. Auch über
Marxens „Ökonomie“, über „Das Kapital“, wird aber das Nötige mitgeteilt. Schon ab 1845
formulierten sie bis in unsere Tage gültige Grundlagen der modernen Soziologie, und das als
Wissenschaft und nicht mehr als Philosophie.2 Sie haben bereits 1845 zum ersten mal das
Entstehen der Menschen und die Formen ihres Zusammenlebens als einen Prozeß der
sozialen Evolution in einer Weise dargestellt, die heute noch weitgehend akzeptiert ist,
obwohl er heute an Erklärungskraft verloren hat und aufgegeben werden sollte. Und diese
Theorie stellten sie bereits in einem wissenschaftlichen Modell dar. Gegen die damalige
Vorstellung des 19. Jahrhunderts, die Welt sei von einem Gott geschaffen, erklärten sie das
Werden der menschlichen Gesellschaft als einen sozialen Prozeß. Und das einige Jahre,
bevor Darwin 1859 das biologische Werden der Menschen aus den Primaten
wissenschaftlich eigentlich schon mitbewiesen hatte, als er die Funktionsweise der
biologischen Evolution aufzeigte. So wie Darwin ein wichtiger Begründer der modernen
Biologie war, so gehören sie zu den Begründern der Wissenschaft von den Menschen, der
Soziologie, und damit des heutigen europäisch-westlichen Weltbildes. [...]
Inhaltsverzeichnis
Teil A
Zur 9. Ausgabe
Einleitung
Quellen, Einordnung
Marxismus als Lehre?
Frühes Umfeld
Öffentliche Wirkung
Zum Leben
Vorbildung
Stichworte
Zur Geschichte 19. JH
> Hinweis Geschichtstheorie
Der deutsche Vormärz
Zur Industrialisierung
> Engels zur Weltwirtschaft
Die ungewollte Revolution
Zur Gesellschaft
Zur Ökonomie
Mensch im Werden
Ursprung der Familie
> Soziale Evolution?
Primitive Urvölker?
Urahnin Lucy
> Zum Spracherwerb
Schimpansen?
Rationales Handeln und Denken?
Matriarchat?
Klassenkampf im Paradies?
Gilgamesch
Historisch-genetische Theorie
Wissenschaft statt Philosophie
Zum Basis-Überbau-Modell
> ...und in modern!
Wissenschaftlicher Sozialismus?
Eine dialektische Methode?
Absteigen - Aufsteigen
Empirie, Positivismus
Historisch - Logisch
Strukturtheorie?
Dialektik bei Hegel
Reale Dialektik?
Naturgesetze?
Widerspiegelung?
Traditionelle Logik?
Engels als Vulgärmarxist?
Teil B
Besondere Fragen
Wie das „Kapital“ entstand
Zur kritischen Diskussion
Fetischcharakter der Ware
...und Verdinglichung
Schöner Schein
Frau und Sozialismus
Natur/ Umwelt
Arbeit/ Entfremdung
Wissenschaft/ Praxis
> Erfahrung
Zukunftsstaat?
Die Diktatur des Proletariats
Zum Absterben des Staates
Pariser Kommune als Zukunft?
Eine unterkomplexe Zukunft?
Soziologisches Modell?
Modell - System - Typus
Modernisierungstheorie?
> Statische Gesellschaft?
Konstruktion der Wirklichkeit...
> Mark und Gemeineigentum
...und Institutionalisierung
Gemeinschaft - Gesellschaft
Zur Soziologie
Handlungs- und Systemtheorie
Blutsauger und Menschen
Stand - Klasse - und dann?
> Zweite Moderne?
Marx als Soziologe
Neue Theorien
> Die Frankfurter Schule
Produktion oder Kommunikation?
> Hinweis zu Niklas Luhmann
Jürgen Habermas
Max Weber
Ferdinand Tönnies
Werner Sombart
Engels‘ Spätzeit
Engels und die SPD
Erfurter Programm/ Revisionismus
Teil C
Schriften bis 1850
Die frühen Schriften
Marx - Abitur und Studium
Marx - erste Artikel
Friedrich Oswald/ Engels
Engels in England
Die Lage der arbeitenden Klasse...
Die Frühschriften
Engels zur Ökonomie
Zur Judenfrage
Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie
Ökonomisch-Philosophische Manuskripte
Die Deutsche Ideologie - Feuerbach
Elend der Philosophie
Die Revolution
Das Kommunistische Manifest
„Neue Rheinische Zeitung“
- „Vereinbarungspolitik“
- Junirevolution in Paris
- Zum Verlauf der Revolution
- Außenpolitik der „NRhZ“
- Polenfrage/ „agrarische Demokratie“
- Die deutsche Revolution
- „Sozialdarwinismus“ und Panslawismus
- Marx' Wahlaufruf
Die ersten Emigrantenjahre
Revue, Januar - Oktober 1850
Materialistische Geschichtsschreibung
Der deutsche Bauernkrieg
Die Revolution in Frankreich
Die großen Männer des Exils
Der Kommunistenprozeß
Geschichte des Bundes
Nachtrag: Herr Vogt (1860)
Bis zur Pariser Kommune
Aus dem Journalistenbüro
Der Krimkrieg
Indien und die Eisenbahn
In China - hinter der Mauer
Der amerikanische Bürgerkrieg
Engels' Militaria
Po und Rhein
Militärfrage und Klassenkampf
Die Bismarckschen Kriege
Kann Europa abrüsten?
Die Internationale
Zur Organisation
Ideologische Kämpfe
Krieg und Pariser Kommune
Zum Ende der Internationale
Bis zu Marx' Tod
„Das Kapital“
Buch 1
1. Abschnitt
2. Abschnitt
3. Abschnitt
4. Abschnitt
5., 6. Abschnitt
7. Abschnitt
Zu den Folgebüchern
> Buch II und der Imperialismus
Buch III - Mehrwert oder Profit
Engels' Spätwerke
Dialektik der Natur?
Anti-Dühring
Philosophie
Politische Ökonomie
Sozialismus
Schlußbetrachtung
ANHANG
Ungefähre Zeitverläufe > Europa
Die wichtigsten Arbeiten
Publikationsorgane/ Schriften bis '48
Lebensläufe
Exkurse
Exkurs: Darwin
Exkurs: Hegel
Exkurs: Stalin
Exkurs: Aralsee
Exkurs: Mega-City
Die Konstruktion des „Kapitals“ Band I
Benutzte Literatur
Zielsetzung & Themen
Das Buch verfolgt das Ziel, einen umfassenden, lesbaren Einblick in die Gesellschaftstheorie und Geschichte von Karl Marx und Friedrich Engels zu bieten, der insbesondere für ein jüngeres Publikum verständlich aufbereitet ist, ohne dabei auf wissenschaftliche Fundierung zu verzichten. Die zentrale Forschungsfrage bzw. das Anliegen ist es, die Thesen von Marx und Engels in ihrem historischen Kontext zu verorten, von späteren sowjetideologischen Fehlinterpretationen zu befreien und ihre Bedeutung für die moderne Soziologie sowie für das Verständnis der menschlichen Evolution und des Kapitalismus kritisch zu beleuchten.
- Historische Einordnung von Marx und Engels im 19. Jahrhundert
- Analyse der Theorie der menschlichen Evolution und des „Basis-Überbau-Modells“
- Kritische Aufarbeitung der „dialektischen Methode“ und ihrer Anwendbarkeit
- Untersuchung der Entstehungsgeschichte und Struktur von „Das Kapital“
- Diskussion über das Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Arbeit (Entfremdung/Verdinglichung)
Auszug aus dem Buch
Zum Inhalt
Diese 9. Ausgabe bricht damit, in meinen eigenen Aussagen noch von (realer) Dialektik zu sprechen, wie Marx und Engels das tun, obwohl sie damit nur noch einen Prozeß und nicht mehr die Hegelsche Form meinen (These > Antithese > Synthese). Dieser Versuch, beides zu verbinden - erkannte ich nun -, war unbewußter Restbestand meiner früheren, noch rudimentär sowjetideologischen Interpretation. Auch der Begriff: Soziale Evolution sollte heute nicht mehr benutzt werden.' (siehe Abschnitt „Zur 9. Ausgabe“)
Ein Thema - ein Buch, also ein Buch mit allem, was zum Verständnis von Marx und Engels nötig ist, sollte es werden, eines das ich Anfang der 70er Jahre gebraucht hätte. Entsprechend soll es als wissenschaftliches Buch für junge Leute verstehbar sein. So umfangreich ist es geworden, damit es lesbar ist, ohne Lexikon und Geschichtsbuch oder andere Fachbücher parat zu haben. Dabei werden die „Klassiker“ der sozialistischen Literatur, die so lange als die steifen Götterfiguren der untergegangenen Sowjetideologie dienen mußten, aus einem besonderen Blickwinkel vorgestellt: aus dem ihrer gesellschaftlichen Theorie und nicht so sehr als Ökonomen und Politiker. Auch über Marxens „Ökonomie“, über „Das Kapital“, wird aber das Nötige mitgeteilt. Schon ab 1845 formulierten sie bis in unsere Tage gültige Grundlagen der modernen Soziologie, und das als Wissenschaft und nicht mehr als Philosophie. Sie haben bereits 1845 zum ersten mal das Entstehen der Menschen und die Formen ihres Zusammenlebens als einen Prozeß der sozialen Evolution in einer Weise dargestellt, die heute noch weitgehend akzeptiert ist, obwohl er heute an Erklärungskraft verloren hat und aufgegeben werden sollte. Und diese Theorie stellten sie in einem wissenschaftlichen Modell dar. Gegen die damalige Vorstellung des 19. Jahrhunderts, die Welt sei von einem Gott geschaffen, erklärten sie das Werden der menschlichen Gesellschaft als einen sozialen Prozeß. Und das einige Jahre, bevor Darwin 1859 das biologische Werden der Menschen aus den Primaten wissenschaftlich eigentlich schon mitbewiesen hatte, als er die Funktionsweise der biologischen Evolution aufzeigte.
Zusammenfassung der Kapitel
Zur 9. Ausgabe: Diese Einleitung reflektiert die redaktionellen Überarbeitungen und präzisiert das Verständnis von Dialektik als Prozess, wobei sich der Autor von früheren sowjetideologischen Interpretationen distanziert.
Einleitung: Dieses Kapitel stellt das grundlegende Ziel des Buches vor, Marx und Engels als Wissenschaftler der sozialen Evolution und Begründer moderner soziologischer Grundlagen zu betrachten, anstatt als bloße ökonomische oder politische Dogmatiker.
Geschichte 19. JH: Hier wird der historische Hintergrund, insbesondere die industrielle Entwicklung und das politische Umfeld des 19. Jahrhunderts, skizziert, um die Entstehung der Thesen von Marx und Engels zu kontextualisieren.
Mensch im Werden: Dieses Kapitel widmet sich der anthropologischen Perspektive, untersucht die Ursprünge der Familie und die Evolution des Menschen als sozialen Prozess.
Soziologisches Modell: Der Autor erläutert das Basis-Überbau-Modell als wissenschaftliches Strukturmodell der kapitalistischen Gesellschaft und diskutiert dessen Anwendbarkeit in der modernen Soziologie.
Schlüsselwörter
Marx, Engels, Kapital, Dialektik, Soziale Evolution, Basis-Überbau-Modell, Historischer Materialismus, Klassenkampf, Entfremdung, Verdinglichung, Soziologie, Politische Ökonomie, Industrielle Revolution, Kommunistisches Manifest, Gesellschaftstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?
Das Buch bietet eine fundierte, aber für junge Leser verständliche Einführung in die gesellschaftstheoretischen und historischen Analysen von Karl Marx und Friedrich Engels. Es distanziert sich von stalinistischen oder sowjetideologischen Interpretationen und stellt Marx und Engels als Wissenschaftler ihrer Zeit dar, deren Analysen der gesellschaftlichen Entwicklung bis heute relevant sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die soziologische Interpretation der menschlichen Evolution, die Bedeutung des Basis-Überbau-Modells, eine kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen Theorie (insbesondere „Das Kapital“) und die historische Einordnung der Schriften von Marx und Engels im Kontext des 19. Jahrhunderts.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das primäre Ziel ist es, Marx und Engels von ideologischer Verkrustung zu befreien und ihre Arbeiten als Werkzeuge für ein modernes soziologisches Verständnis von Gesellschaft, Struktur und Wandel zu präsentieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen wissenschaftshistorischen Ansatz und eine materialistische Perspektive, die sich auf eine prozessuale Analyse stützt. Dabei wird versucht, die gesellschaftliche Entwicklung nicht teleologisch, sondern als einen von Menschen gestalteten, wenn auch komplexen und oft unbeabsichtigten Prozess zu verstehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Sektionen, die von den frühen Schriften und der historischen Revolution über die ökonomischen Analysen bis hin zu speziellen soziologischen Modellen und dem „Spätwerk“ von Engels reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Marx, Engels, Kapital, Dialektik, Basis-Überbau-Modell, Soziale Evolution, Klassenkampf, Entfremdung und Soziologie.
Wie bewertet der Autor die marxsche Dialektik heute?
Der Autor interpretiert die marxsche Dialektik nicht mehr im Sinne des klassischen Drei-Stufen-Schemas (These-Antithese-Synthese), sondern als Verständnis von gesellschaftlichen Prozessen und Wechselwirkungen, die von den Akteuren selbst durch ihre Arbeit und ihr Handeln in der Umwelt gestaltet werden.
Was bedeutet der Begriff „Verdinglichung“ in diesem Kontext?
„Verdinglichung“ beschreibt den Prozess, in dem soziale Beziehungen zwischen Menschen als Sachverhältnisse zwischen Dingen (Waren) erscheinen. In der kapitalistischen Produktion verliert der Mensch die Kontrolle über die von ihm geschaffenen Strukturen und tritt diesen als fremden, beherrschenden Mächten gegenüber.
- Arbeit zitieren
- Dr. Lars Hennings (Autor:in), 2012, Marx, Engels und die Teilung der Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198291