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Bertholt Brechts: "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" - Eine Parodie klassischer Sprachformen und Motive

Titel: Bertholt Brechts: "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" - Eine Parodie klassischer Sprachformen und Motive

Hausarbeit , 2007 , 27 Seiten , Note: 3,0

Autor:in: Anja Schäfer (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Bertolt Brechts Drama „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“, 1929 in Berlin entstanden, ist in sprachlicher Hinsicht eines der größten Meisterwerke des Autors. Durch die Übernahme und Mischung von Elementen klassischer Dramen sowie Brechts eigener sprachschöpferischen Kraft ragt dieses Lehrstück weit aus seinen früheren experimentellen Dramen hervor. Dazu kommt der für Brecht ungewöhnliche intertextuelle Beziehungsreichtum: Passagen von Goethe, Schiller und Hölderlin sind in den Text eingearbeitet, ebenso die Sprache der Bibel und einige Liedtexte. Neben rein literarischen Quellen und klassischen Stoffvorlagen verarbeitet Brecht auch aktuelle Wirtschaftsdaten seiner Zeit, die einen gesellschaftlich-historischen Bezug des Stücks herstellen und ihm Modernität verleihen.
Doch kann man im Falle einer Mischung diverser deutscher Klassiker und der verfremdeten Übernahme von Verssprache, Zitaten, Songtexten und Bibelzitaten überhaupt von einer Parodie sprechen? Der Autor spielt nicht nur auf Inhalte der großen, klassischen, deutschen Werke an. Durch die Übernahme von Elementen und Gestaltungsprinzipien des idealistischen, klassischen Theaters sucht Brecht die verklärende bürgerliche Ideologie der deutschen Klassik zu entlarven. Allein das epische Theater scheint ihm für diesen Zweck geeignet, da hier mittels Verfremdung Kritik geübt wird. „[Brechts] Heilige Johanna der Schlachthöfe ist in Zitat, Montage und Verfremdung offenkundig eine Parodie, aber auch eine Travestie von Schillers klassischem Drama“ . Brecht warnt jedoch davor, sein Stück als bloße Schiller-Parodie zu verstehen, da sich sein Werk auf die gesamte Weimarer Klassik bezieht und nicht nur auf diesen einzelnen Autor.
Im Folgenden soll vorerst die Frage des Parodiebegriffs geklärt werden. Anschließend werden Brechts parodistische Techniken in einem Vergleich zwischen epischem und klassischem Theater besprochen, um daraufhin in einer ausführlichen Textanalyse die intertextuellen Bezüge zwischen Brechts "Heiliger Johanna" und den dafür verwendeten klassischen Vorlagen herauszuarbeiten. Die parodistischen Anspielungen auf Goethe und Schiller werden daraufhin separat behandelt. Auf die Imitation der Vorlagen wird dabei ebenso viel Wert gelegt wie auf die vom Autor vorgenommenen Veränderungen. Zum Schluss soll noch die Intention des Autors und seiner Parodie geklärt werden.

Leseprobe


Gliederung

1. Einleitung

2. Der Parodiebegriff

3. Episches Theater vs. Klassisches Theater

4. Parodie klassischer Sprachformen und Motive

4.1 Parodie der Klassiker Goethe und Schiller

4.2 Die Johanna-Gestalt bei Schiller und Brecht

5. Intentionen des parodistischen Verfahrens

6. Fazit

7. Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht Bertolt Brechts Drama „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ im Hinblick auf seine Funktion als Parodie klassischer Sprachformen und Motive. Dabei wird analysiert, wie Brecht durch die Verfremdung idealistischer Traditionen die Widersprüche einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung freilegt und die gesellschaftliche Funktion des Theaters im 20. Jahrhundert neu definiert.

  • Analyse des Parodiebegriffs in Brechts Kontext
  • Gegenüberstellung von epischem und klassischem Theater
  • Untersuchung der intertextuellen Bezüge zu Goethe, Schiller und der Bibel
  • Darstellung der Johanna-Figur als „Versuchsfigur“ zwischen Idealismus und sozialer Realität
  • Aufzeigen der Intention der Ideologiekritik mittels Verfremdungseffekten

Auszug aus dem Buch

4. Parodie klassischer Sprachformen und Motive

Aus den Recherchen und Erfahrungen Brechts und vor allem unter dem Einfluss des Werks Schillers "Die Jungfrau von Orleans" entsteht schließlich "Die heilige Johanna der Schlachthöfe". Das Stück beginnt mit einem Gespräch der skrupellosen Fleischkönige Mauler und Cridle, die im pathetischen Stil den hohen Tonfall des klassischen Dramas Goethes und Schillers nachahmen:

Mauler:

Erinnere, Cridle, dich, wie wir vor Tagen –

Wir gingen durch den Schlachthof, Abends war’s –

An unsrer neuen Packmaschine standen.

[...] (Bild 1, S.271)

Maulers erste Worte „sind bewußt als Parodie einer klassischen Exposition, nämlich eines Gesprächs des Helden mit seinem 'Vertrauten', angelegt.“16 Was auf den ersten Blick aussieht wie eine „blasphemische Verhöhnung der klassischen deutschen Dichtung, hat aber bei Brecht zweifellos eine völlig andere Funktion, die der Verfremdung.“17 Brecht lässt die beiden Personen in dieser Szene im jambischen Pentameter über ihre schmutzigen Schlachthofgeschäfte sprechen und betont damit die Diskrepanz zwischen idealistischer Form und realem Inhalt. Ihr Stil und Tonfall wird somit in Beziehung zu ihren wahren Interessen gebracht, die dadurch verhüllt werden sollen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zur Fragestellung, ob Brechts Stück als Parodie auf die Klassik zu verstehen ist und welche methodischen Zugänge (Textanalyse, Vergleich) gewählt werden.

2. Der Parodiebegriff: Klärung der Definition von Parodie als „Gegengesang“ und Einordnung von Brechts Absicht, damit Kritik an der weltfremden Ideologie der Klassik zu üben.

3. Episches Theater vs. Klassisches Theater: Gegenüberstellung der veralteten aristotelischen Dramatik mit den Anforderungen des 20. Jahrhunderts und Darstellung des epischen Theaters als notwendiges Korrektiv.

4. Parodie klassischer Sprachformen und Motive: Untersuchung der spezifischen parodistischen Techniken, insbesondere der Übernahme klassischer Versmaße und Motive zur Entlarvung ökonomischer Machtverhältnisse.

4.1 Parodie der Klassiker Goethe und Schiller: Analyse der Schlussszenen und spezifischer Anspielungen auf „Faust“ und „Die Jungfrau von Orleans“ als Höhepunkt der parodistischen Verfahren.

4.2 Die Johanna-Gestalt bei Schiller und Brecht: Vergleich der beiden Protagonistinnen hinsichtlich ihrer Naivität, ihrer Entwicklung und der unterschiedlichen Konsequenzen aus ihrem Handeln.

5. Intentionen des parodistischen Verfahrens: Zusammenfassende Betrachtung des Ziels, die Diskrepanz zwischen der Fassade des Kapitalismus und dessen versteckten Gesetzen aufzudecken.

6. Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse, wonach das Stück als Instrument zur Ideologiekritik fungiert, das den Zuschauer dazu animiert, gesellschaftliche Verhältnisse selbst zu verändern.

7. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Die heilige Johanna der Schlachthöfe, Parodie, Episches Theater, Weimarer Klassik, Ideologiekritik, Verfremdung, Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Kapitalismus, Johanna Dark, intertextuelle Bezüge, soziale Realität, Klassik-Rezeption, Dramentheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Funktion der Parodie in Bertolt Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ und analysiert, wie Brecht klassische literarische Vorbilder nutzt, um die sozialen und wirtschaftlichen Missstände seiner Zeit zu kritisieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind der Kontrast zwischen idealistischer Sprache und kapitalistischer Realität, die Theorie des epischen Theaters sowie der kritische Bezug auf Goethe und Schiller.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Brecht durch das parodistische Verfahren eine Entlarvung der bürgerlichen Ideologie erreicht und den Zuschauer zu einer kritischen Distanz gegenüber dem Bühnengeschehen bewegt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse in Verbindung mit einem komparatistischen Ansatz verwendet, um die intertextuellen Bezüge zwischen Brecht und seinen klassischen Vorbildern herauszuarbeiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Parodiebegriffs, den Vergleich zwischen epischem und klassischem Theater, sowie eine detaillierte Analyse der parodistischen Anspielungen auf Goethe, Schiller und die Bibel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Parodie, Episches Theater, Klassik-Rezeption, Kapitalismuskritik, Verfremdungseffekt und Ideologiekritik.

Warum nutzt Brecht den Blankvers für die Fleischkönige?

Brecht nutzt den Blankvers als Stilmittel der Distanzierung, um die Diskrepanz zwischen dem hohen Tonfall der idealistischen Klassik und den profanen, skrupellosen „Geschäften“ der Kapitalisten aufzuzeigen.

Inwiefern unterscheidet sich Brechts Johanna von Schillers Jungfrau?

Während Schillers Johanna eine tragische Heldin im Sinne der Ideologie ist, scheitert Brechts Johanna an ihrem naiven Idealismus; sie erkennt erst spät, dass die Welt nicht durch Mitleid, sondern nur durch irdische, kollektive Veränderungen verbessert werden kann.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Bertholt Brechts: "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" - Eine Parodie klassischer Sprachformen und Motive
Hochschule
Universität Trier
Note
3,0
Autor
Anja Schäfer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
27
Katalognummer
V198317
ISBN (eBook)
9783656245735
ISBN (Buch)
9783656247357
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bertholt brechts heilige johanna schlachthöfe eine parodie sprachformen motive
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anja Schäfer (Autor:in), 2007, Bertholt Brechts: "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" - Eine Parodie klassischer Sprachformen und Motive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198317
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Leseprobe aus  27  Seiten
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