Will man das Thema Mobbing am Arbeitsplatz literarisch aufarbeiten, stellt man sehr
schnell fest, dass es zumindest in Deutschland erst in den letzten Jahren nennenswert die
Wissenschaft beschäftigt. Arbeitssoziologische Untersuchungen beschränkten sich anfänglich
auf das physisch bedeutsame Arbeitsumfeld bzw. auf psychische Auswirkungen, die
nicht unmittelbar mit zwischenmenschlichen Konflikten zusammenhängen. Nichts desto
Trotz ist dieses Phänomen seit langem bekannt. So wird Mobbing in der Schule schon seit
mehr als 20 Jahren wissenschaftlich bearbeitet. Die Vielzahl wissenschaftlicher und praktischer
Arbeiten lassen auf eine intensive Diskussion dieser Problematik schließen (NIEDL,
1995).
Erste empirische Untersuchungen führte der schwedische Arbeitspsychologe Heinz LEYMANN(
1993) durch. Die Ergebnisse, die hinsichtlich der Verbreitung von Mobbing am
Arbeitsplatz ermittelt wurden, waren erschreckend: Es wurde festgestellt, dass 3,5% -
hochgerechnet ca. 150 000 Menschen – der arbeitenden Bevölkerung in Schweden von
Mobbing betroffen sind. Würde man diesen Wert auf die Verhältnisse in Deutschland übertragen,
würde dies bedeuten, dass über eine Million Menschen in der BRD Opfer von
systematischen Feindseligkeiten am Arbeitsplatz sind (SCHILD und HEEREN, 2002).
Neuere Untersuchungen und Umfragen deuten darauf hin, dass die Zahlen noch weit höher
liegen. So ergab eine Repräsentativ-Umfrage der Apotheken Umschau im Jahre 2001 bei
2.500 Bundesbürgern ab 14 Jahren, dass jeder fünfte Berufstätige sich gemobbt fühlt oder
bereits Opfer einer solchen Attacke wurde (GESUNDHEIT, 2001; Befragung durch die
GfK Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrage der Apotheken Umschau).
Eine weitere Erhebung bei 21.500 Arbeitnehmern in der EU durch die Dublin-Stiftung im
Jahre 1996 offenbarte, dass 8 % der Arbeitnehmer – dies entspricht 12 Millionen Personen
– erklärten, in den letzten zwölf Monaten an ihrem Arbeitsplatz Mobbing ausgesetzt gewesen
zu sein. Hierbei sei aber von einer wesentlich höheren Dunkelziffer auszugehen. Die
Stiftung wies allerdings darauf hin, dass dies von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat sehr unterschiedlich
sei, was nach Auffassung der Stiftung auf mangelnder Berichterstattung in einigen
Ländern und auf abweichenden Rechtssystemen und kulturellen Unterschieden in anderen
Ländern beruht (aus: Sitzungsdokument des Ausschusses für Beschäftigung und soziale
Angelegenheiten im EUROPÄISCHEN PARLAMENT vom 16.07.2001). [...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1. EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK
1.2. ZIEL DER ARBEIT
2 ÜBERBLICK ÜBER DEN STAND DER MOBBINGFORSCHUNG
2.1. BEGRIFFSDEFINITION
2.2. FORSCHUNGSANSÄTZE ZUM THEMA MOBBING
2.2.1 Das Mobbingkonzept von Heinz LEYMANN
2.2.2 Die Mobbinghandlungen
2.3. DARSTELLUNG DES DERZEITIGEN ERGEBNISSTANDES
2.3.1 Bedeutung des Mobbings - Häufigkeit von Mobbinghandlungen
2.3.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Mobbinghandlungen
2.3.3 Einfluss der hierarchischen Position auf Mobbinghandlungen
2.3.4 Ursachen innerhalb der Betriebsstruktur
2.3.5 Ursachen im Mobbing-Opfer
3 PRÄVENTIONS- UND INTERVENTIONSMÖGLICHKEITEN BEI MOBBING
3.1. RECHTE UND PFLICHTEN DES ARBEITGEBERS IM HINBLICK AUF MOBBING
3.2. STRUKTURELL-ORGANISATORISCHE PRÄVENTIONSMAßNAHMEN
3.3. MÖGLICHE INTERVENTIONSMAßNAHMEN DES ARBEITGEBERS
3.4. DIENSTVEREINBARUNG FÜR DEN UMGANG MIT MOBBING AM ARBEITSPLATZ
4 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Phänomen Mobbing am Arbeitsplatz aus betriebssoziologischer Perspektive zu durchleuchten. Im Zentrum steht dabei die wissenschaftliche Definition des Begriffs, die Analyse von Ursachen innerhalb betrieblicher Strukturen sowie die Untersuchung konkreter Präventions- und Interventionsmöglichkeiten, um ein gesundes Arbeitsklima zu fördern.
- Mobbing als betriebssoziologisches Phänomen und dessen Verbreitung
- Wissenschaftliche Grundlagen nach Heinz Leymann
- Einflussfaktoren wie Betriebsstruktur und Aufgabengestaltung
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Pflichten des Arbeitgebers
- Praktische Lösungsansätze durch Dienstvereinbarungen
Auszug aus dem Buch
Die Organisation der Arbeit
LEYMANN vermutet die Organisation der Arbeit als einen wesentlichen Faktor, der die Entstehung von Konflikten und damit auch von Mobbing fördern kann. Er beruft sich dabei in Ermangelung entsprechender Forschungsergebnisse auf „ ... vergleichbare Forschungen aus der Stressmedizin, bei denen nach den Ursachen für psychosomatische Krankheiten geforscht wurde“ (1993, S.133). Dies seien dieselben Stressoren am Arbeitsplatz, die einerseits zu psychosomatischen Erkrankungen führten und die andererseits das Risiko für Konfliktausbrüche erhöhten, da sich „Stress und Frust, aus denen man keinen Ausweg findet, ... häufig auf den Kollegen“ entluden (ebd., S.134).
Die stressmedizinischen Forschungen hätten in viele Arbeitsabläufen stresserzeugende Elemente ergeben, die auf eine defizitäre Arbeitsorganisation zurückzuführen sei. Beispielhaft wird von LEYMANN eine Arbeitssituation angeführt, bei der monotone und inhaltsarme Arbeiten unter hohem Zeitdruck durchgeführt werden müssen (bestimmten Formen der Fließbandproduktion). Bei Beschäftigten, die unter solchen Bedingungen arbeiten müssen, stellen sich überdurchschnittlich oft psychosomatische Symptome ein. Psychosomatische Probleme traten verstärkt in Situationen auf, in denen der Grad der Selbstbestimmung niedrig und der des Arbeitsdrucks hoch war. Eine Erhöhung der Selbstbestimmung und Verringerung des Arbeitsdruckes reduzierte häufig die Beschwerden bei den Arbeitnehmern (vgl. 1993, S.135).
Die Schaffung stressmindernder Arbeitssituationen durch eine entsprechende arbeitsorganisatorische Struktur kann LEYMANN zu Folge dazu beitragen, dass sich neben den gesundheitlichen Beschwerden auch Konflikte am Arbeitsplatz vermeiden bzw. verringern ließen. Dies muss aber nicht mit einer quantitativen Minderleistung einhergehen. Es können u.a. durch verminderten Krankenstand auch bessere Arbeitsergebnisse geschaffen werden. Vorraussetzung dafür ist natürlich ein angenehmes stressfreies Arbeitsklima.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik des Mobbings ein und umreißt das soziologische Erkenntnisinteresse der Hausarbeit.
2 ÜBERBLICK ÜBER DEN STAND DER MOBBINGFORSCHUNG: Dieses Kapitel definiert Mobbing wissenschaftlich und stellt die zentralen Forschungsansätze von Heinz Leymann sowie aktuelle Erkenntnisse zu Ursachen und Verbreitung dar.
3 PRÄVENTIONS- UND INTERVENTIONSMÖGLICHKEITEN BEI MOBBING: Hier werden die rechtlichen Verpflichtungen von Arbeitgebern beleuchtet und konkrete strukturelle sowie organisatorische Maßnahmen zur Konfliktlösung und Prävention diskutiert.
4 ZUSAMMENFASSUNG: Die Zusammenfassung rekapituliert die Kernpunkte der Arbeit und betont die Bedeutung klarer Spielregeln für ein faires Miteinander am Arbeitsplatz.
Schlüsselwörter
Mobbing, Arbeitsplatz, Betriebssoziologie, Konfliktmanagement, Heinz Leymann, Prävention, Intervention, Arbeitsorganisation, Psychoterror, Dienstvereinbarung, Führungsverhalten, Arbeitsschutzgesetz, psychosomatische Belastung, Betriebsklima.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen Mobbing am Arbeitsplatz, betrachtet es aus einer betriebssoziologischen Perspektive und analysiert Möglichkeiten zu dessen Vorbeugung und Bewältigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die wissenschaftliche Begriffsbestimmung von Mobbing, die Analyse von Ursachen innerhalb der betrieblichen Organisation sowie die Rolle des Arbeitgebers bei der Konfliktprävention.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Einblick in das Thema Mobbing zu geben, den Forschungsstand nach Leymann darzustellen und aufzuzeigen, wie Arbeitgeber durch organisatorische Maßnahmen und Dienstvereinbarungen gegen Mobbing vorgehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der existierende empirische Studien und Konzepte, insbesondere die Arbeiten von Heinz Leymann, zusammengetragen und für die Fragestellung ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Begriffsdefinitionen, Mobbinghandlungen, Ursachen aus der Betriebsstruktur und der Psychologie der Opfer sowie spezifische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten ausführlich erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Mobbing, Psychoterror, Betriebsorganisation, Arbeitsschutz, Prävention, Intervention und Konfliktmanagement.
Warum spielt die Organisation der Arbeit laut Leymann eine zentrale Rolle bei Mobbing?
Leymann sieht in einer defizitären Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung die Hauptursachen für Mobbing, da Stress und Frust durch schlechte Rahmenbedingungen häufiger zu Konflikten führen, die sich dann gegen einzelne Kollegen richten.
Welchen Zweck erfüllt eine Dienstvereinbarung in diesem Kontext?
Sie dient als verbindliche Grundlage für das Verhalten im Betrieb, schafft Transparenz über Verfahrensschritte bei Konflikten und unterstreicht die Haltung der Betriebsleitung, dass Mobbing nicht toleriert wird.
- Quote paper
- Denny Ohnesorge (Author), 2003, Mobbing am Arbeitsplatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19833