Caesar in Lucans "Pharsalia"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

19 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einordnung des Textausschnitts

V, 508-559
Textsicherung
Übersetzungen

Interpretation der Textstelle

Lucans Caesarbild

Vergleich mit Caesars bellum civile

Vergleichstexte
Caesar, Bellum civile
Parallelszenen

Schluss

Quellenangabe

Einleitung

Einer der häufig thematisierten Aspekte in der gegenwärtigen, wie auch vergangenen Lucan-Forschung ist dessen ablehnende Haltung gegenüber den damaligen Machthabern. Besonders auffällig ist hierbei die Gegenüberstellung der Hauptakteure seiner Pharsalia Caesar, Cato und Pompeius. Bei genauerem Hinsehen und anhand antiker Vergleichstexte über den Bürgerkrieg wird deutlich, dass Lucan keinesfalls darauf aus ist, die Heldentaten der Imperatoren möglichst wirklichkeitsgetreu für die Nachwelt festzuhalten. Der Leser gewinnt eher den Eindruck, Lucan nutze die Figuren zur wechselseitig negativen Darstellung ihrer selbst.[1] Ein weiterer Kritikpunkt ist die unverhältnismäßige Gewichtung der Textstellen; so schildert Lucan scheinbare Nichtigkeiten äußert detailliert, während er anderswo ausführlich Geschildertes unter den Tisch fallen lässt oder nur nebensächlich erwähnt.

Ein Paradeexempel dieser Handhabung in Verknüpfung mit seiner humorvollen Darstellung sind die Verse 504 bis 678 des fünften Buches der Pharsalia , in welchen Lucan Caesar regelrecht vorführt.

Eben auf der Darstellung dieses Feldherrn soll in der nachfolgenden Untersuchung der Schwerpunkt liegen: eine Analyse der oben erwähnten Passage, wie auch ein Vergleich mit anderen antiken Ausführungen des Bürgerkriegs – nicht zuletzt Caesars eigener in seinem Bellum civile – sollen zeigen, wie der Autor darauf hinarbeitet, die Frage des modernen Lesers nach dem Heldenstatus des Feldherren zu beantworten.

Einordnung des Textausschnitts

Lucans fünftes von zehn Büchern bildet die Mitte des noch erhaltenen Werks und ist dreigliedrig aufgebaut: Der zentrale Caesar-Text[2] wird von zwei Pompeius-Abhandlungen[3] umrahmt und bildet somit das absolute Zentrum. Diese Tatsache wird von der weit überwiegenden Anzahl der Caesar-Verse unterstützt. Dass der Höhepunkt des Werkes, die Schlacht bei Pharsalos, trotz der Zentralität dieser Stelle erst im siebten Buch verortet ist[4], liegt an der ursprünglichen Länge des Buches.[5]

Der Beginn des fünften Buches liefert nach Rutz[6] den ersten Einschnitt zum Ende der ersten Kriegsphase zur Jahreswende 49 v. Chr. Aufgrund des Ausnahmestatus dieses Einschnitts innerhalb der ersten vier Bücher erscheint die Zaesur als gewoll­ter Abschluss der ersten Tetrade; zwei weitere sollten folgen, doch das Werk endet mitten im zehnten Buch, als Caesar sich bei Alexandria in großer Gefahr befindet.[7]

Zu Beginn der zweiten Tetrade also halten die Pompeianer in Epirus eine Senatssitzung ab[8], direkt darauf folgt die Orakelbefragung eines Pompeianers über den Ausgang des Krieges[9], die zum Caesar-Teil überleitet. Die Beschrei­bung der Situation und Meuterei in Caesars Heer[10], der nach seiner Ernennung zum Diktator und Konsul nach Brundisium aufbricht, um von dort aus mit mehr als 100 Schiffen nach Epirus überzusetzen, geht hier voran. Aufgrund der widrigen Wetterbedin­gun­gen ist ihm die Überfahrt erst nicht möglich, schließlich kommt er mit nur sieben Legionen im heutigen Albanien an[11], wo er sein Lager aufschlägt. Da er vergeblich auf schnelle Verstärkung durch Antonius hofft, entschließt er sich kurzer Hand, alleine überzusetzen[12] :

V, 508-559

Caesar sollicito per vasta silentia gressu

vix famulis audenda parat, cunctisque relictis

sola placet Fortuna comes. Tentoria postquam 510

egressus vigilum somno cedentia membra

transiluit, questus tacite quod fallere posset,

litora curva legit, primisque invenit in undis

rupibus exesis haerentem fune carinam.[13]

[…]

Diesen Fischer will Caesar daraufhin dazu bewegen, ihn überzusetzen, doch der erwidert:

„Multa quidem prohibent nocturno credere ponto. 540

Nam sol non rutilas deduxit in aequora nubes

concordesque tulit radios: Noton altera Phoebi,

altera pars Borean diducta luce vocabat.
Orbe quoque exhaustus medio languensque recessit
spectantis oculos infirmo lumine passus. 545

[…]

Er setzt seine Bedenken weiter fort, bietet Caesar jedoch letztlich Folgendes an:

Sed, si magnarum poscunt discrimina rerum,
haud dubitem praebere manus: vel litora tangam
iussa, vel hoc potius pelagus flatusque negabunt.“ 559

[...]


[1] Passend zu diesem Eindruck schreibt beispielsweise Quintilian in seiner Institutio oratoria (X, 1.90) über Lucan, dieser sei magis oratoribus quam poetis imitandus , sei "eher ein Vorbild für Redner als für Dichter", der doch darauf aus sein sollte, wahrheitsgetreu zu schildern, statt wie ein orator durch Ausschmückungen überzeugen zu wollen.

[2] Diese, wie auch alle übrigen Textstellen aus Lucans Bellum Civile sind zitiert nach Bailey, David R. Shackelton (Hrsg.): M. Annaei Lucani – de bello civili libri decem , Stuttgart 1988, hier: V 237-721.

[3] V, 1-236 und V, 722-815.

[4] Rutz, W.: Studien zur Kompositionskunst und zur epischen Technik Lucans , in: Rutz, W.(Hrsg.): Lucan, Darmstadt 1970, S.189.

[5] Es wird angenommen, dass Lucans Pharsalia ursprünglich aus 12 Büchern bestand. Gründe hierfür sind die vermutete Fortführung der Handlung bis zu Catos Tod, sowie die Anlehnung an Vergils Aeneis und damit auch an Homers Vorbild, die sich das komplette Werk hindurch abzeichnet. Vgl. hierzu Rutz, l. c., S. 215f..

[6] Rutz, l. c., S. 160.

[7] Bruére, R. T.: Der geplante Endpunkt des historischen Epos Lucans, in: Rutz, W. (Hrsg.): Lucan, Darmstadt 1970, S. 217ff. bespricht das voraussichtliche Ende und zeigt auf, dass das Werk in jedem Fall unvollständig ist und weit über das zehnte Buch hinaus fortbestehen sollte.

[8] V, 1-64.

[9] V, 64-236.

[10] V, 237-373.

[11] V, 373-475.

[12] V, 476-721.

[13] Lateinischer Text nach Bailey, David R. Shackelton (Hrsg.): M. Annaei Lucani – de bello civili libri decem , Stuttgart 1988, S.122ff..

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Caesar in Lucans "Pharsalia"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V198404
ISBN (eBook)
9783656249191
ISBN (Buch)
9783656253303
Dateigröße
685 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
caesar, lucans, pharsalia
Arbeit zitieren
Katharina Los (Autor), 2010, Caesar in Lucans "Pharsalia", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198404

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