Das Gleichnis vom verlorenen Schaf ist eine bei Kindern beliebte Bibelstelle. Diese Erfahrung habe ich persönlich sowohl bei der Gestaltung von Kindergottesdiensten als auch im Religionsunterricht in der Primar- und Sekundarstufe gemacht. Doch warum ist das so und was verbirgt sich genau hinter diesem Gleichnis?
Die vorliegende Arbeit soll das Gleichnis vom verlorenen Schaf nach Lukas durch Vergleiche mit anderen Bibelstellen genauer erläutern und die Intention des Gleichnisses in seinem jeweiligen Kontext darlegen.
Dazu werden zunächst die Grundlagen zum Thema geklärt und dargestellt. Dabei wird zuerst die Gattung „Gleichnis“ definiert, bzw. untersucht, wie sich diese Definition im Laufe der Zeit
weiterentwickelt hat. Darauf folgt die inhaltliche Gliederung des Gleichnisses vom verlorenen Schaf, also das Nachgehen der Frage „Um was geht es im Gleichnis überhaupt und welches Thema wird behandelt?“. Den Abschluss des ersten Abschnitts bildet die Realienabklärung, wodurch die Bedeutung der Begriffe „Schaf“ und „Hirte“ in ihrem Zusammenhang näher beleuchtet werden. Der nächste Teil der Arbeit besteht aus einem synoptischen Vergleich des
Gleichnisses bei Lukas und bei Matthäus und einer Gegenüberstellung vom Gleichnis vom verlorenen Schaf und dem von der verlorenen Drachme. Abschließend werden im letzten Punkt die Intention des Textes und die erwartete Wirkung auf den Zuhörer herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Definition Gleichnis
2.2 Inhaltliche Gliederung
2.3 Realienabklärung
3. Vergleiche
3.1 Synoptischer Vergleich: Lk 15, 1-7 und Mt 18, 12-14
3.2 Gleichnis von der verlorenen Drachme (Lk 15, 8-10)
4. Intention
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit analysiert das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lk 15, 1-7) durch einen synoptischen Vergleich mit der Fassung des Matthäus-Evangeliums (Mt 18, 12-14) sowie eine Gegenüberstellung zum Gleichnis von der verlorenen Drachme. Das zentrale Ziel ist es, die spezifische Intention des lukanischen Textes in seinem jeweiligen theologischen Kontext zu ergründen und die Bedeutung der Freude über die Umkehr eines Sünders herauszuarbeiten.
- Gattungsbestimmung und historische Entwicklung des Begriffs Gleichnis
- Synoptischer Vergleich zwischen Lukas und Matthäus zur Herleitung der Urfassung
- Interpretation der Symbolik von Hirte, Herde und verlorenem Schaf
- Die Funktion des Doppelgleichnisses mit der verlorenen Drachme
- Theologische Intention und die Relevanz der Tischgemeinschaft Jesu
Auszug aus dem Buch
3.1 Synoptischer Vergleich: Lk 15, 1-7 und Mt 18, 12-14
Das Gleichnis vom verlorenen Schaf ist sowohl in Lk 15, 1-7 als auch in Mt 18, 12-14 vorzufinden. Die Texte dieser beiden Evangelisten überschneiden sich sehr häufig mit dem Markus-Evangelium, woraus geschlossen werden kann, dass dieses als Vorlage für die anderen beiden diente. Darüber hinaus gibt es aber auch Passagen bei Lukas und Matthäus, die sich nicht mit dem Markus-Text decken, wie z.B. das Gleichnis vom verlorenen Schaf. Diese Tatsache bedeutet, dass die beiden eine weitere Quelle verwendet haben: die Logienquelle Q.
Im Folgenden werden mit Hilfe eines synoptischen Vergleichs die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Lukas-Text und dem Gleichnis nach Matthäus herausgearbeitet.
Zunächst unterscheiden sich die Texte von Lukas und Matthäus in der Gruppe, die Jesus anspricht. Bei Lukas besteht diese aus Pharisäern und Schriftgelehrten (vgl. Lk 15, 2), somit vertritt und rechtfertigt Jesus die Frohe Botschaft gegenüber denen, die sie kritisieren. Außerdem wendet sich Jesus aber auch an die Sünder, die bei ihm zu Tisch sitzen und zeigt auf, dass über die Rückkehr eines Verlorenen große Freude herrscht. Nach Matthäus ist das Gleichnis an die Jünger adressiert (vgl. Mt 18,1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Gleichnis vom verlorenen Schaf als bekannte Bibelstelle vor und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit, das sich aus begrifflichen Grundlagen, Vergleichen und der Intention zusammensetzt.
2. Grundlagen: Dieser Abschnitt definiert das Gleichnis als literarische Gattung, gliedert den Text in inhaltliche Sinnabschnitte und klärt die realgeschichtlichen Hintergründe zum Leben von Schafen und Hirten zur Zeit Jesu.
3. Vergleiche: In diesem Hauptteil wird das Gleichnis synoptisch mit dem Matthäus-Text kontrastiert und in Verbindung zum Gleichnis der verlorenen Drachme gesetzt, um Unterschiede in der Erzählweise und Akzentuierung aufzudecken.
4. Intention: Das Kapitel beleuchtet die theologische Absicht des Textes, wobei das Handeln des Hirten als Metapher für Gott verstanden wird, der die Gemeinschaft mit Zöllnern und Sündern sucht und rechtfertigt.
5. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass der Kontext entscheidend für die Auslegung ist und die Gleichnisse bei Lukas und Matthäus trotz inhaltlicher Nähe unterschiedliche seelsorgerliche Schwerpunkte setzen.
Schlüsselwörter
Gleichnis, verlorenes Schaf, Lukas, Matthäus, synoptischer Vergleich, Hirte, Sünder, Pharisäer, Umkehr, Gottesherrschaft, verlorene Drachme, Exegese, Tischgemeinschaft, Theologie, Buße
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Gleichnis vom verlorenen Schaf, wie es im Lukasevangelium überliefert ist, und beleuchtet dessen Bedeutung durch den Vergleich mit anderen biblischen Textstellen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Gleichnissen, die historische Realität der Schafzucht, den Vergleich der synoptischen Texte und die theologische Intention der Zuwendung Jesu zu den Sündern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch Vergleiche zu ergründen, warum das Gleichnis in verschiedenen Kontexten (Lukas vs. Matthäus) steht und welche unterschiedliche Intention Jesu dabei jeweils zum Ausdruck kommt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die exegetische Methode, insbesondere den synoptischen Vergleich, um redaktionsgeschichtliche Unterschiede und die ursprüngliche Intention der Texte zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Grundlagenklärung, den Vergleich zwischen Lukas und Matthäus sowie eine Gegenüberstellung mit dem Gleichnis der verlorenen Drachme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gleichnis, Umkehr, verlorenes Schaf, exegetische Analyse und das Wirken Jesu unter Sündern charakterisieren.
Warum spielt das Gleichnis der verlorenen Drachme eine wichtige Rolle für das Verständnis?
Es fungiert als Doppelgleichnis und bietet durch die ähnliche Struktur eine Bestätigung des Themas der Freude über das Wiederfinden, wobei es durch die Perspektive der Frau Identifikationsmöglichkeiten für eine breitere Hörerschaft schafft.
Welche Rolle spielt die „Tischgemeinschaft“ in der Analyse?
Die Tischgemeinschaft Jesu mit Zöllnern und Sündern wird als zentraler Anstoß für die Kritik der Pharisäer interpretiert; Jesus rechtfertigt diese Gemeinschaft durch das Gleichnis und deutet sie als Ausdruck göttlicher Freude über die Umkehr.
- Citar trabajo
- Sonja Schneider (Autor), 2012, Das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lk 15, 1-7), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198414