. Seit 30 Jahren ist die Frage „Was ist ein Museum?“ Forschungsgegenstand. Parallel zu dem damals beginnenden Museumsboom (Museumsneugründungen und steigende Besucherzahlen) hat die Wissenschaft das Forschungsfeld Museum entdeckt. Sehr schnell wurde deutlich, dass es sich hier nicht um ein abgrenzbares Gebiet, sondern um einen äußerst komplexen, vielschichtigen und interdisziplinären Forschungsgegenstand handelt. Nicht mehr nur die Dinge im Museum waren untersuchungswürdig, sondern auch die Art und Weise ihrer Präsentation, die Möglichkeiten der Objektvermittlung und der Museumsbesucher selbst.
Diese Darstellung unternimmt den Versuch, den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zum Begriff Museum anhand wesentlicher Publikationen darzustellen. Er orientiert sich dabei, wie es viele der unten zitierten Werke tun, an der historisch-zeitlichen Entwicklung des Museums und des Museumsbegriffs. Vom modernen Ursprung des Museum im 18. Jahrhundert zum gegenwärtigen Museumsverständnis ist es ein langer Weg. Wie sich in diesem Zeitraum das Museum und der Museumsbegriff entwickelte, wird im Folgenden beschrieben werden. Zunächst wird die Entwicklung und Bedeutung des Sammelns als Grundlage für die Entstehung der Museen beleuchtet. Anschließend wird die Historie des öffentlichen Charakters, der gesellschaftlichen Bedeutung und der Vermittlungsfunktion dargestellt. Zum Abschluss gilt der Blick der Institution Museum im 21. Jahrhundert, ergänzt um einen kritischen Standpunkt zu tagesaktuellen Diskussionen.
Inhaltsverzeichnis
Ein Museum ist ein Museum ist ein Museum?
Sammelkultur als musealer Ursprung
Von der exklusiven privaten zur offenen Sammlung
Von offen stehenden Sammlungen zum öffentlichen Museum
„Die Künste haben ein Ziel: die Nation zu erziehen“
Sichtbares und Unsichtbares im Kunstmuseum
Die Museums-Geschichte geht weiter
Das Sorgenkind Museum im 21. Jahrhundert
Fazit und weiterführende Fragen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zum Begriff "Museum" und beleuchtet dessen historische Entwicklung vom modernen Ursprung im 18. Jahrhundert bis zur gegenwärtigen Situation als Institution im 21. Jahrhundert.
- Etymologische und historische Herleitung des Museumsbegriffs
- Die Transformation von der exklusiven privaten zur öffentlichen Sammlung
- Entwicklung musealer Vermittlungsstrategien und Bildungsaufträge
- Die Rolle des Museums als "erziehende" Institution und Ort der sozialen Disziplinierung
- Herausforderungen für das Museum im 21. Jahrhundert, insbesondere im Kontext von Finanzierung und Sammlungsmanagement
Auszug aus dem Buch
Sichtbares und Unsichtbares im Kunstmuseum
Die monumentale Architektur der klassizistischen Museumsbauten ruft eine einschüchternde Wirkung hervor: die breite Treppe, die erklommen werden muss, das Eingangsportal, oftmals von Säulen umrahmt, die ehrfürchtig wirkende Empfangshalle, in der das Porträt des königlichen Sammlers präsentiert ist. Zum einen soll die repräsentative Wirkung des Gebäudes der darin präsentierten Kunst ebenwürdig sein und als Gesamtkunstwerk auftreten. Zum anderen präsentiert sich das Museum als „Palast der Macht“ und suggeriert dem Besucher noch immer die Überlegenheit des Fürsten oder Monarchen: „Der König musste nicht mehr als Person sichtbar sein, weil die Architektur des Königs ständig das Prinzip des Königs vermittelte.“ Mit dem Eintritt ins Museum vollzieht sich nach Larcher eine körperliche Verschmelzung mit dem Medium der Macht.
Die transparente Architektur ermöglichten überall, dass der Besucher überwacht und kontrolliert wird: von den Museumsaufsehern das museale Verhalten, von anderen Besuchern das soziale Verhalten. „Du, kleiner Mann, bist umzingelt von Ordnung, der du dich fügen mußt. Du, kleine Frau, wirst ständig gesehen, du kannst dich den Blicken nicht entziehen.“ Diese gegenseitige Beobachtung übte indirekt einen gesellschaftlichen Druck aus, der dem Museumspublikum, durch permanente Selbstdisziplin, bestimmte Verhaltensregeln auferlegte. Auf diese Weise formte sich der gesittete und kultivierte Museumsbesucher selbst. Für Fliedl ist die Regulierung der Öffentlichkeit, das Überwachen und Disziplinieren auch eine Form der Vermittlung.
Zusammenfassung der Kapitel
Ein Museum ist ein Museum ist ein Museum?: Das Kapitel führt in die wissenschaftliche Debatte um den Museumsbegriff ein und verdeutlicht die Komplexität und Vielschichtigkeit dieses Forschungsgegenstandes.
Sammelkultur als musealer Ursprung: Hier wird die Bedeutung des Sammelns als menschliches Grundbedürfnis sowie der Übergang von privaten Sammlungen zu ersten öffentlichen Einrichtungen beleuchtet.
Von der exklusiven privaten zur offenen Sammlung: Dieses Kapitel thematisiert den historischen Wandel von exklusiven fürstlichen Sammlungen hin zu einer öffentlichen Zugänglichkeit nach der Französischen Revolution.
Von offen stehenden Sammlungen zum öffentlichen Museum: Es wird analysiert, inwiefern Museen im 18. und 19. Jahrhundert trotz theoretischer Öffnung faktisch durch soziale und kulturelle Hürden exklusiv blieben.
„Die Künste haben ein Ziel: die Nation zu erziehen“: Das Kapitel befasst sich mit der Entwicklung der musealen Vermittlung und der Nutzung des Museums als Instrument zur Erziehung und moralischen Bildung des Volkes.
Sichtbares und Unsichtbares im Kunstmuseum: Hier steht die Architektur des Museums als Mittel zur Disziplinierung und Repräsentation von Macht sowie die Bedeutung der Objektpräsentation im Fokus.
Die Museums-Geschichte geht weiter: Die Analyse konzentriert sich auf die heutigen Herausforderungen des Museums, insbesondere durch die digitale Welt und den Wandel zum „Event“-Charakter.
Das Sorgenkind Museum im 21. Jahrhundert: Dieses Kapitel erörtert die aktuelle ökonomische Krise vieler Museen und die ethische Problematik von Bestandsverkäufen zur Finanzierung des Museumsbetriebs.
Fazit und weiterführende Fragen: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse zusammengefasst und offene Problemkreise für zukünftige museumswissenschaftliche Untersuchungen formuliert.
Schlüsselwörter
Museumsforschung, Museumsbegriff, Sammelkultur, Öffentliches Museum, Museumspädagogik, Bildungsauftrag, Museumsarchitektur, Objektpräsentation, Besuchererziehung, Institution, Kulturmanagement, Sammlungsmanagement, Museumsgeschichte, Identitätsfindung, Kunstmuseum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische und historische Entwicklung des Museums, von seinen Ursprüngen als Sammelkultur bis hin zu seiner Rolle als komplexe Bildungsinstitution im 21. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Etymologie und Geschichte des Museumsbegriffs, die soziale Öffnung der Museen, Vermittlungsstrategien, die museale Architektur als Kontrollinstrument und aktuelle ökonomische Herausforderungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zum Museum anhand wesentlicher Publikationen darzustellen und die Veränderung des Museumsverständnisses über die Jahrhunderte aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, die den Forschungsstand zum Museum historisch-zeitlich sowie nach thematischen Aspekten wie Vermittlung, Architektur und Ökonomie strukturiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Genese des Museumsbegriffs, der Wandel von der privaten zur öffentlichen Institution, die Rolle des Besuchers, die Bedeutung der Präsentationsformen sowie aktuelle Debatten über Finanzierung und Sammlungsverkauf detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Museumsforschung, Bildungsauftrag, Institution, Museumsgeschichte, Sammlungsmanagement und die Transformation vom "Tempel der Kunst" zum "Tempel der Besucher".
Wie verändert sich die Rolle der Architektur im Museum?
Die Architektur fungiert historisch oft als einschüchterndes Machtinstrument, das Besucher diszipliniert, während heute eine transparente Gestaltung zur Überwachung und Lenkung der Besucherströme genutzt wird.
Warum ist das "verkaufende Sammeln" ein kontroverses Thema?
Es steht im Konflikt zwischen der ethischen Verpflichtung zur Bewahrung des kulturellen Erbes und dem finanziellen Druck der Museen, die ihre Betriebskosten bei schwindenden öffentlichen Mitteln kaum decken können.
- Quote paper
- Cornelia Maser (Author), 2011, „Glotzt nicht so romantisch“ 200 Jahre Museum – 30 Jahre Museumsforschung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198419