Mit der US- Präsidentschaftswahl im Jahre 2008 waren sowohl national, als auch
international, zahlreiche Erwartungen verbunden. Nach den beiden Amtszeiten
von Präsident George W. Bush, die sich außenpolitisch besonders durch zwei
begonnene und scheinbar nicht zu gewinnende Kriege auszeichneten, äußerte
der nun amtierende Präsident Barack Obama bereits während des Wahlkampfs,
dass er für eine neue Konzeption der Außenpolitik stehe und dabei einen neuen
globalen Führungsanspruch der USA geltend machen wolle.
In diesem Zusammenhang ist die Frage der künftigen Gestaltung der Rüstungsund
Nuklearpolitik für die internationale Gemeinschaft von besonderer
Bedeutung. In der ersten Phase seiner Amtszeit, sorgte nicht nur die Prager
Rede von April 2009, in der Präsident Obama die Vision einer atomwaffenfreien
Welt äußerte, sondern auch der im darauffolgenden Jahr unterzeichnete New
START- Vertrag mit Russland, für weltweites Aufsehen.
Die vorliegende Arbeit zu dem Thema: „Die Außen- und Sicherheitspolitik der
USA am Beispiel der Rüstungspolitik“ betrachtet die bisherigen Ereignisse und
Ankündigungen der Administration Obama und versucht eine Antwort auf die
Frage zu geben, inwieweit sich ein Wandel innerhalb der außen- und
sicherheitspolitischen Konzeption und der damit verbundenen Konzeption der
Rüstungspolitik gestaltet.
Der Aufbau der Arbeit ist so angelegt, dass im ersten Kapitel die Kernelemente
der Außen- und Sicherheitspolitik der Administration Bush untersucht werden.
Dies geschieht in einem ersten Schritt anhand von Inhaltsanalysen der
bekannten Rede vor den Militärakademie- Absolventen in West- Point von 2002
und der von der Bush-Administration im September 2002 veröffentlichten
Nationalen Sicherheitsstrategie. In einem zweiten Schritt erfolgt eine
Inhaltsanalyse des im Jahre 2002 mit Russland unterzeichneten SORTVertrages,
um die Inhalte und Ziele der Rüstungspolitik der Administration Bush
näher zu beleuchten.
Im zweiten Kapitel werden die Kernelemente der Konzeption der Außen- und
Sicherheitspolitik der Administration Obama untersucht. Hier wird gleichermaßen
eine Inhaltsanalyse, der im Mai 2010 veröffentlichten Nationalen
Sicherheitsstrategie und der Prager- Rede von April 2009, vorgenommen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Konzeption der Außen- und Sicherheitspolitik der Administration Bush
2.1. Kernelemente der Nationalen Sicherheitsstrategie von September 2002
2.1.1. Die sicherheitspolitische Neuausrichtung nach den Terroranschlägen vom
11. September 2001
2.1.2. Rolle des Militärs
2.2. Der SORT-Vertrag als rüstungspolitischer Wegweiser
2.2.1. Inhalte und Ziele des Vertrages
2.2.2. Kritik
3. Die Konzeption der Außen- und Sicherheitspolitik der Administration Obama
3.1. Kernelemente der Nationalen Sicherheitsstrategie von Mai 2010
3.1.1. Kooperative Verfahren zur Durchsetzung des neuen Führungsanspruchs der USA
3.1.2. Die Rolle des Militärs
3.2. Der New START- Vertrag als rüstungspolitischer Wegweiser
3.2.1. Inhalte und Ziele des Vertrages
3.2.2 Kritik
4. Die rüstungspolitischen Positionen beider Administrationen im Vergleich
4.1. Gemeinsamkeiten
4.1.1. Kongruente Inhalte der Nationalen Sicherheitsstrategien
4.1.2. Kongruente Inhalte der Rüstungsverträge
4.1.3. Die Begründung von Gemeinsamkeiten aufgrund von konstanten Einflussfaktoren
4.2. Unterschiede
4.2.1. Unterschiede innerhalb der Nationalen Sicherheitsstrategien
4.2.2. Unterschiede innerhalb der Rüstungsverträge
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel in der außen- und sicherheitspolitischen Konzeption der USA beim Übergang von der Bush- zur Obama-Administration, wobei der Fokus exemplarisch auf der Rüstungspolitik und den bilateralen Rüstungsverträgen mit Russland liegt.
- Analyse der nationalen Sicherheitsstrategien von 2002 (Bush) und 2010 (Obama)
- Vergleich der rüstungspolitischen Ausrichtung und der Bedeutung des Militärs
- Untersuchung der bilateralen Rüstungsverträge SORT (2002) und New START (2010)
- Identifikation von Kontinuitäten und Diskontinuitäten im amerikanischen Führungsanspruch
- Reflexion über den Einfluss von Theorie (Neorealismus) auf die außenpolitische Praxis
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Die sicherheitspolitische Neuausrichtung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die Außen- und Sicherheitspolitik der USA dauerhaft geprägt. Während zur Zeit des Kalten Krieges eine Bedrohung durch einen greifbaren Feind bestand, der durch eine symmetrische Verwundbarkeit gleichermaßen hätte vernichtet werden können, sind gegen die heutigen asymmetrischen Angriffe die vorhandenen Mittel der Abschreckung nur eingeschränkt wirksam. Dies hat zur Folge, dass sich das über Jahre immer stärker gewordene Sicherheitsdenken noch weiter ausgeprägt hat (vgl. Rudolf 2005: 7).
Diese veränderten Rahmenbedingungen führten zu einer strategischen Neuausrichtung der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik, die sich deutlich in der Nationalen Sicherheitsstrategie von September 2002 widerspiegelt.
Höchste Priorität innerhalb der neuen Außen- und Sicherheitspolitik hatte nun das entschlossene Eintreten im Kampf gegen den Terrorismus.
Das wohl mit Abstand prägendste und zugleich am stärksten zu kritisierende Element der Nationalen Sicherheitsstrategie ist die Doktrin der Präemption als außen- und sicherheitspolitisches Handlungselement. Neben der Ankündigung: while the United States will constantly strive to enlist the support of the international community, we will not hesitate to act alone, if necessary, to exercise our right of self-defense by acting preemptively against such terrorists […] (NSS 2002: 6) liegt innerhalb der Sicherheitsstrategie eine neue Definition des Präemption-Begriffes vor, der eine Ausweitung des traditionellen Begriffes fordert, um auf die aktuellen Gefahren angemessen reagieren zu können (vgl. NSS 2002: 15). Mit dieser Handlung schaffen sich die USA selbst eine Legitimation ihrer Neuausrichtung, auch wenn diese sehr umstritten ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage zum Wandel der US-Außen- und Sicherheitspolitik ein und erläutert das methodische Vorgehen mittels Inhaltsanalyse.
2. Die Konzeption der Außen- und Sicherheitspolitik der Administration Bush: Dieses Kapitel arbeitet die neorealistisch geprägten Kernelemente der Bush-Ära heraus und beleuchtet den SORT-Vertrag als Instrument der rüstungspolitischen Flexibilität.
3. Die Konzeption der Außen- und Sicherheitspolitik der Administration Obama: Der Abschnitt untersucht die neue Sicherheitsstrategie von 2010 und den New START-Vertrag unter dem Aspekt eines veränderten, multilateraleren Führungsanspruchs.
4. Die rüstungspolitischen Positionen beider Administrationen im Vergleich: Hier werden Gemeinsamkeiten (z.B. militärische Vormachtstellung) und Unterschiede (z.B. Rüstungskontrolle, Rolle der Diplomatie) direkt gegenübergestellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass sich zwar im Bereich der Rüstungspolitik und des multilateralen Auftretens ein Wandel vollzogen hat, die Rolle der USA als Hegemonialmacht jedoch als Konstante bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Rüstungspolitik, USA, Administration Bush, Administration Obama, Nationale Sicherheitsstrategie, New START, SORT, Nuklearwaffen, Präemption, Multilateralismus, Neorealismus, Rüstungskontrolle, Hegemonialmacht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Wandel der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik beim Regierungswechsel von George W. Bush zu Barack Obama anhand der Rüstungspolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Nationale Sicherheitsstrategie, die Bedeutung des Militärs, bilaterale Rüstungsverträge mit Russland und die Veränderung des amerikanischen Führungsanspruchs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwieweit sich ein inhaltlicher Wandel in der sicherheitspolitischen Konzeption unter Obama im Vergleich zur Vorgängeradministration vollzogen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Inhaltsanalyse, um Primärquellen wie nationale Sicherheitsstrategien und Rüstungsverträge systematisch zu untersuchen und zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Untersuchung beider Administrationen sowie einen direkten Vergleich ihrer Positionen hinsichtlich Sicherheitsstrategien und Rüstungskontrolle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Multilateralismus, Präemption, nukleare Rüstungskontrolle, amerikanischer Exzeptionalismus und globale Führungsrolle.
Wie unterscheidet sich die Haltung zu internationalen Institutionen?
Während die Bush-Administration zu unilateralem Handeln neigte, zeigt die Administration Obama eine deutlich positivere und kooperativere Haltung gegenüber internationalen Institutionen.
Warum wird der New START-Vertrag im Vergleich zum SORT-Vertrag als fortschrittlicher bewertet?
Er gilt aufgrund seiner detaillierten Bestimmungen, Verifikationsmechanismen und der breiteren Einbeziehung verschiedener Waffensysteme als verbindlicheres Instrument als der sehr flexible SORT-Vertrag.
- Arbeit zitieren
- Christina Bertz (Autor:in), 2010, Die Außen- und Sicherheitspolitik der USA am Beispiel der Rüstungspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198427