Im Proseminar „Narrative Strukturen in russischen Erzähltexten“ im Winterse-mester 2009/10 bekamen wir alle die Aufgabe, eine Kurzgeschichte nach den Kri-terien der Erzähltextanalyse von Matias Martinez und Michael Scheffel zu analy-sieren. Die Geschichten wurden uns alle zur Verfügung gestellt und wir konnten uns eine davon aussuchen.
Mir war es wichtig, dass es keine Erzählung ist, in der es sich um Liebe handelt, denn darüber wird ohnehin so viel geschrieben und erzählt. Ich strebte eine Erzählung an, die mit etwas Mysteriösem in Verbindung steht. Daher freute es mich, auf Anhieb etwas Derartiges gefunden zu haben und habe mich somit für Die Hexe von Anton Pavlovič Čechov entschieden.
Čechov schreibt in seiner Erzählung von einem Mann, der in seiner Frau eine Hexe sieht und sie als eine solche beschimpft. Er zeigt, wie unterschiedlich die beiden sind und wonach sich die Ehefrau sehnt. Am Ende nimmt die Ge-schichte eine interessante Wendung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Positionierung des Werkes
3 Problemstellung/Thema
4 Sequenzierung des Textes
4.1 Sequenz 1
4.2 Sequenz 2
4.3 Sequenz 3
4.4 Sequenz 4
4.5 Sequenz 5
5 Art der Vermittlung des Erzählten
6 Zeit
7 Raum
8 Ebene der Figuren und Gegenständlichkeiten
9 Fragen der ideologischen Positionen und der Lesersteuerung
10 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Analyse
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Anton Pavlovič Čechovs Erzählung "Die Hexe" (Ved’ma) einer detaillierten narratologischen Analyse zu unterziehen. Dabei steht die Untersuchung der narrativen Strukturen, der Figurenkonstellation und der symbolischen Bedeutung von Raum und Zeit im Vordergrund, um die Dynamik zwischen den Eheleuten und die zugrundeliegende Lesersteuerung aufzudecken.
- Narrative Sequenzierung und Erzählweise
- Symbolik und Bedeutung von Raum und Zeit im Erzähltext
- Figurenanalyse und deren gegenseitige Wahrnehmung
- Ideologische Positionen und Mechanismen der Lesersteuerung
- Die Rolle von Oppositionen in der Charakterisierung und Handlung
Auszug aus dem Buch
Raum
Die Erzählung spielt im Wächterhaus des Ehepaars an einem abgelegenen Ort in der Provinz. In diesem Wächterhaus spielen vor allem das Bett und das Fenster als Aufenthaltsort der beiden Hauptfiguren Savelij und Raisa eine bedeutende Rolle. Zum Zeitpunkt der Erzählung ist es Nacht, daher ist es draußen dunkel, in der Wohnung aber brennt Licht. Das einzige Fenster der Wohnung, der Vorraum und die Schwelle stellen ein Zeichen der Freiheit dar, einem Leben in Gesellschaft, das Raisa bei Savelij in dieser Wohnung nicht findet, denn der Erzähler vergleicht diese mit einem Käfig: „[...] und als sie so hin und her lief wie in einem Käfig, glich sie einer Tigerin, die man mit einem glühenden Eisen in Schach hält“ (H, S. 74)6.
Was die Organisation des sehr negativ bewerteten Raumes, nämlich des Wächterhauses, betrifft, so nimmt das Bett fast die Hälfte des Wohnraumes ein. In dieser Wohnung gibt es nur ein einziges Fenster. Es ist sehr auffallend, dass sich die Hauptfiguren sehr häufig oder fast nur an diesen Orten aufhalten. Sogar als der Postbote und der Kutscher kommen, mahnt Raisa ihren Mann vom Bett aufzustehen und die beiden zu begrüßen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des gewählten Werkes und Einordnung in das Proseminar „Narrative Strukturen in russischen Erzähltexten“.
2 Positionierung des Werkes: Biografische und bibliografische Einordnung der Erzählung "Die Hexe" in das Schaffen von Anton Čechov.
3 Problemstellung/Thema: Darlegung der zentralen Konflikte, insbesondere der obsessiven Überzeugung des Ehemannes hinsichtlich der hexerischen Natur seiner Frau.
4 Sequenzierung des Textes: Unterteilung und Analyse des Handlungsverlaufs in fünf logische Sequenzen.
5 Art der Vermittlung des Erzählten: Untersuchung der Erzählperspektive und der Vermittlung des Geschehens durch einen auktorialen Erzähler.
6 Zeit: Betrachtung des Erzähltempos, der Chronologie und des zeitlichen Rahmens der Erzählung.
7 Raum: Analyse der räumlichen Konstellation und der Symbolik von Bett und Fenster als Ausdruck von Gefangenschaft und Freiheit.
8 Ebene der Figuren und Gegenständlichkeiten: Charakterisierung der Hauptfiguren sowie Untersuchung der symbolischen Bedeutung zentraler Objekte.
9 Fragen der ideologischen Positionen und der Lesersteuerung: Untersuchung der wertenden Sprache und wie diese den Leser beeinflusst, Partei für Raisa zu ergreifen.
10 Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung der Kernaspekte und der zentralen Gegensätze zwischen den Figuren.
Schlüsselwörter
Anton Čechov, Die Hexe, Ved'ma, Erzähltextanalyse, Narrative Strukturen, Savelij Gykin, Raisa Nilovna, Raumsymbolik, auktorialer Erzähler, Lesersteuerung, russische Literatur, Figurenkonstellation, Ehekonflikt, Kurzgeschichte, 19. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kurzgeschichte „Die Hexe“ von Anton Čechov unter Anwendung wissenschaftlicher Kriterien der Erzähltextanalyse.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Zentrale Themenfelder sind die Interaktion zwischen den Eheleuten, die Symbolik von Raum und Zeit sowie die Art und Weise, wie der Erzähler den Leser in seiner Urteilsbildung steuert.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Analyse untersucht, wie durch narrative Strukturen und räumliche Oppositionen die Entfremdung und die gegenseitige Wahrnehmung der Ehepartner dargestellt und beim Leser bewertet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden Kriterien der Erzähltextanalyse nach Matias Martinez und Michael Scheffel herangezogen, ergänzt durch Ansätze zur Raumsemiotik nach Jurij Lotman.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Sequenzierung, der Zeit- und Raumstruktur, der Figurencharakterisierung sowie der ideologischen Lesersteuerung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erzähltextanalyse, Raumsymbolik, Lesersteuerung und Charakterkonstellation beschreiben.
Warum wird die Wohnung der Eheleute als "Käfig" bezeichnet?
Der Autor führt dies darauf zurück, dass die Wohnung durch Savelijs Schmutz und die räumliche Enge die Sehnsucht der Ehefrau nach Freiheit und Kontakt zur Außenwelt symbolisch unterdrückt.
Verändert sich die Beziehung der Charaktere am Ende der Geschichte?
Ja, der Ehemann erkennt kurzzeitig die Schönheit seiner Frau, doch die grundlegende emotionale Distanz und der Konflikt bleiben bestehen, was durch das Ende der Erzählung verdeutlicht wird.
- Arbeit zitieren
- Elvira Perterer (Autor:in), 2010, Eine Erzähltextanalyse zu Ved’ma (Die Hexe) von Anton Čechov, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198434