Allah vs Jahwe? Das Gottesbild in Islam und Christentum


Essay, 2011
9 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gemeinsamkeiten im Gottesbild

3. Unterschiede im Gottesbild

4. Eigene Anmerkungen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Literatur
6.2 Internetquellen

1. Einleitung

„ Understanding and reasoning, and imagining besides, may do their utmost; but beyond, ever beyond, remains the core - the essence - of His Being”1.

“For who in all the heavens can compare with the Lord? What mightiest angel is anything like the Lord”2?

Islam und Christentum sind zwei Religionen mit zwei verschiedenen heiligen Schriften. In beiden dieser Schriften wird von einem Gott3berichtet. Diesem Gott werden jeweils Charaktereigenschaften und Wesensmerkmale zugeschrieben. Es wird von bestimmten Handlungen Gottes berichtet und davon wie Menschen und Propheten Gott begegnen und ihn erkennen. Beide Religionen verfügen über ein Gottesbild, eine Vorstellung davon, wie Gott ist. Hier soll die Frage bearbeitet werden, welche wichtigen und nennenswerten Gemeinsamkeiten und Unterschiede es im Gottesverständnis des Islam und des Christentums gibt. Was verbindet und was trennt die Religionen bezüglich ihrer Vorstellung von Gott? Dabei soll der Fokus auf der Darstellung Allahs liegen. Das Wissen über die Grundlagen des christlichen Glaubens wird vorausgesetzt. Eine weiterführende Frage ist, ob es sich bei Jahwe und Allah um ein und denselben Gott handeln kann. Liefert eine Zusammenstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden hierzu hilfreiche Ansatzpunkte?

Die obige Fragestellung wirft als erstes ein Problem auf. Sie reduziert die vielfachen Ausprägungen, Glaubensrichtungen und Konfessionen von Islam und Christentum auf den einen Islam und das eine Christentum. Aufgrund der begrenzten Seitenkapazität kann hier leider nicht differenziert auf die verschieden religiösen Ausrichtungen der Religionen eingegangen werden. Der Leser möge beachten, dass diese Arbeit sich bemüht grundlegende Aussagen und Gotteskonzepte darzustellen über die es einen breiten Konsens gibt. Das persönliche Interesse an der Fragestellung ist durch mehrere Gespräche mit muslimischen Mitbürgern und Imamen verschiedener Moscheen in einem muslimisch geprägten Dorf4in Tansania entstanden.

2. Gemeinsamkeiten im Gottesbild

Im Namen „Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“5beginn die erste Sure des Korans und stellt damit gleich zwei Charaktereigenschaften Allahs vor. „Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und groß an Gnade und Wahrheit“6schreibt der Psalmist in Psalm 86,15. Wer ist nun dieser Allah, der behauptet barmherzig zu sein? Wer ist dieser Jahwe, der als gnädig beschrieben wird? Viele Eigenschaften und Zuschreibungen, die Gott betreffen sind im Koran und in der Bibel ähnlich. Sie könnten auch jeweils in der anderen Heiligen Schrift stehen.7Gemeinsam haben die beiden Religionen, dass Gott immer in Beziehung zu der Welt und den Menschen steht. Hieran zeigt sich sein Wesen, es kann nicht getrennt davon gesehen werden.8

Sowohl Allah als auch Jahwe nehmen für sich in Anspruch ein9Gott, der einzige und allein wahre Gott zu sein. In Exodus 20,1-6, in den ersten drei Geboten wird dies genauso deutlich wie in Sure 112,1-2 und Sure 43,15. Auch werden beide als ‚der Wahrhaftige’10und ‚der Allmächtige’11bezeichnet. Sowohl Muslime als auch Christen sehen ihren Gott als über alles erhaben, allwissend, ruhmreich, groß, stark, gewaltig und majestätisch an. Gott ist König, der auf einem Thron sitzt und Herrscher über die Welt und alles was in dieser Welt ist.12Sowohl die Bibel als auch der Koran sprechen davon, dass Jahwe beziehungsweise Allah der Erste und der Letzte, also ewig sind, sich nicht verändern, nicht müde werden, nicht schlafen und lebendig sind.13

Auch die Vorstellung, dass Gott zwar in dieser Welt präsent und erfahrbar ist aber dennoch nicht ganz durch den menschlichen Verstand erfasst werden kann ist beiden Konzepten Gottes gemein. Gott wird als höher und größer als die Vernunft dargestellt und angesehen. Der Mensch kann Gottes Handeln und sein Wesen nie ganz begreifen oder gar vorhersehen.14

Sehr zentral ist in beiden Religionen die Schöpferrolle Gottes. „(Er ist) der Schöpfer der Himmel und der Erde in ihrer schönsten Form. Und wenn Er eine Angelegenheit bestimmt, so sagt Er zu ihr nur: ‚Sei!’ und so ist sie“15heißt es in Sure 2,117 von Allah. In Genesis 1 und 2 lernen wir Jahwe ebenfalls als Erschaffer dieser Welt in all ihrer Vielfalt kennen. Und auch Jahwe genügt das gesprochene Wort um Seiendes in Existenz zu bringen. Aber das Bild vom Schöpfer geht über den bloßen Prozess des Erschaffens hinaus. Allah beziehungsweise Jahwe sind damit gleichzeitig Herr über Leben und Tod. Das letzte Wort, die Macht über Sein oder Nicht-Sein liegt in ihrer Hand. Auch ist der kreative Akt des Erschaffens nicht einmalig und damit abgeschlossen. Vielmehr folgt das Bewahren, Erhalten, Schützen und Lenken der Geschicke dieser Welt durch einen sich kümmernden, an seiner Schöpfung interessierten Gott. Gott wacht also über den Lauf der Welt, über Sonne, Regen, Jahreszeiten, Saat, Ernte, Tag und Nacht und überlässt die Schöpfung nicht ihrem Schicksal. Diese Sicht auf Gott ist in beiden Religionen gleich. Daraus leitet sich auch ab, dass sowohl die Bibel als auch der Koran davon sprechen, dass Gott durch die Natur, dass der Schöpfer durch die Schöpfung erkannt werden kann. Denn sowohl der Islam als auch das Christentum gehen davon aus, dass hinter der Komplexität unseres Universums ein weitaus größerer Schöpfer steht, dies wird in beiden Religionen nicht hinterfragt.16

Eine weitere Gemeinsamkeit im Gottesbild besteht in der Vorstellung, dass Gott allgegenwärtig aber nicht als Person sichtbar ist. „Als abstraktes Konzept hat Gott weder Anfang noch Ende. Er ist unsichtbar und allgegenwärtig. Seine Ambiguität und die uns unlogisch anmutenden Charakterzüge Gottes garantieren Seine Konstruktion als jenseits aller sterblichen Sphäre“17. Im Koran und in der Bibel finden sich Stellen, die aber auf die äußerliche Beschaffenheit Gottes hindeuten, wenngleich sie nicht unbedingt unserer menschlichen Vorstellungskraft unterliegen müssen. Es werden an mehreren Stellen das Antlitz und die Hände Jahwes beziehungsweise Allahs erwähnt. Auch der Rücken Gottes, auf den Mose ein Blick gewährt wurde und die Formulierung ‚Blicke Gottes’, was impliziert, dass Gott so etwas wie Augen hat, kommen in Suren und Versen vor.18Allein die Tatsache, dass Gott als auf dem Thron sitzend beschrieben wird deutet auf eine gewisse Art von Körperlichkeit und Erscheinung hin.

Die Liste der Gemeinsamkeiten ließe sich fortsetzten19. Aufgrund der begrenzten Seitenanzahl können diese aber hier nicht weiter ausgeführt werden.

[...]


1Ullah (1984), S.38

2Tyndale (2004), S.511 (Psalm 89,6)

3‚Gott’ soll in dieser Arbeit als neutraler Begriff verwendet werden. Zur Unterscheidung werde ich den Gott, der im Koran dargestellt wird, also der Gott des Islam mit ‚Allah’ bezeichnen und den Gott der Bibel, also der Gott des Christentums mit ‚Jahwe’.

4Das Dorf Magole liegt in der Nähe der größeren Stadt Morogoro in muslimischem Gebiet.

5As-Sami, Abdullah/ Elyas, Nadeem. (o.J.): Der edle Qur'an und die Übersetzung seiner Bedeutungen in die deutsche Sprache. In: http://www.islam.de/13827.php?sura=1 [Datum des Zugriffs: 25.05.2011]

6Scofield (2003), S.654

7Vgl. Bormanns, S.4-14

8Vgl. Albayrak, S.57

9auf die Einheit/ Einsheit Gottes wird in Punkt 3 näher eingegangen

101. Joh. 5,20 und Sure 31,30

11Genesis 17,1 und einer der 99 schönen Namen Allahs ist al-Qawiy, was der Allmächtige bedeutet

12Vgl. Albayrak, S.59-61

13Vgl. ebd. und Bormanns, S.6

14Vgl. Albayrak, S.59-61 und Jesaja 55,8-9

15As-Sami, Abdullah/ Elyas, Nadeem. (o.J.): Der edle Qur'an und die Übersetzung seiner Bedeutungen in die deutsche Sprache. In: http://www.islam.de/13827.php?sura=2 [Datum des Zugriffs: 25.05.2011]

16Vgl. Bormanns, S.6-7 und Albayrak, S.63-67

17Shalem (2009), S.81

18ebd. S.81-83

19Vgl. hierzu Bormanns, S.9-15 und Albayrak, S.69-79

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Allah vs Jahwe? Das Gottesbild in Islam und Christentum
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Vergleichende Kulturforschung)
Veranstaltung
Einführung in die großen Weltreligionen
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
9
Katalognummer
V198507
ISBN (eBook)
9783656247470
ISBN (Buch)
9783656250616
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gottesbild, Islam, Christentum, Religionsgemeinschaften, Allah, Jahwe
Arbeit zitieren
Svenja Thrams (Autor), 2011, Allah vs Jahwe? Das Gottesbild in Islam und Christentum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198507

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