Ich möchte in meiner Arbeit den polaren Geschlechterdiskurs in Friedrich Schlegels „Lucinde“ behandeln und den damit verbundenen Entwicklungsprozess Julius´. Dafür wird es nötig sein, die Merkmale des weiblichen und männlichen Geschlechts zu ergründen, um die gegensätzlichen Eigenschaften zu verstehen und um zu erkennen, wie sich Mann und Frau wechselseitig ergänzen bis hin zur vollkommenen Liebe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Merkmale der Weiblichkeit
a. „Liebe ohne Gegenstand“
i. „Louise“
ii. „Die Kokette“
iii. „Lisette“
iv. Die Freundschaften zu Jünglingen
v. Ideal der unerreichbaren Geliebten
vii. Die „edle Frau“
viii. Die Liebe wie zu einer Schwester
b. Lucinde und das Frauenbild in der „Lucinde“
3. Merkmale der Männlichkeit
a. Julius´ Entwicklungsprozess
b. Julius und das Männerbild in der „Lucinde“
4. Die „wahre“ Liebe
a. Verschmelzung des androgynen Konzeptes von „sanfter Männlichkeit“ und „selbstständiger Weiblichkeit“ zur „vollen ganzen Menschheit“
b. Die Ehe
c. Das Kind
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den polaren Geschlechterdiskurs in Friedrich Schlegels Roman „Lucinde“ sowie den damit verbundenen Entwicklungsprozess des Protagonisten Julius. Ziel ist es, die Merkmale von Männlichkeit und Weiblichkeit zu analysieren, um aufzuzeigen, wie durch eine liebende Verbindung und gegenseitige Ergänzung die vollkommene Menschheit erreicht wird.
- Entwicklung des Protagonisten vom Jüngling zum Erwachsenen
- Analyse der polaren Geschlechtermerkmale
- Konzept der androgynen Liebesfähigkeit
- Bedeutung der Ehe und Elternschaft für die menschliche Vollendung
- Revision des traditionellen Frauenbildes in der Romantik
Auszug aus dem Buch
b. Lucinde und das Frauenbild in der „Lucinde“
Julius begegnet endlich einer jungen Malerin, die wie er sehr zurückgezogen lebt „völlig frey und unabhängig,“ viele seiner Interessen teilt und mit großer Ernsthaftigkeit an der Vervollkommnung ihrer künstlerischen Ausdrucksmöglichkeit arbeitet. Er sieht sie als „Gottheit“ und „Ziel aller Wünsche.“ Lucinde ist eine absolute Ausnahmeerscheinung, denn sie vereint alles, „was er sonst einzeln geliebt hatte: die schöne Neuheit des Sinnes, die hinreißende Leidenschaftlichkeit, die bescheidene Thätigkeit und Bildsamkeit und den großen Charakter.“ „Er hatte die Liebe und das Glück überall gesucht, wo sie nicht zu finden waren [...].“
Durch Lucinde, deren Name erst spät und nur in Verbindung mit Liebe erwähnt wird, tauchen neue Weiblichkeitsmerkmale auf. Lucinde verbindet Aspekte der Weiblichkeit, die nicht in das frühere traditionelle Frauenbild passen. In Bezug auf die Frau „verwirft Schlegel deren Zerspaltung in die Rolle der Intellektuellen, der Geliebten oder der Ehefrau und Mutter, die traditionell als disparat beurteilt wurden.“ Schlegel entwirft hier ein neues Frauenbild denn in der Lucinde sind alle Eigenschaften vorhanden. Julius sieht in ihr die Geliebte, Frau, Mutter, die beste Gesellschaft und auch eine vollkommene Freundin.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des polaren Geschlechterdiskurses und der Entwicklung des Protagonisten Julius in Friedrich Schlegels „Lucinde“.
2. Merkmale der Weiblichkeit: Untersuchung verschiedener weiblicher Figuren und deren Rolle für Julius' Suche nach Liebe, sowie die Darstellung des neuen Frauenbildes in der „Lucinde“.
3. Merkmale der Männlichkeit: Analyse des Lern- und Entwicklungsprozesses von Julius („Lehrjahre der Männlichkeit“) sowie des zeitgenössischen Männerbildes.
4. Die „wahre“ Liebe: Erläuterung der androgynen Verschmelzung zu einer vollkommenen Menschheit, der Eheauffassung und der Bedeutung der Elternschaft.
5. Fazit: Zusammenfassung der zentralen Themen der Arbeit, insbesondere der Entwicklung zum Erwachsenen und der Bedeutung einer liebenden Verbindung.
Schlüsselwörter
Friedrich Schlegel, Lucinde, Geschlechterrollen, Männlichkeit, Weiblichkeit, Liebesfähigkeit, Romantik, Identitätsentwicklung, Androgynität, Ehe, Menschheit, Geschlechterdiskurs, Julius, Literaturwissenschaft, Frauenbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den polaren Geschlechterdiskurs in Friedrich Schlegels Roman „Lucinde“ und den Entwicklungsweg des Protagonisten Julius.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Entwicklung der Liebesfähigkeit, die Geschlechterrollen, die Bedeutung von Ehe und Elternschaft sowie das androgynische Ideal.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die Begegnung mit Lucinde und eine gegenseitige Ergänzung der Geschlechter die „vollkommene Menschheit“ erreicht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur Geschlechtertheorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse weiblicher Typisierungen, den männlichen Entwicklungsprozess und die Konzepte der wahren Liebe sowie der Ehe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schlegel, Lucinde, Geschlechterrollen, Androgynität und Liebesfähigkeit maßgeblich bestimmt.
Welche Rolle spielt die Figur der Lucinde für den Protagonisten?
Lucinde fungiert als das Ideal, da sie als einzige Frau die verschiedenen Aspekte (Geliebte, Mutter, Freundin) in sich vereint und Julius zu seiner emotionalen Mitte führt.
Warum lehnt Schlegel bzw. Julius die traditionelle Rollentrennung ab?
Die Arbeit zeigt auf, dass eine starre Zerspaltung in Rollen (wie die der bloßen Ehefrau oder Intellektuellen) eine wahre, vollkommene Liebesbeziehung verhindert.
- Quote paper
- Julia Edel (Author), 2010, Schlegel Geschlechterrollenwechsel und ,polarer‘ Geschlechterdiskurs in Friedrich Schlegels "Lucinde", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198539