Schwerpunktmäßig lässt sich das Thema dieser Arbeit in zwei Elemente aufteilen, die, jedes für sich, Anlass für einen breiten wissenschaftlichen Diskurs geben. Zum einen handelt es sich um das Problem der Unternehmensbewertung, das in der Wissenschaft und Praxis seit jeher große Beachtung fand und auch heutzutage noch intensiv diskutiert wird. Zum anderen ist es das Thema der unterschiedlichen Rechnungslegung von HGB und IFRS, welches zuletzt durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) in den Fokus gerückt wurde.
Ausgangspunkt der Untersuchung ist der nach den jeweiligen Rechnungslegungs-vorschriften erstellte Jahresabschluss. Der Grundgedanke ist, dass Jahresabschlüsse ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild eines Unternehmens vermitteln sollen. Hätte dieses Prinzip sowohl nach HGB als auch nach IFRS den-selben Stellenwert, müssten sich Jahresabschlüsse zwar nicht in jedem Detail gleichen, jedoch müsste im Endeffekt ein einheitliches Bild entstehen. Versucht man nun dieses Bild vom Zustand eines Unternehmens als monetäre Größe auszudrücken, um es vergleichen zu können, dann benötigt man hierfür das Instrumentarium der Unternehmensbewertung.
Diese Arbeit zeigt, dass es durch unterschiedliche Rechnungslegungsvorschriften zu teilweise gravierenden Unterschieden bei der Unternehmensbewertung kommt, wenn diese ausschließlich auf Grund von Jahresabschlussdaten vorgenommen wird.
Einführend werden in Abschnitt 2.1 die Grundlagen zu den verschiedenen Verfahren der Unternehmensbewertung dargestellt. Innerhalb dieser Verfahren wird der Weighted Average Cost of Capital (WACC) Ansatz genauer beschrieben und exemplarisch für die weitere Analyse verwandt. Das Grundlagenkapitel schließt mit Abschnitt 2.2, in dem die elementaren Unterschiede zwischen HGB und IFRS aufgezeigt werden.
In Abschnitt 3.1 werden die Unterschiede zwischen HGB und IFRS detaillierter anhand von zwei Bilanzpositionen herausgearbeitet. Die Untersuchung stellt hier die Wirkung der unterschiedlichen Rechnungslegung auf das Jahresergebnis dar. Ausgehend vom Jahresergebnis wird in Abschnitt 3.2 aufgezeigt, wie sich diese 2 Unterschiede in der Bewertung von Unternehmen niederschlagen. Das Fazit in Abschnitt 4 fasst die wesentlichen Ergebnisse schließlich zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Unternehmensbewertung und Vergleich der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung nach HGB mit den Qualitative Characteristics der IFRS
2.1 Grundlagen und Verfahren der Unternehmensbewertung
2.1.1 Verfahren der Unternehmensbewertung
2.1.2 WACC-Ansatz
2.2 Vergleich der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung nach HGB mit den Qualitative Characteristics der IFRS
3 Analyse der Auswirkung ausgewählter Rechnungslegungsvorschriften nach HGB und IFRS auf die Unternehmensbewertung
3.1 Vergleich ausgewählter Rechnungslegungsvorschriften nach HGB und IFRS
3.1.1 Finanzanlagen
3.1.1.1 Ansatz
3.1.1.2 Bewertung
3.1.2 Schulden
3.1.2.1 Ansatz
3.1.2.2 Bewertung
3.2 Analyse der Auswirkung der Rechnungslegungsvorschriften nach HGB und IFRS auf die Komponenten der Unternehmensbewertung nach dem WACC-Ansatz
3.2.1 Auswirkung auf die Kapitalisierungsgröße
3.2.2 Auswirkung auf den Kapitalisierungszinssatz
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Einfluss unterschiedlicher Rechnungslegungsvorschriften nach HGB und IFRS auf die Unternehmensbewertung, insbesondere bei einer Ableitung auf Basis von Jahresabschlussdaten. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, inwieweit die Divergenzen in den Bilanzierungsstandards (insbesondere bei Finanzanlagen und Schulden) zu abweichenden Unternehmenswerten unter Anwendung des WACC-Ansatzes führen.
- Grundlagen der Unternehmensbewertung und des WACC-Ansatzes
- Gegenüberstellung von HGB (Gläubigerschutz) und IFRS (Investorenschutz)
- Analyse der Bilanzierung von Finanzanlagen und Schulden
- Einfluss der Rechnungslegung auf Kapitalisierungsgröße und -zinssatz
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Verfahren der Unternehmensbewertung
Grundsätzlich findet eine Unternehmensbewertung immer zweckgerichtet statt, weshalb das sogenannte Zweckadäquanzprinzip auch allgemein anerkannt ist. Um eine Unternehmensbewertung jedoch vergleichbar zu machen, ist von einem speziellen Zweck zu abstrahieren. Es muss ein objektivierter Unternehmenswert ermittelt werden.
Für eine derartige Berechnung eignet sich z.B. das auf der Investitionstheorie basierende Kapitalwertkalkül. Hierbei werden alle künftigen Mittelzuflüsse und Mittelabflüsse wertmäßig erfasst und auf den Bewertungsstichtag diskontiert. Es ergibt sich ein Bruttokapitalwert, der auch als Ertragswert oder Discounted Cashflow (DCF) bezeichnet wird. Diese beiden Berechnungsweisen gehören zu den Gesamtbewertungsverfahren, bei denen das Unternehmen als Bewertungseinheit betrachtet wird. Der Wert bemisst sich nach dem Gesamtertrag, der aus dem Unternehmen zu erwarten ist. Neben diesem Verfahren gibt es noch weitere, wie Einzelbewertungs- und Mischverfahren sowie Überschlagsrechnungen.
In den meisten Fällen einer Unternehmensbewertung wird ein Gesamtbewertungsverfahren herangezogen. Innerhalb dieses Ansatzes existiert allerdings immer noch eine Vielzahl von unterschiedlichen Ausprägungen. Deshalb soll der WACC-Ansatz im Folgenden exemplarisch untersucht werden. Gründe hierfür liegen zum einen darin, dass es sich beim WACC-Ansatz um eines der am weitesten verbreiteten Verfahren zur Unternehmensbewertung handelt. Zum anderen führen alle Zukunftserfolgswertverfahren unter bestimmten Annahmen zu demselben Ergebnis, oder können, durch analytische Umformung, ineinander überführt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Unternehmensbewertung und die Relevanz unterschiedlicher Rechnungslegungsvorschriften (HGB vs. IFRS) für die Praxis.
2 Grundlagen der Unternehmensbewertung und Vergleich der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung nach HGB mit den Qualitative Characteristics der IFRS: Erläuterung der Bewertungsmethodik (insbes. WACC-Ansatz) und grundlegender Unterschiede in den Rechnungslegungsphilosophien.
3 Analyse der Auswirkung ausgewählter Rechnungslegungsvorschriften nach HGB und IFRS auf die Unternehmensbewertung: Detaillierte Untersuchung der Bilanzierung von Finanzanlagen und Schulden und deren Einfluss auf die Bewertungsparameter.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, wie Rechnungslegungsunterschiede zu verschiedenen Unternehmenswerten führen können und inwieweit die Vergleichbarkeit eingeschränkt bleibt.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, HGB, IFRS, WACC-Ansatz, Jahresabschluss, BilMoG, Finanzanlagen, Schulden, Rückstellungen, Fair Value, Gläubigerschutz, Investorenschutz, Kapitalisierungszinssatz, Cashflow, Bilanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die vergleichende Analyse der Unternehmensbewertung auf Basis von Jahresabschlussdaten nach den unterschiedlichen Regelungen des HGB und der IFRS.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Unternehmensbewertungslehre, die Rechnungslegung nach HGB und IFRS sowie die Analyse von Bilanzierungseffekten auf den Unternehmenswert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu zeigen, wie unterschiedliche Bilanzierungsvorschriften, speziell bei Finanzanlagen und Schulden, die Komponenten der Unternehmensbewertung und damit das Endergebnis beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herleitung und einen wertorientierten Vergleich anhand des WACC-Ansatzes (Weighted Average Cost of Capital) als Bruttokapitalisierungsverfahren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Rechnungslegungsvorschriften für Finanzanlagen und Schulden sowie deren rechnerische Auswirkungen auf Kapitalisierungsgröße und Diskontierungszinssatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unternehmensbewertung, HGB, IFRS, WACC, Bilanzierung und Kapitalisierungszinssatz.
Warum spielt der Verschuldungsgrad bei der Bewertung eine wichtige Rolle?
Der Verschuldungsgrad beeinflusst über das Modigliani-Miller-Modell den Kapitalisierungszinssatz, was eine sensitive Abhängigkeit des Unternehmenswerts von der Bilanzierung des Fremdkapitals erzeugt.
Welches Fazit zieht der Autor zur Vergleichbarkeit?
Der Autor schlussfolgert, dass eine direkte Vergleichbarkeit von Unternehmenswerten aufgrund der unterschiedlichen Bilanzierungsvorschriften erschwert ist, da die notwendigen Korrekturdaten oft nicht transparent aus dem Jahresabschluss hervorgehen.
- Citar trabajo
- Christian Meinecke (Autor), 2012, Vergleichende Analyse einer an Jahresabschlussinformationen orientierten Unternehmensbewertung nach HGB und IFRS, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198608