Die drei Guayanas: Französisch-Guyana, Suriname, Guyana

Exkurs zu den Îles du Salut


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Überblick über „Die drei Guyanas“
1.1. Begriffserklärung und Lage
1.2. Geschichte der drei Guyanas
1.3. Bevölkerungszusammensetzung
1.3.1 Die Indigene Bevölkerung
1.3.2 Afrikaner
1.3.3 Die Europäer
1.3.4 Die Asiaten

2. Wirtschaftliche Aspekte in den Guyana-Länder
2.1 Natürliche Ressourcen
2.2 Industrielle Produktion
2.3 Wirtschaft Heute
2.3.1 Französisch-Guyana
2.3.2 Suriname
2.3.3. Guyana

3. Naturräumliche Gliederung der Guyana-Länder
3.1 Geologie
3.2 Landschaftseinheiten

4. Das Klima in den Guyana-Ländern
4.1. Klima in den Tropen
4.2 Klimaklassifikation

5. Exkurs: Îles du Salut

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

1. Überblick über „Die drei Guyanas“

1.1. Begriffserklärung und Lage

Die Guayanas liegen im Nordosten Südamerikas, zwischen dem zweiten und achten Breitengrad nördlich des Äquators. In älteren Darstellungen wird oft von der „Insel Guayana“ gesprochen. Darunter versteht sich ein Gebiet, welches im Osten und Nordosten durch den Atlantischen Ozean, in südlicher und westlicher Richtung durch die Flüsse Amazonas und Orinoco begrenzt wird (Sonnenkalb 1964: 110). Der Name Guayana stammt von den Indianern ab.

Die Einen deuten ihn als „Von Wasser umgebenes Land“, die Anderen als „Land ohne Namen“ oder gar „Göttliches Land“ (Binder 1979: 241). Heute gilt diese Bezeichnung als Sammelname für die drei ehemaligen Kolonialgebiete (Sonnenkalb 1964: 110).

Die drei Gebiete liegen im Nordosten Südamerikas, im heißesten Teil des Kontinents und sind mit dichtem Regenwald bedeckt. Allen dreien ist ein 20-80km breiter, flacher Küstenstreifen gemein, auf dem rund 90% ihrer Bewohner leben und hauptsächlich Landwirtschaft betreiben. Daran angrenzend steigt das Land stufenförmig an bis zu den Gebirgen im Westen und im Süden, die gleichzeitig auch Grenze und Wasserscheide zum Amazonasbecken darstellen. Mit 2810 Metern ist Roraima der höchste Berg und liegt genau im Länderdreieck von Brasilien, Venezuela und Guyana ( 1979: 242).

In der vorliegenden Hausarbeit soll zu Beginn ein Überblick über die Geschichte der drei Länder gegeben werden, die zumindest in den Anfängen für alle ähnlich ist. Anschließend werde ich auf verschiedene geographische Aspekte eingehen, wie der Bevölkerungszusammensetzung, der wirtschaftlichen Lage und der physischen Ausstattung der Länder. In einem kleinen Exkurs gehe ich auf die Französisch-Guyana vorgelagerten Îles du Salut ein.

1.2. Geschichte der drei Guyanas

Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern Südamerikas konnten die Spanier in den Guyana-Ländern langfristig keinen Einfluss geltend machen. Sie wurden von Briten, Franzosen und Niederländern kolonialisiert und geprägt.

Die Geschichte der Entdeckung Guayanas und des gesamten südamerikanischen Kontinents beginnt 1498 mit der dritten Fahrt Kolumbus‘ über den Atlantik. Bereits mehrere Jahrhunderte vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus lebten einige Indianerstämme in dem heutigen Gebiet der Guyanas. Dabei soll der Stamm der Arawaks, der etwa um 1500-1000 v. Chr. in den Norden Südamerikas vordrang, zahlenmäßig am größten gewesen sein. Sie wurden durch die spanischen Eroberer als friedlich charakterisiert. Im Vergleich dazu kamen die Kariben später in die Region und unterwarfen die ansässigen Stämme. Sie wurden als kriegerisch und aggressiv bezeichnet. Im Landesinneren finden sich viele kleinere indigene Volksgruppen, die bis heute sehr abgeschieden leben (Schröder 2010: 22).

Auf seiner dritten Amerikareise 1498 drang Christoph Kolumbus weiter nach Süden als zuvor und erreichte am 31. Juli 1498 mit der Mündung des Orinocos die Nordküste des heutigen Venezuelas. Im darauffolgenden Jahr erkundeten Amerigo Vespucci und Alonso de Hojeda die Küste von Venezuela bis zu den Guyanas. Wegen der ungünstigen Bedingungen, wie Schlammküsten und unwegsames Gelände, verloren die Spanier hier schnell das Interesse (Schröder 2010:22).

Im 16. und 17. Jahrhundert reisten besonders die Niederländer und Engländer in die Karibik und legten Pausen an der Küste Surinames ein, um Handel mit den Einheimischen zu treiben. Die Niederländer bauten 1613 eine kleine Handelsniederlassung und verstärkten diese vor Angriffen mit einem Fort. Eine dauerhafte Besiedelung gelang den Europäern dennoch nicht, dazu waren das Klima und die tropischen Krankheiten, sowie die Überfälle durch die Indianer zu stark. Erst 1651 schafften es die Briten, im heutigen Suriname eine Siedlung zu errichten. Sie nahmen das alte Fort der Niederländer ein und vertrieben die Indios. Nachdem insbesondere durch die Niederländer das Sumpfland an der Küste entwässert wurde, konnten Zuckerrohrplantagen errichtet werden. Von 1665-1667 brach ein Englisch-Niederländischer Krieg um die Territorien der heutigen Guyana-Staaten, aber auch um andere Überseegebiete der beiden Länder, aus. Dabei besetzten die Niederländer am 27.2.1667 das Fort. Am 31.7.1667 schlossen die die Kriegsparteien in Europa den Frieden von Breda. Die Briten traten ihre territorialen Ansprüche an die Niederländer ab und erhielten im Gegensatz die bis dato niederländische Siedlung New Amsterdam. Diese festgelegte Verteilung der Gebietseinheiten wurde am 19.2.1674 im Frieden von Westminster erneut geändert (Schröder 2010: 23).

Seit 1667 besetzten auch die Franzosen dauerhaft die Küste, im Gebiet des heutigen Französisch-Guyana.

Es folgten zahlreiche blutige Auseinandersetzungen um die Gebiete, vor allem zwischen Briten und Niederländern. Daher unterzeichneten alle drei Staaten 1814 einen Friedensvertrag auf dem Wiener Kongress, um mehr Stabilität in die Region zu bringen. Dabei einigten sich die Niederländer und die Engländer auf die bis heute gültige Einteilung. England bekam British Guyana (heute Guyana) und die Niederländer das Gebiet des heutigen Suriname (Schröder 2010:24).

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kam es zu einigen Siedlungsgründungen in Niederländisch Guyana. Als eine der letzten europäischen Nationen schafften die Niederländer die Sklaverei 1863 ab, allerdings waren die ehemaligen Sklaven nicht frei, sondern mussten noch 10 Jahre gegen Lohn auf den Plantagen arbeiten. Nach ihrer endgültigen Freilassung zogen die meisten von ihnen in die Hauptstadt Paramaribo. Zu diesem Zeitpunkt kamen viele Inder in die Niederländische Kolonie, aber auch in die anderen zwei Kolonialgebiete. Sie sollten die Arbeiter auf den Plantagen aber auch in den Bergwerken ersetzen. Außerdem verfügten sie über handwerkliches oder sogar administratives Know-How und bildeten so die Mittelschicht. Ab 1916 wurden vermehrt Arbeiter aus Niederländisch Ostindien geholt, vorwiegend aus Java (Schröder 2010: 26ff.).

Französisch-Guyana ist das kleinste der drei Gebiete mit einer Fläche von 91.000km². Als Übersee-Departement untersteht Französisch-Guayana seit 1946 der zentralistischen Verwaltung des Mutterlandes und hat somit keine eigene Verfassung (Sonnenkalb 1964: 110).

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in Niederländisch Guyana der Wunsch nach Unabhängigkeit immer größer. Ab 1946 bildeten sich die ersten Parteien, welche damals aber noch eher die Interessen der ethnischen Bevölkerungsgruppen vertraten. 1955 erließ die niederländische Regierung das „Königsreichsstatut“, nach welchem alle Kolonien die „Selbstverwaltung in eigenen Angelegenheiten“ eingeräumt wurde. Die aus Indien stammende Bevölkerung stellt dabei den größten Anteil in Niederländisch Guyana dar und beanspruchte die größte Macht im neuen Parlament. Während des Unabhängigkeitsprozesses emigrierte fast ein Drittel der Bevölkerung aus Angst vor Unruhen und wirtschaftlichem Niedergang in die Niederlande. Am 25.11.1975 erlangte Niederländisch Guyana die Unabhängigkeit (Schröder 2010: 26ff.). Mittlerweile scheint die politische Stabilität gesichert zu sein, ist allerdings durch die Vielzahl an Ethnien nie ganz gewährleistet. Diese leben noch immer stark segregiert voneinander (Schröder 2010: 29).

Guyana, früher British-Guyana, ist mit 214.980km² und Einwohnern die größte der drei Kolonien an Fläche und Einwohnerzahl. Seit 1958 hat es eine eigene Verfassung.

1966 erlang Guyana die Unabhängigkeit und besitzt seit 1970 den Status „Kooperative Republik“. Im Jahr 2000 erst kam es zu erneuten Territorialstreitigkeiten mit Suriname

(Schröder 2010: 13f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Tabellarischer Vergleich

Quelle: Eigene Darstellung nach www.cia.gov und www.insee.fr

1.3. Bevölkerungszusammensetzung

1.3.1 Die Indigene Bevölkerung

Die Besiedlung Amerikas erfolgte vor schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Jahren, kurz nach der letzten Eiszeit, als die Beringstraße noch zu Fuß überquert werden konnte. Mit der Entdeckung Amerikas durch die Kolonialmächte setzte unter den Ureinwohnern das Massensterben ein. Kolumbus musste feststellen, dass vier Jahre nach seiner ersten Reise bereits 6 von 7 indigenen Stämmen gestorben waren. Neben kriegerischen Handlungen und Zwangsarbeit, gelten eingeschleppte Krankheiten, wie Pocken, Pest, Grippe, Masern, als Gründe für das Massensterben (Schröder 2010:17f.). Erst ab 1800 stabilisierte sich die Zahl der Indios wieder, ein Bevölkerungsanstieg ist allerdings nicht mehr erfolgt.

1.3.2 Afrikaner

Die Ansiedlung von ursprünglich afrikanischen Einwohnern hängt stark mit dem Plantagenbau im nördlichen Südamerika und vor allem für den karibischen und brasilianischen Raum mit dem Anbau von Zuckerrohr zusammen.

Als sich herausgestellt hatte, dass die Indios für die Plantagenarbeit nicht zu gebrauchen waren, wurde für diese Arbeit auf die bereits bewährten Sklaven aus Afrika zurückgegriffen. Sie waren die einzigen, die die Plantagenarbeit zumindest für eine gewisse Zeit überlebten. Es entwickelte sich ein sogenannter Dreieckshandel, bei dem in Europa vor allem billige Waren eingeladen und in Afrika gegen günstige Sklaven getauscht wurden. In Amerika wurde diese dann gegen Gold, Silber, Zucker oder Rum eingetauscht, welche nach Europa transportiert wurden. So kam es zur massenhaften Deportation afrikanischer Einwohner nach Südamerika. Um 1640 gab es bereits um die 70.000 Afrikaner hier (Schröder 2010: 18f.).

1.3.3 Die Europäer

Seit 1492 übten die Europäer eine prägende Rolle in Amerika aus, waren aber zahlenmäßig eine lange Zeit unterlegen. Ihre Zahl stieg nur allmählich an durch eine ständige Migration und höheren Geburtenüberschuss. Erst durch die Massenmigration im 17. und 18. Jahrhundert vervielfachte sich ihre Zahl. Eines der Hauptziele dabei war Brasilien, der Norden Südamerikas blieb aufgrund der schwierigen klimatischen Bedingungen verschont. Der sprunghafte Anstieg ab 1930 ist auf die bessere medizinische Versorgung zurückzuführen. Damit einhergehen dann auch eine geringerer Sterbequote sowie eine geringere Kindersterblichkeit (Schröder 2010: 20).

1.3.4 Die Asiaten

In Asien herrschten Bevölkerungsdruck, Armut und Hungersnöte. So wurde für viele Asiaten nach dem Ende der Sklaverei Südamerika zu einem interessanten Ziel. Während die Europäer mehr die milden Klimate im Süden Südamerikas oder in Nordamerika präferierten, zog es die Asiaten in den heißen Norden Südamerikas. Unterstützend wirkte, dass die Kolonialmächte im Norden gute Handelsbeziehungen nach Asien verfügten und so an günstige Arbeitskräfte gelangten. Hierbei spielten vor allem Inder, Indonesier und Malaien eine Rolle (Schröder 2010: 21).

2. Wirtschaftliche Aspekte in den Guyana-Länder

2.1 Natürliche Ressourcen

Im nördlichen Südamerika kommen Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas, Eisenerze, Bauxit, Mangan, Steinkohle, Gold und Diamanten, sowie Holz vor. Abgebaut werden sie bisher er vor allem im Küstenbereich (Michael 2008: 214). Internationale Bedeutung haben insbesondere die Bauxitvorkommen.

2.2 Industrielle Produktion

Bis auf einige Küstenbereiche, in denen Zuckerrohr, Bananen, Reis und Mais angebaut werden, ist Französisch-Guyana fast komplett mit Wald bedeckt. Aufgrund von fehlender Infrastruktur ist das Vordringen in das Landesinnere fast ausschließlich auf dem Wasserweg möglich. Der wichtigste agrarische Produktionszweig hier ist der Zuckerrohranbau. Die industrielle Produktion beschränkt sich bisher nur auf die Goldgewinnung und die Rumdestillation. Dabei ist die Goldgewinnung in den letzten Jahrzehnten allerdings zurückgegangen (www.cia.gov). Französisch-Guyana besitzt außerdem Bauxitreserven, welche auf 100 Mio. Tonnen geschätzt wurden. Die Bauxitlagerstätten befinden sich etwa 50 Km von der Küste entfernt und sind verkehrsgünstig zu erreichen. In der Nähe der Hauptstadt Cayenne wurden Eisenerzlager sowie Erdölvorkommen entdeckt. Allerdings fehlt es noch an Kapital sowie an Arbeitskräften, um den Abbau zu beginnen (Schröder 2010: 92).

Früher war in Suriname der Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Hier wurden vor allem Reis, Zucker und Zitrusfrüchte angebaut. Seit jedoch die Bauxitvorkommen entdeckt wurden, wird die Wirtschaft in Suriname von der Bergbauindustrie dominiert. Über 85% der Exporte stellen den Export von Aluminium, Gold und Erdöl dar. Insgesamt wurden die Bauxitreserven hier auf etwa 250 Mio. Tonnen geschätzt. Zwischen 1952 und 1960 brachte Bauxit 80% des Gesamtexportwertes ein, Hauptabnehmer waren die USA (www.cia.gov).

Es wurden neben einem Staudamm am Suriname-River, einem Großkraftwerk zur Stromerzeugung auch ein Aluminiumwerk gebaut. Mittlerweile sollen weitere Staudämme und ein Bauxitwerk im Westen Surinames errichtet werden (www.cia.gov).

Guyana ist wie Französisch-Guyana fast vollständig bewaldet. Dennoch ist die Holznutzung aufgrund der schwierigen Verkehrserschließung noch sehr gering. Der größte Teil der Bevölkerung lebt in der Küstenregion und betreibt auf etwa 1% der Landesfläche Landwirtschaft. Zucker und Reis bilden die Hauptanbauprodukte in Guyana. Auch in Guyana gibt es Bauxitvorkommen. Im Jahr 1933 wurden bereits 42.000t gefördert und die Bauxitindustrie erreichte 1962 mit 3 Mio. Tonnen ihr Maximum. Der Rohstoff wird auch hier überwiegend als Rohprodukt exportiert. Neben Bauxit werden auch Gold und Diamanten abgebaut, die Mengen sind jedoch gering. Weiterhin werden hier aber auch Manganerze abgebaut, die Vorkommen wurden auf 4 Mio. Tonnen geschätzt (www.cia.gov).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die drei Guayanas: Französisch-Guyana, Suriname, Guyana
Untertitel
Exkurs zu den Îles du Salut
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Regionalseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V198609
ISBN (eBook)
9783656249429
ISBN (Buch)
9783656252887
Dateigröße
748 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit wurde im Rahmen einer Großen Exkursion in die Karibik angefertigt
Schlagworte
Suriname, Karibik, guyana, Französisch-Guyana, Kolonialgebiete, Geographie, Exkursion
Arbeit zitieren
Linda Schaumburg (Autor), 2011, Die drei Guayanas: Französisch-Guyana, Suriname, Guyana, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198609

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