Die Öffnung von Unterricht im Sinne von Mitbestimmungsoptionen für Schülerinnen und Schüler wird oft propagiert und selten konkret umgesetzt. Insbesondere eine didaktische Öffnung ist selten; zwar können Schüler gelegentlich bei der Auswahl einer Lektüre mitentscheiden, doch haben sie wesentlich weniger häufig die Gelegenheit mitzubestimmen, welche Aspekte eines Textes untersucht werden sollen. Nach der Lektüre des Romans "Der Vorleser" bestimmen die Schüler einer 11. Klasse mit, welche Passagen für sie untersuchenswert sind. Arbeitsteilig entwerfen sie Standbilder und suchen herausfordernde Zitate, die Anregungen für die Weiterarbeit geben. An der Tafel werden die im Plenum entstehenden Fragestellungen gesammelt, sodass gemeinsam ein Unterrichtsplan für die folgende Literatureinheit entstehen kann.
Inhaltsverzeichnis
1.1 Zur Lerngruppe
1.2 Lernvoraussetzungen
2. Sachanalyse
3. Didaktische Überlegungen
4. Lernziele
5. Methodische Überlegungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, durch den Einsatz von Standbildern als handlungsorientierte Methode die Themenauswahl und Planung einer Unterrichtsreihe zu Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ in einer 11. Klasse aktiv durch die Schülerinnen und Schüler mitbestimmen zu lassen.
- Handlungsorientierte Literaturdidaktik im Deutschunterricht der Oberstufe
- Einsatz von Standbildern zur Text- und Szenenerschließung
- Schülerpartizipation bei der Planung von Unterrichtsreihen
- Analyse der Beziehung von Michael und Hanna unter Berücksichtigung von Identitätskonflikten
- Integration filmischer Stilmittel in die Literaturarbeit
Auszug aus dem Buch
1.1 Zur Lerngruppe
Die heutige Unterrichtsstunde findet im Deutsch-Grundkurs 11 statt. Ich unterrichte die Klasse seit Schuljahresbeginn. Zunächst gestaltete sich die Zusammenarbeit schwierig. Auf der Suche nach meiner Rolle als Lehrerin trat ich den Schülerinnen und Schülern streng und distanziert gegenüber, fühlte mich dabei aber schnell unsicher und unwohl. Ich hatte oft das Gefühl, dass die SuS mich skeptisch und misstrauisch betrachten. Seither hat sich der Umgang miteinander immer wieder verändert. Ich glaube, dass die SuS mittlerweile Vertrauen haben und wissen, dass ich sie fördern möchte, auch ich nehme die SuS seitdem als angenehmer im Umgang mit mir wahr.
Die SuS lassen sich, was ihre Motivation, ihr Können, ihre Extraversion, ihre Gewissenhaftigkeit und ihr Selbstbewusstsein in mehrere Kleingruppen einteilen, es ergibt sich eine herausfordernde Gruppendynamik. Zunächst sind mir einige SuS aufgefallen, die dem Deutschunterricht im Allgemeinen sehr kritisch gegenüberstehen. Sie beklagen oft, Literaturanalyse sei sinnlos und irrelevant. In anonymen Umfragen bezeichneten einige SuS ihre Vorerfahrung mit Literaturunterricht als „fremd“, eine „Qual“ oder „ätzend“.
Zusammenfassung der Kapitel
1.1 Zur Lerngruppe: Dieses Kapitel beschreibt die soziokulturelle Zusammensetzung des Kurses, die bestehende Gruppendynamik und die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler.
1.2 Lernvoraussetzungen: Hier wird das methodische Vorwissen der Lerngruppe analysiert und der Stand der bisherigen literarischen Arbeit sowie der Umgang mit Standbildern erläutert.
2. Sachanalyse: Dieses Kapitel identifiziert fünf zentrale Textstellen aus „Der Vorleser“, die als Basis für die Untersuchung der Beziehungsproblematik und weiterer Romanmotive dienen.
3. Didaktische Überlegungen: Die didaktische Begründung für die Themenwahl und die methodische Anlage der Stunde wird hier in Bezug auf den Lehrplan und die Entwicklungspsychologie der SuS dargelegt.
4. Lernziele: Dieses Kapitel definiert die angestrebten sprachlich-kommunikativen, nebenlernzielorientierten sowie methodischen Kompetenzen, die durch die Unterrichtseinheit erreicht werden sollen.
5. Methodische Überlegungen: Die methodische Umsetzung der Stunde, insbesondere die Dreigliedrigkeit aus Standbildarbeit, Zitatanalyse und Fragestellungsentwicklung, wird hier im Detail begründet.
Schlüsselwörter
Der Vorleser, Bernhard Schlink, Standbild, Literaturunterricht, Oberstufe, Schülerorientierung, Handlungs- und Produktorientierung, Identitätsfindung, Filmanalyse, Deutschunterricht, Gruppendynamik, Literarische Erschließung, Szenisches Spiel, Textanalyse, Unterrichtsplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Konzeption und methodische Gestaltung einer Einstiegsstunde zur Romanlektüre „Der Vorleser“ in einer 11. Klasse, um die Schüler aktiv in die Planung der folgenden Unterrichtsreihe einzubeziehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Beziehung zwischen Michael und Hanna, die Schuldproblematik des Romans, Identitätskonflikte sowie die praktische Umsetzung durch handlungsorientierte Methoden wie das Standbild.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, dass die SuS untersuchungswürdige Aspekte des Romans selbst identifizieren und daraus einen groben Plan für die Unterrichtsreihe entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Fokus liegt auf handlungsorientierter Literaturdidaktik (nach Ingo Scheller), kombiniert mit schülerorientierten Verfahren zur Binnendifferenzierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Lerngruppe, die fachliche Sachanalyse ausgewählter Textstellen sowie die detaillierte didaktisch-methodische Planung der Unterrichtsstunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind handlungsorientierter Unterricht, Standbildarbeit, Schülerpartizipation, Literaturdidaktik und Identitätsfindung.
Wie wird mit leistungsschwächeren oder unmotivierten Schülern umgegangen?
Die Autorin setzt auf gezielte Gruppenzusammensetzungen und individuelle Aufgabenstellungen, um Stärken der Schüler zu nutzen und die Motivation durch modernere Ansätze (z.B. Filmanalyse) zu steigern.
Welche Rolle spielt die Filmanalyse in diesem Konzept?
Filmische Stilmittel werden als Medium genutzt, um die literarische Arbeit zu bereichern, die Motivation der SuS zu erhöhen und eine Brücke zu ihren Lebenswelten zu schlagen.
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- Mareike Hachemer (Author), 2011, Mit Standbildern Unterrichtsschwerpunkte mitbestimmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198676