Der/Die Bildungswissenschaftler/in im Bereich der interkulturellen Arbeit/Arbeit mit Migranten


Hausarbeit, 2012

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das 4C/ID Modell am Beispiel eines Bildungswissenschaftlers im Bereich der interkulturellen Arbeit/Arbeit mit Migranten
2.1 Kompetenzanalyse und Fertigkeitshierarchie
2.2 Vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen
2.3 Lernaufgaben
2.4 Unterstützende Informationen und Just-in-time Informationen

3 Mediendidaktische Überlegungen zum 4C/ID Modell
3.1 Lerntheoretische Überlegungen
3.2 Situiertes Lernen
3.3 Didaktische Szenarien
3.4 Medien zur Unterstützung des Blueprints

4 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Hierarchie zu „Organisieren eines interkulturellen Festtages“

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen zu „Organisieren eines interkulturellen Festtages“

1. Einleitung

Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes (2012) für Personen mit Migrationshintergrund kann der Ausländerstatus sogar Angehörige der 3. Migranten-generation einschließen. 19,3 % der ca. 81,8 Millionen Einwohner Deutschlands besitzen einen Migrationshintergrund und der Ausländeranteil liegt bei ca. 8,8 % (Statistisches Bundesamt, 2012). Zusammen ergibt sich somit ein Prozentsatz von 28,1 % von in Deutschland lebenden Personen die einen Migrationshintergrund aufweisen oder Ausländer sind. Diese knapp 30 % der Bevölkerung verdeutlichen die Wichtigkeit der interkulturellen Arbeit/Arbeit mit Migranten, denn in diesen liegt ein großes menschliches, aber auch wirtschaftliches Potential. Sie stammen aus der ganzen Welt, mit mehr oder weniger unterschiedlichen Kulturen und Werten. Zentrale Aufgabe der Mitarbeiter im Bereich der interkulturellen Arbeit/Arbeit mit Migranten ist es, diesen Menschen nicht nur ein Zuhause zu bieten, sondern sie zu integrieren und zu aktiven Mitgliedern der Gesellschaft zu machen für ein produktives und fruchtbares Miteinander. Zur Integration ist auch der Kontakt zur aufnehmenden Gesellschaft wichtig. In der vorliegenden Hausarbeit mit dem Fallbeispiel „der Bildungswissenschaftler im Bereich der interkulturellen Arbeit/Arbeit mit Migranten“ ist dieser in einem interkulturellen Verein beschäftigt und soll von einem älteren Mitarbeiter nun die Aufgabe übernehmen einen großen interkulturellen Festtag zu organisieren.

Zunächst wird anhand des 4C/ID Modells ein Entwurf (Blueprint) zum Erlernen dieser komplexen Fertigkeit dargestellt. Im darauf folgenden Kapitel wird auf lerntheoretische Grundlagen, Aspekte des situierten Lernens, didaktische Szenarien sowie geeignete Medien eingegangen. Es wird jeweils ein Bezug zum 4C/ID Modell hergestellt. Den Abschluss der Arbeit bildet ein zusammenfassendes Fazit.

In der vorliegenden Hausarbeit wird, zur besseren Lesbarkeit, die männliche Form gewählt, gemeint sind aber stets beide Geschlechter.

2. Das 4C/ID Modell am Beispiel eines Bildungswissenschaftlers im Bereich der interkulturellen Arbeit/Arbeit mit Migranten

Das 4C/ID Modell (Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell, englisch four-component instructional design model) von Van Merriënboer soll hier kurz überblicksartig dargestellt werden. Im folgenden Kapitel wird auf einzelne Komponenten in einem Blueprint anhand des Beispiels „Der Bildungswissenschaftlers im Bereich der Interkulturellen Arbeit/Arbeit mit Migranten“ dargestellt. Das 4C/ID Modell gibt systematische Empfehlungen für den Entwurf von Lernmaterialen (Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2012, S. 90). Es kann in vier miteinander in Wechselbeziehung stehende Komponenten unterteilt werden: Lernaufgaben, Unterstützende Informationen, Just-in-time Informationen und Part-task-Practice (Bastiaens et al., 2012, S. 92f). Diese wiederum können in zehn Schritte aufgeteilt werden wobei sechs dieser Schritte eher vorbereitenden Charakter haben und vier sich mit dem Entwurf von Lernmaterialien beschäftigen (Bastiaens et al., 2012, S. 94). Durch das Hinzufügen von authentischen Lernaufgaben, die Realitätsnähe erzeugen sollen, können komplexe kognitive Fähigkeiten erfolgreich erlernt werden. Das Erlernen dieser, fördert den späteren Transfer von Wissen, die Übung ganzheitlicher Fertigkeiten und bildet somit die Grundlage zur Lösung komplexerer Problemstellungen in der Praxis. Unterschieden werden kann in wiederkehrende Fertigkeiten und nicht-wiederkehrende Fertigkeiten. Während sich die wiederkehrenden Fertigkeiten auf Bearbeitungsschritte beziehen, die sich im Laufe der Zeit automatisieren, also ohne darüber nachzudenken erfolgen, sind nicht-wiederkehrende Fertigkeiten durch ein zu lösendes Problem gekennzeichnet (Bastiaens et al., 2012, S. 90).

2.1. Kompetenzanalyse und Fertigkeitshierarchie

Zu Beginn der Erstellung einer Fertigkeitshierarchie muss die gewünschte Fertigkeit die ausgeführt werden soll, analysiert werden. Nach Zerlegung in die einzelnen Teilfertigkeiten, werden diese in die Hierarchie übertragen (Bastiaens et al., 2012, S. 95). Die komplexe Fertigkeit, die hier analysiert werden soll ist „Organisieren eines interkulturellen Festtages“. Beim Eintragen in die Fertigkeitshierarchie ergeben sich horizontale und vertikale Relationen (Bastiaens et al., 2012, S. 95). Horizontale Relationen, auch temporäre Relationen genannt, sind im Beispiel die Teilfertigkeiten „planen der Eckpunkte“, „Veranstaltungsort und Bewirtung festlegen“, „Öffentlichkeitsarbeit verwalten“ „Veranstaltung durchführen“ sowie „evaluieren der Veranstaltung“. Diese horizontalen Relationen legen fest zu welchem Zeitpunkt eine Fertigkeit ausgeführt wird, was sowohl sequentiell als auch gleichzeitig geschehen kann (Bastiaens et al., 2012, S. 95). Gelesen werden sie von links nach rechts. In der hier vorgestellten Hierarchie wird die zeitliche Abfolge deutlich. Der Bildungswissenschaftler muss zuerst die Eckpunkte wie z.B. einen fixen Termin planen bevor er wiederum einen Veranstaltungsort anfragen und schließlich buchen kann. Diese Informationen müssen vorliegen bevor mit der Öffentlichkeitsarbeit, also Werbung, begonnen werden kann.

Die vertikalen Relationen, auch konditionale Relationen genannt, zeigen an, welche Fertigkeiten Voraussetzung für weitere Fertigkeiten sind (Bastiaens et al., 2012, S. 95). Sie werden von unten nach oben gelesen wobei unten liegende, Voraussetzung für die darüber liegenden sind. Im Beispiel muss zuerst eine zumindest vage Einschränkung für den Zeitpunkt der Veranstaltung getroffen werden. Danach erst kann effizienter weise überprüft werden, wann welche anderen Großveranstaltungen in der gleichen Umgebung stattfinden, um Terminüberschneidungen möglichst auszuschließen. Erst wenn diese Punkte berücksichtigt wurden, kann ein fixer Termin festgelegt werden.

2.2. Vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen

Nachdem nun die Erstellung der Fertigkeitshierarchie abgeschlossen ist, kann mit der Ausarbeitung der vereinfachenden Annahmen und Aufgabenklassen begonnen werden. Der Aufbau der Aufgabenklassen verhält sich wie folgt: Innerhalb einer Aufgabenklasse befinden sich Lernaufgaben gleicher Schwierigkeit und können mit dem gleichen Vorwissen bearbeitet werden (Van Merriënboer, J. J. G., Clark, R. E., de Croock, M. B. M, 2002, S. 44). Die Unterstützung innerhalb der Aufgabenklasse nimmt jedoch im fortschreitenden Zeitverlauf bis zum vollständigen Einstellen der Unterstützung immer weiter ab, was als Scaffolding bezeichnet wird (Van Merriënboer et al., 2002, S. 45). Die Aufgabenklassen selbst, sind durch einen Aufstieg der Schwierigkeit gekennzeichnet (Bastiaens et al., 2012, S. 93). Der Entwurf der Aufgabenklassen ist ein wichtiger Schritt, da er Vorbedingung für die Erstellung und Selektion von Lernaufgaben ist. Nach Bastiaens et al. (2012, S. 96f) können vier Sequenzierungsprinzipien für den Entwurf von Aufgabenklassen genannt werden, diese sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Hierarchie zu "Organisieren eines interkulturellen Festtages"

- Sequenzierungsprinzip der vereinfachenden Annahmen
- Sequenzierungsprinzip der Nachdruck-Manipulation
- Mentale Modelle Progression
- Systematisches Problemverfahren.

Im Folgenden werden nun auf Basis des ersten Sequenzierungsprinzips vier vereinfachende Annahmen sowie drei Aufgabenklassen vorgestellt. Diese sollen beispielhaft für die Fertigkeit „Organisieren eines interkulturellen Festtages“ dargestellt werden:

Zeitspanne für die Veranstaltungsorganisation (6 Monate Zeit, 3 Monate Zeit)

Anzahl der Besuche r (Vergleichszahlen liegen vor, Vergleichszahlen liegen nicht vor)

Anzahl der Angebote von Werbefirmen ( 1 – langjähriger Partner, 2 - unbekannte Firmen, mehrere – 4 Stück -unbekannte Firmen)

Vorhandensein von Rahmenprogramm (altes vorhanden, nicht vorhanden)

In Tabelle 1 werden die vereinfachenden Annahmen über die Aufgabenklassen verteilt. Wie beschrieben, mit ansteigender Schwierigkeit.

Tab. 1: vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen zu „Organisieren eines interkulturellen Festtages“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgabenklasse 1

Der geplante interkulturelle Festtag soll in sechs Monaten stattfinden. Aus den Unterlagen des Vereins geht die genaue Besucherzahl des letzten Festes hervor. Somit kann der Bildungswissenschaftler sich danach richten und eine passende Location finden. Ebenso hat er eine gute Ausgangsbasis für die Bestellung der Bewirtung. Da der Verein bereits seit Jahren erfolgreich mit einem verlässlichen und preisgünstigen Werbepartner zusammenarbeitet, muss er nur ein Angebot, von eben diesem für die Gestaltung und Produktion der Werbemittel einholen. Über die Gestaltung des Rahmenprogrammes muss er sich keine Gedanken machen, da ihm das Programm des letzten Jahres inkl. der Ansprechpartner vorliegt. Die Programmpunkte kamen sehr gut an, d.h. er kann die gleichen Partner buchen die die Inhalte jeweils selbst abwandeln. Dies beinhaltet bspw., dass der Redner einen aktuellen Vortrag schreibt und die Tanzgruppen andere Tänze als im vorhergehenden Jahr aufführen.

Aufgabenklasse 2

Der Bildungswissenschaftler soll das Event innerhalb von sechs Monaten planen. Über die Besucherzahlen bei den letzten Festtagen liegen ihm keine Vergleichszahlen vor. Dies erschwert die Planung der Location und der Verköstigung. Eine Passende soll gebucht werden, jedoch nicht zu überdimensioniert und somit auch nicht zu teuer. Es werden zwei Angebote von Werbeunternehmen eingeholt. Da die Positionsbeschreibungen der einzelnen Angebote unterschiedlich ausfallen, muss vom Bildungswissenschaftler zusätzlich zum Preis geprüft werden, ob die Inhalte der Angebote übereinstimmen. Auch hier kann er auf das Veranstaltungsprogramm inkl. der Ansprechpartner des letzten Jahres zurück greifen.

Aufgabenklasse 3

Die interkulturelle Veranstaltung soll kurzfristig durchgeführt werden. Dies erhöht den Schwierigkeitsgrad des Organisierens, weil einige Locations schon ausgebucht sein werden, und die Gestaltung und Produktion der Werbemittel schneller vollzogen werden muss, damit noch rechtzeitig für das Fest geworben werden kann. Die Besucherzahlen der letzten Festtage wurden nicht dokumentiert, somit liegen keine Vergleichszahlen vor. Hier stellt sich zusätzlich zum Zeitdruck das Problem der erschwerten Planung für Verköstigung und Location, weil genaue Angaben fehlen. Da kein langjähriger Werbepartner vorhanden ist, muss sich der Bildungswissenschaftler Angebote von ihm unbekannten Unternehmen einholen. Ihm liegen vier Angebote vor, die sich jeweils in den Positionsbeschreibungen unterscheiden. Er hat somit keinen verlässlichen Standard auf den er zurückgreifen kann. Zusätzlich wurde keine Dokumentation über das letztmalige Rahmenprogramm angelegt, sodass er auch hier bei Null starten muss.

2.3. Lernaufgaben

Im nunmehr dritten Schritt werden Lernaufgaben zu dem Beispiel des „Bildungswissenschaftlers im Bereich der Interkulturellen Arbeit/Arbeit mit Migranten“ und im Speziellen seine komplexe Aufgabe der Organisation eines interkulturellen Festtages entwickelt bzw. dargestellt. Vorab noch allgemeine Informationen zu Lernaufgaben.

Van Merriënboer et al. (2002, S. 43) bezeichnen Lernaufgaben als das Rückgrat eines jeden Trainingsprogramms, welches das Ziel komplexen Lernens hat. Als erstes müssen Probleme identifiziert werden, die konkret, authentisch und ganzheitlich sind. Außerdem sollten sie aus der Praxis stammen (Bastiaens et al., 2012, S. 98). Im Idealfall sollte der Lerner mit allen Aspekten der zu Erlernenden komplexen Fertigkeit konfrontiert werden (Van Merriënboer et al., 2002, S. 43). Für die Problembeschreibung wichtig und für den Entwurf von Lernaufgaben grundlegend, sind die Beschreibung der Anfangssituation (Ist- Zustand) und der Endsituation (Soll- Zustand). Ebenfalls sollte bei der Problembeschreibung auf eine hohe Variabilität und Vielfältigkeit geachtet werden (Bastiaens et al., 2012, S. 99). Sie bringt den Vorteil, dass sich der Lerner schon frühzeitig mit unterschiedlichen Szenarien konfrontiert sieht, was in der Folge den Transfer von erworbenem Wissen unterstützen soll (Bastiaens et al., 2012, S. 90).

Für Lernaufgaben gibt es verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten. Nach Bastiaens et al. (2012, S. 100ff) sind folgende zu nennen:

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der/Die Bildungswissenschaftler/in im Bereich der interkulturellen Arbeit/Arbeit mit Migranten
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Allgemeine Didaktik und Mediendidaktik
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V198699
ISBN (eBook)
9783656251736
ISBN (Buch)
9783656252689
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
der/die, bildungswissenschaftler/in, bereich, arbeit/arbeit, migranten
Arbeit zitieren
Maren Grub (Autor), 2012, Der/Die Bildungswissenschaftler/in im Bereich der interkulturellen Arbeit/Arbeit mit Migranten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198699

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