Montesquieu - Die alternative Gesellschaftslehre


Hausarbeit, 2003

13 Seiten, Note: 2,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Montesquieu – Die alternative Gesellschaftslehre
2.1. Vom Naturzustand und der Idee der „Gesellschaft“
2.1.1. John Locke
2.1.2. Montesquieu
2.2. Der Gesellschaftsvertrag & die Funktion von Gesellschaft
2.2.1. John Locke
2.2.2. Montesquieu
2.3. Umsetzung der Gesellschaftslehre innerhalb der politischen Schriften

3. Resümee

4. Literaturverzeichnis

Montesquieu – Die alternative Gesellschaftslehre

1. Einführung

Die Frage nach der Entstehung von Gesellschaft beschäftigt die Menschheit seit Anbeginn ihres Dasein. Sie könnte auch gesehen werden als die Frage, nach dem Zustand vor ihrer Entstehung. Allein im vor-gesellschaftlichen Zustand der Welt gelingt es, die Ursache für ihre Begründung ausfindig zu machen. Besonders im Zuge der Aufklärung entbrennen dabei verschiedenste Theorien über diesen sogenannten Naturzustand. Ausschlaggebend für jede Einzelne ist dabei der Mensch als zu betrachtendes Objekt und die ihm von Natur aus zugeschriebenen Attribute und Charaktereigenschaften. Wenn es verschiedene Theorien zur Entstehungsgeschichte der Gesellschaft geben sollte, dann könnten diese Unterschiede nur auf eben den kleinsten Teil der Gesellschaft – den Menschen – zurückzuführen sein. Allerdings gilt es des Weiteren, die vorgesellschaftliche Welt und deren Eigentümlichkeiten zu betrachten, um die Ursachen für die Vergesellschaftung des Menschen optimal zu ergründen. Charles Montesquieu nimmt innerhalb dieser Forschungen eine besondere Stellung ein. Dies soll im Folgenden anhand eines Vergleichs der Theorien Montesquieus und Locke deutlich gemacht werden.

2. Montesquieu – Die alternative Gesellschaftslehre

2. 1. Vom Naturzustand und der Idee der „Gesellschaft“

2.1.1. John Lo>

Von Grund auf existiert ein ursprüngliches Bedürfnis aller Menschen nach Soziabilität. Dieses Streben entsteht aus der Tatsache das sie alle “Glieder einer einzigen Gemeinschaft, der der Natur“.[1] Das heißt, es liegt in der Natur des Menschen, Gesellschaften zu gründen, da dieser Vorgang laut Locke[2] die Mängel des Einzelnen ausgleicht und die Menschen als Gruppe dadurch stärker macht. Der Zusammenschluss mit anderen führt also dazu, dass die Fähigkeiten jedes Einzelnen zur Entfaltung, zur Anwendung kommen – d.h. jedes Mitglied aufgrund seines Könnens ein unerlässlicher Teil der Gemeinschaft wird. Durch dieses Zusammenwirken verschwinden somit auch die Fehler oder Unvollkommenheiten des Einzelnen, da sie durch die Fähigkeit eines anderen Mitglieds ausgeglichen werden können. Es ist hier allerdings zu beachten, dass Locke unterscheidet zwischen den – wie man sie nennen könnte – Ur-Gesellschaften, also dem Zusammenleben von Menschen nach natürlichem Recht und unveränderlichen, göttlichen Gesetzen – den Naturgesetzen – und politischen Gesellschaften, die der Mensch selbständig erschafft.

In der Erwähnung, dass die Gemeinschaft die Schwächen des Einzelnen aufwiegen soll und kann, zeigt sich bereits, welches Bild Locke vom Mensch an sich zeichnet. Er sei zwar ein friedliebendes[3] und vernunftbegabtes[4] Wesen, aber doch auch mit negativen Charaktereigenschaften belastet. Die Rede ist hier von den Emotionen – um präzise zu sein – den Leidenschaften. Das sind die Gefühle, die den Menschen so sehr einnehmen, dass sie Überhand über die Vernunft gewinnen und ihn zu Fehlurteilen verleiten können.[5] Wirklich bedrohlich für das Zusammenleben der Menschen wird dieser Zustand allerdings erst mit der Entstehung der Geldwirtschaft.[6] Man muss wohl davon ausgehen, dass es sich hier nicht um das Geld als reines Tauschmittel handelt, da bei Locke mit der Einführung von Geld gleichzeitig auch von Privateigentum und dessen Anhäufung die Rede ist.[7] So betrachtet wird deutlich, dass es vor der Geldwirtschaft wohl ähnliche Auseinandersetzungen um Besitz gegeben haben muss. Die Arbeit als Mittel zum Leben und damit der Selbsterhaltung erzeugte schließlich auch materiellen Besitz – allerdings in weniger großem Umfang, da der Mensch im Naturzustand vor der Einführung der Geldwirtschaft nicht mehr besaß als das, was er zum Überleben brauchte. Und auch nicht mehr wollte, als er brauchte. In beiden Fällen jedoch ergibt sich dieselbe Konsequenz: sobald Besitz vorhanden ist, überwiegen im Menschen die Leidenschaften und führen zu abtrünnigem Verhalten. Das heißt, die Mehrzahl der Menschen wird von Habgier und Neid geblendet.[8] Das natürliche Gesetz – die Vernunft, die dem Menschen innewohnt – wird ignoriert. Dadurch kommt es zu einem Anstieg von Konflikten der Einzelnen untereinander. Jeder strebt und handelt nur noch nach eigenem Vorteil und das zu jedem Preis. Gesetzesbrüche sind die Folge.

Hier versteht Locke das Gesetz allerdings in Form einer „göttlichen“ Ordnung – als natürliches Gesetz – da ein vom Menschen geschriebenes Gesetz noch nicht existiert. Er geht davon aus, dass der menschliche Geist ursprünglich die Fähigkeit hat, zwischen gut und böse zu unterscheiden. Er besitzt ein Moralempfinden nach welchem er mit Hilfe der Vernunft handelt.[9] Wird die Vernunft nun durch Leidenschaft ausgeschaltet, ist somit auch das moralische Urteilsempfinden gestört. Das Wohl eines jeden selbst wird in den Mittelpunkt gestellt. Das natürliche Gesetz der Moral wird gebrochen.

[...]


[1] Locke, John, Über Die Regierung, rev. Fassg., bibliogr. erg. Ausg., Stuttgart 1988, S.7.

[2] Ebd. S.13.

[3]Althusser, Louis, Machiavelli, Montesquieu, Rousseau : zur politischen Philosophie der

Neuzeit, Bd. 2, Berlin 1987, S.45.

[4] Ebd. S.179.

[5] Locke, John, Über Die Regierung, rev. Fassg., bibliogr. erg. Ausg., Stuttgart 1988, S.11.

[6] Meyer, Rolf, Eigentum, Repräsentation und Gewaltenteilung in der politischen Theorie von John Locke, Frankfurt (Main) 1991, S.66.

[7] Ebd. S.74.

[8] Meyer, Rolf, Eigentum, Repräsentation und Gewaltenteilung in der politischen Theorie von

John Locke, Frankfurt (Main) 1991, S.66.

[9] Locke, John, Über Die Regierung, rev. Fassg., bibliogr. erg. Ausg., Stuttgart 1988, S.179.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Montesquieu - Die alternative Gesellschaftslehre
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
2,8
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V19870
ISBN (eBook)
9783638239042
ISBN (Buch)
9783640864263
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vergleich: Montesquieu - John Locke
Schlagworte
Montesquieu, Gesellschaftslehre
Arbeit zitieren
Franziska Höfer (Autor:in), 2003, Montesquieu - Die alternative Gesellschaftslehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19870

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