Die Frage nach der Entstehung von Gesellschaft beschäftigt die Menschheit seit
Anbeginn ihres Dasein. Sie könnte auch gesehen werden als die Frage, nach dem
Zustand vor ihrer Entstehung. Allein im vor-gesellschaftlichen Zustand der Welt
gelingt es, die Ursache für ihre Begründung ausfindig zu machen. Besonders im
Zuge der Aufklärung entbrennen dabei verschiedenste Theorien über diesen
sogenannten Naturzustand. Ausschlaggebend für jede Einzelne ist dabei der
Mensch als zu betrachtendes Objekt und die ihm von Natur aus zugeschriebenen
Attribute und Charaktereigenschaften. Wenn es verschiedene Theorien zur
Entstehungsgeschichte der Gesellschaft geben sollte, dann könnten diese
Unterschiede nur auf eben den kleinsten Teil der Gesellschaft – den Menschen –
zurückzuführen sein. Allerdings gilt es des Weiteren, die vorgesellschaftliche Welt
und deren Eigentümlichkeiten zu betrachten, um die Ursachen für die
Vergesellschaftung des Menschen optimal zu ergründen. Charles Montesquieu
nimmt innerhalb dieser Forschungen eine besondere Stellung ein. Dies soll im
Folgenden anhand eines Vergleichs der Theorien Montesquieus und Locke deutlich
gemacht werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Montesquieu – Die alternative Gesellschaftslehre
2.1. Vom Naturzustand und der Idee der „Gesellschaft“
2.1.1. John Locke
2.1.2. Montesquieu
2.2. Der Gesellschaftsvertrag & die Funktion von Gesellschaft
2.2.1. John Locke
2.2.2. Montesquieu
2.3. Umsetzung der Gesellschaftslehre innerhalb der politischen Schriften
3. Resümee
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Ansätze von John Locke und Charles Montesquieu zur Entstehung von Gesellschaft, dem Naturzustand und der Notwendigkeit eines Gesellschaftsvertrags, um daraus Montesquieus alternative Gesellschaftslehre herauszuarbeiten.
- Vergleich der Naturzustandskonzepte bei Locke und Montesquieu
- Die Rolle von Leidenschaften und Vernunft im menschlichen Zusammenleben
- Analyse der Funktion und Notwendigkeit des Gesellschaftsvertrags
- Die Bedeutung von Naturrecht und positiven Gesetzen für die Gesellschaft
- Gegenüberstellung der Gewaltenteilungslehren im Kontext der Gesellschaftsordnung
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Montesquieu:
Der Urzustand des Menschen definiert sich innerhalb der natürlichen Gesetze, die a priori vorhanden und unabänderlich für alle Menschen gültig sind. Dazu gehören das Bedürfnis nach Frieden, der Trieb zur Nahrungssuche und der Drang zum Leben in Gesellschaft.
Das harmonische Zusammenleben der Menschen in Freiheit und Gleichheit ist somit nach Montesquieus Auffassungen der Inbegriff des Urzustandes. Diese Harmonie gewährleisten zu können bedeutet weiterhin, dass dem Menschen ein natürliches Verständnis von Moralempfinden gegeben sein muss, um gutes von schlechtem Handeln unterscheiden zu können.
Dass er dies dennoch auch tut verdankt er einem weiteren natürlichen und gottgegebenen Gesetz – für Montesquieu das universelle Gesetz – der Vernunft. Nur die Vernunft stattet den Menschen mit einem Moralempfinden und Rechtsgefühl aus. Nur durch sie wird er zu dem fühlenden Wesen welches er ist. Als vernunftbegabtes Geschöpf wird zwar von ihm erwartet, dass er sich den Naturgesetzen unterwirft, dennoch ist es als vollkommen freies Individuum auch sein freier Wille der entscheidet, ob er nach ihnen lebt und handelt und damit seine Fähigkeit demonstriert, ein gesellschaftliches Wesen zu sein oder er agiert entgegen dieser Gesetze und dementsprechend wider seine Natur, da in ihr begründet liegt, dass der Mensch nach Gemeinschaft strebt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die historische und philosophische Relevanz der Frage nach der Entstehung von Gesellschaft und stellt die Zielsetzung des Vergleichs zwischen Locke und Montesquieu dar.
2. Montesquieu – Die alternative Gesellschaftslehre: Dieses Kapitel bildet das Kernstück der Arbeit, in dem die unterschiedlichen Theorien zum Naturzustand und zum Gesellschaftsvertrag kontrastiert sowie die praktische Umsetzung in politischen Schriften analysiert werden.
3. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass Montesquieu das Bedürfnis nach Gemeinschaft als originäres menschliches Wesensmerkmal begreift und damit den klassischen Gesellschaftsvertrag als notwendiges Konstrukt infrage stellt.
Schlüsselwörter
Montesquieu, John Locke, Gesellschaftslehre, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Vernunft, Naturrecht, Soziabilität, politische Philosophie, Gewaltenteilung, positive Gesetze, Urzustand, Moralempfinden, Freiheit, Gleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen philosophischen Konzepte von John Locke und Montesquieu zur Entstehung von Gesellschaft und menschlicher Gemeinschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Naturzustand, die Bedeutung von Vernunft und Leidenschaft für das menschliche Handeln sowie die Frage nach der Notwendigkeit eines Gesellschaftsvertrags.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Montesquieus alternative Sichtweise auf Gesellschaft als natürliches Phänomen gegen die vertragstheoretische Perspektive von John Locke abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode des theoretischen Vergleichs, indem sie die Schriften beider Philosophen systematisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Vorstellungen zum Naturzustand, der Funktion von Gesetzen und der unterschiedlichen Interpretation von Staatsgewalt bei den beiden Denkern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Gesellschaftslehre, Naturzustand, Soziabilität, Gewaltenteilung und politische Theorie beschreiben.
Wie unterscheidet sich Montesquieus Sicht auf den Gesellschaftsvertrag von der Lockes?
Während Locke den Gesellschaftsvertrag als notwendiges Mittel gegen Chaos und Rechtsunsicherheit sieht, hält Montesquieu die Gesellschaft für ein natürliches Phänomen, weshalb für ihn kein solcher Vertrag zur Legitimation notwendig ist.
Warum spielt die Vernunft in der Theorie beider Denker eine so entscheidende Rolle?
Die Vernunft ist bei beiden das Werkzeug, das den Menschen befähigt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und ein moralisches Leben innerhalb der Gemeinschaft zu führen.
- Quote paper
- Franziska Höfer (Author), 2003, Montesquieu - Die alternative Gesellschaftslehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19870