Medien im Alltag einer Randgruppe: Eine Erhebung des Medienumgangs geistig behinderter Menschen


Bachelorarbeit, 2011

42 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung und Methoden

2. Soziodemographie der Befragten

3. Lese- und Schreibkompetenzen

4. Themeninteressen

5. Eigener Gerätebesitz

6. Freizeitaktivitäten und Medienbeschäftigung
6.1 Kontakt zu Freunden.
6.2 Beaufsichtigung.

7. Vorbilder und Idole

8. Fernsehen

9. Musik, Radio und MP3

10. Lesen und Vorlesen im Allgemeinen

11. Computer- und Laptopnutzung

12. Handy

13. Medienkompetenzen

14. Medienbindung und Nutzungsdauer

15. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einführung und Methoden

Noch immer gelten geistig behinderte Menschen als Randgruppe der Gesellschaft. Dadurch schenkt ihnen die breite Öffentlichkeit in vielen Teilen des alltäglichen Lebens nur wenig Aufmerksamkeit. Somit ist auch das Mediennutzungsverhalten geistig Behinderter noch nahezu nicht erforscht. Doch inwiefern nutzen eben diese moderne Medien und wie weit reichen deren Kompetenzen bezüglich dieser Nutzung?

Selbstverständlich spielen Medien auch für die meisten geistig behinderten Menschen eine sehr wichtige Rolle. Auch sie sehen fern, hören Musik oder Radio. Viele von ihnen besitzen bereits ein eigenes Handy, setzen sich vereinzelnd sogar mit neuen, teilweise sehr komplexen Medien, wie dem Computer oder dem Internet auseinander. Verstärkt zu beobachten ist jedoch, dass vor allem die Musik eine entscheidende Rolle für diese Gruppe von Menschen spielt. Ob im privaten Umfeld, in der Öffentlichkeit, zu Therapiezwecken oder einfach nur zum Entspannen wird bevorzugt auf dieses Medium zurückgegriffen. Festzuhalten bleibt, dass die Musik für geistig behinderte Menschen einen wesentlichen Bestandteil in deren Leben darstellt.

Grundlage meiner Bachelorarbeit „Mediennutzung geistig behinderter Menschen“ ist eine eigens erstellte Studie, in der das Mediennutzungsverhalten geistig behinderter Menschen der Altersgruppen elf bis älter als 45 Jahre untersucht wird. Sie soll Aufschluss darüber geben, welche Medienangebote im Alltag genutzt werden, wie viele Stunden am Tag diese Nutzung erfolgt und inwiefern diese Nutzung eigenständig möglich ist. Zudem werden Vergleiche aufgestellt, die veranschaulichen sollen, ob Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie eine Unterteilung in verschiedene Altersklassen zu aussagekräftigen Regelmäßigkeiten führen. Da eine erschöpfende Untersuchung aller Medien den gegebenen Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wurde die Untersuchung exemplarisch anhand nachfolgender Medien durchgeführt. Bei diesen Medien handelt es sich im Einzelnen um das Fernsehen, DVD/Video, Radio, MP3- oder CD-Player, Kassettenrekorder, Digitalkamera, Literatur, Computer, Spielkonsole, Internet, Festnetztelefon oder auch das Handy. Des Weiteren werden sowohl Themeninteressen, Freizeitaktivitäten, Medienbindung sowie Vorbilder erfasst.

Im Anschluss eines jeden Kapitels werden die erhobenen Werte mit jenen der KIM-Studie 2008 1 als auch der JIM-Studie 2010 2 in Verbindung gesetzt. Bei letztgenannten Studien, die in regelmäßigen Abständen von dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (MPFS) durchgeführt werden, handelt es sich um Veröffentlichungen, die repräsentative Ergebnisse zum Medienumgang von Kindern und Jugendlichen liefern. Da sich folgende Studie vom Aufbau her jedoch vor allem an der KIM-Studie (Kinder und Medien, Computer und Internet) orientiert, werden Bezüge zur JIM-Studie [Jugend, Information, (Multi-)Media] nur an geeigneten Stellen durchgeführt. Die Orientierung an der KIM-Studie schlägt sich auch in der Gestaltung des Fragebogens nieder, der jedoch gemäß der Themenstellung dieser Arbeit modifiziert wurde.

Zielsetzung dieser Studie ist nicht, dass sie den Bedingungen der Repräsentativität entspricht, sondern vielmehr einen allgemeinen Einblick in das Mediennutzungsverhalten geistig behinderter Menschen liefert.

Um ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen, bedarf es einer wahrheitsgetreuen und verlässlichen Bearbeitung des 10-seitigen Fragebogens. Aus diesem Grund sind es nicht die Betroffenen selbst, bis auf wenige Ausnahmen, die für das Ausfüllen des Fragebogens verantwortlich waren, sondern deren engste Bezugspersonen, wie Eltern, Familienmitglieder, Betreuer oder Ähnliche. Bestandteil der Erhebung sind 109 geistig behinderte Menschen aus den Bundesländern Bayern und Berlin. Die Erhebung fand im Zeitraum vom 11. September bis 20. November 2010 statt. Die Befragten sind ausnahmslos Bewohner von Wohnheimen, Wohngemeinschaften, betreutem Einzelwohnen, privaten Haushalten oder Mitarbeiter von Behinderten- werkstätten.

In die Studie mit einbezogen wurde jegliche Form geistiger Behinderung. Eine genaue Unterteilung in die jeweilige Art der Behinderung war zwar vorab angedacht, ließ sich jedoch dann aufgrund unpräziser Angaben nicht realisieren. Daher und aufgrund der Tatsache, dass alle Befragten eine geistige Behinderung aufweisen, wurde auf eine genaue Differenzierung in der vorliegenden Studie verzichtet.

Explizite Vereine oder Organisationen werden der Anonymität halber nicht genannt. Einige Schwierigkeiten bei der Informationsbeschaffung traten insofern auf, als dass mehrere Teilnahmeanfragen auf ablehnendes Verhalten stießen. Dies ist laut Aussagen auf vorherige negative Erfahrungen bezüglich Umfragen zurückzuführen. Des Weiteren kam erschwerend hinzu, dass nur die wenigsten ausgehändigten Fragebögen auch tatsächlich zurückgesandt wurden.

2. Soziodemographie der Befragten

Im Folgenden wird ein allgemeiner Überblick gegeben, wie viele der Befragten männlichen bzw. weiblichen Geschlechts sind. Zudem gibt folgendes Diagramm Aufschluss darüber, in welchem Maße verschiedene Altersklassen vertreten sind und welcher Tätigkeit die Mehrheit derer nachgeht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Soziodemographie der Befragten Quelle: eigene Erhebung 2010 Basis: Gesamt, n=109

Das Verhältnis Männer zu Frauen der Befragten beläuft sich auf 60 zu 40 Prozent. Die meisten der Befragten sind im Alter zwischen 26-45 Jahren. Eine kleinschrittigere Differenzierung in Altersklassen findet in dieser Studie nicht statt, da der primäre Untersuchungszweck sich der Mediennutzung geistig behinderten Menschen im Generellen widmet. Unterteilt wurde in die drei wichtigsten Klassen: die Jugend bzw. das frühe Erwachsenenalter, das Erwachsenenalter und das fortgeschrittene Erwachsenenalter. Eine Unterscheidung in alle drei Altersklassen bezüglich bestimmter Themen ist aufgrund des geringen Anteils der 11 bis 25-Jährigen zwar möglich aber nicht besonders aussagekräftig. Demnach wird sich bei einer Untersuchung, ob Unterschiede zwischen bestimmten Altersklassen festzustellen sind, nur auf die beiden Altersklassen 26 bis 45 und älter als 45 Jahre bezogen, um so eine verzerrte Darstellung zu vermeiden.

Über die Hälfte der Befragten befinden sich in einem Arbeitsverhältnis. Der Prozentsatz an Schülern entspricht mit drei Prozent dem der Auszubildenden. Aus Gründen der Lesbarkeit bedient sich die vorliegende Studie bei Personen- bezeichnungen meist männlicher Substantive, schließt die weibliche Form der Begriffe jedoch selbstverständlich mit ein. Wenn von „Befragten“ die Rede ist, sind damit nicht diejenigen gemeint, die für das Ausfüllen des Fragebogens verantwortlich sind, sondern die Merkmalsträger selbst. Ähnlich verhält es sich mit „geben an“: Auch hier bezieht sich die Aussage auf die im Fokus der Studie stehenden Personen.

3. Lese- und Schreibkompetenz

Da bei geistig behinderten Menschen nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden kann, dass sie sowohl über Lese- als auch Schreibkompetenz verfügen, wurden die Befragten zuerst in Abbildung zwei dahingehend kategorisiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Lese- und Schreibkompetenz Ja, selbstständig Ja, mit Hilfe Nur sehr eingeschränkt Nein Quelle: eigene Erhebung 2010 Basis: Gesamt, n=109

Es ist wichtig, zunächst darzustellen, wie viel Prozent der Befragten überhaupt in der Lage sind, eigenständig oder auch mit Hilfe zu lesen, bzw. zu schreiben. Die Folgen einer nicht vorhandenen Schreib- bzw. Lesekompetenz bedingen gewisse Einschränkungen im Mediennutzungsverhalten der Betroffenen, wie bspw. die Nutzung von SMS-Diensten.

Laut den Ergebnissen der Umfrage ist fast jeder zweite geistig behinderte Mensch in der Lage selbständig zu lesen. Beim Schreiben hingegen beläuft sich die Zahl auf 39 Prozent. Addiert man zu diesen 39 Prozent auch jene behinderten Menschen, die mit Hilfe in der Lage sind sich schriftlich auszudrücken, ergibt sich ein Prozentsatz von knapp über 50.

4. Themeninteressen

Die möglichen Interessenslagen der Befragten wurden unterteilt in 17 vorgegebene Themenbereiche, die anhand einer Skala von „Sehr interessiert“, „Interessiert“, über „Weniger“, bis hin zu „Gar nicht“ zu beantworten waren. Die meisten der geistig behinderten Menschen gaben an, sich besonders stark für „Musik“ zu interessieren, gefolgt von „Freunde/Freundschaft“. Mehr als die Hälfte begeistert sich für „Kino/Film“, „Tiere“, „Musikstars/Bands“ und „Film-/ Fernsehstars“. Für jeden Zweiten spielt auch das „Handy“ eine entscheidende Rolle, womit dieses auf Platz sieben der Themeninteressen steht. Knapp jeder Zweite zeigt ebenfalls Interesse an „Sport“, „Kleidung/Mode“ sowie „Umwelt/ Natur“. Weiterhin findet nahezu ein Drittel Gefallen an „Fremde[n] Länder“, „Computerspiele[n]“ und an „Computer[n] allgemein“. Am wenigsten interessiert zeigen sich die Befragten an „Bücher/Lesen“, „Technik“, „Autos“ sowie dem „Internet“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Themeninteressen Quelle: eigene Erhebung 2010 Basis: Gesamt, n=109

Die jeweiligen Präferenzen von Männern und Frauen innerhalb der vorgegebenen Themenbereiche unterscheiden sich nur in wenigen Ausnahmen. Während sich bei den Männern knapp ein Drittel für „Kino/Film“ interessiert zeigt, sind es bei den Frauen nur ein Fünftel. Ähnlich bei Computerspielen, wo es bei gleichbleibender Reihenfolge zu einem Verhältnis von 26 zu 16 Prozentpunkten kommt. Auch bei den Themen „Sport“ und „Autos“ sind starke Unterschiede festzustellen. In diesen, als Männerdomänen geltenden Bereichen, sind es auch die Männer, die starkes Interesse äußerten. Im Gegensatz dazu zeigen sie sich in den als „weiblich“ geltenden Interessengebieten eher zurückhaltend. Somit gibt nur circa jeder sechste Mann an, er habe ein Interesse an „Kleidung/Mode“, während rund ein Viertel der weiblichen Befragten dafür begeistern.

Ähnlich wie sich in der KIM-Studie nahezu alle Kinder dahingehend äußerten, dass für sie Freunde und die Freundschaft im Allgemeinen einen sehr hohen Stellenwert einnimmt, zeichnet sich gleiches Muster bei den geistig behinderten Menschen ab. Zwar liegt der prozentuale Anteil mit 69 Prozent deutlich unter dem der KIM-Studie, dennoch belegt diese Kategorie hinter der Musik den zweiten Platz der Themeninteressen. Interessant ist der Umstand, dass die Musik im Leben geistig behinderter Menschen kaum wegzudenken ist, während diese Kategorie bei Kindern lediglich auf Platz vier genannt wurde. Auch die Themenbereiche „Handy“, „Film/Fernsehstars“ und „Kino/Film“ genießen unter den geistig Behinderten größere Wertschätzung. Die Befragten Kinder favorisieren vielmehr Tätigkeiten, wie z.B. „Sport“, „Computerspiele“ und „Internet“, die feinmotorische Koordinationsfähigkeit bedürfen.

5. Eigener Gerätebesitz

Vorab sei darauf hingewiesen, dass aufgrund der zum Teil sehr unterschiedlichen Wohnsituationen der Betroffenen kein Diagramm des Gerätebesitzes im Haushalt erstellt wurde. Viele der hier Befragten leben zum Teil in eigenständigen Haushalten, andere wiederum in Wohngemeinschaften, bei ihren Eltern oder in Wohnheimen. Aufgrund dieser Tatsache hätte ein solches Diagramm zu sehr verwirrenden Ergebnissen führen können. Für diese Studie ausschlaggebend ist jedoch der eigene Gerätebesitz der Betroffenen.

Die drei Medien, welche die meisten der Befragten besitzen und in gleichen Prozentzahlen vorkommen, sind CD-Player, Radio und Fernsehgerät. Besonders auffällig ist hier, dass über 90 Prozent der Frauen sowohl einen CD- Player, als auch ein Radio besitzen, während diese Medien bei den Männern nur bei rund 80 Prozent vorhanden sind. Jedoch besitzen zehn Prozent mehr Männer ein eigenes Fernsehgerät. Während es bei Frauen rund 80 Prozent sind, die ein Gerät ihr Eigen nennen, sind es bei den Männern knapp über 90. Die Tatsache, dass Fernsehgeräte vermehrt bei Männern zu finden sind, lässt auch Rückschlüsse auf die Verteilung der DVD- beziehungsweise Videorekorder zu. Da diese nur im Verbund nutzbar sind, erklärt sich auch die höhere Anzahl männlicher Besitzer.

[...]


1 vgl. www.mpfs.de/fileadmin/KIM-pdf08/KIM2008.pdf (Zugriff: 17.10.10)

2 vgl. www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf10/JIM2010.pdf (Zugriff: 12.12.10)

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Medien im Alltag einer Randgruppe: Eine Erhebung des Medienumgangs geistig behinderter Menschen
Hochschule
Universität Passau
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
42
Katalognummer
V198751
ISBN (eBook)
9783656276043
ISBN (Buch)
9783656277484
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fernseher, MP3, Computer, Laptop, Musik, Behinderte, Film, Fernshen, Vorbilder, soziale Pädagogik
Arbeit zitieren
Anna Erika Harenz (Autor), 2011, Medien im Alltag einer Randgruppe: Eine Erhebung des Medienumgangs geistig behinderter Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198751

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