Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) sichert seit Anfang 2011 allen Arbeitnehmern, unter gewissen Voraussetzungen, das Recht auf Teilzeit zu. Unter anderem soll dadurch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht werden.
Teilzeitarbeit ist in Deutschland weit verbreitet, da das TzBfG auch für geringfügige Beschäftigungen, wie den „400-Euro-Job“, gilt.
Die Studie der Unternehmensberatung Bain & Company zeigt, dass sich 94% der weiblichen und 78% der männlichen Spitzenkräfte für die Möglichkeit einer flexiblen Arbeitszeit interessieren. Dennoch nutzen davon aber nur die Hälfte der Frauen und ein Viertel der Männer entsprechende Angebote des Unternehmens.
Der Wunsch nach Teilzeitarbeit ist auch in Führungspositionen angekommen. Jedoch vertreten immer noch viele Deutsche die Meinung, dass teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter weder eine Karriere machen, geschweige denn Führungspositionen bekleiden können. Das Thema Life-Domain Balance und Teilzeitarbeit erhält aber längst verstärkten Einzug in deutsche Unternehmen. Das Angebot von Teilzeitmodellen soll dazu dienen, qualifizierte Mitarbeiter langfristig im Unternehmen zu halten. Darüber hinaus ist das Streben nach einer besseren Life-Domain Balance stark gestiegen.
Unternehmen haben den Konflikt zwischen Beruf und Familie oder Freizeit ihrer Mitarbeiter erkannt und bieten daher verstärkt Teilzeitmodelle an. Nur so können hochqualifizierte Fachkräfte an das Unternehmen gebunden und die „Ressource Personal“ nachhaltig genutzt werden.
Bei Führungskräften stellt Teilzeitarbeit eine Seltenheit dar und ist noch nicht ausreichend erforscht worden.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist zum einen, die Einstellungen und Meinungen zum Thema Teilzeitarbeit von teil- und vollzeitbeschäftigten Führungskräften im öffentlichen Dienst zu analysieren. Zum anderen soll untersucht werden, ob mögliche Auswirkungen von Teilzeitarbeit, wie z.B. ein höheres Commitment oder eine höhere Arbeitszufriedenheit auch für teilzeitbeschäftigte Führungskräfte bestehen.
Es ergeben sich zwei wesentliche Fragestellungen:
1. Existieren Unterschiede zwischen den teil- und vollzeitbeschäftigten Führungskräften in Hinsicht auf Arbeitszufriedenheit, Arbeitsmotivation und Commitment?
2. Wie schätzen teil- und vollzeitbeschäftigte Führungskräfte die Karrierechancen von teilzeitbeschäftigten Führungspersonen ein?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Teilzeitarbeit – Theoretische Grundlagen
2.1 Definition von Teilzeitarbeit
2.2 Verbreitung von Teilzeitarbeit
2.2.1 Verbreitung von Teilzeitarbeit in der Bundesrepublik Deutschland
2.2.2 Verbreitung von Teilzeitarbeit bei Führungskräften
2.3 Varianten von Teilzeitarbeit
2.3.1 Einseitige Reduzierung
2.3.2 Altersteilzeit
2.3.3 Job-Sharing
2.3.4 Sabbatical
2.4 Gesetzliche Rahmenbedingungen - Teilzeit- und Beschäftigungsgesetz
2.4.1 Voraussetzungen für Teilzeitarbeit
2.4.2 Zielsetzungen
2.4.3 Verbote der Diskriminierung und Benachteiligung
2.4.4 Förderung von Teilzeitarbeit
2.5 Auswirkungen von Teilzeitarbeit auf die Mitarbeiter und die Behörde
2.5.1 Life-Domain Balance
2.5.2 Arbeitszufriedenheit
2.5.3 Arbeitsmotivation
2.5.4 Commitment
2.5.5 Karriere
2.5.6 Nachteile
3 Methodik
3.1 Untersuchungsdesign
3.1.1 Beschreibung des Fragebogens
3.1.2 Auswahl der Stichprobe
3.1.3 Durchführung der Datenerhebung
3.2 Stichprobenbeschreibung
3.2.1 Demographische Daten
3.2.2 Arbeitsplatzbezogene Daten
4 Ergebnisse
4.1 Skalenanalyse
4.1.1 Arbeitszufriedenheit
4.1.2 Arbeitsmotivation
4.1.3 Commitment
4.2 Zweistichproben T-Test bei unabhängigen Stichproben
4.2.1 Arbeitszufriedenheit
4.2.2 Arbeitsmotivation
4.2.3 Commitment
4.3 Beurteilung von Teilzeitarbeit aus Sicht der teil- und vollzeitarbeitenden Führungskräfte
4.3.1 Teilzeitbeschäftigte Führungskräfte
4.3.2 Vollzeitbeschäftigte Führungskräfte
5 Diskussion
5.1 Zentrale Ergebnisse
5.2 Diskussion der Ergebnisse
5.3 Diskussion der Methodik
6 Fazit
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Einstellungen und Meinungen von teil- und vollzeitbeschäftigten Führungskräften im öffentlichen Dienst zum Thema Teilzeitarbeit zu analysieren. Dabei soll insbesondere untersucht werden, ob Teilzeitarbeit Auswirkungen auf die Arbeitszufriedenheit, Arbeitsmotivation und das Commitment hat und wie sich die Karrierechancen aus Sicht der Betroffenen gestalten.
- Analyse des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) und dessen Relevanz für Führungspositionen
- Untersuchung der psychologischen Konstrukte Arbeitszufriedenheit, Arbeitsmotivation und Commitment im Kontext von Teilzeitarbeit
- Vergleich der Einstellungen von teil- und vollzeitbeschäftigten Führungskräften mittels einer empirischen Studie
- Identifikation von Barrieren und Vorurteilen gegenüber Teilzeitarbeit in Führungsebenen
- Evaluation des Einflusses von Teilzeit auf die berufliche Laufbahn und Aufstiegschancen
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition von Teilzeitarbeit
Arbeitszeit kann in ihrer Lage (chronologische Aspekte) und in ihrer Dauer (chronometrische Aspekte) variieren. Bei einer Variation bezüglich chronologischer Aspekte kommt es zu einer Entflechtung von betrieblichen und individuellen Arbeitszeiten unter Beibehaltung der normalen Vollarbeitszeitdauer.4 Werden die chronometrischen Aspekte variiert, verkürzt sich meistens die Arbeitszeit. Dies führt in den Bereich der Teilzeitarbeit. Diese beiden Variationsansätze können kombiniert werden. Dabei entsteht eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten. Vor allem bei einer Reduktion der chronometrischen Aspekte wird oft an Halbtagsarbeit gedacht. Dies suggeriert, dass der Mitarbeiter 5 einer Tätigkeit mit schlechter Bezahlung und wenig qualifizierten Aufgaben nachgeht. Um diese verkürzte Sichtweise bzw. die Vorurteile zu erweitern bzw. zu reduzieren ist im Rahmen von Kampagnen und Publikationen auch der Begriff „Mobilzeit“ verwendet worden.6
Laut der Bundesagentur für Arbeit kann Teilzeitarbeit folgendermaßen definiert werden: Teilzeitbeschäftigt gelten Arbeitnehmer/Innen dann, wenn ihre regelmäßige Wochenarbeitszeit kürzer ist als die ihrer vollzeitbeschäftigten Kolleginnen. Vergleichsmaßstab ist dabei die betriebliche Ebene. Dies bedeutet z.B. in einem Betrieb mit einer Wochenarbeitszeitregelung von 38,5 Stunden, dass ein/eine Arbeitnehmer/In mit 35 Wochenstunden als teilzeitbeschäftigt gilt, während er/sie in einem Betrieb mit 35 Stunden Regelarbeitszeit vollzeitbeschäftigt wäre. Der Begriff der Teilzeitbeschäftigung richtet sich demnach ganz konkret nach der betrieblich vereinbarten Wochenarbeitszeit. Der Prozentsatz der Arbeitszeitverkürzung ist zwischen Arbeiternehmer/In und Arbeitgeber/In frei verhandelbar.7
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Teilzeitarbeit in deutschen Unternehmen und Führungspositionen ein und skizziert die zentrale Forschungsfrage sowie das Vorgehen der Arbeit.
2 Teilzeitarbeit – Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Teilzeitarbeit, erläutert verschiedene Varianten sowie gesetzliche Rahmenbedingungen und beleuchtet die Auswirkungen auf Arbeitsmotivation, Arbeitszufriedenheit und Commitment.
3 Methodik: Hier werden das Untersuchungsdesign, die Auswahl der Stichprobe und die Durchführung der empirischen Datenerhebung (Fragebogenstudie) im öffentlichen Dienst detailliert beschrieben.
4 Ergebnisse: Die Ergebnisse der Skalenanalyse sowie des T-Tests zum Vergleich von Teilzeit- und Vollzeitführungskräften werden präsentiert und die Einstellungen der Teilnehmer zur Teilzeitarbeit ausgewertet.
5 Diskussion: Die empirischen Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, mit bestehender Literatur verglichen und die methodischen Aspekte sowie Einschränkungen der Studie reflektiert.
6 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen und gibt Handlungsempfehlungen, um Teilzeitarbeit in Führungspositionen attraktiver zu gestalten.
7 Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen und Referenzen, die der Arbeit zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Teilzeitarbeit, Führungskräfte, Arbeitszufriedenheit, Arbeitsmotivation, Commitment, Life-Domain Balance, TzBfG, Karriere, Sabbatical, Job-Sharing, öffentlicher Dienst, empirische Untersuchung, Arbeitszeitreduzierung, Personalentwicklung, Mitarbeiterbindung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von Teilzeitarbeit auf psychologische Konstrukte wie Arbeitszufriedenheit, Arbeitsmotivation und Commitment bei Führungskräften im öffentlichen Dienst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die gesetzlichen Grundlagen der Teilzeitarbeit, die Verbreitung von Teilzeit in Führungspositionen, verschiedene Teilzeitmodelle und die Wahrnehmung von Karrierechancen bei reduzierter Arbeitszeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob sich Unterschiede in der Arbeitszufriedenheit, Motivation und Bindung zwischen Führungskräften in Vollzeit und Teilzeit nachweisen lassen und welche Meinungen zu diesem Thema vorherrschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quantitative Querschnittsstudie, bei der eine schriftliche Befragung von Führungskräften in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen zu Teilzeitmodellen und psychologischen Leistungsdimensionen erläutert, Hypothesen abgeleitet und die erhobenen Daten analysiert und diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Teilzeitarbeit, Führungskräfte, Arbeitszufriedenheit, Commitment, Life-Domain Balance und Karriere.
Wie bewerten die befragten Führungskräfte ihre Aufstiegschancen bei Teilzeit?
Die Mehrheit der Führungskräfte – sowohl in Teil- als auch in Vollzeit – schätzt die Aufstiegschancen bei Teilzeitarbeit als schlechter ein, was auf verbreitete Vorurteile hindeutet.
Spielt die Familie eine Rolle bei der Entscheidung für Teilzeitarbeit?
Ja, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist laut den Befragungsergebnissen der häufigste Grund für die Entscheidung, die Arbeitszeit zu reduzieren.
Wie reagieren Kollegen und Vorgesetzte auf Teilzeit in Führungspositionen?
Die Reaktionen fallen gemischt aus, wobei es einerseits positive Erfahrungen gibt, andererseits aber auch Berichte von Vorbehalten, mangelnder Unterstützung und in extremen Fällen sogar Mobbing-Erfahrungen vorliegen.
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- Julian Galfeld (Author), 2012, Teilzeitarbeit bei Führungskräften: Eine Untersuchung im öffentlichen Dienst NRW, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198805