Die Figur der Maria Magdalena hat schon immer die Fantasie der Menschen angeregt. Das in ihr verkörperte Spannungsverhältnis zwischen der Heiligen und der Sünderin, die beide in ihr gesehen werden, hat dafür gesorgt, dass Maria Magdalena immer wieder zum Gegenstand von Diskussionen wurde und eine derjenigen biblischen Persönlichkeiten ist, die in der Kunst, der Literatur, der (Populär-) Kultur und sogar der Esoterik sehr beliebt ist und auf vielfache Art und Weise von einer großen Anzahl von Künstlerinnen und Künstlern in deren Werke immer wieder Eingang fand.
In der folgenden Arbeit soll es um die unterschiedlichen Darstellungsweisen von Maria Magdalena in den kanonischen Büchern und in den Apokryphen gehen. Dabei soll herausgearbeitet werden, dass es durchaus auch andere Erzähltraditionen als diejenigen in den biblischen Büchern gab, die zum Teil gravierende Unterschiede zur Bibel zeigen und dass in der Heiligen Schrift auch diverse redaktionelle Änderungen vorgenommen wurden, um die Bedeutung dieser Frau in den ursprünglichen Schriften Schritt für Schritt zu relativieren.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Maria Magdalena – Eine kurze Biographie
Was sind Apokryphe?
Maria Magdalena in den Apokryphen
a. Maria Magdalena im Philippusevangelium
b. Maria Magdalena im Thomasevangelium
c. Maria Magdalena in der Pistis Sophia
d. Maria Magdalena im Evangelium nach Maria
e. Schlussfolgerung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die unterschiedlichen Darstellungsweisen von Maria Magdalena in den kanonischen biblischen Schriften sowie in ausgewählten apokryphen Texten, um aufzuzeigen, wie ihre Bedeutung durch redaktionelle Prozesse in den offiziellen Schriften relativiert wurde.
- Historische Einordnung von Maria Magdalena als Jüngerin und Begleiterin Jesu.
- Analyse der Rolle Maria Magdalenas in gnostischen und apokryphen Schriften.
- Vergleich der kanonischen Darstellung mit der apokryphen Überlieferung.
- Untersuchung von Machtkonflikten und der Stellung von Frauen im frühen Christentum.
- Kritische Betrachtung der redaktionellen Bearbeitung biblischer Texte.
Auszug aus dem Buch
Maria Magdalena im Philippusevangelium
Maria Magdalena wird im Philippusevangelium an zwei Stellen namentlich erwähnt. Die erste davon ist Vers 32 und lautet: „Drei (Frauen) hatten ständig Umgang mit dem Herrn: seine Mutter Maria, ‹seine› Schwester und Magdalena, die „seine Gefährtin“ genannt wird. Denn „Maria“, so heißt seine Schwester; und seine Mutter heißt so; und seine Gefährtin heißt so.“
Stelle Nummer Zwei (Vers 55) ist folgende: „Die Sophia, die genannt wird: die Unfruchtbare, sie ist die Mutter der Engel. Und die Gefährtin [des Erlösers] ist Maria Magdalena. Der [Erlöser liebte] sie mehr als [alle] Jünger und er küsste sie [oft] auf ihren [Mund].“
Vor allem die letzte Stelle biete immer wieder Anlass für Spekulationen, ob Maria Magdalena mehr war für Jesus Christus, als „nur“ eine einfache Jüngerin und die beiden vielleicht sogar ein Paar gewesen sein könnten. Das Philippusevangelium wird daher gerne zu Propagandazwecken gebraucht, um die jeweilige Position der Autorin/des Autors zu „beweisen“. Da wird dann schon einmal das ganze Philippusevangelium als wirre Gedankengänge“ bezeichnet, nur um gewisse darin enthaltene unbequeme Botschaften besser ignorieren zu können. Es ist an diesem Beispiel schon interessant zu sehen, dass zwar ausführlich darauf bestanden wird, dass das Philippusevangelium nur wirre Gedankengänge enthält, es wird aber keinesfalls erklärt, was genau an dem gnostischen Werk so „wirr“ sein soll. Es wird dahingehend lediglich noch erwähnt, dass das besagte Philippusevangelium wohl viel zu spät nach dem Tod von Jesus Christus entstanden ist, um noch authentisch sein zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in die Faszination für die Figur Maria Magdalena und die Zielsetzung der Arbeit, die Unterschiede zwischen kanonischen und apokryphen Darstellungen aufzuzeigen.
Maria Magdalena – Eine kurze Biographie: Überblick über das biblische Zeugnis von Maria Magdalena und die spätere historische sowie legendenhafte Entwicklung ihrer Figur.
Was sind Apokryphe?: Definition des Begriffs „apokryph“ und Erläuterung der Bedeutung dieser Texte für das Verständnis des frühen Christentums abseits der kanonischen Lehre.
Maria Magdalena in den Apokryphen: Detaillierte Untersuchung einzelner apokrypher Schriften und die dortige, teils prominente Rolle Maria Magdalenas im Vergleich zu den Aposteln.
a. Maria Magdalena im Philippusevangelium: Analyse der Passagen über die besondere Nähe zwischen Jesus und Maria Magdalena.
b. Maria Magdalena im Thomasevangelium: Darstellung der Spannungen zwischen Petrus und Maria Magdalena hinsichtlich der Rolle der Frau.
c. Maria Magdalena in der Pistis Sophia: Untersuchung von Maria Magdalenas Rolle als herausragende Fragestellerin und Auslegerin religiöser Texte.
d. Maria Magdalena im Evangelium nach Maria: Analyse des Disputs über die Autorisierung Maria Magdalenas als Predigerin durch Jesus.
e. Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse, die auf eine systematische Reduzierung der Bedeutung Maria Magdalenas in den kanonischen Texten hindeutet.
Schlüsselwörter
Maria Magdalena, Apokryphen, Christentum, Evangelium, Gnostik, Petrus, Bibel, Jünger, Jüngerin, Redaktion, Frauenrolle, Kanon, Legende, Überlieferung, Religion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die verschiedenen Darstellungsweisen von Maria Magdalena in den offiziellen biblischen Schriften und vergleicht diese mit den apokryphen (verborgenen) Texten der frühen Kirchengeschichte.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Im Zentrum stehen die historische Einordnung der Person Maria Magdalena, die Analyse ihrer Rolle als „Lieblingsjüngerin“ in apokryphen Schriften und die kritische Auseinandersetzung mit der Kirchengeschichte und Frauenbildern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Maria Magdalena in den kanonischen Texten vermutlich absichtlich in ihrer Bedeutung reduziert wurde, um ihr Wirken und ihre Nähe zu Jesus hinter die der männlichen Apostel zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse und den Vergleich von Quellentexten, um redaktionelle Unterschiede und inhaltliche Schwerpunkte zwischen den Schriften herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Betrachtung verschiedener apokrypher Evangelien, wie dem Philippus- oder Thomasevangelium, und beleuchtet die Konflikte zwischen Maria Magdalena und dem Apostel Petrus.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Maria Magdalena, Apokryphen, Gnostik, kanonische Texte, Frauenrolle und die kritische Analyse biblischer Überlieferungen.
Inwiefern unterscheidet sich die Darstellung Maria Magdalenas im Philippusevangelium von der Bibel?
Während sie in der Bibel oft nur als Zeugin auftritt, wird sie im Philippusevangelium explizit als Gefährtin und engste Vertraute beschrieben, die Jesus besonders liebte.
Welche Rolle spielt der Apostel Petrus in den apokryphen Texten im Kontext der Arbeit?
Petrus wird in den analysierten Texten mehrfach als Gegenspieler Maria Magdalenas dargestellt, wobei er deren Autorität als Zeugin oder Predigerin häufig in Frage stellt.
- Quote paper
- Udo Seelhofer (Author), 2012, Maria Magdalena in der Bibel und in den Apokryphen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198821