Liebe und Einsamkeit der Frauen in "Cien Años de Soledad" von Gabriel García Márquez


Hausarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung der einzelnen weiblichen Charaktere
2.1 Vorantreibende Personen
2.1.1 Ursula Iguarán
2.1.2 Pilar Ternera
2.1.3 Santa Sofía de la Piedad
2.1.4 Fernanda del Carpio
2.1.5 Meme (Renata-Remedios)
2.1.6 Amaranta Ursula
2.2 Scheiternde und Gescheiterte
2.2.1 Amaranta und Rebeca Buendía
2.2.2 Remedios, la bella
2.2.3 Petra Cotes

3. Ausprägung und Empfinden der Einsamkeit der handlungsvorantreibenden Charaktere in Verbindung mit deren (zwischenmenschlichen) Beziehungen

4. Abschließende Gegenüberstellung Ursula Iguarán + José Arcadio Buendía vs Amaranta Ursula + Aureliano Buendía

5. Schlussbetrachtung

6. Literatur

1. Einleitung

Cien años de soledad, einer der bedeutendsten Romane der lateinamerikanischen Literatur von Gabriel García Márquez, handelt vom Aufstieg und Verfall des kleines Dorfes Macondo und der dort lebenden Familie Buendía über insgesamt sieben Generationen hinweg.[1] Zu diesem Meisterwerk gibt es zahlreiche Interpretationsansätze, von einer historischen oder auch autobiographischen Sichtweise, einher gehend mit der Kolonialisierung Latein Amerikas, über eine sozio-kulturelle Deutung bis hin zu einer mythischen oder religiösen Sichtweise. Thematik dieser Hausarbeit soll die Analyse der einzelnen weiblichen Charaktere sein. Die Hintergrundfrage hierbei lautet immer Was charakterisiert die einzelnen Frauen? Sorgen sie für den Fortbestand der Familie, und wenn ja, wodurch zeichnet sich dies aus? Diese Fragen sollen Aufschluss darüber geben, wie sich die Familie weiter entwickelt, also ob voran gegangene Familienmitglieder sozusagen gewisse Eigenschaften „weiter vererben“, selbst wenn keine direkte Blutsverwandtschaft besteht (z.B. Pilar Ternera → Amaranta Ursula), oder ob bewusst (eventuell geforderte) Eigenschaften ignoriert und sogar ins Gegenteil verwandelt werden (z.B. Fernanda del Carpio → Meme). In einem weiteren Schritt wird dann das Empfinden und die Ausprägung der Einsamkeit der „wichtigen“ Charaktere genauer untersucht. Welche der Frauen verfallen wie der Einsamkeit, und warum tun sie etwas / nichts dagegen. Auch dies dient dem Verlauf der Geschichte und somit der Familie, da eben die Einsamkeit das tragende Charakteristikum der Familie ist[2]. In einem letzten Schritt werden die Beziehungen / Lebenspartnerschaften / Ehen der Familie genauer unter die Lupe genommen: welche Paare zeichnen sich durch Liebe aus? Welche sind reiner sexueller Natur? Welche sind legitim, welche erstgradig inzestuös, welche zweitgradig? Und letztendlich wird die Frage geklärt, in wie fern sich das Verhalten zwischen Ursula Iguarán und José Arcadio Buendía zu Beginn des Romans dem von Aureliano Babilonia und Amaranta Ursula Buendía ähnelt und warum oder warum nicht eben genau dies zum Untergang der gesamten Familie führt.

2. Die Bedeutung der einzelnen weiblichen Charaktere

Im Folgenden möchte ich die einzelnen weiblichen Charaktere des Romans analysieren und kategorisieren. Hierbei wird zwischen „wichtigen“ Charakteren, also in diesem Sinne jenen, welche für den Fortbestand der Familie sorgen, unterschieden, und der zweiten Kategorie, welche gewollt oder ungewollt keine Kinder gebären. Des Weiteren werden die Personen chronologisch gelistet und nicht nach Dauer des Auftretens in der erzählten Zeit oder Bedeutung für die Geschichte. Außerdem sollen während der Beschreibungen beziehungsweise Analysen der einzelnen Frauen der – wenn vorhanden – spezifischen physischen und psychischen Eigenschaften genauer definiert werden, um somit einen Hinweis auf den Verlauf der Familie bis zum Ende der Geschichte mit der Geburt des Kindes mit Schweineschawanz aufgrund der inzestuösen Beziehung zwischen Aureliano Babilonia und Amaranta Ursula Buendía zu geben.

2.1 Vorantreibende Personen

2.1.1 Ursula Iguarán

Ursula Buendía, geborene Iguarán, stellt nicht nur aufgrund der Tatsache die erste Frau im Roman zu sein eine enorme Importanz dar, sondern ist als Teil-Initiator (neben ihrem Ehemann) der Geschichte bis fast zum Ende die wichtigste Gestalt im Hause der Familie[3]. Sie ist die Matriarchin der Familie; selbst als sie altersbedingt immer schwächer wird und letztendlich gänzlich erblindet versucht sie für Recht und Ordnung in Haus und Familie zu sorgen.[4][5] Ihre inzestuöse Ehe mit José Arcadio Buendía, ihrem Vetter, ist nicht nur Grund für den Bau Macondos, sondern auch für die gesamte (wenn auch vorherbestimmte und somit bereits zum Scheitern verurteilte) Geschichte des Dorfes und somit ebenso der Familie[6]. Ihre anfänglichen Befürchtungen, ebenfalls wie das Paradebeispiel in ihrer Familie ein Kind mit einem Schweineschwanz zu gebären (was sich dann zum Schluss des Romans tatsächlich realisiert), wirft sie nach dem Hahnenkampf und dem barbarischen Mord an der metaphorischen Gestalt der violencia Prudencio Aguilar[7] über Bord und gebärt drei - mehr oder minder - gesunde Kinder. Ihre Repräsentanz im Buch und somit Bedeutung für die Familie könnte man als gottesähnlich bezeichnen.[8] So können Parallelen zu den Göttinen Deméter, Gea und Artemisa gezogen werden, beruhend auf ihren matriarchischen Charakterzügen des Instandhaltens des Hauses und somit der Familie, ebenso wie mit der kurzzeitigen Aufgabe dergleichen. Perfekte Beispiele im Text sind hierbei zum einen die aufopferungsvolle und bedingungslose Hingabe gegenüber ihrem Ehemann. Ursula steht ihm jederzeit bei, obgleich er nun ihre gesamten Besitztümer verschwendet zu Beginn der Geschichte zur Zeit, als die ersten Zigeuner noch nach Macondo kamen; oder sogar als José Arcadio Buendía bereits tot ist und nur noch als Geist unter der alten Eiche weilt. Zum anderen ist ihr Traum beziehungsweise Wunsch, José Arcadio Buendía, Fernandas Sohn, zum Papst zu erziehen Teil ihrer eventuell göttlichen Berufung - was letztendlich allerdings ebenso scheitert wie die Aufrechterhaltung des Hauses oder die sittenvolle Erziehung der Kinder des Hauses zu vernünftig handelnden Menschen. So ist Ursula zwar in ihrem Handeln gescheitert, allerdings unabdinglich für den Fortgang der Geschichte und den Fortbestand der Familie: sie, die als eine der wenigen eine Beziehung basierend auf (anfänglicher) Liebe führt, versucht eben diese Liebe in der Familie weiter zu geben, sowohl bei ihren eigenen Kindern, als auch bei den folgenden Generationen, was teilweise gelingt (vgl. die Liebe zwischen Aureliano Segundo und Petra Cotes) jedoch nie für die Betroffenen in einem glücklichen Leben endet (vgl. genannte Beziehung: Petra Cotes als Aurelianos Maitresse). Doch später mehr zu den zwischenmenschlichen Beziehungen der Nachfahren Ursula Buendías.

2.1.2 Pilar Ternera

Pilar Ternera, zunächst lediglich eine Bekannte Ursulas die ihr im Haushalt behilflich ist, könnte man als deren Pendant bezeichnen, da sie bereits früh durch die Zeugung von Aurelianos und José Arcadios Söhnen zum Teil der Sippe der Buendías wird.[9] Zwar sorgt Ursula dafür, dass die Herkunft der beiden Söhne geheim bleibt, dennoch stellt Pilar eine Art Mutter dar: sie steht den männlichen Nachkommen der Buendías in den tabuisierten Bereichen bei. So ist dies vor allem erkennbar wenn es um Sexualität geht: fasziniert von José Arcadios physischer Männlichkeit, beginnt sie eine Affäre mit diesem, bis sie ihm schließlich einen Sohn gebärt, worauf hin er Macondo mit den alljährlich auftauchenden Zigeunern verlässt und erst viele Jahre später zurückkehrt. Auch ihre kürzer andauernde Romanze mit Aureliano endet mit einem Sohn, den ebenfalls Ursula beginnt groß zu ziehen. Die Gestalt der seduktiven Frau, die den Verlauf der Familie durch das Kartenlesen teilweise hervor sehen kann, begleitet den Roman vom zweiten Kapitel bis zum letzten und stirbt erst in einem fiktiv hohen Alter von circa 165 Jahren. Immer wieder steht sie in unmittelbarem Kontakt mit der Familie und läuft Gefahr, ebenso wie diese Inzest zu betreiben; durchschaut diese Tatsache jedoch und führt so ihren unehelichen Sohn Arcadio mit Santa Sofía de la Piedad zusammen. Dem Einsamkeitsfluch allerdings ist auch sie verfallen, was jedoch nur in mittelbarem Zusammenhang zu den Buendías steht. Sie erwartet die Rückkehr ihres Geliebten, welcher sie zwar in jungen Jahren vergewaltigte, den sie dennoch liebt und weswegen sie schlussendlich als ledige und nie verheiratete Frau stirbt. Die Rolle der Pilar Ternera könnte man als eine der essenziellsten der Geschichte ansehen: wäre sie nicht gewesen, wäre die dritte Generation der Buendías so nie gezeugt worden. Ihre Einsamkeit, so könnte man meinen, ist das herausstechendste Erbgut dass sie ihren Söhnen vermacht hat, ebenso wie das unnormale Empfinden von Liebe, was sich bei Arcadio durch das bloße "nebenher leben" mit Santa Sofía, und bei Aureliano José durch die inzestuöse Liebe zu seiner Tante Rebeca realisiert; doch hier zu späterer Stelle mehr.

[...]


[1] vgl. Müller (1975): S. 83

[2] vgl Müller: S. 90

[3] vgl. Deveny (1988): S.83

[4] vgl. Rodríguez-Imbriaco (2008): S. 6-7

[5] vgl. Márquez: (Ursula) “No es posible vivir en esta negligencia”, S. 283-84

[6] vgl. Jill Levine (1975): S. 107

[7] vgl. Ferrer & Eulalia (1987): S. 78-79

[8] vgl. Rodríguez-Imbriaco (2008): S. 7

[9] vgl. Weiß-Pawlitzka (1992): S.141

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Liebe und Einsamkeit der Frauen in "Cien Años de Soledad" von Gabriel García Márquez
Hochschule
Universität Trier
Note
1.7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V198834
ISBN (eBook)
9783656254454
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel García Márquez
Arbeit zitieren
Sascha Schneider (Autor), 2011, Liebe und Einsamkeit der Frauen in "Cien Años de Soledad" von Gabriel García Márquez, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198834

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