In diesem Aufsatz sollen die Bedingungen der Konstruktion der Wirklichkeit des Künstlerischen innerhalb der klassischen Moderne beleuchtet werden. Die künstlerische Kognition soll dabei als ein System in den Mittelpunkt rücken, dessen Operationen sich im Spannungsfeld von Kommunikation eines Sozialen Systems sensu Luhmann und einerseits von sinnlichen Materialien der Kunst andererseits entfalten. In einem in der Philosophie Hegels angelegten und von Theodor W. Adorno fortentwickelten Sinne erlangen die Potentiale von sinnlichen Materialien der Kunst erst im künstlerischen Produktionsprozess künstlerische Wirklichkeit. Sie ist das Resultat eines durch Kommunikation entstehenden kognitiven Prozesses, der in besonderer Weise auf die sinnliche Wahrnehmung abgestellt ist.
Inhaltsverzeichnis
I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
VII.
VIII.
IX.
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die kognitiven Prozesse, die dem künstlerischen Schaffen der Moderne zugrunde liegen, und analysiert, wie Künstler durch die bewusste Abkehr von traditionellen Schemata ein autonomes System der Kunst konstituieren.
- Die Rolle der "inneren Notwendigkeit" in der künstlerischen Produktion.
- Die Wechselwirkung zwischen sinnlicher Wahrnehmung und kognitiven Potentialen des Künstlers.
- Die Transformation von Material durch künstlerische Handlungen als Erkenntnisprozess.
- Die Etablierung des Kunstwerks als autonomes, selbstreferentielles System.
- Die Bedeutung von Kommunikation und Verdichtung innerhalb des Systems der Kunst.
Auszug aus dem Buch
I.
Der Künstler nimmt seit der klassischen Moderne für sich in Anspruch, ein sinnliches Material der Kunst nach Maßgabe einer „inneren Notwendigkeit“ zu formen. Dieses Axiom einer „inneren Notwendigkeit“, dessen Wortlaut von dem abstrakt malenden Wassily Kandinsky stammt, ist repräsentativ für das Selbstverständnis des Künstlers der klassischen Moderne. Es verweist auf die spezifischen kognitiven Prozesse, die sich im 20. Jahrhundert unter den Bedingungen der künstlerischen Produktion entfalten.
Der Künstler der klassischen Moderne bildet nicht mehr ein ihm bereits vor dem Produktionsprozess verfügbares Wissen mit Mitteln der Kunst ab. Vielmehr entsteht ihm das Wissen darüber, was er mit Mitteln der Kunst zur Anschauung bringt, erst durch die Anschauung und somit das entstehende Kunstwerk selbst. Der künstlerische Produktionsprozess lässt in diesem Sinne das Wissen des Künstlers darüber, was er zur Darstellung bringt, erst entstehen. Er involviert von daher einen besonderen Erkenntnisfortschritt des Künstlers, insofern die Kunst allgemein betrifft, als dieses Wissens eng an dem geknüpft ist, was die Kunst selbst überhaupt erst ermöglicht, nämlich Kommunikation eines sozialen Systems der Kunst und ein sinnliches Material der Kunst.
In diesem Sinne versteht der Künstler der Moderne tendenziell das, was er durch seine Arbeit zur Darstellung bringt, als ein im sinnlichen Material der Kunst selbst angelegtes Potential. Es ist dies das Potential des Materials, im Bewusstsein „Wirklichkeit des Künstlerischen“ zu erzeugen. Sich diesem Potential bewusst zuzuwenden, gilt es für den Künstler umso mehr, wo er sich des Gebrauchs traditioneller Schemata durch eine Kommunikation auferlegte Einschränkung bewusst enthält, obgleich doch solche Schemata ihm im Produktionsprozess als ein Wissen zur Verfügung stünden.
Zusammenfassung der Kapitel
I.: Einführung in das Axiom der inneren Notwendigkeit und die Transformation des Wissensbegriffs im künstlerischen Produktionsprozess der Moderne.
II.: Analyse der experimentellen Interaktion zwischen dem Künstler und dem Material, bei der durch den Zufall neue kognitive Potentiale erschlossen werden.
III.: Untersuchung der bewussten Abkehr von traditionellen Schemata zugunsten einer unvoreingenommenen sinnlichen Wahrnehmung, die das Material neu konfiguriert.
IV.: Erörterung, wie die Vielfalt kognitiver Zustände in der modernen Kunst zu einer Vielzahl von Stilrichtungen und Abstraktionen führt.
V.: Betrachtung der Spezialisierung der künstlerischen Kognition und der Auflösung starrer Grenzen zwischen den verschiedenen Kunstgattungen.
VI.: Definition des künstlerischen Produzierens als Prozess der Kommunikation und der Verdichtung kognitiver Repräsentationen zu neuen Schemata.
VII.: Untersuchung der Selbstvergewisserung des Künstlers durch das Werk und der fortlaufenden Weiterentwicklung der eigenen Kognition.
VIII.: Reflexion über die synästhetische Materialästhetik und die programmatische Umstellung von traditioneller Repräsentation auf abstrakte Formgebung.
IX.: Synthese der Rolle des Künstlers der Moderne, der als autonomes System operiert und eigene Maßstäbe für das Werk definiert.
Schlüsselwörter
Künstlerische Kognition, Moderne Kunst, Innere Notwendigkeit, Sinnliches Material, Produktionsprozess, Kunstsystem, Kognitive Schemata, Wahrnehmung, Abstraktion, Materialästhetik, Synästhesie, Autonomie, Erkenntnisfortschritt, Kommunikation, Selbstreflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kognitiven Grundlagen und die theoretischen Implikationen des künstlerischen Schaffens in der Epoche der klassischen Moderne.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Beziehung zwischen Material und Kognition, die Autonomie des Kunstsystems sowie die Rolle von Kommunikation und Selbstreflexion im Entstehungsprozess eines Kunstwerks.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Künstler der Moderne durch die bewusste Aufgabe traditioneller Schemata neue Wissens- und Darstellungsformen generieren, die den Produktionsprozess selbst zum Erkenntnisort machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Untersuchung, die kunsttheoretische Positionen (z.B. Kandinsky) mit systemtheoretischen Ansätzen (z.B. Luhmann) und Erkenntnissen der Kognitionswissenschaft verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise, wie sinnliches Material als Potential begriffen wird, wie Schemata neu vernetzt werden und wie diese Prozesse zur Entstehung autonomer künstlerischer Stile führen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Kernbegriffe sind Kognition, Systemtheorie, Materialästhetik, innere Notwendigkeit und künstlerischer Produktionsprozess.
Warum spielt die Abkehr von traditionellen Schemata eine so entscheidende Rolle?
Die Abkehr ermöglicht es dem Künstler, das Material nicht nur abzubilden, sondern in einem unvoreingenommenen Prozess neue, eigenständige künstlerische Wirklichkeiten zu erschaffen, die nicht mehr bloßem Vorwissen folgen.
Inwiefern beeinflusst das „soziale System der Kunst“ den einzelnen Künstler?
Das System der Kunst fungiert als ein Rahmen, der den Künstler dazu zwingt, seine eigene Tätigkeit zu reflektieren, zu kommunizieren und stetig weiterzuentwickeln, um innerhalb dieses Systems als Künstler zu operieren.
Welche Bedeutung hat das Gefühl oder die Emotion im künstlerischen Prozess?
Emotionen dienen als Indikatoren für die Qualität der Passung zwischen dem verwendeten Material und den kognitiven Schemata, sie signalisieren dem Künstler den Erfolg oder Misserfolg seines künstlerischen Vorhabens.
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- Dr. Arnold Wohler (Author), 2011, Betrachtungen zur künstlerischen Kognition der Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198844