Mediationsansätze in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung

Wo treten in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung Konflikte auf - kann die Mediation dazu beitragen, diese Konflikte zu lösen oder zu vermeiden?


Studienarbeit, 2011
47 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungen

1. Einleitung

2. Konflikte
2.1 Begriff Konflikt
2.2 Konfliktarten
2.3 Präsenz von Konflikten in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung
2.3.1 Konflikte in der Wohnungseigentumsverwaltung
2.3.3 Konflikte im Unternehmen der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung
2.4 Konfliktauswirkungen in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung
2.4.1 Konfliktauswirkungen in der Wohnungseigentumsverwaltung
2.4.2 Konfliktauswirkungen in der Mietverwaltung
2.4.3 Konfliktauswirkungen im Unternehmen der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung

3. Mediation
3.1 Begriff Mediation
3.2 Mediationsmodelle
3.3 Einsatzmöglichkeiten der Mediation in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung

Literaturverzeichnis

Anhang

Tabellen

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Der Konfliktkreis

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Erfassung interner - und externer Konflikte

Tab. 2: Erfassung interner – und externer Konfliktarten Stufe 1

Tab. 3: Erfassung interner – und externer Konfliktarten Stufe 2

Tab. 4: Erfassung interner – u. externer Konfliktarten MV Stufe 2

Tab. 5. Erfassung interner – u. externer Konfliktarten IVU Stufe 2

Tab. 6: Konflikt-Erfassung nach Phasen/Stufen/Aufwand WE

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„ [...] Qualifikationen [...]

Wir erwarten hohe Belastbarkeit sowie Konflikt- und

Kooperationsfähigkeit.

Hohe Sozialkompetenz und ausgeprägte Wertekultur

Sehr gute Kommunikations- und Ausdrucksfähigkeit

Belastbarkeit, Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke

Sicheres Auftreten und geübter Umgang mit Mietern/Eigentümern und Auftraggebern

Kommunikative, durchsetzungsfähige Persönlichkeit

Selbständige eigenverantwortliche Arbeitsweise […] “[1]

So oder ähnlich formuliert lauten Stellenausschreibungen für Miet- und Wohnungseigentumsverwalter. Verwalter haben nach Auffassung der Verfasserin einen der interessantesten und abwechslungsreichsten Berufe. Tagtäglich muss zu rechtlichen, betriebswirtschaftlichen und technischen Angelegenheiten, qualifiziert Stellung genommen werden. Hinzu kommen soziale Aufgaben, die Verwalter zu leisten haben. Ob sie möchten oder nicht, Verwalter sind für viele Lebensbereiche ihrer Kunden wichtig. Neben der eigentlichen Tätigkeit - die Verwaltung der Objekte -, fungieren Verwalter z.B. als `Eheberater´, `Jugendbetreuer´, `Altenbetreuer´, `Kindergärtner´ und als Konfliktlöser. Verwalter sollten die Fähigkeit besitzen, in ihren zu betreuenden Objekten, Konflikte rechtzeitig zu erkennen und sie schnell und effizient zu lösen. Burghard Schneider und Rudolf Ridinger führen im Editorial des VerbandsMagazin Mai 2009 VdW Rheinland Westfalen,VdW südwest und VdW saar aus, dass die Anforderungen an die beruflichen Qualifikationen der Verwalter in starkem Maß zunehmen. Die Entwicklungen bei den technischen Anforderungen an die Gebäude und der Anstieg der Herausforderungen beim Mietmanagement tragen dazu bei.[2] Auch die professionelle Konfliktbearbeitung ist eine berufliche Qualifikation, die immer mehr den Verwaltern abverlangt wird. Unternehmen fordern vermehrt diese Qualifikation, aber nicht immer sind sie sich darüber im klaren, dass Konfliktlösung Arbeitszeit kostet.

So kann es vorkommen, dass sich Verwalter in einer Zwickmühle befinden, wenn der Zielsetzung Ihres Unternehmens – hohe Gewinne zu erzielen – `scheinbar`, die Notwendigkeit zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen, entgegen steht. Bedingt durch das Geschäftsfeld, treten in IVU vermehrt Konflikte der unterschiedlichsten Art auf. Zeitdruck, Terminenge, `scheinbare` Zieldiskrepanz, sind Nährboden für innerbetriebliche Konflikte. Hinter dem Begriff innerbetriebliche Konflikte verbergen sich sehr unterschiedliche Konflikte, denen nur gemeinsam ist, dass sie alle die gute Arbeitsatmosphäre stören. In IVU können Konflikte entstehen: zwischen zwei Kollegen, innerhalb von Teams, zwischen Teams, zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, zwischen Vorgesetzten und zwischen Abteilungen und Bereichen.[3] Wo auch immer Konflikte auftreten, ob in der MW, in der WEV oder im IVU selber, Konflikte sind störend, hindern oder unterbrechen Handlungsabläufe, wirken belastend und verursachen Kosten. Diese Studie soll aufzeigen, dass Teile der Mediationsausbildung im Arbeitsalltag von Verwaltern genutzt werden können, um Konflikte in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung rechtzeitig zu erkennen, zu lösen oder gar zu vermeiden. Daraus ergibt sich das Thema der Studie: Mediationsansätze in der Miet- und WohnungseigentumsverwaltungWo treten in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung Konflikte auf – kann die Mediation dazu beitragen, diese Konflikte zu lösen oder zu vermeiden? Die Studie behandelt dysfunktionale Konflikte (störende Konflikte), auf funktionale Konflikte (positive Konflikte) wird nicht eingegangen. Im ersten Teil dieser Arbeit, werden die konflikttheoretischen Grundlagen behandelt. Es wird der Begriff Konflikt definiert und die Konfliktarten erklärt. Die Präsenz von Konflikten in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung wird anhand von Konfliktbeispielen dargestellt. Die Konflikte werden den Konfliktarten zugeordnet, in Tabellen erfasst und anschließend ausgewertet. Da die Eigendynamik eines Konfliktes die Konfliktparteien dazu antreibt, sich weiter in einen Konflikt abtreiben zu lassen[4], wird der Eskalationsprozess eines Konfliktes anhand eines Eskalationsmodells und eines Konfliktbeispiels unter: Konfliktauswirkungen in der Wohnungseigentumsverwaltung, dargestellt. Der Konflikt wird in einer Tabelle, in der jeweiligen Eskalationsstufe, erfasst und ausgewertet.

Anschließend werden die Konfliktauswirkungen in der Mietverwaltung aufgezeigt. Unter `Konfliktauswirkungen im Unternehmen der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung´ wird verdeutlicht, dass Abwehr und Verdrängung von Konflikten in der Arbeitswelt, die falsche Konfliktbehandlung ist. Im zweiten Teil der Studie wird der Begriff Mediation definiert und die verschiedenen Mediationsmodelle vorgestellt um anschließend zu erläutern, wie Elemente (Ansätze) aus der Mediation in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung dazu beitragen können, Konflikte zu lösen und/oder zu vermeiden. Die Schlussbetrachtung zeigt, dass Konflikte feste Bestandteile in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung sind und sich Ansätze der Mediation dazu eignen, diese Konflikte zu lösen oder sogar zu vermeiden.

Aus Gründen der Lesefreundlichkeit wird in dieser Studienarbeit häufig die männliche Form gewählt, aber selbstverständlich sind gleichermaßen Frauen und Männer gemeint.

Vorderweidenthal, 30.10.2011

Bettina Hamm

2. Konflikte

2.1 Begriff Konflikt

Konflikte sind ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens und kommen in allen Beziehungen und Kulturen dieser Welt vor. In vielen Disziplinen – angefangen bei der Psychologie, über die Soziologie bis hin zur Betriebswirtschaft, werden Konflikte untersucht. Dennoch wurde bisher noch keine einheitliche Konflikttheorie entwickelt und je nach Weite und Problemfokussierung unterscheiden sich die jeweiligen Definitionen. Oftmals werden Konflikte unterschieden zwischen intrapsychischen Konflikten und interpersonalen (sozialen) Konflikten. Intrapsychische Konflikte (persönliche Konflikte) spielen sich innerhalb einer Person ab, z. B. „wenn die Vernunft den einen Weg einschlägt, unsere Gefühle und Wahrnehmungen aber etwas ganz anderes empfinden, entstehen innere Konflikte“[5]. Persönliche Konflikte sind für uns Menschen notwendig, damit wir uns zu individuellen Persönlichkeiten entwickeln können. Ob diese persönlichen Konflikte bewältigt sind oder nicht, ist entscheidend für die Sichtweise der Konfliktlandschaft in der jeder lebt.[6] In der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung steht der interpersonale (soziale) Konflikt im Mittelpunkt und wird daher nachfolgend näher erläutert. Allerdings ist bei der Betrachtung von sozialen Konflikten immer zu beachten, dass persönliche Konflikte den sozialen Konflikten vorausgehen können.

Zu einem sozialen Konflikt gehören mindestens zwei Konfliktparteien. Ingrid Holler macht anhand nachfolgendem Beispiel deutlich, dass ohne Konfliktparteien kein Konflikt existiert: Ein Angestellter berichtete, dass seine Vorgesetzte ihn schon mehrfach für eine Beförderung einfach übergangen hatte. Auch habe er das Gefühl, dass er von ihr gemobbt würde. Es stellte sich dann heraus, dass er das seiner Vorgesetzten gegenüber noch nie angesprochen hatte und sie von seinen verletzten Gefühlen anscheinend überhaupt nichts wusste. In diesem Fall hatte der Angestellte ein Problem mit seiner Vorgesetzten, jedoch keinen Konflikt, an dem sie auch beteiligt war, es gab keine Konfliktparteien. Es gab dagegen einen Angestellten mit einem Problem.[7] Gleichzeitig zeigt Holler mit diesem

Beispiel, dass ein Problem kein Konflikt ist. Probleme beschreibt die GFK sehr treffend: Ein Problem liegt dann vor, wenn die Anliegen einer Person sich nicht erfüllen und es ihr nicht gelingt, diesen Mangel zu beheben[8]. Z.B.: `C möchte ein höheres Gehalt – bekommt es aber nicht. D will Tapeten kaufen, aber die Geschäfte haben geschlossen.´ Einen Konflikt sieht die GFK vorliegen, „wenn sich die Anliegen von zwei oder mehr Personen im Kontakt miteinander nicht erfüllen und sie darüber in Streit geraten“[9]. Holler verfeinert diese Aussage „Ein Konflikt liegt dann vor, wenn zwei Menschen über ein Thema unterschiedliche Ansichten haben und sich die jeweils andere Person daran stört; sich die Beteiligten über die Störung nicht verständigen können und es darüber zum Streit kommt“[10]. Nach Luhmann liegt ein Konflikt vor, wenn zwei Kommunikationen für den Konflikt vorliegen die einander widersprechen.[11] Dieser Definition nach, würde ein Widersprechen genügen, wie z.B. A:„Sie halten die Mittagsruhe nicht ein“. B:“ Ich halte die Mittagsruhe ein“. Nach Auffassung der Autorin macht ein bloßes widersprechen noch keinen Konflikt aus, da lediglich eine Meinungsverschiedenheit besteht. Ungelöste Meinungsverschiedenheiten und ungelöste Probleme werden zum Konflikt , wenn mehrere Kriterien erfüllt sind. Die Verfolgung anderer Ziele, oder unterschiedliche Handlungsabsichten ist ein mögliches Kriterium: `A möchte in der Mittagszeit keinen Lärm hören. B möchte in der Mittagszeit laut Musik hören.´ Weiterhin müssen Gefühle vorhanden sein. `A verspürt Wut, da er in der Mittagsruhe gestört wird und weil B nicht die Wahrheit sagt. B ist empört, weil A sich immer über solche Kleinigkeiten aufregt.´ Gegenseitige Beeinflussungsversuche, direkte oder indirekte Interaktionen, spielen bei einem Konflikt ebenso eine Rolle. `A: „Dann werden sie mal sehen, wo sie demnächst parken können, auf dem Parkplatz vor meinem Eingang bestimmt nicht mehr“. B: „Das haben Sie jetzt davon, ich werde sie bei der Polizei anzeigen, wenn sie ihren Hund noch

einmal auf der Wiese frei laufen lassen“. Vereinfacht zusammengefasst liegt ein sozialer Konflikt vor, wenn:

1. Menschen miteinander Kontakt haben, d.h. wenn es Konfliktparteien gibt.
2. Unterschiedliche Meinungen/Ansichten/Interessen/Ziele von diesen Menschen/Konfliktparteien vertreten/verfolgt werden.
3. Streit zwischen diesen Menschen entsteht.

Sehr ausgereift und weit verbreitet ist die Definition des Begriffs Konflikt von Friedrich Glasl „Konflikt ist eine Interaktion - zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.), - wobei wenigstens ein Aktor, - Unvereinbarkeiten im Denken, Vorstellen, Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen, - mit einem anderen Aktor (anderen Aktoren) in der Art erlebt, - dass im Realisieren eine Beeinträchtigung - durch einen anderen Aktor (die anderen Aktoren) erfolge.“[12]

2.2 Konfliktarten

Nicht immer sind Konflikte unmittelbar als Konflikt erkennbar. Der sogenannte latente (kalte) Konflikt verläuft unterschwellig und wird nicht offen ausgetragen, Aggressionen werden angesammelt. Manifeste (heiße) Konflikte dagegen werden offen und oft verbal ausgetragen. Der Konfliktkreis von Duve/Eidenmüller/Hacke zeigt fünf objektive Anlässe, aus denen heraus ein Konflikt entstehen kann. Die Autorin hat den Konfliktkreis ergänzt um einen inneren Kreis, der die inneren Konflikte darstellen soll. Natürlich lässt sich über die Einteilung ebenso wie über die Zahl der zu bildenden Kategorien streiten. So ließen sich zu den verschiedenen Konfliktarten zahlreiche Untergruppen und andere Anwendungsbeispiele finden. Auch sind die Übergänge zwischen den einzelnen Konfliktarten fließend. Der Zweck der Darstellung besteht darin, die Konfliktanlässe zu typisieren.[13] Duve/Eidenmüller/Hacke unterscheiden Konflikte nach internen und externen Konflikten. Unabhängig von internen und externen Konflikten, erfolgt eine Unterscheidung nach Anlass: Sachkonflikte, Wert- und Grundsatzkonflikte, Strategiekonflikte, Verteilungskonflikte und Beziehungskonflikte.[14] Interne Konflikte entstehen innerhalb von Unternehmen/einer Gemeinschaft, zwischen den Personen in unterschiedlichen hierarchischen Positionen. Externe Konflikte entstehen zwischen dem Unternehmen/einer Gemeinschaft oder deren Vertreter und Personen

außerhalb dem Unternehmen/der Gemeinschaft. Nach Duve/Eidenmüller/Hacke kommt es zu Sachkonflikten, wenn die Konfliktparteien unterschiedliche Ziele erreichen wollen.[15] Hingegen verfolgen bei Berkel die Beteiligen bei einem Sachkonflikt ein gemeinsames Ziel, versuchen aber, dieses über verschiedene Wege bzw. mit unterschiedlichen Mitteln zu erreichen.[16] Ebenso definiert das Institut für Soziologie der Universität Wien in der Studie 2008, dass die Konfliktgegenstände bei Sachkonflikten die dementsprechenden Mittel und Wege sind. Duve/Eidenmüller/Hacke dagegen, sehen die Verfolgung eines gemeinsamen Ziels mit verschiedenen Wegen, als Strategiekonflikt.[17] Bei Strategiekonflikten verfolgen die Beteiligten dasselbe Ziel, sind aber geteilter Meinung über den richten Weg zum Ziel oder die richtigen Mittel, um dieses zu erreichen.[18] Dieser Ausführung Duve/Eidenmüller/Hacke stehen die Definitionen von Berkel und dem Institut für Soziologie der Universität Wien gegenüber. Die Autorin schließt sich den Definitionen Sachkonflikt und Strategiekonflikt von Duve/Eidenmüller/Hacke an, da ihrer Auffassung nach einer Strategie ein Ziel bzw. die Erreichung eines bestimmten Zieles vorausgeht. Um ein bestimmtes Ziel zu erreichen gibt es zumeist mehrere Möglichkeiten. Über den Weg (über die Strategie) zur Zielerreichung können verschiedene Ansichten und Meinungen bestehen. Wird keine Lösung gefunden, kann diese Meinungsverschiedenheit zum Strategiekonflikt führen.„ Wertkonflikte sind Auseinandersetzungen, in denen fundamental unterschiedliche Gerechtigkeitsvorstellungen aufeinandertreffen.“[19] „Reicht die Bedeutung über den Einzelfall hinaus, liegt ein Grundsatzkonflikt vor“[20]. Wert- und Grundsatzkonflikte treten häufig im interkulturellen Kontext auf. Jeder Mensch gehört einer kulturellen Gruppe an, deren kulturelle Codes und Verhaltensweisen er erlernt hat, genannt „cultural orientations“[21] (kulturelle Orientierungen). Kulturelle Orientierungen werden in der Literatur auch mit Wertorientierungen gleichgesetzt. Treffen Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Gruppen zusammen, so ist nicht immer davon auszugehen, dass die unterschiedlichen Codes und Verhaltensweisen vom jeweiligen Gegenüber sofort verstanden werden. Äußerungen und Verhaltensweisen können auf Grund falscher Interpretation zu einem Abwertungskonflikt führen. Verteilungskonflikte sind Streitigkeiten über die Verteilung von Ressourcen, Ansehen oder Macht.[22] Eigene Macht- und Statuspositionen werden versucht zu verbessern. Es wird um Entscheidungs- und Einflussmöglichkeiten sowie um Privilegien gekämpft. Im Forschungsbericht 2008 der Universität Wien werden Konflikte, wenn es um Einflussmöglichkeiten und Privilegien geht, benannt als Rangkonflikte.[23] Im Mittelpunkt von Beziehungskonflikten steht die emotionale Anerkennung durch andere. In Beziehungskonflikten haben Personen das Gefühl, nicht ausreichend oder weniger als andere gemocht zu werden und in der Gemeinschaft integriert zu sein. Die Konfliktparteien verletzen, demütigen oder missachten einander.[24] Fühlt sich eine Person durch die andere Person gestört, beeinträchtigt oder missachtet,liegt regelmäßig ein Beziehungskonflikt vor.[25]

Siehe Anlage I.: Abb. 1: Der Konfliktkreis

Jede Konfliktart, interne – sowie externe Sach-, Wert- und Grund-, Strategie-, Verteilungs- und Beziehungskonflikte -, kann noch einmal nach Eskalationsgrad in drei Konfliktphasen, neun Konfliktstufen klassifiziert werden.

Phase 1

1.Stufe Verhärtung; 2.Stufe Debatte und Polemik-; 3.Stufe Taten statt Worte

Phase 2

4.Stufe Images u. Koalitionen;5.Stufe Gesichtsverlust;6.Stufe Drohstrategien

Phase 3

7.Stufe Begrenzte Vernichtungsschläge;8.Stufe Zersplitterung des Feindes

9.Stufe Gemeinsam in den Abgrund.[26]

2.3 Präsenz von Konflikten in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung

2.3.1 Konflikte in der Wohnungseigentumsverwaltung

In der WEV treten interne und externe Konflikte jeweils unterschieden nach Anlass (Sachkonflikte, Wert- und Grundsatzkonflikte, Strategiekonflikte, Verteilungskonflikte und Beziehungskonflikte), auf. Interne Konflikte entstehen zwischen den WEern selber. Externe Konflikte entstehen zwischen den WEern und deren Vertragspartner, wie Mieter, Handwerker, Dienstleistungsunternehmen, IVU. Auch Konflikte zwischen den WEern und den Nachbarn, Behörden und anderen verschiedenen Institutionen zählen zu den externen Konflikten. Alle Konflikte können wiederum unterteilt werden, ob, alle WEer, die Mehrheit von WEern oder nur einzelne WEer , am jeweiligen Konflikt beteiligt sind. In Tabelle 1 werden Konflikte anhand von nachfolgenden Beispielen, nach Herkunft der Konfliktpartner untersucht und der jeweiligen Konfliktpartei zugeordnet. Das Ergebnis stellt die Anzahl der Konflikte, unterschieden zwischen internen und externen Konflikten dar.

Es besteht ein Konflikt zwischen allen WEern `Alm5´ und dem WEer A, A)

Die Mehrheit der WEer hat einen Konflikt mit dem Heizungsbauer B)

WEer B hat einen Konflikt mit allen WEern, C)

Zusätzlich streiten sich alle WEer mit Herrn X vom Gartenbauamt D)

Die Auswertung der Tabelle 1 ergibt, dass insgesamt vier Konflikte bestehen,

davon zwei interne Konflikte und zwei externe Konflikte.

Siehe Anlage II.: Tab. 1: Erfassung interner - und externer Konflikte

Interne Sachkonflikte liegen vor, wenn Eigentümer einer Wohnungseigentumsgemeinschaft unterschiedliche Ziele erreichen wollen. Die selber im Objekt wohnenden WEer (Selbstnutzer) haben oftmals andere Ziele als WEer die ihr Wohneigentum vermieten (Vermieter). Möglich ist es auch, dass bei älteren WEern andere Ziele Vorrang haben, als bei jüngeren WEern. Beispiel: Die WEer streiten darüber, ob das Gebäude wärmegedämmt werden soll oder nicht.

Der Selbstnutzer A hat Interesse an einer Gebäudedämmung, da nach dieser Maßnahme weniger Energie verbraucht wird. Der Vermieter B hat kein Interesse, da diese Investition ihm keinen wirtschaftlichen Nutzen bringt.

Der ältere Selbstnutzer C hat kein Interesse, da er aufgrund seines Alters nicht investieren möchte. Der Vermieter D hat Interesse, da er für eine wärme gedämmte Wohnung einen höheren Mietzins verlangen kann.

Externe Sachkonflikte liegen vor, wenn die WG und deren Vertragspartner, Nachbarn, Behörden, sonstige Institutionen und/oder andere außerhalb dieser Gemeinschaft stehende Personen unterschiedliche Ziele erreichen wollen und darüber streiten. Beispiel: Zum WE zählt ein großes Gartengrundstück auf dem Bäume unterschiedlichster Art stehen. Die WEer sind sich darüber einig, dass eine schiefe Birke gefällt werden muss und sind darüber empört, dass

Herr X, Chef des Gartenbauamts keine Fällgenehmigung erteilt, da er keine Gefährdung ausgehend von der Birke sieht. Weiterhin ist es ein großes Anliegen und Auftrag des Gartenbauamts, auf die Erhaltung der grünen Lunge der Stadt zu achten und dazu zählt die Erhaltung eines jeden gesunden Baumes.

Nachbar Y, politisch sehr engagiert, hat mitbekommen, dass auf dem Nachbargelände Bäume gefällt werden sollen. Sobald er WEer der benachbarten WG sieht, spricht er diese an und gibt verbal seinen Unmut kund.

Weiterhin postiert Y sich mit Schildern `Bäume fällen NEIN DANKE´ vor dem Grundstück der WG und verteilt Flyer `seiner Partei´.

Interne Strategiekonflikte liegen vor, wenn WEer dasselbe Ziel haben, aber geteilter Meinung über den richtigen Weg sind und darüber streiten. Beispiel: Das Gebäude soll gedämmt werden, darüber sind sich die WEer einig. Nun wird darüber gestritten, ob ein Architekt zur Angebotseinholung dazu beauftragt werden soll, oder ob man aus Kostengründen darauf verzichtet.

WEer die sparen möchten argumentieren damit, dass es genügend Fachleute unter den WEern gibt, die „dies doch selber machen können“.

Andere WEer möchten die Angebotseinholung neutraler und auch qualifizierter durchgeführt wissen.

Externe Strategiekonflikte liegen vor, wenn die WG und deren Vertragspartner, Nachbarn, Behörden, sonstige Institutionen und/oder andere außerhalb dieser Gemeinschaft stehende Personen dasselbe Ziel haben, aber über den richtigen

Weg streiten. Beispiel: WE A hat an Mieter B seit Januar vermietet. Bis März wurde B als ein friedlicher, ordentlicher und angenehmer Mieter gesehen. Seit April kommen unangenehme Gerüche aus der Wohnung von B. In der WEvers. wird dieses Thema behandelt.

Die Mehrheit der WEer besteht darauf, dass der WEVerw jetzt „Dampf macht“ und sich mit Hilfe eines Schlüsseldienst Zutritt zur Wohnung B verschafft. Der WEVerw macht deutlich, dass der von den WEern geforderte Weg zur Problembeseitigung so nicht durchführbar ist und schlägt andere Vorgehensweisen vor. Dies ist den WEern zu langwierig. Unmut und Empörung kommt auf.

[...]


[1] Auszug eines Stellenangebots WEVerw

[2] Vgl. www.wohnungswirtschaft-aktuell.de/fachkraeftemangel (Stand 13.08.2011).

[3] Vgl. Schwertfeger (2007), S. 12.

[4] Vgl. Glasl (1992), S. 215.

[5] Isert (1996), S. 27.

[6] Vgl. Schwarz (2001), S. 92.

[7] Vgl. Holler (2010), S. 200.

[8] Vgl. Holler (2010), S. 200.

[9] Vgl. ebenda (2010), S. 200.

[10] Ebenda (2010), S. 110.

[11] Vgl. Luhmann (1987), S. 530.

[12] Glasl (1997), S. 14 f.

[13] Vgl. Duve/Eidenmüller/Hacke (2011), S. 26.

[14] Vgl. ebenda (2011), S. 15 ff..

[15] Vgl. Duve/Eidenmüller/Hacke (2011), S. 39.

[16] Vgl. Berkel (1999), S. 19.

[17] Vgl. Duve/Eidenmüller/Hacke (2011), S. 29.

[18] Vgl. ebenda (2011), S. 19.

[19] Ebenda (2011), S. 18.

[20] Ebenda (2011), S. 39.

[21] Vgl. Mayer/Boness (2004), S. 23.

[22] Vgl. Duve/Eidenmüller/Hacke (2011), S. 21.

[23] Vgl. Institut für Soziologie der Universität Wien Forschungsbericht 2008, S.36.

[24] Vgl. ebenda, S.36.

[25] Vgl. Duve/Eidenmüller/Hacke (2011), S. 22.

[26] Vgl. Glasl in Sachsenmeier (2008), S. 64 ff.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Mediationsansätze in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung
Untertitel
Wo treten in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung Konflikte auf - kann die Mediation dazu beitragen, diese Konflikte zu lösen oder zu vermeiden?
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
47
Katalognummer
V198869
ISBN (eBook)
9783656253457
ISBN (Buch)
9783656253662
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Mietverwaltung, Eigentumsverwaltung, Konflikte, Hausverwalter, Eigentümerversammlung, Wohnungseigentümerversammlung, Konfliktauswirkungen, Einsatzmöglichkeiten der Mediation, Mediationsmodelle
Arbeit zitieren
Diplom Immobilienwirtin (DIA) Bettina Hamm (Autor), 2011, Mediationsansätze in der Miet- und Wohnungseigentumsverwaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198869

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