Königin Elisabeth und Helene Kottannerin

Verfechterinnen des Thronfolgers


Hausarbeit, 2012
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

Das Vermächtnis Sigismunds

Der Raub der Stephanskrone

Die Krönung Ladislaus‘

Schlussbemerkung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Geschichte wird meist aus der Perspektive von Männern geschrieben, wie beispielsweise von Xenophon oder Aristoteles. Auch inhaltlich befasst sich die Forschung vorwiegend mit den Eroberern der Welt, mit Kriegen, die aufgrund politischer Auseinandersetzungen und strategischer Richtlinien männlicher Herrscher ausbrachen, und vernachlässigt dabei oft die Frauen hinter den Männern. Ebenso wurde die Geschichte der Luxemburger von mächtigen männlichen Herrschern geprägt, von Karl IV. oder seinem Sohn Sigismund. Dennoch tat sich eine Frau innerhalb der Dynastie der Luxemburger hervor, die sogar die Forschung auf sich aufmerksam machte: die Erbtochter Kaiser Sigismunds, Elisabeth von Luxemburg, die mit ihrer Kammerfrau Helene Kottannerin mit Mut und einem Plan in die damalige Politik eingriff. In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit diesen beiden Frauen, wie sie sich gegen das männliche Geschlecht und dessen Vorstellungen wehrten und die Thronfolgerechte von Ladislaus Postumus, dem Sohn Elisabeths, verteidigten, indem sie sich die Stephanskrone aneigneten. Wichtig ist mir dabei, eine Antwort auf die Frage zu finden, welche Rolle jeweils Elisabeth und Helene bei dem kühnen Vorhaben einnahmen. Um den Untersuchungsgegenstand einzugrenzen, liegt der Schwerpunkt auf den „Denkwürdigkeiten der Helene Kottannerin“, eine wichtige Quelle für den Zeitraum von 1439-1440. Helene Kottannerin stellt als eine Frau, die ihre Memoiren niederschrieb, eine Ausnahme im deutschsprachigen Mittelalter dar.[1] Karl Mollay hat Helenes „Denkwürdigkeiten“ ediert und herausgegeben. Die Handschrift liegt als Prosatext in Ich-Form vor und enthält etliche Symbole und göttliche Verweise, die den Herausgeber veranlassten anzunehmen, dass Helene keinesfalls selbst geschrieben, sondern einem männlichen Schreiber ihre Geschichte diktiert und dieser sie stilistisch korrekt niedergeschrieben habe. Ich schließe mich jedoch Maya C. Bijvoets Meinung an, die von dem literarischen Können Helenes überzeugt ist und betont, dass nur nicht geklärt werden kann, wer die „Denkwürdigkeiten“ aufs Papier brachte.[2] Zu Beginn wird ein kurzer Überblick über das Vermächtnis des Königs und Kaisers Sigismund gegeben, um den kühnen Raub der Stephanskrone aus Sicht Elisabeths zu rechtfertigen und zu legitimieren. Damit der Erfolg der beiden Frauen herausgehoben wird, wird nach einer ausführlichen Beschreibung des Kronenraubs die Krönung Elisabeths Sohn Ladislaus Postumus beschrieben.

Das Vermächtnis Sigismunds

Nachdem Sigismund von Luxemburg die Wahl zum römisch-deutschen König im Jahr 1411 angenommen hatte,[3] erklärte er in einer Urkunde am 07. Oktober 1411 Herzog Albrecht V. von Österreich zum zukünftigen Ehemann seiner einzigen Tochter Elisabeth,[4] die zu diesem Zeitpunkt gerade einmal zwei Jahre alt war.[5] Dieser urkundliche Beschluss wurde besiegelt, nachdem Elisabeth und Albrecht im September 1421 geheiratet hatten.[6] Da Sigismunds Aufmerksamkeit immer wieder auf der Absicherung seiner Nachfolge lag, sicherte er Elisabeth und Albrecht die Erbfolge in Ungarn, Böhmen und Mähren zu.[7] Nachdem Sigismund am 09. Dezember 1437 im mährischen Znaim gestorben war,[8] ging die Regentschaft auf Albrecht V. von Österreich und seine Gemahlin Elisabeth über. Zuerst hatten die ungarischen Stände Albrecht am 18. Dezember 1437 zum König gewählt und er wurde zusammen mit Elisabeth am 01. Januar 1438 in Stuhlweißenburg, der damaligen Krönungsstadt, gekrönt.[9] Am 18. März 1438 wurde Albrecht durch die Kurfürsten zum Römischen König gewählt und durch seine Annahme der Wahl am 29. April 1438 und der anschließenden Krönung als Albrecht II. bezeichnet.[10] Schließlich kam er noch am 29. Juni 1438 durch die Krönung auf der Prager Burg in den Besitz der Wenzelskrone. Albrecht war somit ein römisch-deutscher Herrscher, der als Habsburger nicht nur die römische Königskrone besaß, sondern auch seinem männlichen Nachkommen das Königreich Ungarn und das Königreich Böhmen zusicherte.[11] Elisabeth war daher nicht nur eine Erbtochter ihres Vaters Sigismund, sondern auch Gemahlin eines mächtigen Regenten. Sollte sie einen Sohn gebären, würde die Regierung auf ihn übergehen und auch ihn zu einem einflussreichen Herrscher machen. Elisabeth selbst hielt sich bis zu dem Tod Albrechts II. eher im Hintergrund, was sich jedoch schlagartig änderte, als ihr Gemahl starb, sie ein Kind erwartete und aufgrund ihrer Abstammung und die ihres Sohnes ihre Absicht die Krone zu stehlen als gerechtfertigt ansah.

Der Raub der Stephanskrone

Helene Kottannerin arbeitete seit 1436 als Königin Elisabeths Kammerfrau, fungierte als Erzieherin deren Tochter Elisabeth seit 1436 und kam 1439 mit dem Gefolge von König Albrecht V. von Österreich nach Ungarn. Ihre „Denkwürdigkeiten“ fertigte sie wahrscheinlich rückblickend für den Thronfolger Ladislaus und seine Repräsentanten nach dem Tod ihrer Herrin an, um für ihre getanen Dienste, besonders für Ladislaus Postumus, auf eine Belohnung zu rekurrieren.[12] Die Kammerfrau beginnt ihre Erzählung mit konkreten Daten. So erwähnt sie, dass Herzog Albrecht V. von Österreich am 18. März 1438 „zu dem heiligen Römischen Kung“[13] erwählt und er gemeinsam mit Elisabeth am 01. Januar 1438 in Stuhlweißenburg gekrönt worden sei. Helene betont daher explizit, welcher Zeitpunkt ihr als Beginn ihrer Erzählung wichtig erschien. Sie berichtet von verschiedenen Aufenthaltsorten des Königspaares und dass sich Albrecht, Elisabeth, sie selbst und die Hofgemeinschaft 1439 nach Ofen begaben, wo sie die Nachricht eines für den weiteren Verlauf wichtigen Ereignisses erhielten.[14] So geschah es, dass „(…) do starb der Bischoue von Gran, der da genant was Georg der Peloczky.“[15] Der amtierende Erzbischof von Gran hatte Albrecht am 01. Januar 1438 mit der Stephanskrone in Stuhlweißenburg gekrönt und bewahrte die Heilige Krone, die Krönungsinsignien und die Krone Elisabeths seitdem als Kronhüter auf seiner Graner Burg auf.[16] Nach dieser erschreckenden Nachricht, nämlich, dass die Kronen und die Insignien möglicherweise in Gefahr wären, begaben sich Albrecht und Elisabeth sofort nach Gran, um diese in Sicherheit zu bringen. Helene reiste mit der kleinen Elisabeth währenddessen auf Befehl Albrechts nach Plintenburg, um sich auf dem Schloss der Königin niederzulassen. Nach dieser politischen Vorgeschichte kommt Helene auf zwei bedeutende Aspekte zu sprechen, die für die Niederschrift ihrer Erzählung entscheidend gewesen sind: Zum einen wurde Elisabeth von ihrem Gemahl schwanger und gebar ihm, jedoch erst nach seinem Tod, einen Knaben namens Ladislaus. Zum anderen überführte Albrecht die Stephanskrone und die Insignien nach Plintenburg, wo sie in die Schatzkammer des Königs im Erdgeschoss eines Turms mit „funf seiten“, in den sogenannten fünfeckigen Turm, zur Aufbewahrung gebracht wurden.[17] Helene vermerkt ausdrücklich, dass sie mit der kleinen Tochter Elisabeth im Arm zusammen mit namentlich unbekannten ungarischen Adeligen bei der Verwahrung der Heiligen Krone anwesend war.[18] In der Folge geht Helene ganz sachlich auf die Erkrankung ihres Herrn Albrechts ein und erwähnt, dass wenig später „(…) der Edel kung und furst Albrecht an Simans vnd Judas abent der Heiligen Zwelfpoten tag starib“, also am 27. Oktober 1439.[19] Da Elisabeth bis zu seinem Tod nur zwei Töchter, Anna und Elisabeth, geboren hatte - ihr Sohn Georg war bei der Geburt gestorben -[20] geriet die Heilige Krone des verstorbenen Königs und die Frage um die Nachfolge eines potenziellen Thronfolgers sofort in den Brennpunkt der Ereignisse. Aufgrund der Aussage eines ungarischen Herrn, dass Albrecht die Heilige Krone aus dem Schloss in Plintenburg hatte holen lassen, wollte sich Elisabeth dessen vergewissern und richtete sich erschrocken an die Hauptleute der Plintenburg, Graf Nikolaus II. und seinen Sohn Graf Georg II. von St. Georgen und Bösing. Hier spielte Helene wieder eine wichtige Rolle, denn die eben genannten Grafen kamen zu ihr und begleiteten sie zu der Schatzkammer des Königs im Erdgeschoss des fünfeckigen Turms, wo die Stephanskrone verwahrt sein sollte. Da die Tür zu dieser Kammer und deren Schloss unversehrt war, schrieben sie Elisabeth, dass die Krone in Sicherheit zu sein schiene. Die Königin wollte sich aber persönlich ein Bild von der Situation machen und begab sich von Ofen - dorthin war sie nach der Beerdigung Albrechts gereist - nach Plintenburg.[21] Ein wenig stolz berichtet Helene, dass sie, als die Truhe mit der Heiligen Krone in das Gemach der Königin getragen und dort aus dieser genommen und betrachtet wurde, zusammen mit dem neuen Kronhüter Graf Georg III. von Sankt Georgen und Bösing und weiteren ungarischen Adelsherren anwesend war. Da Elisabeth die Krone nicht mehr in die Schatzkammer zurückbringen lassen wollte, verwahrte sie die Stephanskrone zusammen mit ihrer Krone in einer kleinen Kiste, die sie in ihrem eigenen Schlafgemach behütete.[22] Helene beschreibt, dass in der folgenden Nacht aufgrund einer umgefallenen Wachskerze ein Feuer ausgebrochen war, das sich bis zu der Kiste mit den verwahrten Kronen ausbreitete und diese versengte. Doch genauso wie noch der kleine Thronfolger Ladislaus in dem Leib seiner Mutter heranwuchs und von dem Feuer verschont blieb, waren die Kronen in der Kiste sicher, da Gott die Königin und ihre Jungfrauen rechtzeitig geweckt hatte. Dieser interessante Vergleich der Kammerfrau könnte dazu beigetragen haben, dass Karl Mollay davon überzeugt ist, Helene habe diesen Prosatext nicht selbst geschrieben. Jedoch wird nicht nur Gott als Retter betont, auch hebt sich Helene selbst heraus, dass sie es gewesen sei, die das Feuer gelöscht habe, das Zimmer vom Rauch befreit und es Elisabeth wieder so bequem gemacht habe, dass sie in diesem wieder schlafen konnte.

[...]


[1] Vgl. Liebertz, Frau und Herrscherin, S. 184.

[2] Vgl. Jancke, Selbstzeugnisse. 1

[3] Vgl. Reg. Imp. XI: Sigmund, S. 2.

[4] Vgl. ebd., S. 9.

[5] Vgl. Wostry, König Albrecht II., S. 4.

[6] Vgl. Hoensch, Die Luxemburger, S. 273.

[7] Vgl. Reg. Imp. XI: Sigmund, S. 325.

[8] Vgl. Hoensch, Die Luxemburger, S. 301.

[9] Vgl. Wostry, König Albrecht II., S 50ff.

[10] Vgl. Hoensch, Die Luxemburger, S. 308.

[11] Vgl. Hödl, Albrecht II., S. 6f. 2

[12] Vgl. Jancke, Selbstzeugnisse.

[13] Mollay, Denkwürdigkeiten, S. 9.

[14] Vgl. ebd., S. 9.

[15] Ebd., S. 9.

[16] Vgl. Wostry, König Albrecht II., S. 53f.

[17] Vgl. Mollay, Denkwürdigkeiten, S. 9f und S. 50. 3

[18] Vgl. ebd., S. 9f.

[19] Ebd., S. 10.

[20] Vgl. Hoensch, Die Luxemburger, S. 351.

[21] Vgl. Mollay, Denkwürdigkeiten, S. 10 und 51.

[22] Vgl. ebd., S. 10f. 4

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Königin Elisabeth und Helene Kottannerin
Untertitel
Verfechterinnen des Thronfolgers
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
PS: Die Luxemburger
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V198870
ISBN (eBook)
9783656253440
ISBN (Buch)
9783656253730
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luxemburger, Königin Elisabeth, Helene Kottannerin, Thronfolger, Raub, Verfechter, Kronenraub, Stephanskrone
Arbeit zitieren
Tanja Triepel (Autor), 2012, Königin Elisabeth und Helene Kottannerin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198870

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