Geschichte wird meist aus der Perspektive von Männern geschrieben, wie beispielsweise von Xenophon oder Aristoteles. Auch inhaltlich befasst sich die Forschung vorwiegend mit den Eroberern der Welt, mit Kriegen, die aufgrund politischer Auseinandersetzungen und strategischer Richtlinien männlicher Herrscher ausbrachen, und vernachlässigt dabei oft die Frauen hinter den Männern. Ebenso wurde die Geschichte der Luxemburger von mächtigen männlichen Herrschern geprägt, von Karl IV. oder seinem Sohn Sigismund. Dennoch tat sich eine Frau innerhalb der Dynastie der Luxemburger hervor, die sogar die Forschung auf sich aufmerksam machte: die Erbtochter Kaiser Sigismunds, Elisabeth von Luxemburg, die mit ihrer Kammerfrau Helene Kottannerin mit Mut und einem Plan in die damalige Politik eingriff. In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit diesen beiden Frauen, wie sie sich gegen das männliche Geschlecht und dessen Vorstellungen wehrten und die Thronfolgerechte von Ladislaus Postumus, dem Sohn Elisabeths, verteidigten, indem sie sich die Stephanskrone aneigneten. Wichtig ist mir dabei, eine Antwort auf die Frage zu finden, welche Rolle jeweils Elisabeth und Helene bei dem kühnen Vorhaben einnahmen. Um den Untersuchungsgegenstand einzugrenzen, liegt der Schwerpunkt auf den „Denkwürdigkeiten der Helene Kottannerin“, eine wichtige Quelle für den Zeitraum von 1439-1440. Helene Kottannerin stellt als eine Frau, die ihre Memoiren niederschrieb, eine Ausnahme im deutschsprachigen Mittelalter dar.1 Karl Mollay hat Helenes „Denkwürdigkeiten“ ediert und herausgegeben. Die Handschrift liegt als Prosatext in Ich-Form vor und enthält etliche Symbole und göttliche Verweise, die den Herausgeber veranlassten anzunehmen, dass Helene keinesfalls selbst geschrieben, sondern einem männlichen Schreiber ihre Geschichte diktiert und dieser sie stilistisch korrekt niedergeschrieben habe. Ich schließe mich jedoch Maya C. Bijvoets Meinung an, die von dem literarischen Können Helenes überzeugt ist und betont, dass nur nicht geklärt werden kann, wer die „Denkwürdigkeiten“ aufs Papier brachte.2 Zu Beginn wird ein kurzer Überblick über das Vermächtnis des Königs und Kaisers Sigismund gegeben, um den kühnen Raub der Stephanskrone aus Sicht Elisabeths zu rechtfertigen und zu legitimieren. Damit der Erfolg der beiden Frauen herausgehoben wird, wird nach einer ausführlichen Beschreibung des Kronenraubs die Krönung Elisabeths Sohn Ladislaus Postumus beschrieben.
Inhaltverzeichnis
Einleitung
Das Vermächtnis Sigismunds
Der Raub der Stephanskrone
Die Krönung Ladislaus‘
Schlussbemerkung
Quellen- und Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Wer war Helene Kottannerin?
Helene Kottannerin war die Kammerfrau von Königin Elisabeth von Luxemburg und eine der wenigen Frauen des Mittelalters, die ihre Memoiren (Denkwürdigkeiten) hinterließen.
Warum wurde die Stephanskrone geraubt?
Elisabeth von Luxemburg wollte die Thronfolgerechte ihres Sohnes Ladislaus Postumus sichern. Ohne die heilige Stephanskrone war eine legitime Krönung in Ungarn nicht möglich.
Was sind die „Denkwürdigkeiten“ der Helene Kottannerin?
Es handelt sich um eine wichtige historische Quelle für die Jahre 1439-1440, die den kühnen Plan und die Ausführung des Kronenraubs aus weiblicher Perspektive beschreibt.
Welche Rolle spielte Königin Elisabeth in diesem Vorhaben?
Elisabeth war die strategische Kraft und Auftraggeberin, die sich gegen die männlich geprägten Machtstrukturen ihrer Zeit wehrte, um das Erbe der Luxemburger zu bewahren.
War Helene Kottannerin die Autorin ihrer eigenen Texte?
Die Forschung ist geteilter Meinung; während einige glauben, sie habe einem Schreiber diktiert, betonen andere ihr literarisches Können und ihre Urheberschaft der Ich-Erzählung.
- Quote paper
- Tanja Triepel (Author), 2012, Königin Elisabeth und Helene Kottannerin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198870