Die betriebliche Sozialpolitik der Unternehmer in der Saarregion

Der fiskalische Bergbau – Villeroy & Boch


Hausarbeit, 2008

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Sozialpolitik des Staates und des Privatunternehmens Villeroy & Boch
2.1 Die Sozialpolitik des Staates als industrieller Großunternehmer
2.1.1 Die Veränderungen unter fürstlicher Administration
2.1.2 Die französische Verwaltung
2.1.2.1 Die bergmännische Sozialversicherung
2.1.2.2 Lohn, Arbeitszeit und Wohnverhältnisse
2.1.3 Der preußische Bergfiskus
2.1.3.1 Die Saarbrücker Knappschaft
2.1.3.2 Medizinische Versorgung
2.1.3.3 Bildung und Ausbildung
2.1.3.4 Siedlungspolitik, Wohnungsbau und vermögenswirksame Leistungen
2.1.3.5 Lohn- und Beschäftigungspolitik
2.2 Villeroy & Boch – die Sozialpolitik eines privaten Unternehmers
2.2.1 Strukturierung eines christlichen Betriebes
2.2.2 Die originäre Einrichtung des Unternehmens Villeroy & Boch: Die Antoniusbruderschaft
2.2.3 Die subsidiären Einrichtungen des Unternehmens Villeroy & Boch am Beispiel der Aus-und Weiterbildung

III. Zusammenfassung

IV. Abkürzungsverzeichnis

V. Bibliographie

Die betriebliche Sozialpolitik der Unternehmer in der Saarregion

Der fiskalische Bergbau – Villeroy & Boch

I. Einleitung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte sich mit dem Einsetzen der Industrialisierung ein in allen Bereiche des Lebens übergreifendes Problem bemerkbar: das Problem der Sozialen Frage. Verantwortlich für die Lösung des Problems sah sich zu Beginn noch niemand. Erst im Verlauf der Industrialisierung ergab sich eine Verteilung dieser Aufgabe, die zum Teil vom Staat als auch von privaten Unternehmern übernommen wurden. Als Lösung wurde die betriebliche Sozialpolitik gesehen, mit deren Hilfe es möglich sein sollte, die Gefahr der sozialen Frage einzugrenzen. Hilfsbedürftig war dabei der sogenannte „Vierte Stand“, mit dem das Arbeiterproletariat und die Tagelöhner bezeichnet wurden, der mit dem Einsetzen der Industrialisierung erst entstanden und auf der Suche nach Arbeit die Fabriken bevölkerte. Die Notwendigkeit einer sozialen Unterstützung war mehr als dringend, war jedoch in keinem Maße ausreichend genug, um nur als annähernd akzeptabel zu gelten. In den einzelnen Industriezweigen setzte die betriebliche Sozialpolitik in unterschiedlichem Maß und vor allem zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein. In den sogenannten Montanankerzweigen, den Eisenhütten und dem Bergbau, setzte die betriebliche Sozialpolitik weit früher ein als in anderen Zweigen. Eine besondere Stellung neben den Montanriesen der Saarregion nahm jedoch der Zweig der Glas-und Keramikproduktion ein, der mit seinem Vorzeigeunternehmen Villeroy & Boch bald als einer der wichtigsten Zweige der Region galt. Die Beweggründe für das Handeln der einzelnen Unternehmenszweige bezüglich der betrieblichen Sozialpolitik gehen dabei auf ganz unterschiedliche Ursprünge zurück. Eine der Ängste der Unternehmen war die Fluktuation ihrer Facharbeiter, die eventuell Firmengeheimnisse mitnehmen konnten. Eine weitere Angst der Unternehmer bestand darin, dass sie befürchteten, es könne zur Entstehung einer Schicht von Proletariern kommen, durch die der geregelte Ablauf in den Fabriken und Unternehmen behindert werden könnte. Ihrer Überzeugung nach konnte nur ein friedlicher Arbeiter ein guter Arbeiter sein. Welche Gründe nun wirklich ausschlaggebend für die Sozialpolitik in den einzelnen Unternehmensarten waren, kann aufgrund mangelnder Kenntnisse der heutigen Wissenschaft immer noch nicht genau bestimmt werden. Man kann zwar schon ansatzweise erkennen was diese waren, doch spielen viele Faktoren eine Rolle, die noch nicht ganz herausgefunden wurden. Besonders interessant im Hinblick auf die betriebliche Sozialpolitik ist die Zeit zwischen 1750 und 1850 in der, wenn man es so bezeichnen will, die Grundsteine für die weiteren sozialen Maßnahmen gelegt wurden. Diesen Zeitraum gilt es im Folgenden näher zu beleuchten und die Grundzüge betrieblicher Sozialpolitik näher zu untersuchen.

II. Die Sozialpolitik des Staates und des Privatunternehmens Villeroy & Boch

Die folgende Abhandlung beschäftigt sich sowohl mit der betrieblichen Sozialpolitik des Staates als Unternehmer, sowie mit der betrieblichen Sozialpolitik eines Privatunternehmers am Beispiel des saarländischen Betriebes Villeroy & Boch.

2.1 Die Sozialpolitik des Staates als industrieller Großunternehmer

Seit mehr als 200 Jahren befinden sich die Gruben des Steinkohlebergbaus in der Saarregion im staatlichen Besitz und werden vom Staat in Eigenregie geleitet, was für diese Zeit nicht gemäß war. Doch schon alleine die Tatsache, dass sich der fiskalische Bergbau so lange und erfolgreich im Wettbewerb behaupten konnte, zeigt die relativ guten Qualitäten, die die leitenden Bergbeamten aufweisen konnten. Diese Verstaatlichung ging von Georg Philipp Heuß aus, dem Hofkammerrat des Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau, der 1741 seine Regierung antrat. Sein Anliegen war es zwar, die Gruben an ein Unternehmer – Konsortium zu verpachten, um dabei selbst Kapital herauszuschlagen, jedoch wurde so der „wilden Kohlengräberei“ ein Ende gesetzt und es fand ein geregelter, bergmännischer Abbau unter staatlicher Administration statt.[1]

Der Staat sicherte sich so eine Einnahmequelle, die bei dem steigenden Energiebedarf und der zunehmenden Holzknappheit immer wichtiger wurde. Für den Landesherrn entwickelte sich der Steinkohlbergbau zu einem „Quasi – Monopol“, betrachte man nur die schlechten Verkehrsverhältnisse der isolierten Märkte. Durch diese Stellung ergaben sich große quantitative Veränderungen, was die Belegschaft, die von rund 900 Mann auf mehr als 50 000 Mann anstieg und die Kohleförderung, die sich von etwas über 100 000 t auf mehr als 12 Millionen t erhöhte, betraf. Zwangsweise wurde auch eine qualitative Veränderung im sozialen Bereich erforderlich.[2]

Der Staat übernahm dabei ein Doppelrolle: Durch seine unternehmerische Stellung hatte er die Möglichkeit, mit seiner betrieblichen Sozialpolitik ein Vorbild für die privaten Unternehmer zu werden und als Gesetzgeber konnte er auf die sozialen Verhältnisse in den Betrieben einwirken.[3]

2.1.1 Die Veränderungen unter fürstlicher Administration

Schon in fürstlicher Zeit, seit Februar 1751, als der Fürst Wilhelm Heinrich Besitzer sämtlicher Kohlegruben seines Landes war, gab es Ansätze, was später in preußischer Zeit für den Saarbergbau charakteristisch werden sollte, nicht nur unternehmerische, sondern auch soziale Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Vorzugsweise stelle man „Landeskinder“ ein, um den eigenen Untertanen die Arbeitsplätze zu sichern und einen festen Arbeiterstamm zu entwickeln. Doch komplett ließ sich dieses Vorhaben nicht umsetzen: Da es im eigenen Lande nicht möglich war, genügend Arbeitskräfte aufzutreiben, die „fähig und willens gewesen wären“ in den Gruben zu arbeiten, mussten maßgeblich fremde Arbeitskräfte herangezogen werden. Ein weiteres Problem war, so der Berginspektor Engelcke 1769, dass die eigenen Untertanen höhere Löhne verlangten, als die fremdem Bergarbeiter.[4]

Den Kohlegräbern selbst wurde der Grund- und Hauserwerb noch nicht erleichtert, dafür aber den Steigern und anderen Bergbeamten. Schon 1769 wurde zur Versicherung bei Unglücks- oder Krankheitsfällen die sog. Bruderbüchse eingerichtet, der Vorgänger der späteren Knappschaft, in die jeder Bergmann 1% seines Lohnes einzuzahlen hatte. Als Gegenleistung erhielt er kostenlose Arzneimittel und ärztliche Behandlung, sowie ein Krankengeld von 30 Kreuzern pro Woche. Im Vergleich zum Schichtlohn, den der Bergmann im Normallfall erhalten hätte, waren das 10 Kreuzer weniger. Die Bruderbüchse war hauptsächlich auf die Krankenunterstützung beschränkt, nur in Ausnahmefällen gab es auch Unterstützung bei anderen Notfällen. Da bis zum Jahre 1792 es immer der Fall war, dass die Beiträge zur Deckung der Kosten nicht reichten, bezuschusste der Landesherr die Bruderbüchse. Es handelt sich hierbei zwar nur um einen kleinen sozialen Schritt– die Mittel lagen 1792 bei 479 fl – der jedoch als Grundstein für eitere sozialpolitische Tätigkeiten war.[5]

2.1.2 Sozialpolitik unter französischer Verwaltung

Nachdem das Fürstentum durch französische Truppen in den Jahren 1792 – 1793 besetzt wurde, unterlagen sämtliche nassau – saarbrückischen und von der Leyen’schen Gruben der französischen Distriktsverwaltung in Saarlouis.[6]

Die französische Sozialpolitik brachte der Saarbevölkerung, wenn sie Leibeigen waren, die volle persönliche Freiheit: bewirtschaftete Güter gehörten den Bauern, die Zünfte wurden aufgehoben, was die Berufsfreiheit mit sich brachte und die Freizügigkeit wurde zu den Grundfreiheiten der Menschen.[7]

2.1.2.1 Die bergmännische Sozialversicherung

Die bergmännische Sozialversicherung bestand unter französischer Verwaltung weiterhin, wurde jedoch verbessert und reorganisiert: Am 1. Juli 1797 erließ der Berginspektor Knörzer ein Arbeiterordnung, die die Arbeitsbedingungen der Bergleute regelte und die Grundlage aller späteren Reglements zur preußischen Zeit bildete. Jeder Bergmann musste sich zur Einhaltung dieser Arbeitsordnung eidlich verpflichten und konnte erst nach dieser Eidesleistung in die Knappschaft eintreten. Diese Ordnung umfasste nicht nur Vorschriften, die den Arbeitsbereich erfassten, sondern sie drangen auch noch in den privaten Bereich des Arbeiters ein: er sollte einen „ehrbaren, christlichen Lebenswandel führen“, sich „vor dem Trunk in Acht nehmen und allen Tumult vermeiden“, seine Vorgesetzten grüßen und sonntags in Uniform einhergehen. Bei Nicht-Einhalten dieser Regeln drohten empfindliche Geldstrafen zur Knappschaftskasse, bei mehrfachem Regelverstoß sollte der Bergmann „ohne Abkehr-Zettel fortgejagt“ werden.[8]

[...]


[1] Klein, Ernst: Der Staat als Unternehmer im Saarländischen Steinkohlenbergbau (1750 – 1850), in: Richard van Dülmen/Reinhard Klimmt (Hg.): Saarländische Geschichte. Eine Anthologie (Saarland Bibliothek 10), St. Ingbert 1995, S. 186

[2] Thomes, Paul: Die Sozialpolitik des preußischen Bergfiskus an der Saar, in: Klaus Tenfelde (Hg.): Sozialgeschichte des Bergbaus im 19. und 20. Jahrhundert, München 1992, S. 1084 .

[3] Greis, Ulrike/Enzweiler, Hans – Jürgen/Bierbrauer, Peter: Die Sozialpolitik an der Saar. Fiskalischer Bergbau – Stumm – Villeroy & Boch, in: ZGS 26 (1978), S. 80.

[4] Klein, E.: Der Staat als Unternehmer, S. 189.

[5] Ebd., S. 189.; Müller, E.: Der Steinkohlebergbau des Preussischen Staates der Umgebung von Saarbrücken, IV. Teil. Die Entwicklung der Arbeitsverhältnisse auf den staatlichen Steinkohlebergwerken vom Jahre 1816 bis zum Jahre 1903, Berlin 1904, S. 25.

[6] Ebd., S. 189.

[7] Karbach, Jürgen/Thomes, Paul: Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Saarlandes 1792 – 1918, in: Herrmann, Hans - Walter (Hg.): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes (1792-1918), Band 3, Saarbücken 1994, S. 42.

[8] Klein, E.: Der Staat als Unternehmer, S. 191.; Karbach/Thomes: Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung, S.43.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die betriebliche Sozialpolitik der Unternehmer in der Saarregion
Untertitel
Der fiskalische Bergbau – Villeroy & Boch
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar „Die Industrialisierung vor der Industrialisierung.“ Zur wirtschaftlichen Entwicklung der Saarregion zwischen 1700 und 1850
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V198878
ISBN (eBook)
9783656253426
ISBN (Buch)
9783656253839
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Saarland, Bergbau, 1700, 1850, Industrialisierung, Wirtschaft, wirschaftliche Entwicklung, fiskal, Frankreich, Knappschaft, Saarbrücken, Villeroy & Boch, Siedlungspolitik, Soziale Frage
Arbeit zitieren
Sandra Johann (Autor:in), 2008, Die betriebliche Sozialpolitik der Unternehmer in der Saarregion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198878

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