Archaisch-ionische Plastik in Ephesos


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

15 Seiten, Note: befriedigend


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Allgemeines:

1 weibliche Statue aus Gold:

2 Stellung der ephebischen Elfenbeine:
2.1 Elfenbeinstatuette:
2.2 Spinnerin:
2.3 Statue C:
2.4 Vergleich Spinnerin und Statue C:
2.5 Megabyzos:
2.6 Elfenbeinstatue aus Ephesos im Vergleich mit Elfenbeinstatue aus Erythrai:
2.7 Schleierträgerin:
2.8 Elfenbeinstatuetten:
2.9 Lydischer Priester:

3 Bronzestatuette:

4 Statuette D:

5 Vergleich der Elfenbeinstatuen mit Kybelebildern:

6 Zusammenfassung:

Literatur:

Archaisch ionische Plastik in Ephesos

0 Allgemeines:

Sehr viel an archaischer Plastik aus Ephesos gibt es nicht, was wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass der einzige Bau aus der archischen Zeit das Artemision ist, aus dem auch die meisten Funde stammen. Aus dieser Zeitepoche sind uns nämlich sonst keine Nekropolen oder Siedlungen bekannt.

Außerdem sind zum Großteil weibliche Statuen gefunden worden, die wahrscheinlich eher als Göttin, denn als Priesterin zu deuten sind.[1] Unterstrichen wird dies durch den Fund einer weiblichen Goldstatuette, die wegen ihres Wertes nur eine Gottheit darstellen kann.[2] Nebenbei sei bemerkt, dass man in diesem Falle wirklich von einer Goldstatue sprechen kann, da sie aus einer Gold-Zinn Mischung hergestellt wurde.

Weiters ist man sich nicht sicher, ob die Statuen verschiedene Gottheiten darstellen oder nur Votivgaben sind, die auf Basen bei Zeremonien aufgestellt wurden.[3] Denn in der archaischen Zeit findet man hauptsächlich nur Votivgaben aus Elfenbein, Edelmetall oder Ton.[4] Schon die englischen Ausgräber waren sich über die Deutung der weiblichen Statuetten uneinig.[5]

Hogarth[6] hielt sie für Göttinnen, während C. Smith[7] sie als Priesterinnen bezeichnete, allerdings nur die Statuetten aus Elfenbein. Als wichtigstes Argument brachte Smith einen Vergleich zu den Koren der Akropolis. Hogarth hingegen meinte, dass es gerechtfertigt sei, auch die Statuen aus Elfenbein als Göttinnen zu bezeichnen, wenn Smith auch die Statuen aus Ton dafür hielt.[8]

Im der dädalischen Zeit wurden meist Votivfiguren hergestellt, die den Habitus der orientalischen Frauen haben. Im 6. Jahrhundert wurden als Menschen meist ruhige stehende Priesterinnen mit Kultgegenständen dargestellt.

Die Priesterinnen haben meist einen zylindrischen gerundeten Körper, enganliegende Kleidung, reiche Muster, Armreifen, schwere Halsketten, dicke Ohrringe und eine Haube.

Die Gesichter sind meist breit mit abgeplatteten Nasenflügeln, hart gerandeten Augen und eingeritzten Brauen, weswegen sie starr wirken.

Als Tiere waren die meist ausgewählten Motive Löwe und Habicht.

Im 6. Jahrhundert kam es zur Entwicklung der ersten ostionischen Formsprache.[9]

Die Frauenstatuetten tragen einen schweren gegürtelten Ärmelchiton, der eng anliegt. Unter dem Oberteil schimmern meist die Brüste durch. Zwischen den Beinen sind Steilfaltenbündel und unter dem bogenförmigen Ausschnitt sieht man die Füße. Meist haben die Frauenfiguren einen runden Kopf, der im Vergleich zum übrigen Körper sehr groß wirkt. Das Gesicht ist sphärisch gewölbt und in ihm sitzen mandelförmige Augen und vorkragende Brauen. Das Haar ist lang und fällt auf den Rücken, zwei aufgerollte Locken fallen jedoch an die Brust.[10]

Die Elfenbeingruppe des Dionysos in Delphi ist wahrscheinlich auch ein ephesisches Werk.[11]

Nun möchte ich näher auf die weiblichen Statuetten aus Gold und Elfenbein eingehen, denn diese haben nicht nur einen kunstgeschichtlichen, sondern auch einen religionsgeschichtlichen Aspekt.

1 Weibliche Statuette aus Gold:

Diese Statue findet wir im Museum von Selcuk. Sie wurde 1980 im Artemision[13] gefunden und trägt die Nummer 80/K 390. Sie ist knapp 10 cm hoch und es handelt sich bei ihr um ein Sphyrelaton.[14] Das heißt, dass die Figur einen Holzkern besitzt und sich auf diesem Holzgerüst Goldplättchen befinden.

Die Statue hat eine streng frontale Haltung. Ihr unterer Abschluss ist nur sehr schwer zu erkennen. Die Füße fehlen. Sofort fällt das breite Gesicht auf, welches – laut Bammer - durch große Augen und breit-gestrichelte Augenbrauen einen sphinxartigen Ausdruck verleiht.[15] In einer anderen Beschreibung Bammers heißt es: „breite als Spiralstab gebildete Augenbrauen.“[16] Die Nase ist lang und gerade. Weiters besitzt die Statue einen kleinen Mund.[12]

Die Figur steht bewegungslos. Ihre Arme sind an den Körper gepresst. An ihren Handgelenken sieht man jeweils einen doppelt geschwungenen Armreif.

Sie trägt ein enganliegendes Gewand (Chiton), welches in der Taille gegürtet ist und am säulenförmigen Unterkörper vertikale Falten wirft. Dies deutet darauf hin, dass die Statue nicht früher als 580/570 entstanden sein kann.[17] Vielleicht könnte es auch sein, dass sie über dem Chiton ein Epiblema trägt, da der Oberteil glatt ist. Bei der Hera des Cheramyes, bei der die gleiche Gewandmode auftritt, wird gesagt, dass sie ein Epiblema trage. Die Brüste sind gut sichtbar. Sie sind – wie die der Elfenbeinwerke[18] - spitzgeformt und hochsitzend.

Die Ärmel sind – laut Bammer – V- förmig (leider schlecht zu erkennen) so wie der Halsausschnitt.[19] Weiters reichen die Ärmel bis zum Ellbogen. Verziert sind beide Ärmel mit einem Hakenmäandermuster.[20]

Die Rückseite der Figur wird von einem Rautenmuster geziert, das auch auf den Hinterkopf übergeht und kurz vor der Stirn endet. Es handelt sich hierbei um einen Schleier, „der besonders häufig bei Figuren im ostionischen Bereich vorkommt.“[21] Dieser Schleier erinnert stark an den Schleier der Elfenbeinstatue.[22] Der einzige Unterschied liegt an der Musterung, da dieser gemustert ist.[23]

Auch die Anordnung der Muster am Halsausschnitt und an den Armen verdeutlicht die Ähnlichkeit der beiden Werke. Sowohl die Priesterin[24], als auch die Goldstatue und die Elfenbeinstatue haben einen eigenen Musterungytypus, der aus Ephesos zu sein scheint.[25]

An der Unterseite befindet sich eine Öffnung, in der vermutlich eine Stange befestigt war.[26]

Weiters vermutet Akurgal[27], dass die Bildhauer der ephesischen Kunstwerke allesamt in griechischen Bildwerkstätten geschult worden waren oder im Bann der griechischen Kunst standen. Vermutlich waren die Künstler Ionier oder anatolische Kleinasiaten (Phryger, Lyder oder Karer). Damit wäre auch der exotische Gesichtsausdruck der Goldstatuette zu erklären.

2 Stellung der ephebischen Elfenbeine:

In Ionien gab es im 7. und 6. Jahrhundert mehrere Stätten für Elfenbeinschnitzereien. Auch die Goldwerke wurden von ionischen Künstlern hergestellt.

2.1 Elfenbeinstatue: (oder Statue B )

Diese Statuette wurde im Jahr 1981 gefunden. Sie zählt zu den besterhaltensten (abgesehen von der Spinnerin[30] und dem Megabyzos[31]).[28][29]

Sie ist 16 cm hoch und an ihrer Unterseite befindet sich eine Öffnung, die wahrscheinlich dazu diente, eine Stange zu befestigen,[32] auf der vielleicht ein Vogel saß wie es bei einer anderen Elfenbeinstatuette[33] vorkommt.

Diese Statuette ist in Frontalansicht zu sehen und sofort fällt ihre geringe Tiefe – laut Bammer[34] - auf.

Auch diese Statue ist mit großen, ausdrucksstarken Augen geschmückt, die von Wülsten umrahmt sind. Die Nase ist spitz zulaufend und durch die hochgezogene Oberlippe erscheint die Statuette etwas Mürrisch zu sein.

Die Gestalt trägt einen Chiton, welcher in der Taille gegürtet ist, was man leider sehr schlecht erkennen kann, da das heraushängende Gewand den Gürtel verdeckt.[35]

Links und rechts vom Kopf fallen ungegliederte Haarsträhnen herab, die oberhalb der spitzen Brüste enden.

Die Arme sind flach ausgestreckt und an den Körper angelegt, wobei zu bemerken ist, dass der Daumen angespreizt ist. Auch hier kann man an beiden Körperseiten einen Schleier erkennen. Dieser bedeckt die gesamte Rückseite der Figur und ist nicht weiter untergliedert.

Bammer vermutet, dass es sich bei den beiden Statuetten (Goldstatuette[36] und die eben besprochene) um eine Darstellung der Artemis Chitone handelt, die Kallimachos kennt. Artemis Chitone heißt entweder Artemis im Hemd (Chiton) oder die mit dem Chiton versehene Artemis.[37]

[...]


[1] A. Bammer, Das Heiligtum der Artemis von Ephesos (1984) 208

[2] Bammer, a.O. 208

[3] Bammer a.O. 208

[4] W. Fuchs/J. Floren, Die griechische PlastikI. Die geometrische und archaische Plastik (1987) 389f.

[5] Bammer, a.O. 203

[6] D.G. Hogarth/Henderson, Excavations, 323ff

[7] Hogarh/Henderson, a.O. 155ff

[8] Bammer a.O. 204

[9] Floren/Fuchs, a.O. Taf. 34,3

[10] Floren/Fuchs, a.O. 390

[11] Floren/Fuchs, a.O. Taf. 34,1

[12] Akurgal, Griechische und römische Kunst in der Türkei (1987), Taf. 9, 75

[13] Bammer, a.O. 208

[14] Bammer a.O. 208

[15] Bammer a.O. 208

[16] A. Bammer, ÖJH 56, 1985, 41[weiters als Bammer 1 zitiert]

[17] Akurgal, a.O. 36

[18] siehe hinten, Seite 4

[19] Bammer, Das Heiligtum der Artemis von Ephesos (1984) 209

[20] Bammer 1, a.O. 41

[21] Bammer a.O. 209

[22] siehe unten, Seite 4

[23] Akurgal a.O. 35

[24] akurgal, a.O. 30,17 u. Bammer, a.O. 196,91

[25] Akurgal a.O. 35

[26] Bammer 1, a.O. 41

[27] Akurgal, a.O. 35

[28] Bammer, a.O. 248,139

[29] Bammer 1, a.O. 40

[30] siehe unten, Seite 4

[31] siehe unten, Seite 7

[32] Bammer, a.O. 209

[33] Bammer, a.O. 196, 91

[34] Bammer, a.O. 209

[35] Bammer, a.O. 209 f.

[36] siehe vorne, Seite 2

[37] Bammer a.O. 209f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Archaisch-ionische Plastik in Ephesos
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Archäologie)
Note
befriedigend
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V19895
ISBN (eBook)
9783638239240
ISBN (Buch)
9783638788540
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Archaisch-ionische, Plastik, Epehsos
Arbeit zitieren
Sigrid Vollmann (Autor), 2003, Archaisch-ionische Plastik in Ephesos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19895

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