Die literaturhistorische Epoche des Barocks ist in der Lyrik geprägt von einer normativen Poetik. Besonders die strenge Form des Sonetts, eine hohe Emblematik und Antithetik bestimmen die Gedichte. Der Vanitasgedanke ist dabei ein immer wiederkehrendes Motiv.
Als einer der bekanntesten Barockdichter gilt Andreas Gryphius, dessen Sonette „Abend“ und „Es ist alles eitel“ heute als Musterbeispiel für die Stilistik des Barocks gelten.
Die vorliegende Arbeit befasst sich exemplarisch für den Vanitasgedanken mit dem Sonett „Es ist alles eitel“ und klärt hier in einer Interpretation formale und inhaltliche Besonderheiten.
Die Kernaussage des Vanitasgedanken soll dann aus dieser vergangenen Epoche gelöst und auf die heutige Zeit übertragen werden. Dabei wird hinterfragt, was ein modernes Vanitas-Motiv besitzen und was es ablegen muss, um in unserer Epoche als ein solches angesehen zu werden. An Beispielen der Künstler Man Ray und Salvador Dali werden dann solche modernen Vanitas-Motive thematisiert.
Abschließend soll im Fazit ein Bogen zwischen Barock und Moderne geschlagen und diskutiert werden, um zu beurteilen inwieweit der Vanitasgedanke heutzutage aktuell ist.
Inhaltsverzeichnis
0. Einführung in die Thematik
1. 17tes Jahrhundert: Zeitalter Barock
1.1. Barocklyrik
1.1.1. Das Sonett
2. Exemplarische Erarbeitung des Vanitasgedanken anhand des Sonetts „Es ist alles eitel“ (Andreas Gryphius)
2.1. „Es ist alles eitel“ (Gryphius, 1962: 41)
2.2. Interpretationsansatz
3. Entwicklung
4. Vanitas von der Moderne bis Jetzt
4.1. Exemplarische Beispiele
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Vanitas-Motiv des Barock, exemplarisch dargestellt am Sonett „Es ist alles eitel“ von Andreas Gryphius, und erforscht dessen Übertragbarkeit sowie Transformation in moderne Kunstformen und gesellschaftliche Denkweisen.
- Analyse der barocken Epoche unter Berücksichtigung historischer und weltanschaulicher Umbrüche.
- Interpretation der formalen und inhaltlichen Struktur des Gryphius-Sonetts „Es ist alles eitel“.
- Untersuchung der historischen Entwicklung des Vanitas-Motivs vom Barock über die Aufklärung bis zur Moderne.
- Gegenüberstellung moderner künstlerischer Ansätze (u.a. Man Ray, Andy Warhol, Gunther von Hagens „Körperwelten“) mit barocken Vergänglichkeitsdarstellungen.
- Beurteilung der Aktualität des Vanitasgedankens in der heutigen Zeit.
Auszug aus dem Buch
2.2. Interpretationsansatz
Die Überschrift nennt bei diesem bekannten Gedicht zugleich das Thema. Allerdings besitzt die Wendung „Es ist alles eitel“ einen semantischen Mehrwert, der über die heutige Wortbedeutung hinausweist: „eitel“ heißt hier unnütz, falsch oder leer, nichtig. Es ist der Vanitasgedanke, welcher besonders stark im Vordergrund steht. Entnommen ist dieser Titel dem Alten Testament, Prediger Salomo, Kapitel 1, Vers 2. (vgl. Beil-Schickler 1995: 57)
Besonders auffällig ist der antithetische Argumentationsaufbau des Inhalts über weite Strecken des Gedichts („Was diser heute baut / reist jener morgen ein“; V.2). Dabei stehen sich durchgängig der Ist-Zustand und die nahe Zukunft gegenüber. Die Antithetik vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen. Zum einen stehen sich Wortpaare wie „bauen und einreißen“, „Städte und Wiesen“ oder „Glück und Beschwerden“ gegenüber, zum anderen unterstützt der Satzbau den Kontrast. Der metrische Bau der Verse ist mehr als bloßer Schmuck. Es handelt sich um einen 6-hebigen Jambus mit Mittelzäsur. Dieser Alexandriner entspricht mit seiner Zweiteilung rhythmisch dem inhaltlichen Gegensatz, so dass Rhythmik und Antithetik eine Einheit bilden. Auch die Kombination von Paarreim und umarmendem Reim unterstützt die Beziehungen von Inhalt und Rhythmus insofern, als dass die einzelnen Quartette und Terzette Sinnabschnitte bilden.
So stellt das erste Quartett die im Titel genannte These in den Vordergrund. Im zweiten Quartett wird dann mit den stark negativen Bildern eine Antithese formuliert, welche sich im ersten Terzett zuspitzt. Die Lösung der Probleme erfährt der Leser dann erst im zweiten Terzett, welches eine Sythese bildet, indem es die göttliche Ewigkeit thematisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einführung in die Thematik: Hinführung zur Bedeutung des Vanitas-Motivs im Barock und Zielsetzung der Arbeit bezüglich einer modernen Adaption.
1. 17tes Jahrhundert: Zeitalter Barock: Darstellung des geschichtlichen Hintergrunds als Epoche der Umwälzung und der daraus resultierenden barocken Weltsicht und Lyrik.
2. Exemplarische Erarbeitung des Vanitasgedanken anhand des Sonetts „Es ist alles eitel“ (Andreas Gryphius): Analyse der rhetorischen und formalen Umsetzung des Vanitas-Motivs im Werk von Andreas Gryphius.
3. Entwicklung: Untersuchung des Wandels des Vanitasgedankens vom Ende der Barockzeit durch die Aufklärung bis zum Wiederaufgreifen in der Moderne.
4. Vanitas von der Moderne bis Jetzt: Aufzeigen moderner Ausprägungen des Vergänglichkeitsgedankens in Kunst und Zeitgeist, unter anderem anhand von Man Ray und Gunther von Hagen.
5. Fazit: Kritische Würdigung der Aktualität des Vanitas-Motivs im heutigen Kontext unter Abwägung von religiösen und wissenschaftlichen Sichtweisen.
Schlüsselwörter
Barock, Lyrik, Vanitas, Vergänglichkeit, Andreas Gryphius, Memento mori, Sonett, Alexandriner, Antithetik, Moderne, Körperwelten, Lebensgefühl, Tod, Zeitgeschichte, Weltbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem barocken Vanitas-Motiv und dessen Wandel sowie Relevanz in der heutigen Zeit.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die Literaturgeschichte des Barocks, die Analyse des Gryphius-Sonetts „Es ist alles eitel“ und die moderne künstlerische Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit untersucht, inwiefern das barocke Vanitas-Motiv auf die moderne Zeit übertragen werden kann und ob es in der Gegenwart noch an Aktualität besitzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Gryphius-Sonetts durchgeführt, ergänzt durch einen historischen Vergleich und die Betrachtung moderner Kunstbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der Barockzeit, die detaillierte Interpretation des Sonetts „Es ist alles eitel“ sowie die Analyse moderner Vanitas-Motive.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Barock, Vanitas, Vergänglichkeit, Memento mori und Literaturinterpretation definieren.
Inwieweit spielt die Religion für den Vanitasgedanken eine Rolle?
Im Barock war der Vanitasgedanke eng mit dem christlichen Glauben verknüpft, während er heute weitgehend von seiner explizit religiösen Funktion entkoppelt betrachtet wird.
Welche moderne Ausstellung wird als Beispiel für den Vanitasgedanken herangezogen?
Als besonderes Beispiel für eine moderne, plastische Darstellung der Vergänglichkeit wird die Ausstellung „Körperwelten“ von Gunther von Hagen angeführt.
- Quote paper
- Luzie Haase (Author), 2011, Übertragung des barocken "Vanitas-Motiv", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198976