Lieder zur Förderung des Hörverstehens im DaF-Unterricht

Unterrichtsentwurf für das Lied "Deutschland" der Band "Die Prinzen"


Hausarbeit, 2011

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Hörverstehen
3.1 Definition
3.2 Hörverstehen im Fremdsprachenunterricht
3.3 Hörstile
3.4 Schwierigkeiten beim Hörverstehen

4 Lieder
4.1 Wirkungen von Liedern im Fremdsprachenunterricht
4.2 Übungstypologie
4.2.1 Aufgaben vor dem Hören
4.2.2 Aufgaben während des Hörens
4.3 Kriterien zur Auswahl eines Liedes

5 Didaktisierungsbeispiel
5.1 Unterrichtsentwurf

6 Zusammenfassung und Ausblick

7 Literatur

8 Anhang

2 Einleitung

,,Es hört doch jeder nur, was er versteht."

(Johann Wolfgang von Goethe)

Goethe äußerte, dass man nur höre, was man verstehe. Dadurch wird gezeigt, dass Hören und Verstehen eng miteinander verbunden sind und Hören nicht immer Verstehen bedeutet.

Die Fertigkeit Hörverstehen wird von vielen Fremdsprachendidaktikern als die wichtigste Fertigkeit gehalten und wird als eine „Basisfertigkeit“ (Kieweg 2003: 18) betrachtet. Im Fremdsprachenlernprozess hat die Ausbildung der Fertigkeit Hörverstehen herausragende Bedeutung, da das Hören den Hauptanteil am Sprachgeschehen hat.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Fertigkeit Hörverstehen. In der Arbeit wird versucht, die Rolle dieser Fertigkeit zu verdeutlichen und eine Methode zur Förderung dieser Fertigkeit darzustellen. Die Arbeit setzt sich aus 4 Kapiteln zusammen. Der erste Teil dieser Arbeit widmet sich den verschiedenen Definitionen des Hörverstehens. Im Anschluss daran wird darauf eingegangen, welche Rolle das Hören im Fremdsprachenunterricht spielt. Dabei soll gezeigt werden, welchen Stellenwert das Hörverstehen im Fremdsprachenunterricht eingenommen hat bzw. einnimmt. Die Rolle des Hörverstehens in der Muttersprache wird hier nicht behandelt. Beim Hörverstehen gibt es verschiedene Hörstile. Welche dies sind, wird im nächsten Abschnitt beschrieben.

Die Fertigkeit Hörverstehen bereiten den Lernenden die größten Lernschwierigkeiten im Unterricht. Im Mittelpunkt dieses Kapitels stehen die Schwierigkeiten, mit denen die Lernenden beim Hören authentischer Hörtexte zu kämpfen haben. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig.

Es gibt verschiedene Methoden, das Hörverstehen zu fördern. An dieser Stelle setzt die Arbeit an, eine Methode zur Förderung des Hörverstehens vorzustellen. Das ist die Arbeit mit Liedern. Lieder begleiten uns in der heutigen Welt auf Schritt und Tritt. Sie sind überall zu hören: auf den Straßen, im Supermarkt, im Restaurants. Ein Leben ohne Lieder ist kaum vorstellbar. Sie haben einen hohen Stellenwert in allen Kulturen. Es gibt keine Kultur, in der es keine Lieder gibt[1]. Zunächst wird auf die Wirkungen von Liedern im Fremdsprachenunterricht eingegangen. Darauf folgt die Übungstypologie. Dadurch wird gezeigt, welche Aufgaben gestellt werden können.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit einem Didaktisierungsbeispiel. Die Theorien in den ersten drei Kapiteln werden anhand dieses Beispiels verdeutlicht. Bevor der Unterrichtsverlauf präsentiert wird, wird das zu didaktisierende Lied vorgestellt. Es wird auch begründet, warum das Lied ausgewählt wurde.

Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick ab.

3 Hörverstehen

Im folgenden Kapitel wird zunächst darauf eingegangen, was das Hörverstehen überhaupt ist. Im Anschluss daran wird das Hörverstehen in der Fremdsprache erläutert. Die verschiedenen Hörstile werden danach vorgestellt. Darauf folgen die Schwierigkeiten beim Hörverstehen, mit denen die Lernenden konfrontiert werden.

3.1 Definition

Bisher gibt es noch keine genaue einheitliche Definition des Hörverstehens: „Despite numerous research studies and efforts to win recognition fort he field, consensus on a definition of listening has not yet been reached“ (Feyten 1991:174).

Wie die Zusammensetzung von dem Wort Hörverstehen schon andeutet, besteht das Hörverstehen aus den zwei Komponenten: Hören und Verstehen. Unter Hören versteht man „die Fähigkeit des Gehörs, Schall aufzunehmen“ und „das Verhalten, mit dem Gehörten umzugehen (Eggers 1996: 13). Wolff (1983: 285) bezeichnet Verstehen als eine „aktive Interpretation einer Sprechäußerung und die Durchführung der in der Sprechäußerung enthaltenen Handlungsanweisungen“. "Hören und Verstehen sind Basis für das Sprechen und damit ist Hörverstehen im kommunikativen Fremdsprachenunterricht ganz automatisch eine ununterbrochene Begleiterscheinung" (Solmecke 1992: 4)

Nold/ Rossa (2007) plädiert dafür, dass Hörverstehen nicht gleichzusetzten mit „Hören“ ist, da es über die akustische bzw. auditive Wahrnehmung hinaus auch Verstehen, Interpretieren und Reflektieren sprachlicher Äußerungen beinhaltet (vgl. Nold/ Rossa 2007: 178). Ähnlich wie bei Nold/ Rossa schreibt Solmecke in seinem Aufsatz:

„Der Begriff des Hörverstehens umfasst sowohl das Hören, als das Vorhandensein und die Ausübung der Fähigkeit, Schallwellen und damit auch sprachliche Laute über das Ohr aufzunehmen, als auch das Verstehen, das auf einer untersten Ebene die korrekte Lautidentifizierung und Bedeutungszuordnung und auf höheren Ebenen Sinnentnahme und Verarbeitung einschließt“ (Solmecke 2001: 894)

Hörverstehen ist ein sehr komplexer und aktiver Prozess: „Listening comprehension is a process, a very complex process“ (Buck 2010: 1). Des Weiteren handelt es sich hierbei um einen komplizierten und schnell ablaufenden Prozess, der viele Teilprozesse auf verschiedenen Ebenen umfasst und eine Hierarchie von Aktivitäten und Fähigkeiten voraussetzt (vgl. Solmecke 2001: 894ff). Laut Hermes (1998: 221) umfasst der Hörverstehensprozess Dekodieren, Konstruieren von Bedeutung und Interpretieren von Gemeintem. Es ist mitnichten eine rezeptive Fähigkeit, sondern ein aktiver Prozess, indem der Hörer nicht nur passiv etwas aufnimmt, sondern auch aktiv konstruiert (vgl. Solmecke 1992: 7). Es verlaufen immer zwei Prozesse beim Hörverstehen. Einerseits gehen Informationen vom Text zum Hörer (bottom up), andererseits muss das Wissen des Hörers aktiviert werden (top down) (vgl. Solmecke 2001: 895).

Die Fertigkeit ist eine Bedingung für erfolgreiche Kommunikation mit anderen Sprechern der Fremdsprache, sie ist aber auch notwendige Grundlage für die Teilnahme an der Zielkultur (z.B. Radio hören) und für das Zurechtfinden im Zielland (z.B. Lautsprecher-Durchsagen auf Flugplätzen oder Bahnhöfen, Telefonate).

3.2 Hörverstehen im Fremdsprachenunterricht

Die im vorherigen Kapitel dargestellten Informationen beziehen sich sowohl auf das Hörverstehen in der Muttersprache als auch das in der Fremdsprache. In diesem Kapitel soll nur das Hörverstehen im Fremdsprachenunterricht berücksichtigt werden, da das Hörverstehen in der Muttersprache leicht und das in der fremden Sprache komplizierter ist (vgl. Solmecke 1992: 4).

„Über das Hörverstehen in einer Fremdsprache weiß man bis heute noch nicht sehr viel“, bestätigt Solmecke (2001: 896). Er weist noch darauf hin, dass die vorhandenden Kenntnissen über das Hörverstehen entweder aus den Forschungsergebnissen des muttersprachlichen Hörverstehens oder über das Leseverstehen sind (vgl. Solmecke 2001: 896).

Es wird die Annahme betont, dass das Hören die wichtigste Fertigkeit ist und dass das Hören die drei anderen Fertigkeiten dominiert (u.a. Solmecke 2001: 893, Rampillon 1996, …). Hörverstehen ist die am meisten verwendete Fertigkeit in der Alltagskommunikation. Folgende Aufgliederung wird genannt: Hören 42 %, Sprechen 32 %, Lesen 15 % und Schreiben nur 11 % (zit. n. Solmecke 2001: 893). Solmecke plädiert dafür, dass „die Fähigkeit, gesprochene Sprache verstehen und verarbeiten zu können, […] eine unverzichtbare Grundbedingung für die erfolgreiche Teilnahme an mündlicher Kommunikation [ist]“ (Solmecke 2001: 893).

Allerdings liegt ein Wiederspruch vor. Trotz der Erkenntnis, dass Hörverstehen die drei anderen Fertigkeiten aufräumt, wurde es in der Praxis weitgehend vernachlässigt. Es wurde häufig als ein Nebenprodukt von Sprechen, Schreiben und Lesen oder als ein „Stiefkind des Fremdsprachenunterrichts“ behandelt (vgl. Zimmermann 1980: 3). Dies äußert sich in der Tatsache, dass diese Fertigkeit nicht viel trainiert wurde. Schumann/Vogel/Voss (1984: 13) schrieben:

„Darüber hinaus ist schließlich unter Sprachpraktikern immer noch häufig die Meinung anzutreffen, Hörverstehen bedürfe keiner spezifischen Ausbildung, da es sich als Begleiterscheinung des Sprechens und Schreibens einer Fremdsprache gleichsam von allein entwickele.“ (Schumann/ Vogel/Voss 1984: 13)

Es ist sehr erfreulich, dass das Hörverstehen heutzutage einen zunehmend höheren Stellenwert gewinnt. Man ist sich stärker bewusst, dass das Hörverstehen in der modernen Fremdsprache eine herausragende Rolle spielt. Es wird schon festgestellt, dass Hörverstehen die erste Grundfertigkeit ist, auf der jedes fremdsprachliche Lernen aufbaut, das später zu mündlicher Produktion führen soll (vgl. Hermes 1998: 221) und ist „grundlegend für alles Sprachenlernen, das dem Prinzip der Mündlichkeit folgt, […] im muttersprachlichen Lernen wie auch im fremdsprachlichen“ (Schmid-Schönbein 2007: 63).

Es kann keine Produktion von Sprache stattfinden, wenn die rezeptive Fertigkeit des Hörverstehens unzureichend ausgebildet wird. Hörverstehen ist kein Nebenprodukt anderer Fertigkeiten. Es soll daher geschult werden.

3.3 Hörstile

Je nach Lernstand und Lernziel werden unterschiedliche Hörstile berücksichtigt (vgl. Eggers 1996: 20, Krumm 2001: 1091, Dahlhaus 1994: 79). Die Anzahl der Hörstile variiert auch. Dahlhaus (1994: 79) unterscheidet zwischen intensiven und extensiven Hören, wobei das intensive Hören auch als detailliertes (totales) Hören bezeichnet wird. Beim extensiven Hören sind hingegen nicht alle Informationen wichtig. Hier wird zwischen zwei Hörstilen unterschieden: selektives (selegierendes) Hören und globales (kursorisches) Hören.

Anders als Dahlhaus nennt Eggers (1996: 20) in dem Beitrag „ Hörverstehen: Bestandsaufnahme und Perspektiven “ vier Hörstile: globales, selektives, selegierendes und detailliertes Hörverstehen. Unter globalem Verstehen versteht man das „Hineinhören in einen Hörtext, um nach dem Kongruenzprinzip Informationen zu entnehmen, die man im top-down-Prozess erwartet“ (Eggers 1996: 20). Es wird versucht, Schlüsselwörter zu verstehen oder einen Einblick in die Textstruktur zu bekommen (vgl. Eggers 1996: 20). Im Unterschied zum globalen Hörverstehen wird beim selektiven Hörverstehen die Konzentration auf bestimmte Informationen gelenkt, von denen der Hörer weiß, dass sie im Text vorkommen werden. Es geht dabei um Namen, Daten, Zahlen, aber auch Wörter, Definitionen, Thesen und Argumente. Selegierendes Hörverstehen ist ein Hörstil, der aufgrund persönlicher Entscheidung des Hörers erfolgt. Dem Hörtext werden wesentliche Inhalte entnommen, um den Text ggf. zusammenfassen zu können. Beim detaillierten Hörverstehen sollen die Hörtexte im Detail erfasst werden. Der Verarbeitungsprozess läuft sowohl bottom up als auch top down (vgl. Eggers 1996: 20).

Eggers nennt noch reflektierendes und totales Hörverstehen als weitere Hörstile, wobei das totale Hörverstehen im engeren Sinn vernachlässigt werden kann, weil es in der Muttersprache kaum vorkommt. Reflektierendes Hörverstehen wird mit in das detaillierte Hörverstehen einbezogen (vgl. Eggers 1996: 20).

3.4 Schwierigkeiten beim Hörverstehen

Da es sich beim Hörverstehen um eine der komplexesten Fertigkeiten beim Erlernen einer Fremdsprache handelt, haben viele Fremdsprachenlerner Schwierigkeiten beim Hören eines Textes. Wenn man danach fragt, wo genau das Problem beim Hörverstehen liegt, merkt man, dass es sehr viele Gründe gibt. Die Schwierigkeiten können sowohl sprachlich formale als auch inhaltliche Ursachen haben (vgl. Solmecke 2003: 7). Im Folgenden soll nun näher erläutert werden, mit welchen Schwierigkeiten bzw. Problemen die Lernenden beim Hörverstehen besonders im Fremdsprachenunterricht konfrontiert werden.

Eine Erklärung dafür, warum den Lernenden das Hörverstehen schwer fällt, ist, dass Hörverstehen ein komplexer mentaler Prozess ist (vgl. Rampillon 1996: 65). „Das Hörverstehen selbst kann nicht gelehrt werden, es können nur Situationen geschaffen und Materialien präsentiert werden, an denen die Schülerinnen und Schüler versuchen“ (Hermes 1998: 221).

[...]


[1] Vgl. http://www.manfred-huth.de/fbr/lit/lied.html

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Lieder zur Förderung des Hörverstehens im DaF-Unterricht
Untertitel
Unterrichtsentwurf für das Lied "Deutschland" der Band "Die Prinzen"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V199021
ISBN (eBook)
9783668315655
ISBN (Buch)
9783668315662
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lieder, förderung, hörverstehens, daf-unterricht, unterrichtsentwurf, lied, deutschland, band, prinzen
Arbeit zitieren
Truc Quynh Tran (Autor), 2011, Lieder zur Förderung des Hörverstehens im DaF-Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199021

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