Informiert die Nachrichtensendung?

Eine Analyse von Nachrichtenbeiträgen zum Thema "Schweinegrippe" in Tagesschau, heute Journal und RTL aktuell vom 27. April 2009


Studienarbeit, 2009

29 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Textsorten in Fernsehnachrichtensendungen

3 Grundformate der Nachrichtensendung

4 Kurzer Abriss der Programmgeschichte
4.1 ARD und die Tagesschau
4.2 ZDF und das heute Journal
4.3 RTL und RTL aktuell

5 Vergleichende Analyse von Tagesschau, heute Journal und RTL aktuell
5.1 Inhaltlicher Aufbau
5.2 Textsorten und Sprachstil in den gewählten Beispielen

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

8 Medienverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

10 Anhang

1 Einleitung

Mit dem Entstehen des dualen Rundfunksystems und dem Sendestart von RTL plus am 2. Januar 1984 bekam das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland Konkurrenz. Diese zeigt sich vor allem in der Programmgeschichte der Sender. Während die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF hauptsächlich informieren wollen, haben sich die privaten Sender verstärkt für Entertainment der Zuschauer entschieden. Sichtbar erkennen lassen sich diese Unterschiede in der Programmplanung einerseits, aber auch in den verschiedenen Formaten der Nachrichtensendungen der einzelnen Sender andererseits.

Aus der Nachrichtenkompetenz der Sender werden Faktoren wie Vertrauenswürdigkeit, Ernsthaftigkeit oder Verlässlichkeit abgeleitet, welche die Zuschauer auf das gesamte Programm des Senders projizieren. Da die Inhalte der Nachrichten täglich wechseln bleiben nur wenige Dinge konstant und sind daher umso entscheidender, vor allem Sendeplatz, Aufbau und Präsentation der Sendung und Moderation. (Eick 2007, S. 79) Inhalt der vorliegenden Arbeit wird es daher sein, eine Analyse der drei Grundformate der Nachrichtensendung - Sprechersendung, Nachrichtenjournal und News Show - der Sender ARD, ZDF und RTL in den Bereichen der Sprachanalyse und Wortwahl sowie der Verwendung von Textsorten und dem inhaltlichen und gestalterischen Aufbau der Sendungen durchzuführen.

Die Arbeit beginnt mit dem Darlegen der in Fernsehnachrichten eingebundenen Textsorten, wird dann einen Überblick über die drei Grundformate der Nachrichtensendung geben. Im Folgenden gibt es einen kurzen Abriss über die Programmgeschichte der drei großen deutschen Fernsehsender ARD, ZDF und RTL, um auf die vergleichende Analyse der Nachrichtensendungen Tagesschau, heute Journal und RTL aktuell über zu leiten. Die Analyse richtet sich dabei einerseits an den Parametern Präsentation, journalistische Präsentationsformen, Dramaturgie und Inhalt der gesamten Sendung und andererseits am Sprechstil der jeweiligen Formate aus .

2 Textsorten in Fernsehnachrichtensendungen

Die Textsorten in Fernsehnachrichtensendungen sind nach textexternen Merkmalen wie Sprecher, Hörer, Kommunikationssituation, Bereich der Gegenstände und Sachverhalte sowie nach textinternen Merkmalen analysierbar.

Die in der Regel am häufigsten vorkommende Textsorte ist die Sprechermeldung. Sie ist definiert als Passagen, die von einem Sprecher beziehungsweise Redakteur im Studio verlesen werden. Im Bild sieht man den Sprecher vor einem Blue-Screen. Die Inhalte der Sprechermeldung stammen größtenteils aus den Nachrichtenagenturen. Konstruiert ist die Sprechermeldung nach dem Prinzip des „Leadstil“, was bedeutet, dass der erste Satz die groben Angaben zu den Fragen Wer, Wann, Was, Wo, Warum enthält. Konkretisierung und Ausdifferenzierung schließen sich an. (Straßner 1982, S. 185) Die Sprechermeldung besitzt im Vergleich zu anderen Textsorten eine geringe Satzdimensionalität, welche die Verteilung der Verwendung von Haupt- und Nebensätzen meint. Die Satzlänge beträgt laut Erich Straßner durchschnittlich zwischen 13,5 und 17,5 Wörtern. Ersteres liegt im Bereich der spontan gesprochenen Sprache. Ebenso zeigt sich in der Nominalstruktur der Sprechermeldung, dass die Sätze trotz ihrer Kürze ausgesprochen komplex gebaut sind. Durch ihren hohen Gebrauch von Substantiven ist die Sprechermeldung fern des umgangssprachlichen Textes. Zudem bedient sie sich in hohem Maße den Vergangenheitstempora. (Straßner 1982, S. 188-189)

Eine weitere Textsorte der Fernsehnachrichtensendung ist der Filmbericht. Er beinhaltet Nachrichtenfilme, die laut Straßner in der Regel von internationalen Filmagenturen eingekauft werden. (Straßner 1982, S. 185) Das Filmmaterial wird dann in den Redaktionen weiterverarbeitet und nachträglich betextet. Der Filmbericht weist eine geringere Satzdimensionalität als die Sprechermeldung auf. Er besitzt eine einfache Sprachstruktur mit mehr eindimensionalen Sätzen als es bei den anderen Textsorten der Fall ist. Zusätzlich finden sich mehr einfache Nominalphrasen sowie auffallend viele Passivsätze im Filmbericht wieder. Diese Textsorte rührt von Einfachheit, da der Rezipient gleichzeitig Bilder und Worte verstehen muss. (Straßner 1982, S. 189-190)

Weiterhin ist in Fernsehnachrichtensendungen die Textsorte des Korrespondentenberichtes zu finden. Seine Planung, Durchführung und Betextung liegt in der Hand eines Redakteurs. Er wird von den redaktionseigenen Korrespondenten produziert und an die Redaktion weiter geleitet. (Straßner 1982, S. 186) Der Korrespondentenbericht besitzt höhere Werte für Satzdimensionalität und Satzlänge aber eine geringere Komplexität in der Nominalstruktur und der Verwendung von Substantiven. Auch die höhere Wortzahl pro Satz ist charakteristisch. Die Zeitformen des Korrespondentenberichtes sind im Präsens und Futur. (Straßner 1982, S. 190-191)

Beim Kommentar als weitere Textsorte sind im eigentlichen Sinne Kommentator und Nachrichtensprecher im On zu sehen. Die Absicht des Kommentars besteht darin, Hintergründe berichteter Ereignisse zu erhellen sowie deren Konsequenzen aufzuzeigen. Der Kommentar ist daher eine bewusste Meinungskundgabe unter Ausschluss redaktioneller Verantwortung. (Straßner 1982, S. 186) Er besitzt sprachlich auffällige Ähnlichkeiten mit dem Korrespondentenbericht und die dichteste Nominalstruktur aller Textsorten, da er versucht möglichst viel mit wenig Worten zu sagen. Die Substantivverteilung und der Tempusgebrauch ähneln dem Korrespondentenbericht. Zudem besitzt der Kommentar die komplexeste sprachliche Struktur aller Textsorten der Fernsehnachrichtensendungen. (Straßner 1982, S. 191-192)

Die Textsorte Interview ist im Allgemeinen frei formuliert und damit der Umgangssprache sehr ähnlich. (Straßner 1982, S. 186) Bei der Untersuchung textinterner Merkmale muss jedoch zwischen der Interview-Frage und der Interview-Antwort unterschieden werden, aufgrund der verschiedenen Produktionsbedingungen. Demnach beinhaltet die InterviewFrage den geringsten Wert an Satzkomplexität, die Antwort jedoch den höchsten. Sowohl bei der Frage als auch bei der Antwort ist ein niedriger nominaler Satzbau zu finden, was beides der gesprochenen Sprache am nächsten kommt. Im Tempusgebrauch sind präsentische und futurische Formen zu finden. (Straßner 1982, S. 192)

Unter dem Statement sind alle Präsentationsformen zu verstehen, bei denen nur ein Redner im Bild ist, der zugleich seinen Text spricht. Hier sind beispielsweise Redeausschnitte aus dem Bundestag, abgegebene Statements bei Pressekonferenzen oder Ausschnitte von Kongressen zu nennen, welche eine sehr hohe Satzdimensionalität aufweisen. (Straßner 1982, S. 186) Sie besitzen Höchstwerte in der durchschnittlichen Satzlänge, jedoch die geringsten Werte an substantivischer Verwendung. Der Tempusgebrauch befindet sich im präsentischen und futurischen Bereich. (Straßner 1982, S. 193)

Im Rahmen der Textsorten von Fernsehnachrichtensendungen ist auch der Sprechstil zu erwähnen, welcher durch Sprechgeschwindigkeit und Pausen gekennzeichnet ist. Die Sprechgeschwindigkeit gibt dem Rezipienten das Tempo vor, in dem er die dargebotenen Informationen verarbeiten muss. Sie sollte daher nicht zu hoch und nicht zu langsam sein. Das mittlere Sprechtempo für die deutsche Sprache bewegt sich bei 250 Silben pro Minute. Dabei liegt die durchschnittliche Satzdauer in einem Zeitraum von sechs Sekunden. Pausen sind notwendig, um den Text für den Hörer in sinnvolle Abschnitte zu gliedern. Sie lassen dem Hörer Zeit, bereits Gesagtes zu verarbeiten.

3 Grundformate der Nachrichtensendung

Bei der Untersuchung von Nachrichtensendungen ist zwischen drei Grundformaten zu unterscheiden: Sprechersendung, Nachrichtenjournal und News Show.

Nach den Ausführungen von Andreas Wittwen ist die Sprechersendung gekennzeichnet durch einen durch die Sendung führenden Sprecher, welcher die Tagesaktualitäten ohne Körperregung von einem Blatt abliest. Er wird von der Kamera in einem distanzierenden midshot erfasst, wie Abbildung 1 zeigt.

Diese frontale Grundeinstellung wird während der ganzen Sendung beibehalten, da nichts vom Inhalt der Informationen ablenken soll. Der Sprecher wird dadurch als neutrale Instanz stilisiert und kann diese Neutralität durch die Art des Verlesens noch unterstützen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

Der Sprachstil der Sprechersendung ist formell und zurückhaltend. Die Sätze sind komplex gebaut und mit anspruchsvollem Vokabular versehen. Inhaltlich dominiert dabei die klassische Aktualität mit vorwiegend politischen und wirtschaftlichen Themen. Im Allgemeinen will sich die Sprechersendung nicht durch Unterhaltungseffekte profilieren, sondern durch Seriosität und Glaubwürdigkeit die Zuschauerschaft für sich gewinnen. (Wittwen 1995, S. 30)

Das Nachrichtenjournal hat laut Wittwen den Anspruch, die Tagesereignisse zu vertiefen und Hintergrundinformationen zu liefern. Durch die Sendung führt entweder ein Moderator oder ein Moderatorenteam, welche die Tagesereignisse nicht nur vermelden, sondern auch bewerten und einordnen. Damit bieten sie sich dem Zuschauer als eine wichtige Bezugsperson an. Im Nachrichtenjournal soll der Moderator Persönlichkeit zeigen, entschieden Auftreten und Vortragen. Ein Studioraum wird meistens optisch angedeutet, wodurch die Präsentatoren in verschiedenen Kameraeinstellungen erfasst werden können (Abbildungen 2 bis 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2

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Abbildung 3

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Abbildung 4

Das Nachrichtenjournal verfügt über einen größeren Spielraum in der Auswahl und Mischung der Inhalte. Es erlaubt sich, Schwerpunkte und dramaturgische Zwischenhochs zu setzen. Neben der Moderation sind im Journal Schaltungen und Gespräche sowie Interviews im und außerhalb des Studios üblich. Die Berichte können etwas frecher oder gar satirisch gestaltet sein. (Wittwen 1995, S. 31-33)

Als drittes Grundformat der Nachrichtensendung nennt Wittwen die News Show. In ihr werden weniger Hintergründe beleuchtet, stattdessen jedoch mehr Kurzinformationen vermittelt. Nachrichten komplexer Art finden in ihr nur eine begrenzte Berücksichtigung und auch das Sprachniveau tritt in vereinfachter Form auf. Sport, Wetter, Unfälle und Verbrechen nehmen hier eine größere Rolle ein als in der Sprechersendung und dem Nachrichtenjournal und es wird der Versuch unternommen, Nachrichten und Unterhaltung miteinander zu verbinden. Der Studioraum der News Show ist erweitert, was den Moderatoren erlaubt, sich in der Kulisse zu bewegen und auch Schauplatzwechsel sind dadurch nicht ungewöhnlich, wie Abbildung 5 und 6 zeigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5

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Abbildung 6

Die News Show verfügt über ein größeres Repertoire journalistischer Präsentationsformen wie beispielsweise dialogische Handlungszüge, Live-Elemente und die Einbeziehung des Publikums. Sie setzt im dramaturgischen Ablauf bewusst Spitzen und plant demgegenüber auch Ruhepunkte ein. Der Moderation kommt eine gewichtigere Rolle zu als bei Sprechersendung und Nachrichtenjournal. Auch die Themenauswahl ist divergierend. Diese sollen den Zuschauer möglichst direkt betreffen oder bewegen. Wittwen stellt in diesem Zusammenhang die These auf, dass das Publikumsinteresse hier entscheidender für den Neuigkeitswert sei als die Relevanz eines Beitrages. Laut Walther von La Roche sind Kriterien wie Prominenz, Nähe, Gefühl, Sex, Fortschritt, Folgenschwere, Konflikt, Dramatik und Kuriosität zur Attraktivität einer Nachricht in der News Show von Bedeutung. (Wittwen 1995, S. 33-38)

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Details

Titel
Informiert die Nachrichtensendung?
Untertitel
Eine Analyse von Nachrichtenbeiträgen zum Thema "Schweinegrippe" in Tagesschau, heute Journal und RTL aktuell vom 27. April 2009
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Autor
Jahr
2009
Seiten
29
Katalognummer
V199031
ISBN (eBook)
9783656254829
ISBN (Buch)
9783656255529
Dateigröße
1098 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textsorten, Fernsehnachrichtensendungen, Programmgeschichte, ARD, ZDF, RTL, Tagesschau, heute Journal, RTL aktuell, Sprachstil, Nachrichtensendung
Arbeit zitieren
Lucy Czech (Autor), 2009, Informiert die Nachrichtensendung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199031

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