Im 7. Buch Z seiner Metaphysik will Aristoteles den Begriff der ousia bestimmen und feststellen, was das Wesen/die Substanz eines Einzeldinges ist. Dabei kommt er zu der Feststellung, dass sich ein Korrektum aus Stoff und Form zusammensetzt. Aber erst die Form gibt dem Stoff seine Bestimmtheit. Die Fragestellung der Hausarbeit lautet daher: Warum ist die Form mehr ousia als die Materie? Es wird der Begriff der Form untersucht und näher bestimmt. Zum Abschluss werden die Meinungen von Aristoteles und Platon zu diesem Thema gegenübergestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Verwendung von εί̃δος im griechischen Text
3. Der Begriff des εί̃δος
3.1 Das εί̃δος als Art
3.2 Das εί̃δος als Art-Form
3.3 Das εί̃δος im Bezug zum Werden
4. Die Form-Materie-Unterscheidung
4.1 Die Priorität der Form
5. Die Kritik des Aristoteles an der Ideenlehre des Platons
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den aristotelischen Formbegriff (εί̃δος), insbesondere in Buch Z der Metaphysik, um dessen Bedeutung für die Ontologie zu ergründen und die Abgrenzung zur platonischen Ideenlehre herauszuarbeiten. Die zentrale Forschungsfrage lautet, warum die Form gegenüber der Materie als das primäre Wesen (Ousia) zu betrachten ist.
- Semantische Analyse des Begriffs εί̃δος im griechischen Originaltext.
- Differenzierung zwischen Art, Art-Form und der immanenten Formursache.
- Untersuchung der Priorität der Form gegenüber der Materie im Prozess des Werdens.
- Kritische Gegenüberstellung der aristotelischen Formauffassung mit der platonischen Ideenlehre.
Auszug aus dem Buch
3.3 Das εί̃δος im Bezug zum Werden
In Buch Z 7-9 analysiert Aristoteles den Begriff des Werdens. Aus dieser Analytik entwickelt er das Hauptargument für die Priorität des εί̃δος gegenüber der ύ̀λη (Materie) in Bezug auf das Sein. Das leitende Ziel ist die bleibende Unterscheidung der Form gegenüber der Materie.
„Das Werdende wird teils durch Natur, teils durch Kunst, teils von ungefähr (spontan). Alles Werdende aber wird durch etwas und aus etwas und etwas. [...] Überhaupt aber ist sowohl das, woraus etwas wird, wie das, wonach es wird, Natur (denn das Werdende, z.B. Pflanzen oder Lebewesen, hat Natur) und ebenso auch das, wodurch etwas wird, nämlich das als formgebend bezeichnete, gleichartige Wesen; dieses aber ist in einem anderen. Denn ein Mensch erzeugt einen Menschen. So wird also durch Natur das Werdende. Die anderen Arten des Werdens heißen Hervorbringen. Alle Hervorbringungen aber gehen entweder von der Kunst oder von dem Vermögen oder vom Denken aus. [...] Durch Kunst aber entsteht dasjenige, dessen Form in der Seele vorhanden ist. Form nenne ich das Sosein eines jeden Dinges und sein erstes Wesen.“ (1032a, 12 – 1032b, 2 [B])
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema des Dualismus von Form und Stoff sowie Erläuterung des Fokus auf Buch Z der Metaphysik des Aristoteles.
2. Die Verwendung von εί̃δος im griechischen Text: Untersuchung der verschiedenen Übersetzungsvarianten von εί̃δος im Griechischen und deren unterschiedliche Deutung durch Interpreten wie Bonitz und Schwarz.
3. Der Begriff des εί̃δος: Detaillierte Betrachtung der Bedeutungsvielfalt von εί̃δος als allgemeiner Art-Begriff und als immanente Formursache in den Dingen.
3.1 Das εί̃δος als Art: Analyse der Deutungsebene, in der der Begriff eng mit der Gattung verknüpft ist und die Spezies als vollständige Begriffsbestimmung fungiert.
3.2 Das εί̃δος als Art-Form: Erläuterung des Begriffs "Art-Form", der den formalen Aspekt einer Sache betont, den alle Angehörigen einer Art gemeinsam haben.
3.3 Das εί̃δος im Bezug zum Werden: Darstellung des Hauptarguments für die Priorität der Form im Prozess des Werdens, indem gezeigt wird, dass die Form nicht selbst entsteht, sondern Ziel des Prozesses ist.
4. Die Form-Materie-Unterscheidung: Erörterung der Beziehung von Form und Materie als unselbstständige Prinzipien, die erst im Konkretum eine Einheit bilden.
4.1 Die Priorität der Form: Begründung, warum die Form das primäre Wesenskriterium darstellt, da sie dem Einzelding seine Bestimmtheit und begriffliche Fassbarkeit verleiht.
5. Die Kritik des Aristoteles an der Ideenlehre des Platons: Aufarbeitung der aristotelischen Kritik am platonischen Transzendenz-Dualismus und Plädoyer für die Immanenz der Form.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Metaphysik, Eidos, Materie, Form, Substanz, Ousia, Werden, Definition, Art, Gattung, Platon, Ideenlehre, Wesen, Ontologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Begriff des εί̃δος (Eidos) bei Aristoteles, insbesondere wie dieser im siebenten Buch der Metaphysik verwendet wird, um den Dualismus von Form und Stoff zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Wortgebrauch von Eidos, die Unterscheidung zwischen Materie und Form, die ontologische Priorität der Form sowie die Abgrenzung zur platonischen Ideenlehre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, warum die Form bei Aristoteles das Wesen eines Dinges konstituiert und warum sie eine ontologische Priorität gegenüber der Materie genießt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische und textanalytische Methode, indem sie griechische Originalstellen und deren verschiedene Übersetzungen vergleicht und in den philosophischen Kontext einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die semantische Analyse des Begriffs Eidos, seine Funktion in logischen und naturphilosophischen Schriften sowie die Untersuchung seiner Rolle im Prozess des Werdens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Aristoteles, Metaphysik, Eidos, Form, Materie, Substanz (Ousia) und die Kritik an Platon.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Eidos bei Aristoteles von Platon?
Während für Platon die Ideen transzendent und vom Einzelding getrennt existieren, betrachtet Aristoteles die Form als immanent, also in den Dingen selbst enthalten.
Warum ist laut Aristoteles das "Werden" ein Argument für die Priorität der Form?
Aristoteles argumentiert, dass die Form nicht selbst "wird", da dies zu einem unendlichen Regress führen würde. Sie bildet das unveränderliche Ziel und die Bestimmtheit, die ein Werdendes durch den Prozess erhält.
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- M.A. Miriam Bauer (Autor), 2008, Die Priorität der Form im Buch Z der Metaphysik des Aristoteles , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199037