In unserer heutigen Zeit gilt es als selbstverständlich, dass die hispanophone Welt eine Einheit darstellt, die nicht nur aus Spanien besteht, sondern auch Teile des amerikanischen Kontinents umfasst und sich bis in den Pazifischen Ozean zu den Philippinen erstreckt.
Aus der Tatsache, dass die hispanophonen Länder geographisch über die Weltkugel verstreut liegen, ergibt sich, dass eine sprachkulturelle Institution von Nöten ist, die Normen fixiert, die verschiedene Varietäten berücksichtigen.
Hierbei stellt die Real Academia Española (RAE) unter den diversen sprachkulturellen Institutionen die etablierteste und damit einflussreichste Instanz dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und theoretische Grundlagen der Sprachnormierung
2. Sprachpolitik und der Wandel der Zielsetzungen im 18. und 19. Jahrhundert
3. Das Verhältnis zwischen Spanien und Lateinamerika nach dem Zerfall des Kolonialreiches
4. Die Entstehung und Entwicklung der lateinamerikanischen Sprachakademien
5. Aktuelle Perspektiven auf die Einheit der spanischen Sprache und die Rolle der Real Academia Española
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und gegenwärtige Haltung der Real Academia Española (RAE) gegenüber dem lateinamerikanischen Spanisch sowie die Entwicklung der Beziehungen zwischen der spanischen Mutterakademie und den nationalen Akademien in Lateinamerika. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie der Übergang von einem eurozentrischen Hegemonieanspruch hin zu einer panhispanischen Norm durch Institutionen und lexikographische Werke vollzogen wurde.
- Die historische Rolle der Real Academia Española als Sprachinstanz
- Einfluss des Kolonialverlustes auf die sprachpolitische Strategie Spaniens
- Die Entstehung eines amerikanischen Bewusstseins und der Wunsch nach Eigenständigkeit
- Entwicklung und Institutionalisierung der Akademien in Lateinamerika
- Die Bedeutung moderner Wörterbücher für die Anerkennung sprachlicher Variation
Auszug aus dem Buch
Die sprachliche Dominanz als Instrument der Bindung
Die sprachliche Dominanz und Einheit kompensierte also den Verlust der Kolonien besser als politische oder ökonomische Handelsbeziehungen und durch die Sprache wollte man den Hegemonieanspruch Spaniens aufrecht erhalten. Durch die Dominanz von Akademiemitgliedern sowie offiziellen Vertretern von Staat und Kirche in Spanien wurde dies deutlich.
Die ersten Mitglieder aus Hispanoamerika nahm die Real Academia Española Mitte des 19. Jahrhunderts auf und man entwickelte zu dieser Zeit die Idee der Gründung amerikanischer Sprachakademien. Schon während der Jahrzehnte, die sich direkt an die Selbstständigkeit anschlossen, offenbarten sich Bestrebungen nach einer amerikanischen Ersatzinstitution oder nationalen Ersatzinstitutionen für die Real Academia Española, zum Beispiel 1822 in Argentinien, 1835 in Mexiko und seit 1860 in Kolumbien. Jedoch erlaubte die RAE erst 1870 den lateinamerikanischen Ländern Akademien zugründen, die nach dem Vorbild der RAE gestaltet wurden. Der Grundstein wurde durch die Gründung der kolumbianischen Akademie gelegt. Heute gibt es 21 Akademien in Lateinamerika und auf den Philippinen. Wichtig ist hierbei, dass die Mitglieder der amerikanischen Akademien gleichzeitig korrespondierende Mitglieder der RAE sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und theoretische Grundlagen der Sprachnormierung: Einführung in die Notwendigkeit einer sprachkulturellen Institution zur Fixierung von Normen innerhalb der global verstreuten hispanophonen Welt.
2. Sprachpolitik und der Wandel der Zielsetzungen im 18. und 19. Jahrhundert: Analyse des Wandels von einer toleranten Haltung gegenüber Indiosprachen hin zu einer Politik der sprachlichen Assimilation durch Reformgesetze.
3. Das Verhältnis zwischen Spanien und Lateinamerika nach dem Zerfall des Kolonialreiches: Untersuchung der Auswirkungen der politischen Emanzipation der Kolonien auf das Selbstverständnis der Sprache und den Wunsch nach literarischer Eigenständigkeit.
4. Die Entstehung und Entwicklung der lateinamerikanischen Sprachakademien: Darstellung des langwierigen Prozesses der Gründung nationaler Akademien und deren Integration in das System der Real Academia Española.
5. Aktuelle Perspektiven auf die Einheit der spanischen Sprache und die Rolle der Real Academia Española: Evaluation des modernen Umgangs mit sprachlicher Variation in Werken wie dem "Diccionario panhispánico de dudas" und der heutigen Dynamik der Sprachgemeinschaft.
Schlüsselwörter
Real Academia Española, Spanisch, Lateinamerika, Sprachpolitik, Sprachnorm, Panhispanismus, Amerikanismen, Sprachakademien, Sprachwissenschaft, Kolonialgeschichte, Sprachwandel, Lexikographie, sprachliche Einheit, kulturelle Identität, Sprachpflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische und aktuelle Entwicklung der sprachpolitischen Beziehungen zwischen der spanischen Real Academia Española und den lateinamerikanischen Staaten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Sprachnormierung, die Entwicklung des amerikanischen Spanisch, die Geschichte der Sprachakademien und die strategische Bedeutung der Sprache für den Erhalt kultureller Bindungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Spanien seinen Hegemonieanspruch nach dem Verlust der Kolonien durch die Kultivierung einer gemeinsamen sprachlichen Norm ("unidad de la lengua") aufrechtzuerhalten versuchte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historisch-analytische Auswertung wissenschaftlicher Fachliteratur sowie auf die Analyse offizieller Dokumente und Wörterbücher der Akademie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der chronologischen Entwicklung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, wobei insbesondere die Gründung der Akademien und der Wandel vom Purismus zur toleranteren Variation beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Real Academia Española, Panhispanismus, Sprachnorm, Amerikanismen und der institutionelle Wandel der Sprachpolitik.
Welchen Einfluss hatte der Zerfall des Kolonialreiches auf die Sprache?
Der Zerfall führte einerseits zu einer kritischen Haltung der neuen Staaten gegenüber der spanischen Kultur, andererseits nutzte Spanien die Sprache als Bindeglied, um den kulturellen Zusammenhalt zu bewahren.
Wie hat sich die Haltung der RAE zu Amerikanismen gewandelt?
Während früher Amerikanismen oft ignoriert oder puristisch abgelehnt wurden, erkennt die RAE heute durch moderne Publikationen wie das "Diccionario panhispánico de dudas" die sprachliche Variation als integralen Bestandteil der spanischen Sprache an.
- Quote paper
- Christina Müller (Author), 2008, Real Academia Española vs. lateinamerikanisches Spanisch. Die Beziehung zwischen spanischen und amerikanischen Akademien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199051