In der vorliegenden Studie findet eine Analyse des öffentlichen Verkehrsmanagements unter Berücksichtigung der zugrunde liegenden technischen Systeme sowie der daraus resultierenden ökonomischen Implikationen statt. Neben der Identifikation aller relevanten Akteure innerhalb der Wertschöpfungskette werden weiterhin zutreffende Rahmenbedingungen – wie beispielsweise Richtlinien und Gesetze in den Bereichen von Verkehrsinformationen und Telematikdiensten, Grundlagen und Probleme der Standardisierung, das Auftreten von Transaktionskosten, die Bedeutung von Netzwerkeffekten, etc. – erläutert. Der Fokus der Studie liegt auf der Analyse von Praxisbeispielen aus dem Bereich des Verkehrsmanagements. Hierzu werden die Stadt München mit Schnittstelle zum Freistaat Bayern, die Stadt Berlin mit Schnittstelle zum Land Brandenburg sowie das Bundesland Hessen mit Schnittstelle zur Stadt Frankfurt am Main näher untersucht. Nach der Betrachtung der angewendeten Methoden im Bereich des öffentlichen Verkehrsmanagements und unter Berücksichtigung von länderspezifischen Gegebenheiten werden besondere Lösungsansätze hervorgehoben. Die Betrachtung der Beispiele innerhalb der Bundesrepublik Deutschland wird des Weiteren um internationale Erfahrungen (Methoden des Verkehrsmanagements in Finnland, Realisierung eines streckenbezogenen Verkehrsinformationsdienstes für den US-amerikanischen Interstate 95) ergänzt. Für die Ableitung von Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen in Bezug auf die gesamte Wertschöpfungskette findet schließlich eine Aufteilung des staatlichen Verkehrsmanagements in die Bereiche der Verkehrssteuerung, der kollektiven Verkehrsinformation sowie der individuellen Verkehrsinformation statt. Unter Berücksichtigung aller vorherigen Erkenntnisse sowie der Betrachtung institutionenübergreifender Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette sollen schließlich Empfehlungen für die Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen der öffentlichen Hand gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen zur Wertschöpfungskette im Bereich des Verkehrsmanagement
3 Technische Charakteristika und Implikationen entlang der Wertschöpfungskette
3.1 Datenerfassung
3.1.1 In-Fahrbahn Sensortechnologien
3.1.2 Über-Fahrbahn Sensortechnologien
3.1.3 Fahrbahnunabhängige Systeme
3.2 Datenübermittlung
3.2.1 Einwegkommunikation
3.2.2 Zweiwegkommunikation
3.3 Datenfusion
3.3.1 Theoretische Grundlagen zur Standardisierung
3.3.2 Die Aufgabe von Standards im Telematikbereich
3.3.3 Verwendete Standards
3.4 Datenaufbereitung
3.5 Informationsgenerierung
3.6 Informationsverteilung und -darstellung
3.6.1 Kollektive Information
3.6.2 Individuelle Information
3.7 Zukünftige Entwicklung
3.7.1 Schaffung von Netzwerken als Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung von Telematikdiensten
3.7.2 Car-2-Car- und Car-2-Infrastructure-Kommunikation
4 Öffentliche Aktivitäten
4.1 Beteiligte Akteure
4.1.1 Beschreibung der föderalen Zuständigkeiten
4.1.2 Koordinationsstrukturen
4.2 Rahmenbedingungen
4.2.1 Richtlinien, Gesetze und Regelungen
4.2.1.1 Rahmenrichtlinie für den Verkehrswarndienst
4.2.1.2 Technische Lieferbedingungen für Streckenstationen (TLS)
4.2.1.3 Merkblatt für die Ausstattung von Verkehrsrechnerzentralen und Unterzentralen (MARZ)
4.2.1.4 Private Telematikeinrichtungen an Bundesfernstraßen
4.2.1.5 Datenüberlassungsverträge
4.2.1.6 Leitlinien für öffentlich-private Zusammenarbeit bei Telematikdiensten
4.2.1.7 Leitlinien für die Gestaltung und Installation von Informations- und Kommunikationssystemen in Kraftfahrzeugen
4.2.1.8 Gesetz zur Regelung der Rahmenbedingungen für Informations- und Kommunikationsdienste (IuKDG)
4.2.1.9 Europäische ITS-Rahmenarchitektur FRAME
4.2.1.10 Weitere
4.2.2 Kritische Betrachtung
4.3 Beispielhafte Flussbetrachtung
4.3.1 München mit Schnittstelle zum Freistaat Bayern
4.3.1.1 Technische Analyse der Wertschöpfungskette
4.3.1.2 Organisationsstruktur
4.3.1.3 Länderspezifische Gegebenheiten und besondere Lösungsansätze
4.3.2 Stadt Berlin mit Schnittstelle zum Land Brandenburg
4.3.2.1 Technische Analyse der Wertschöpfungskette
4.3.2.2 Organisationsstruktur
4.3.2.3 Länderspezifische Gegebenheiten und besondere Lösungsansätze
4.3.3 Land Hessen mit Schnittstelle zur Stadt Frankfurt am Main
4.3.3.1 Technische Analyse der Wertschöpfungskette
4.3.3.2 Organisationsstruktur
4.3.3.3 Länderspezifische Gegebenheiten und besondere Lösungsansätze
4.3.4 Internationaler Exkurs: Verkehrsmanagement in Finnland
4.3.4.1 Organisationsstruktur
4.3.4.2 Technische Analyse der Wertschöpfungskette
4.3.4.3 Länderspezifische Gegebenheiten und besondere Lösungsansätze
4.3.5 Internationaler Exkurs: I-95 Corridor Coalition
4.4 Schlussfolgerungen aus bisherigen Erkenntnissen und Anwendung auf die Wertschöpfungskette
4.4.1 Datenerfassung
4.4.2 Datenfusion
4.4.3 Individuelle Verkehrsinformationen
4.4.4 Kollektive Verkehrsinformationen
4.4.5 Verkehrssteuerung
4.4.6 Weitere Problemfelder und Anmerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das öffentliche Verkehrsmanagement in Deutschland unter Berücksichtigung der technischen Systeme und ökonomischer Implikationen, um Handlungsempfehlungen für die öffentliche Hand zu formulieren.
- Analyse der technischen Komponenten der Wertschöpfungskette (Datenerfassung, -übermittlung, -fusion, -aufbereitung).
- Untersuchung der institutionellen Rahmenbedingungen und föderalen Strukturen in Deutschland.
- Betrachtung von Praxisbeispielen (München, Berlin, Hessen) und deren organisatorischen Herausforderungen.
- Einordnung internationaler Ansätze aus Finnland und der USA zur Ableitung von Optimierungspotenzialen.
- Bewertung der Standardisierung und Koordination über institutionelle Grenzen hinweg.
Auszug aus dem Buch
Datenerfassung
Die Verfügbarkeit von Daten ist für Telematikanwendungen und intelligente Transportsysteme (kurz: ITS) substantiell. Die Aufgabe, komplexe Systeme mit vielen Faktoren zu optimieren, setzt die genauste Kenntnis über diese Systeme mitsamt aller wichtigen Parameter voraus. Da die Datenerfassung als erstes Glied der Wertschöpfungskette von entscheidender Bedeutung für die durch das Gesamtsystem erzielte Qualität ist, wird in den folgenden Kapiteln ausführlich darauf eingegangen.
Bei der Datenerfassung wird zwischen Echtzeitdaten und historischen Daten unterschieden. Historische Daten werden von traditionellen „Offline“-Anwendungen benötigt und dienen der öffentlichen Hand unter anderem zur Netzplanung und Erstellung von Verkehrsberichten. Auch Anbieter von Navigationsgeräten lassen historische Daten in Anwendungen, die auf Echtzeit-Daten basieren, einfließen, um die Qualität ihrer Routenempfehlung zu verbessern. Die vorliegende Untersuchung konzentriert sich auf Systeme, die Daten in Echtzeit liefern und somit für Verkehrsleitzentralen und fortschrittliches Verkehrsmanagement unerlässlich sind.
In den folgenden Anschnitten werden die wesentlichen Technologien zur Erfassung von Verkehrsdaten vorgestellt und gegebenenfalls im Rahmen einer näheren Betrachtung bewertet. Die einzelnen Abschnitte sind (meist) in vier Absätze unterteilt, wobei im ersten Absatz auf das hinter dem System stehende physikalische Prinzip eingegangen wird. Während sich der zweite Absatz mit dem Einbau des Systems in die Straßeninfrastruktur beschäftigt, beleuchtet der dritte Teil den Datenoutput des Systems. Im letzten Abschnitt erfolgt eine Bewertung der Technologie in Bezug auf Kosten und Datenqualität. Hierbei ist zu beachten, dass insbesondere die Abschätzung der Kosten aufgrund der Verfügbarkeit von Informationen in einigen Fällen nur eingeschränkt möglich ist.
Verschiedene verkehrsrelevante Anwendungen benötigen unterschiedliche Datentypen als Input. Aufgrund der Vielfalt von Datenerfassungstechnologien mit jeweils unterschiedlichem Output ist im Vorfeld der Planung eines Dienstes sorgfältig zu prüfen, welche Daten beschafft werden müssen bzw. für welche Anwendung die beschafften Daten bestimmt sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Notwendigkeit und Ziele von modernem Verkehrsmanagement, definiert zentrale Fragestellungen der Untersuchung und stellt den Untersuchungsansatz sowie die Struktur der Arbeit vor.
2 Grundlagen zur Wertschöpfungskette im Bereich des Verkehrsmanagement: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Wertschöpfungskette im Kontext des Verkehrsmanagements definiert, wobei eine Unterscheidung zwischen Verkehrssteuerung und Verkehrsinformation vorgenommen wird.
3 Technische Charakteristika und Implikationen entlang der Wertschöpfungskette: Dieses Kapitel betrachtet die einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette, von der Datenerfassung über Übermittlung und Fusion bis zur Informationsdarstellung, unter Berücksichtigung technischer Spezifikationen.
4 Öffentliche Aktivitäten: Dieses Kapitel analysiert die Rolle der öffentlichen Hand im Verkehrsmanagement, betrachtet regulatorische Rahmenbedingungen und untersucht anhand von Fallbeispielen die Umsetzung und Koordinationsstrukturen in Deutschland.
Schlüsselwörter
Verkehrsmanagement, Verkehrstelematik, Wertschöpfungskette, Datenerfassung, Datenübermittlung, Datenfusion, Verkehrssteuerung, Verkehrsinformation, Standardisierung, öffentliche Hand, Infrastruktur, ITS, Verkehrsfluss, PPP, TMC.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Studie befasst sich mit der Analyse des öffentlichen Verkehrsmanagements in Deutschland, wobei der Fokus auf den zugrunde liegenden technischen Systemen und den resultierenden ökonomischen Implikationen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Wertschöpfungskette von Verkehrsinformationen, die Bedeutung technischer Standards, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die Koordinationsstrukturen zwischen verschiedenen föderalen Akteuren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin, Handlungsanweisungen für die öffentliche Hand und beteiligte Unternehmen abzuleiten, um durch eine effizientere Kooperation und Standardisierung ein effektives, intelligentes Verkehrsmanagement zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine fundierte theoretische Ausarbeitung der Wertschöpfungskette sowie eine Analyse anhand von Praxisbeispielen (u.a. München, Berlin, Hessen), ergänzt durch Expertengespräche mit Vertretern der öffentlichen Hand.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine technische Analyse der Wertschöpfungsstufen (Datenerfassung, Übermittlung, Fusion etc.) und eine Untersuchung öffentlicher Aktivitäten hinsichtlich ihrer rechtlichen und organisatorischen Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Verkehrsmanagement, Telematik, Wertschöpfungskette, Datenfusion, Verkehrssteuerung, öffentliche Hand und Standardisierung.
Wie unterscheidet sich die Situation in München von der in Berlin?
In München liegt die Verantwortung stärker bei städtischen Institutionen, während Berlin auf eine Public-Private-Partnership (PPP) setzt, bei der ein privates Konsortium die Verkehrsmanagementzentrale betreibt.
Welche Rolle spielen private Akteure im Verkehrsmanagement?
Private Akteure treten als Datenlieferanten, Betreiber von Systemen (im Rahmen von PPPs) oder Dienstleister auf, die auf Basis der von der öffentlichen Hand bereitgestellten Daten Mehrwertdienste für Endnutzer generieren.
Warum ist die Standardisierung für das Verkehrsmanagement so wichtig?
Standards sind essenziell, um die Kompatibilität zwischen verschiedenen, oft historisch gewachsenen Systemen zu gewährleisten, die Anbieterwechselkosten zu reduzieren und eine effiziente Datenfusion und überregionale Dienste zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Thomas Düker (Autor:in), Daniel N. Schmidt (Autor:in), 2009, Verkehrsmanagement in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199075