Typologische Aspekte der Medizinischen Versorgungszentren unter der gesundheitsökonomischen Perspektive


Projektarbeit, 2012

25 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problembereich
1.1 Politische Regulierung und ihre Auswirkungen
1.2 Eigentümerstrukturen im MVZ
1.3 Gesundheitspolitische Erwägungen

2 Definition der MVZ-Typen
2.1 Grundtyp Freiberufler-MVZ
2.2 Grundtyp Krankenhaus-MVZ
2.3 Grundtyp Konzern-MVZ
2.4 Typologie des Freiberufler-MVZs
2.5 Unternehmensführungsaspekte im MVZ

3 Typologische Einführungsaspekte
3.1 Abrechnungsaspekte
3.2 Fachlich-inhaltliche Aspekte
3.3 Wirtschaftlich-finanzielle Aspekte
3.4 Marketingaspekte des MVZ
3.5 Aspekte des Personalmanagements im MVZ
3.6 Wachstumsaspekte für das MVZ
3.7 Problemlösungsaspekte im Zusammenhang mit Medizinsoziologie und Public Health
3.8 Resümee

I Literaturverzeichnis

II Zum Autor

1 Problembereich

MVZs sind fachübergreifende, von Ärzten geleitete Einrichtungen, die an der ambulanten Versorgung von Patienten teilnehmen. Ärzten ist es dort möglich, als Freiberufler oder als Angestellte zu arbeiten. Am häufigsten vertretene Arztgruppen sind Hausärzte, Internisten und Laborärzte.[1]

Das MVZ als neues Versorgungskonzept für das Gesundheitssystem in der Bundesrepublik Deutschland bedeutet eine grundlegende Zäsur für die ambulante Versorgung; diese ist so gravierend, dass sich auch mehr als acht Jahre nach der Neuregelung eine Vielzahl wirtschaftlicher, rechtlicher und steuerrechtlicher Fragen auftun, die es zu beantworten gilt.[2]

Durch die Entwicklung in der ambulanten Versorgung ist in eine lebendige, kaum zu steigernde Diskussion um den enormen Wandlungsprozess des Gesundheitswesens entfacht worden. MVZs, die seit 2004 durch das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen sind, wirken hierbei als Ergebnis der herausragenden gesetzlichen Veränderungen an der medizinischen Leistungserbringung.[3]

Auslöser und Treiber dieser intensiven Entwicklung ist eine Vielzahl von Einflussfaktoren. Genannt werden beispielsweise[4] die Zunahme an zentralen Versorgungszentren (MVZs), wobei die Zahnheilkunde – zumindest teilweise – langsam aus dem System der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) ausgegliedert wird. Der Beitragssatz der GKV wird sich erhöhen, um kostendeckend zu sein, und zwar auf ca. 25%; die privaten Krankenversicherer (PKV) werden die Vergütung weiter reduzieren. Bei der PKV und der GKV entwickelt sich der Trend zu Einzelverträgen mit den Leistungserbringern. Dadurch wird eine Zunahme des Verdrängungswettbewerbs hervorgerufen.[5]

1.1 Politische Regulierung und ihre Auswirkungen

Die Regulierung des deutschen Gesundheitswesens verfolgt neben den Effizienzzielen, die garantieren sollen, dass die Gesundheitsgüter den Nachfragern zu einer angemessenen Qualität und einem angemessenen Preis angeboten werden, auch Gerechtigkeitsziele. Der Marktmechanismus würde ohne staatliche Rahmensetzungen dazu führen, dass der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen vom Einkommen und vom individuellen Krankheitsrisiko abhängt. Ein Marktergebnis, das kranken und finanziell schlecht gestellten Personen den Zugang zu Gesundheitsgütern versagt, wird als inakzeptabel aufgefasst und soll aus diesem Grund durch dirigistische staatliche Maßnahmen vermieden werden. Es ist unabdingbar, dass sich durch die hieraus resultierenden Regulierungen Effekte ergeben, die zur Folge haben, dass sich eine Reihe von zusätzlichen Determinanten entfalten.

Dessen ungeachtet soll das Gesundheitssystem durch diese zahlreichen Regulierungsmechanismen eine - gesamtwirtschaftlich betrachtet - bessere Funktionsfähigkeit gewinnen.[6]

1.2 Eigentümerstrukturen im MVZ

Bei den Betreibern bzw. Trägern eines MVZs muss es sich nach SGB V um zulässige Personen oder Körperschaften handeln. Dies sind die Eigentümer eines MVZs, sei es als Alleininhaber oder in einer gesellschaftsrechtlichen Verbindung als Gesellschafter einer GbR oder GmbH. Auch gemeinnützige Gesellschaftskonzepte, wie z.B. eine gGmbH, werden mittlerweile umgesetzt.

Von großer Wichtigkeit ist hierbei der vereinbarte Gesellschaftervertrag zur Regelung der internen Beziehungen, da sich das MVZ eher selten in Einzelbesitz befindet.[7]

Die kaufmännische Geschäftsführung, das Management eines MVZ, ist organisatorisch und wirtschaftlich verantwortlich. Diese Tätigkeit kann auch durch einen Praxismanager / eine Praxismanagerin ausgeführt werden. Meistens handelt es sich hierbei um eine medizinische Fachangestellte mit entsprechenden Zusatzqualifikationen. Das zu betreuende Aufgabenfeld besteht in der Leitung und Koordination der nicht-ärztlichen medizinischen Mitarbeiter und deren Tätigkeiten.[8]

1.3 Gesundheitspolitische Erwägungen

Die globale Zielsetzung des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes (GKV-VSG), die Sicherung der medizinischen Versorgung unter den erschwerten Bedingungen des sich weiter verschärfenden Ärzte- und Fachkräftemangels im Gesundheitswesen, ist uneingeschränkt zu begrüßen. Das vorgesehene Instrumentarium geht im Wesentlichen in die richtige Richtung, allerdings nicht immer konsequent genug. Eine ordnungspolitische Leitlinie ist im Hinblick auf die hohe Regelungsdichte des Vertragsarztrechts und insbesondere der vertragsärztlichen Planungs- und Zulassungsregularien nur begrenzt erkennbar und war wohl auch nicht zu erwarten. Die Schaffung des neuen spezialärztlichen Versorgungsbereichs mit einem eigenständigen, vom Vertragsarztrecht losgelösten wettbewerblichen Rahmen für niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser kann als ordnungspolitischer Befreiungsschlag gewertet werden. Jedoch ist es so, dass über die Detailvorgaben zur konkreten Umsetzung auch wieder ordnungspolitische Kontrapunkte gesetzt werden.[9]

Die amtierende Regierungskoalition (CDU/CSU/FDP) ist in die Diskussion über die Neuordnung zwischen vertragsärztlichen und ambulant-stationären Leistungen bereits im Koalitionsvertrag mit Positionen gestartet, die für die Krankenhäuser nachteilig waren. Dies bleibt – leider - auch in dem nun vorliegenden Gesetzesentwurf erkennbar.

Besonders auffallend ist, dass sich das Versorgungsgesetz in weiten Teilen sehr intensiv der Verbesserung der Finanzierung ambulanter ärztlicher und zahnärztlicher Leistungen annimmt.

Die einzige mit dem GMV-FinG[10] vorgesehene Zuwachsbegrenzung für die ambulanten Leistungen niedergelassener Ärzte wird sogar vorzeitig - ein Jahr früher - zurückgenommen.[11]

Für die Zahnärzte wird schon jetzt gesetzlich ausdrücklich sichergestellt, dass nach Auslaufen der Zuwachsbegrenzung ab 2013 die Grundlohnrate nicht mehr als starre Obergrenze für die Vergütungen der Zahnärzte fungieren soll. Demgegenüber werden den Krankenhäusern durch das GKV-FinG dauerhafte Kürzungen aufgebürdet.[12]

Angesichts der hohen medizinischen Versorgungslasten und der massiven Kostenbelastungen der Kliniken können die für das Jahr 2012 vorgesehenen erneuten Kürzungen nicht aufrechterhalten werden. Zudem ist eine gesetzliche Absicherung der enormen Mehrkosten der von EHEC[13] belasteten Kliniken vonnöten. Die Finanzierung der Krankenhäuser muss im Versorgungsgesetz fair und sachgerecht geregelt werden. Dies hat der DKG-Präsident anlässlich der Vorstandssitzung am 22. Juni 2011 in Berlin noch einmal betont.[14]

2 Definition der MVZ-Typen

Es fällt bei der Gesamtbetrachtung der MVZs in Deutschland auf, dass es sich um organisatorisch unterschiedliche Konstruktionen handelt.

Daher ist es sinnvoll, für die MVZs in Deutschland eine Typologie zu entwickeln, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede darzustellen.

Die Typologie knüpft an die Träger der MVZs in Deutschland an.

Drei verschiedene Grundtypen kristallisieren sich heraus:

1) Das Freiberufler-MVZ, das von einem oder mehreren niedergelassenen Ärzten gegründet wird
2) Das Krankenhaus-MVZ, welches von einem Krankenhaus gegründet wird
3) Das Konzern-MVZ, das von einer Kapitalgesellschaft gegründet wird.

Genauer betrachtet fällt auf, dass es auch Mischformen der oben genannten Typen gibt.

Abb. 1 stellt die Grundtypen und die Mischformen dar.

Abb. 1: Grundtypen von MVZs und Mischformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

2.1 Grundtyp Freiberufler-MVZ

Beim Freiberufler-MVZ formt ein niedergelassener Arzt oder mehrere niedergelassene Ärzte seine / ihre Praxen bzw. ihre Gemeinschaftspraxis zu einem MVZ um.

Sie schöpfen also die Möglichkeit, welche der Gesetzgeber zum 01.01.2004 geschaffen hat, aus.

Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Zum einen sind die Vorteile bei der Wahl der Rechtsform zu nennen. Im Gesetzestext steht, dass sich das Medizinische Versorgungszentrum aller Rechtsformen bedienen kann. Beim Freiberufler-MVZ wird jedoch von der Möglichkeit, das MVZ in Form einer juristischen Person (insbes. GmbH und AG) zu betreiben, eher selten Gebrauch gemacht.

Es dominieren die GbR und die Partnerschaftsgesellschaft.

Das MVZ bietet für den Freiberufler die Möglichkeit, Synergien in Form von Kostenvorteilen zu heben und die Vorteile der fachübergreifenden Tätigkeit optimal zu nutzen.

Durch die Möglichkeit, Kassenarztsitze zum MVZ zu „ziehen“, sind die organisatorischen Möglichkeiten, die betreffenden Einheiten zu vergrößern, besser gegeben, als dies beispielsweise bei einer Gemeinschaftspraxis der Fall ist. Der Gesetzgeber hat mit der Organisationsform MVZ niedergelassenen Ärzten also neue organisatorische Möglichkeiten geschaffen.

[...]


[1] Vgl. O.V., (2008), Ärzte Zeitung Nr. 15 vom 25.04.2008, S. 4

[2] Vgl. Sänger, M., (2011), das Krankenhaus, Heft 7/2011, S. 697

[3] Vgl. Distler, B., (2010), S. 4

[4] Vgl. Zöllner, C., (2007), Interne Corporate Governance – Entwicklung einer Typologie, S. 1

[5] Vgl. URL: http://wurzelspitze.wordpress.com, (Stand: 03.08.2011)

[6] Vgl. Sörensen, C., (2011), Kostenerstattung im ambulanten Gesundheitswesen – Ein informationsökonomische Betrachtung der Effekte und empirische Analyse, S. 42

[7] Vgl. Frielingsdorf, O., (Hrsg.), (2009), Professionelle Leitung eines MVZ – Komprimiertes Hintergrundwissen zu Management-Aufgaben im MVZ, S. 231, zit. nach: Renger, F., (2012c), Führungskonzepte in Medizinischen Versorgungszentren mit besonderer Betrachtung von Erlösfaktoren, S. 1

[8] Vgl. Frielingsdorf, O., (Hrsg.), (2009), S. 231, ebenda, zit. nach: Renger, F., (2012c), S. 1, ebenda

[9] Vgl. Baum, G., (2011), Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VSG), S. 661, in: das Krankenhaus, Heft 7/2011, S. 661-667

[10] Vgl. Gesetz zur nachhaltigen und sozial ausgewogenen Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Finanzierungsgesetz - GKV-FinG) /

G. v. 22.12.2010 BGBl. I S. 2309 (Nr. 68); Geltung ab 01.01.2011

[11] Vgl. Baum, G., (2011), S. 661

[12] Vgl. URL: http://www.hkgev.de/mitteilungsanzeige/items/599.html, (Stand: 12.09.2011)

[13] Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) sind bestimmte krankheitsauslösende Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli (E. coli), benannt nach dem Entdecker des Erregers Theodor Escherich. Das Namenspräfix enterohämorrhagisch kommt aus dem Griechischen (entero von altgriechisch ἔντερον enteron – Darm und hämorrhagisch für Blutung). EHEC können beim Menschen blutige Durchfallerkrankungen (enterohämorrhagische Colitis) auslösen; vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Enteroh%C3%A4morrhagische_Escherichia_coli, (Stand: 22.02.2012)

[14] Vgl. Baum, G., (2011), S. 661-662

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Typologische Aspekte der Medizinischen Versorgungszentren unter der gesundheitsökonomischen Perspektive
Hochschule
Vysoká škola zdravotníctva a sociálnej práce sv. Alžbety (St. Elisabeth Universität in Bratislava)
Autor
Jahr
2012
Seiten
25
Katalognummer
V199108
ISBN (eBook)
9783656256786
ISBN (Buch)
9783656257042
Dateigröße
920 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit ist eine Vorarbeit für die Dissertation an der St. Elisabeth-Universität Bratislava mit dem Titel „MVZs in Deutschland. Entwicklung einer Typologie unter Unternehmensführungsaspekten“.
Schlagworte
typologische, aspekte, medizinischen, versorgungszentren, perspektive
Arbeit zitieren
Fabian Renger (Autor), 2012, Typologische Aspekte der Medizinischen Versorgungszentren unter der gesundheitsökonomischen Perspektive , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199108

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