„Die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen der Altenhilfe und des Managens, veränderte Anforderungen auf der Nachfrageseite, verstärkte Professionalisierungs- und Repräsentationspflichten haben den Alltag der Pflegenden und Leitungspersonen verändert und werden ihn weiter verändern.[…] Zwei zum Teil widerstrebende Anforderungsbereiche bestimmen dabei das Arbeitsfeld: Fachlichkeit, d.h. die Beziehung zu den BewohnerInnen, Lebensraumgestaltung und fachliche Verantwortung für das Pflegeangebot, die Pflegeprozessgestaltung und die geleistete Pflege. Leitungsverantwortung, d.h. Gewährleisten fördernder Kommunikations- und Kooperationsstrukturen (Teamarbeit), Personaleinsatz, Anleitung und Einarbeitung, Nachwuchs- und Mitarbeiterförderung, Koordination, Kontrolle und Mitverantwortung in betriebswirtschaftlichen Fragen.“
So oder so ähnlich könnte ein Anforderungsprofil für eine leitende Tätigkeit (z.B. Wohnbereichsleitung) in der stationären Altenhilfe aussehen. Dabei geht es zentriert um Führungsaufgaben und dabei um die Anwendung von Führungsstilen in der Praxis. Doch was sind Führungsstile überhaupt und können sie tatsächlich immer in ihrer Reinform angewendet werden? Wo setzen Rahmenbedingungen Grenzen, wie funktioniert Führung momentan und wie könnte Führung künftig in der stationären Altenhilfe aussehen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich diese Facharbeit. In einem ersten Schritt wird definiert was Führung, Führungsstil und Führungstechnik überhaupt bedeuten. Im zweiten Schritt beschäftigt sich die Facharbeit mit den drei Führungsstilen nach LEWIN, dabei auch der X-Y-Managementtheorie nach McGREGOR und dem situativ-kooperativen Führungsstil in Anlehnung an HERSEY & BLANCHARD. Es wird versucht darzustellen, welcher Führungsstil bzw. ob ein einzelner Führungsstil geeignet ist und wie die Anwendung in der Praxis stattfinden kann.
Abschließend wird kurz das Führungsmodell „Management by Objectives“ (MBO) als eine mögliche Führungstechnik vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärungen
2.1 Führung, Führungsstil, Führungstechnik, Führungsinstrumente
2.2 Führung
2.3 Führungsstil
2.4 Führungstechnik
2.5 Führungsinstrumente
3. Führungsstile nach Lewin
3.1 Autoritärer Führungsstil
3.2 Demokratischer Führungsstil
3.3 Laissez‐faire Führungsstil
3.4 Situativ‐kooperativer Führungsstil
4. Altenhilfe im Wandel
4.1 Führung in der stationären Altenhilfe heute und morgen
5. Management by Objectives als mögliche Führungstechnik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht die Anwendung und Relevanz verschiedener Führungsstile im spezifischen Kontext der stationären Altenhilfe. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Führungskräfte durch situatives Führen und zielorientierte Managementtechniken den komplexen Anforderungen des modernen Pflegealltags begegnen und die Mitarbeiterzufriedenheit sowie die Qualität der Versorgung nachhaltig sichern können.
- Analyse klassischer Führungsstile nach Lewin
- Situativ-kooperatives Führen und das Reifegradmodell
- Herausforderungen der Altenhilfe durch demografischen Wandel und Fachkräftemangel
- Einsatz von Management by Objectives (MBO) als Führungsinstrument
- Reflexion der Führungsrolle in der Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1 Autoritärer Führungsstil
Kennzeichnend für den autoritären Führungsstil ist Kontrolle. Die Führungsperson legt alle Arbeitsschritte fest, teilt die Gruppen ein und lobt und tadelt persönlich. Alle Entscheidungen werden ausschließlich von ihr getroffen und sie kommuniziert nur in sehr geringem Maße mit den Gruppenmitgliedern. Auftretende Konflikte werden eher ignoriert als gelöst und die Führungsperson versucht die Mitarbeiter durch Druck und Lob zu motivieren.
Dieser Führungsstil führt unwiderruflich zu Desinteresse und Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern, da sie von allen wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen werden. Die Motivation sinkt.
Praxisbeispiel: Eine Wohnbereichsleitung in einer Altenpflegeeinrichtung schreibt den Monatsdienstplan nach ihrem Ermessen ohne dabei die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu beachten. Es fallen für viele Mitarbeiter „kurze Wechsel“ (vom Spät- in den Frühdienst) und lange Dienststrecken an, z.B. 17 Tage und mehr. Zudem plant sie, trotz der Kenntnis, dass einige Mitarbeiter schulpflichtige Kinder haben und an bestimmten Tagen die Unterbringung ihrer Kinder nicht gewährleisten können, für diese Mitarbeiter die ungünstigsten Dienste, obwohl es möglicherweise anders abgesprochen oder gar auf dem Wunschplan eingetragen wurde. Die auftretenden Konflikte mit den betroffenen Mitarbeitern werden ignoriert und autoritär gelöst, d.h., der Dienstplan mit allen Mitteln durchgesetzt.
Die Folge sind hochunzufriedene Mitarbeiter mit sinkender Arbeitsleistung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die veränderten gesetzlichen und fachlichen Anforderungen in der Altenpflege und formuliert das Ziel der Arbeit, die Anwendung von Führungsstilen in diesem Bereich kritisch zu hinterfragen.
2. Begriffserklärungen: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe Führung, Führungsstil, Führungstechnik und Führungsinstrumente definiert und voneinander abgegrenzt.
3. Führungsstile nach Lewin: Das Kapitel erläutert die drei klassischen Führungsstile nach Lewin sowie das Konzept des situativ-kooperativen Führens und setzt diese in Beziehung zu den Theorien von McGregor und Hersey & Blanchard.
4. Altenhilfe im Wandel: Hier wird der demografische und strukturelle Wandel der Altenhilfe analysiert und der spezifische Anspruch an eine professionelle Führung im heutigen und zukünftigen Pflegealltag herausgearbeitet.
5. Management by Objectives als mögliche Führungstechnik: Dieses Kapitel stellt MBO als zielorientierte Führungstechnik vor und diskutiert dessen Nutzen für die Strukturierung und Motivation in der stationären Altenhilfe.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit des situativen Wechsels zwischen Führungsstilen sowie die Bedeutung der kontinuierlichen Weiterbildung von Führungskräften.
Schlüsselwörter
Führungsstile, stationäre Altenhilfe, Praxisreflexion, Personalführung, Lewin, Reifegradmodell, situatives Führen, Management by Objectives, MBO, Altenpflege, Führungskräfteentwicklung, Mitarbeitermotivation, Fachkräftemangel, Pflegemanagement, Organisationsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Facharbeit setzt sich kritisch mit der Art und Weise auseinander, wie in stationären Altenpflegeeinrichtungen Führung ausgeübt wird und welche Stile sich dort als effektiv erweisen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf klassischen Führungstheorien, dem situativen Führen in der Pflege, den strukturellen Herausforderungen der Altenhilfe und modernen Techniken wie MBO.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte zeigen, ob und wie Führungsstile in der Praxis der Altenhilfe angewendet werden können und dass ein situatives "Switchen" zwischen den Stilen notwendig ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu Führungstheorien sowie einer Praxisreflexion, die durch Beispiele aus dem Alltag einer Wohnbereichsleitung ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Führungsstile (Lewin, Hersey/Blanchard), die Analyse des Wandels in der Altenhilfe und die Vorstellung von MBO als Führungstechnik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Situatives Führen", "Altenpflege", "Führungsstile nach Lewin" und "MBO" geprägt.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Führung und Leitung?
Der Autor stellt heraus, dass Führung primär auf personaler Kompetenz und Akzeptanz in der Gruppe beruht, während Leitung stärker auf formaler, durch die Organisation gegebener Kompetenz basiert.
Warum ist das situative Führen nach Hersey & Blanchard für die Altenpflege so relevant?
Aufgrund der heterogenen Qualifikationsniveaus der Beschäftigten in der Altenpflege (Fachkräfte vs. Hilfskräfte) ist eine Anpassung des Stils an den individuellen Reifegrad des Mitarbeiters besonders wichtig.
- Arbeit zitieren
- Tobias Steinmann (Autor:in), 2010, Führungsstile in der stationären Altenhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199112