Exegese - Lukas 7,11-17 "Der Jüngling zu Nain"


Hausarbeit, 2011
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Übersetzungsvergleich
1.1 Charakterisierungen der Bibeln
1.2 Vergleich der Textstellen

2. Literarkritik
2.1 Abgrenzung der Einheit in ihrem Kontext
2.2 Ortsbestimmung des Textes
2.3 Überprüfung der Einheitlichkeit des Textes
2.4 Quellenkritik

3. Formgeschichte

4. Traditionsgeschichte

5. Religionsgeschichte

6. Redaktionsgeschichte

7. Einzelauslegung

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

1. Übersetzungsvergleich

Für den Übersetzungsvergleich verwende ich die Stuttgarter Erklärungsbibel und die Gute Nachricht. Dies sind die zwei Bibeln, die ich besitze. Mit der Guten Nachricht habe ich schon viel gearbeitet und bin mit deren Schreibweise vertraut.

1.1 Charakterisierungen der Bibeln

Die Stuttgarter Erklärungsbibel (Lutherbibel):

"Für den deutschen Sprach- und Kulturraum hat die Übersetzung des AT und NT durch Martin Luther herausragende Bedeutung (NT 1522; AT 1534 abgeschlossen). Obwohl es bereits vor Luther deutsche Übersetzungen der Bibel gab, hat keine dieser Übersetzungen -und auch keine spätere Übersetzung - eine vergleichbare Bedeutung erlangen können. Die Lutherübersetzung ging in der Regel vom griechischen und hebräischen Text aus. In Zweifelsfällen, etwa bei Textverderbnis des hebräischen Textes, hielt man sich an die Vulgata. In den Apokryphen ist die Textvorlage teilweise ungeklärt. Die Lutherbibel wurde mehrfach revidiert, zuletzt 1984. 1999 wurde sie behutsam an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst. Sie hat eine Sprachgestalt, in der die einprägsame Sprachkraft Luthers und der moderne Sprachgebrauch in ein angemessenes Verhältnis gebracht sind."[1]

Die Gute Nachricht (GN):

Der Titel übersetzt das griechische Wort Evangelium. Die GN möchte vor allem verständlich sein und sucht dies durch eine bewusste Anpassung an die Umgangssprache zu erreichen (NT 1971; AT 1977). In einer gründlichen Revision (1997) wurde der Text an vielen Stellen am ursprünglichen Wortlaut des biblischen Textes überprüft. An einigen Stellen ist eine wörtliche Übersetzung als Fußnote abgedruckt. Gleichzeitig wurde auf geschlechtergerechte Sprache geachtet[2]

1.2 Vergleich der Textstellen (siehe auch Anhang 1)

Schon die Überschrift ist bei den beiden Übersetzungen komplett verschieden. In der Lutherbibel heißt es: „Der Jüngling zu Nain“ und in der GN: „Jesus macht einen Toten lebendig“. Die GN greift also schon das, was in der Geschichte passieren wird in der Überschrift auf. Wohingegen man in der Lutherbibel nur weiß, dass es um einen Jüngling geht. In Vers 11 steht in der GN, dass Jesus nach Nain ging. In der Lutherbibel steht nur „er“, man weis also nicht, wer gemeint ist, wenn man nicht die vorhergehende Geschichte gelesen hat. Ein weiterer Unterschied in Vers 11 ist, dass die GN im Gegensatz zu der Lutherbibel beschreibt, dass Jünger Männer und Frauen heißt.

In Vers 12 ist in der Lutherbibel nur die Rede davon, dass „er“ also Jesus nahe dem Stadttor war. Ein möglicher Grund kann hier sein, dass man schon jetzt den Fokus nur auf ihn lenken will. Die GN schreibt in Vers 13, dass Jesus Mitleid mit der Witwe hatte. Sie verwendet im Gegensatz zu „jammerte sie ihn“ aus der Lutherübersetzung, ein Wort, dass eher verständlich ist. In Vers 14 fällt vor allem auf, dass Luther das Wort „Sarg“ benutzt, was sehr ungewöhnlich zu dieser Zeit ist (siehe Traditionsgeschichte). Die GN verwendet das Wort, dass auch in der Interlinearübersetzung verwendet wird, „Bahre“.

In Vers 16 findet sich ein weiterer größerer Unterschied. In der GN steht „Gott selbst ist seinem Volk zu Hilfe gekommen“. Im Gegensatz dazu, steht in der Lutherbibel: „Gott hat sein Volk besucht“. Man sieht auch hier wieder, dass in der GN eine einfachere Sprache gewählt wurde, die leichter zu verstehen ist.

Außer diesen auffälligen Unterschieden ist der Text in beiden Übersetzungen recht ähnlich von der Wortwahl, nur die Stellung der Wörter ist unterschiedlich.

Überblick: In der GN wird ausführlicher geschrieben. In der Lutherbibel wirkt es so, als ob davon ausgegangen wird, dass der/die Leser/in sich schon einmal mit der Bibel befasst hat und sich ein wenig damit auskennen muss um sie zu verstehen.

Die Stuttgarter Erklärungsbibel ist als Lutherbibel näher am Urtext und somit ist es interessant damit zu arbeiten und für mich persönlich wichtig mich im Umgang mit ihr zu üben. Deswegen soll im weiteren Verlauf der Hausarbeit der Text aus der Lutherbibel die Basis bilden.

2. Literarkritik

2.1Abgrenzung der Einheit in ihrem Kontext

Die Abgrenzung am Anfang des Textes besteht darin, dass Jesus in die Stadt Nain kommt und somit eine neue Geschichte anfängt. Der vorangehende Bibeltext (Lk 7,1-10), spielt in Kapernaum. In der darauffolgenden Geschichte spielt sich das Geschehen zuerst bei Johannes dem Täufer ab, bevor es wieder um Jesus geht. Der von mir zu bearbeitende Text ist in sich eine geschlossene Geschichte.

2.2Ortsbestimmung des Textes

"Die Perikope 7,11-17 ist ohne Parallele in den anderen Evangelien. Sie wird zwar innerhalb einer Q-Sektion (6,20-7,10; 7,18-35) überliefert, stammt aber anderswoher."[3]

Der Text ist also vom Kontext her gesehen ein eigenständiger Text, den Lukas eingefügt hat.

Es lässt sich daraus schließen, dass diese Geschichte aus dem Sondergut Lukas stammt. Zu dieser Auffassung kommt auch Bovon: Lukas benutzt eine schriftliche, griechische Vorlage aus seinem Sondergut[4]

Es stellt sich hier die Frage, warum Lukas den Text genau an der Stelle eingefügt hat?

Walter Grundmann versucht dies in seinem Buch „Das Evangelium nach Lukas“ so zu begründen: "Gegenüber dem sterbenden Leibsklaven Centurio (7,2) bedeutet die Auferweckung des toten Jünglings eine Steigerung des Wunders, aber auch der Barmherzigkeit Jesu, denn der Jüngling bedeutet für seine Mutter noch mehr als der Leibsklave für den Centurio [...]."[5]

Grundmann wie auch Bovon schreiben außerdem, dass das Geschehene auf die, in der folgenden Geschichte gestellte Frage des Johannes, ob Jesus der ist, auf den sie warten sollen und Jesu Antwort, vorbereitet.[6] [7]

2.3 Überprüfung der Einheitlichkeit des Textes

Der Text ist folgendermaßen aufgebaut: Vers 11 bildet die Einleitung, auf die eine ausführliche Exposition in den Versen 12-13 führt. Lukas stellt die Witwe in den Mittelpunkt obwohl es erst nach einer Totenauferweckungserzählung aussieht, was sich dadurch zeigt, dass er sie in seiner Exposition sechsmal erwähnt. Der Mittelpunkt der Erzählung folgt in Vers 14-15a. Die Verse 15b-17 bilden den Schluss.[8]

"Es ist mit der Demonstration (V. 15b), einer Variante des Entlassungsmotivs (V. 15c), dem Admirationsmotiv (V. 16a), zwei ausgeführten Akklamationen (V. 16b-d) und einer Ausbreitungsnotiz (V.17) erzählerisch recht opulent ausgeschmückt."[9]

[...]


[1] Bormann 2005, S. 21–22

[2] Bormann 2005, S. 22

[3] Bovon, S. 355

[4] vgl. Bovon, S. 355

[5] Grundmann, S. 158–159

[6] vgl. Grundmann, S. 159

[7] vgl. Bovon, S. 356

[8] vgl. Wolter, S. 274

[9] Wolter, S. 274

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Exegese - Lukas 7,11-17 "Der Jüngling zu Nain"
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V199206
ISBN (eBook)
9783656259657
ISBN (Buch)
9783656260189
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Lukasevangelium, Jüngling zu Nain
Arbeit zitieren
Nele Salzgeber (Autor), 2011, Exegese - Lukas 7,11-17 "Der Jüngling zu Nain", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199206

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