Staatsverschuldung, Inflation und Wachstum


Seminararbeit, 2002
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Statistische Grundlagen

3 Wirkungen der Verschuldung auf Inflation und Wachstum
3.1 Empirische Ergebnisse
3.2 Schocks

4 Zusammenhänge zwischen Inflation und Wachstum
4.1 Theoretische Überlegungen
4.2 Empirische Ergebnisse

5 Zusammenfassende Erläuterungen

A Abkürzungsverzeichnis

B Abbildungsverzeichnis

C Literatur

1 Einleitung

Jedes Wirtschaftssubjekt ist seit jeher bestrebt, sein Leben und wesentliche Bestimmungsfaktoren dessen, in geordnete und berechenbare Bahnen zu leiten.

Fiskalpolitik ist neben der Geldpolitik eines der wichtigsten Instrumente, um z.B. konjunkturpolitisch in den Wirtschaftskreislauf eingreifen zu können. Beispielsweise lassen sich mit Steuererhöhungen in einer Hochkonjunkturphase Wachstumsrückgänge und mit Steuersenkungen in einer Rezession Wachstumssteigerungen erzeugen. Dem Staat stehen zur Ausdehnung seiner Aufgaben im Wesentlichen zwei Wege zur Verfügung, die anfallenden Ausgaben zu finanzieren.[1] Die erste Möglichkeit besteht in der zusätzlichen Erhebung von Steuern, die Zweite in Eingehung weiterer Schulden. In den letzten Jahrzehnten ist die Kreditaufnahme des Staates, also die Staatsverschuldung, immer mehr angestiegen, da hier unter anderem scheinbar in der Gegenwart eine „günstige“ Finanzierung der Staatsausgaben zur Verfügung steht, die erst in zukünftigen Perioden zurückgezahlt werden müssen. Auf der anderen Seite muß natürlich auch erwähnt werden, daß es sinnvoll ist, öffentliche Investitionen, die auf Dauer ausgelegt sind und von denen auch künftige Generationen profitieren, nicht ausschließlich zu Lasten der heutigen Steuerzahler zu finanzieren, sondern auch durch Mittelaufnahmen (Kredite) an Finanzmärkten. Diese Kredite müssen dann auch von zukünftigen Generationen getilgt werden.[2] Die Kreditaufnahme ist zu einem wesentlichen Finanzierungsmittel geworden. Inzwischen treten die Folgen der Verschuldung ans Tageslicht. Immer mehr laufende Einnahmen des Staates müssen für Tilgung und Zinszahlungen aufgewendet werden. Bei einem immer größer werdenden Personenkreis überwiegt heute die Skepsis gegenüber der Staatsverschuldung, nicht zuletzt wegen den Kriterien des Maastrichtvertrages, welcher eine Schuldenstandsquote[3] von 60 Prozent und eine Defizitquote[4] von 3 Prozent gemessen am BIP vorsieht.

Eine fortschreitende Begrenzung der jährlichen Neuverschuldung[5] der Staaten im EWU-System, die zunächst den Zwang zur bloßen Stabilisierung der Zinslasten erhöht, hat die nationalen Finanzpolitiken zusätzlich erheblich eingeengt.[6] Auf der anderen Seite müssen aber auch unter Umständen die allgemeine Entwicklung der Geldwertstabilität bzw. inflationäre Tendenzen beachtet werden.

Das institutionelle Arangement eines Landes ist zu einer Standortfrage und zu einer Frage der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit einer Ökonomie geworden.[7] Ein stabiles und „günstiges“ makroökonomisches Umfeld ist eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche wirtschaftliche Tätigkeit von Unternehmen. Zumindest spielt die Frage nach der erwarteten Stabilität eine wichtige Rolle.

Diese Arbeit soll, soweit dies durch verschiedene empirische Analysen und Tests gestützt werden kann, Verbindungen zwischen Staatsverschuldung, Inflation und Wachstum aufzeigen. Dabei soll es vor allem darauf ankommen, falls möglich, kausale Zusammenhänge, die auch möglichst signifikant sein sollen, aufzuzeigen. Über die gefundenen kausalen Beziehungen werden dann im Folgenden, Veränderungen eines kausalen „Ausgangsfaktors“ betrachtet. Es werden dabei nicht nur länderspezifische, sondern auch länderübergreifende Auswirkungen (Gemeint sind z.B. Veränderungen in einem Mitgliedsstaat der EU und deren Auswirkungen auf die EU.) beschrieben.

Für die empirischen Untersuchungen werden verschiedene statistische Methoden, wie z.B. CoIntegration, Vektor-Autoregression (VAR) und der Granger-Kausalitätstest verwendet.

2 Statistische Grundlagen

An den im Weiteren vorzustellenden Tabellen wird zu erkennen sein, daß in den meisten EULändern die Verschuldung sehr nahe an das „empfohlene“ Maß[8] bzw. darunter gesunken ist. Um fundiert sagen zu können, ob z.B. zwischen Verschuldung, Inflation und Wachstum Kausalitätszusammenhänge bestehen, wird zunächst von verschiedenen statistischen Methoden Gebrauch gemacht, die hier der Vollständigkeit halber kurz erwähnt werden. Zu diesen Methoden zählt die Co-Integrationstechnik mit speziellen Methoden, wie z.B. dem Granger-Kausalitätstest,[9] über die festgestellt werden kann, ob kausale Beziehungen zwischen den betreffenden Variablen existieren. Dabei gilt, daß eine Variable X dann kausal zu einer Variablen Y ist, wenn die Prognose zukünftiger Werte von Y dadurch verbessert werden, daß die Werte der Variablen X bei der Erstellung dieser Prognose berücksichtigt werden. Dahinter steht die Idee, daß eine solche Verbesserung der Prognose nur dann möglich ist, wenn die Variable X heute Informationen enthält, die für die zukünftige Entwicklung von Y relevant sind, aber in der bisherigen Entwicklung von Y nicht enthalten sind.[10] Chowdhury[11] benutzt einen so genannten „mixed and fixed and random coefficient approach“ um kausale Einflüsse zu ermitteln. Falls die erhaltenen Erkenntnisse darauf hindeuten, daß keine „starken“ linearen Beziehungen zwischen den Variablen existieren, können weitere Analysen mit der Vektor-Autoregressionstechnik (VAR) vorgenommen werden. Um diese Techniken anwenden zu können, muß allerdings im Vorfeld einer jeden Untersuchung sichergestellt sein, daß die Zeitreihen auf Stationarität untersucht wurden. Dies geschieht deshalb, da die Verwendung von nicht stationären Zeitreihen, im Rahmen von evt. folgenden Regressionsanalysen, unter Umständen zu Scheinzusammenhängen führen kann. Bei vielen Variablen, wie auch bei Verschuldung, Inflation und Wachstum können Trends diese Stationaritätseigenschaft zerstören. Somit besteht das Problem, daß durch die Verwendung einer trendbehafteten Zeitreihe bei Regressionsanalysen die Gefahr besteht, daß auf signifikante Zusammenhänge geschlossen wird, obwohl diese gar nicht bestehen. In diesem Zusammenhang wird häufig vom Dickey-Fuller-Test bzw. Einheitswurzeltest Gebrauch gemacht, um den Integrationsgrad einer Zeitreihe festzustellen und diese dann entsprechend „transformieren zu können“.[12]

Im Folgenden wird unter Verweiß auf die Quellen stets davon ausgegangen, daß entsprechende Tests durchgeführt wurden und die präsentierten Ergebnisse als signifikant übernommen werden können. Über die Durchführung solcher Testverfahren sollen Zusammenhänge erkannt, und Eingriffe in das wirtschaftspolitische System effizient ermöglicht werden um erwünschte Ergebnisse z.B. in Bezug auf Staatsverschuldung, Inflation und/oder Wachstum zu erhalten.

3 Wirkungen der Verschuldung auf

Inflation und Wachstum Ausgangspunkt[13] dieser Betrachtung ist die enorme Zunahme der Staatsschuld in den meisten OECD-Ländern von 1970 bis zum Ende des hier betrachteten Zeitraums in 1997. Während in den 70er Jahren die keynesianische Stabilisierungspolitik und eine relativ kurzfristige Betrachtung der Staatsverschuldung im Mittelpunkt des Interesses stand, wird in neueren Analysen vor allem auf die langfristigen Wirkungen der Staatsverschuldung geachtet.[14] Mitlerweile ist ein Standpunkt, der besagt, daß „unnormale“ Verschuldung in größeren Ökonomien nicht nur Auswirkungen auf die eigenen (begrenzten) Märkte hat, sondern auch länderübergreifend wirkt, weitgehend akzeptiert. Daher werden im Maastricht-Vertrag genaue Grenzen für die Staatsverschuldung bzw. staatliche Defizite eingeführt. Dahinter stehen unter anderem die Erwartungen, daß eine starke Verschuldung inflationär wirken kann und zusätzlich das Wachstum behindert. In diesem Abschnitt sollen empirische Ergebnisse der Betrachtung der vermuteten Beziehungen dargestellt werden und insbesondere kurz- bzw. langfristige Wirkungen hervorgehoben werden.

Allgemein ist festzustellen, daß Verschuldungsraten in Friedenszeiten fallen und in Kriegszeiten bzw. bei besonderen Schocks (Ölkriesen) stark ansteigen. Es muß allerdings ebenfalls festgehalten werden, daß auch ohne diese exogenen Einflüsse die Verschuldung in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat. Die zunehmende Verschuldung der einzelnen Länder hätte somit möglicherweise einen schnellen Konvergenzprozeß, hin zur EU verhindern können, bzw. wie schon beschrieben, auch externe Effekte auf die EU haben können. In Tabelle 1 soll übersichtsartig die Situation für vier Staaten in Europa bezüglich ihres Verschuldungsgrades bzw. Defizits dargestellt werden.

Tabelle 1 Verschuldung und Defizite

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Tabelle zeigt deutlich eine Erhöhung der Staatsschuld mit Höchstständen in den 90er Jahren. Im gleichen Zeitkontext konnten aber die Defizite bis 1997 gesenkt werden. Somit liegt die Vermutung nahe, daß die betrachteten Länder dem Defizit mehr Aufmerksamkeit schenken, als ihrer Verschuldung[15] bzw. Defizite schneller in geordnete Bahnen zu lenken sind als die Staatsverschuldung. Zu dieser Argumentation paßt in gewisser Weise auch ein Kommentar des deutschen Sachverständigenrates, der konjunktur- und investitionsorientierte Staatsverschuldung für legitim hält und lediglich „strukturelle“ Defizite reduzieren möchte.[16]

Tabelle 2 Wachstum

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Über Tabelle 2 kann weiterhin festgehalten werden, daß die Wachstumsraten von 1990-97 im Vergleich zu Durchschnitt des gesamten Zeitraumes (1970-97) gefallen sind. Es könnte also zunächst einmal die Vermutung aufgestellt werden, daß das geringe Wachstum in einer Beziehung zur, im gleichen Zeitraum, höheren (gestiegenen) Verschuldung steht. Ob kausale Zusammenhänge dieser Art vorhanden sind, soll im Verlauf der Arbeit geklärt werden. Eine These, die allerdings auf einen umgekehrten Zusammenhang hindeutet, besagt, daß die Gefahr der Schldendienstunfähigkeit[17] einer Art ökonomischen Grenze für die Höhe der Verschuldung, volkswirtschaftlich so lange nicht gegeben ist, wie über ein ausreichendes Wachstum genügend Steuereinnahmen erzielt werden.

Tabelle 3 Inflation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Sim81, Seite 89.

[2] Vgl. Sim81, Seite 381.

[3] Die Schuldenstandsquote gibt die Gesamtverschuldung gemessen in Prozent des BIP an. Nur durch die Betrachtung im Verhältnis zu einer Größe die Aufschluß über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung gibt, ist eine Beurteilung sinnvoll. Der absolute Schuldenstand ist wenig aussagekräftig.

[4] Die Defizitquote gibt die Neuverschuldung bzw. die Nettokreditaufnahme gemessen am BIP an.

[5] Differenz des Schuldenstandes am Ende der momentanen Periode und demjenigen am Ende der Vorperiode.

[6] vgl. Mai99, Seite 7

[7] Vgl. Sch00, Seite 1.

[8] Gemeint sind die Vorgaben des Vertrages von Maastricht.

[9] Dieser Test ist ein übliches Verfahren zur Identifizierung von Ursache-Wirkungszusammenhängen. Der Ansatz geht davon aus, daß die Ursache für eine Entwicklung zeitlich vor der Entwicklung eintreten muß.

[10] In Anlehnung an Kir81, Seite 19.

[11] Vgl. Cho00, Seite 11ff.

[12] Bei diesem Test handelt es sich um einen Hypothesentest, über den festgestellt wird, ob eine Zeitreihe einem Random Walk folgt, also nicht-stationär ist, oder ob sie einem Markov-Prozeß folgt und somit wenn auch nur „schwache“ aber dennoch stationäre Eigenschaften aufweist.

[13] Die Ausführungen dieses Abschnittes beziehen sich im Wesentlichen auf die Ergebnisse der Arbeit von Taghavi 1998., Siehe dazu Tag98.

[14] Vgl. Feh02, Seite 1.

[15] Siehe Tag98, Seite 161

[16] Vgl. Gutachten Sachverständigenrat 2001, Ziffer 28 der Kurzfassung.

[17] Der Schuldendienst beinhaltet sowohl Verschuldung, als auch Rückzahlung.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Staatsverschuldung, Inflation und Wachstum
Hochschule
Universität Bielefeld  (Lehrstuhl für Volkswirtschaftspolitik)
Veranstaltung
Seminar zur Geld- und Fiskalpolitik
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V19922
ISBN (eBook)
9783638239486
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Staatsverschuldung, Inflation, Wachstum, Seminar, Geld-, Fiskalpolitik
Arbeit zitieren
Nico Weber (Autor), 2002, Staatsverschuldung, Inflation und Wachstum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19922

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