Siddhartha Gautama wurde um 563 v. Chr. in Lumbini, nahe der Stadt Kapilavastu (im heutigen Nepal) geboren. Als Buddha, ein Erwachter, gilt er als Begründer des Buddhismus. Er lebte 80 Jahre lang, sein Tod wird allgemein auf das Jahr 483 v. Chr. datiert.
Viele klassische Lehrtexte des heutigen Buddhismus enstanden erst etliche Jahrhunderte nach Buddhas Tod, was zu einer ausgeprägten Mythen- und Legendenbildung über die Figur des historischen Buddhas und seinen Handlungen führte.
Um sich bei einer biograpfischen Rekonstruktion weitestgehend an historischen Fakten zu orientieren, ist es aber zwingend notwendig, sich auf erstmaligen Niederschriften von Viten und Überlieferungen zu berufen. Deshalb beruft sich diese Arbeit auf das einzig vollständig erhalten gebliebenen Kanon, dem Majjhimanikāya.
Dieser Text ist zwar lediglich für eine der vielen heutzutage existierenden buddhistischen Rechtsschulen (Theravāda) gültig, jedoch für uns durch sein Alter und seine Vollständigkeit die verlässlichste Quelle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzbiographie
3. Seine Gestalt im Majjhimanikāya
3.1 Geburt
3.2 Jugend und Weltflucht
3.3 Die Zeit der Suche
3.4 Die Erleuchtung
3.5 Die Zeit nach der Erleuchtung
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gestalt des historischen Buddha anhand der Überlieferungen im Majjhimanikāya, um zu klären, welche Aspekte seines Lebens und Wirkens in dieser spezifischen Sammlung des Pāli-Kanons abgebildet werden und inwiefern diese als historisch verlässliche Quelle dienen können.
- Analyse der biografischen Schilderungen im Majjhimanikāya
- Unterscheidung zwischen Mythenbildung und historisch rekonstruierbaren Fakten
- Untersuchung der Stationen Geburt, Suche, Erleuchtung und Beginn der Lehrtätigkeit
- Vergleich mit späteren, stärker legendenhaft geprägten buddhistischen Texten
Auszug aus dem Buch
Die Zeit der Suche
Das Majjhimanikāya behandelt die Zeit der Suche und der Erleuchtung im Wald durch fortlaufende ausgeschmückte Erzählungen, mit sich stetig wiederholenden Elementen. Meist ist von einer sechsjährigen Zeit der Suche die Rede. Dem viele Jahre später abgegebenen und die Ereignisse raffenden autobiografischen Bericht (in M 26 und M 36) zufolge unterstellte sich Siddhârtha nach Verlassen des elterlichen Hauses in Kapilavatthus sofort dem Āḷāra Kālāma. Ihm unterstellte er sich als Jünger, und sehr bald hatte er nicht nur Āḷāras Theorien verstanden, sondern auch seine tiefste Versenkungsstufe, den „Bereich der Nichtsheit“ verwirklicht, ohne dass ihm dabei Erlösung zuteil geworden wäre. Enttäuscht wandte er sich von Āḷāra ab, der ihm zuvor sogar die Mitleitung seiner Schule angeboten hatte, und einem neuen Meister namens Uddaka Rāmaputta zu. Von Uddakas Lehre erfahren wir nur, dass er sie nicht selbst entdeckt, sondern von seinem Vater Rāma gelernt hatte. Als Siddhattha die Lehre von Uddakas Vater Rāma erreicht hatte, bot ihm Uddaka nicht wie seinerzeit Āḷāra Partnerschaft, sondern die alleinige Leitung seiner Schule an. Doch auch dieses Angebot lehnte Siddhattha ab, da seine Suche der Erlösung von Leiden galt, nicht dem Status eines Schulhauptes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit, den historischen Buddha hinter den späteren legendenhaften Erzählungen zu identifizieren, und stellt das Majjhimanikāya als eine vergleichsweise verlässliche Primärquelle vor.
2. Kurzbiographie: Dieses Kapitel fasst die Lebensdaten, die Herkunft aus dem Stamme der Sakiya sowie die familiären Hintergründe des historischen Buddha zusammen.
3. Seine Gestalt im Majjhimanikāya: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die im Majjhimanikāya überlieferten Lebensabschnitte, von der Geburt über die Weltflucht bis hin zur Erleuchtung und den Anfängen der Lehrtätigkeit.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung zieht das Fazit, dass das Majjhimanikāya keine vollständige Biographie bietet, jedoch bodenständige Einblicke in zentrale Phasen des Lebens und Wirkens des Buddha ermöglicht.
Schlüsselwörter
Buddha, historischer Buddha, Majjhimanikāya, Pāli-Kanon, Buddhismus, Lebensweg, Erleuchtung, Askese, Siddhârtha Gautama, Lehrtätigkeit, Bodhi, Geschichte, Quellenkritik, Weltflucht, Meditation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Identifikation und der Lebensgeschichte des historischen Buddha, wobei der Fokus gezielt auf den Texten des Majjhimanikāya liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die historische Verlässlichkeit der buddhistischen Texte, die Entwicklung der Biografie Buddhas und die Abgrenzung von späteren mythologischen Überlieferungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es, die Fakten zur Gestalt des Buddha, die in der Sammlung der mittellangen Lehrreden überliefert sind, herauszuarbeiten und ihre historische Aussagekraft zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine quellenkritische Analyse, indem er die im Pāli-Kanon enthaltenen Berichte sichtet und mit dem Forschungsstand sowie späteren buddhistischen Legenden vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte: Geburt, Jugend, die Phase der asketischen Suche, das Ereignis der Erleuchtung und die Zeit nach der Erleuchtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie historischer Buddha, Majjhimanikāya, Quellenkritik und buddhistische Biographie charakterisieren.
Warum wird gerade das Majjhimanikāya als Quelle herangezogen?
Der Autor begründet dies damit, dass es sich um einen vollständig erhaltenen Teil des Pāli-Kanons handelt, der aufgrund seines Alters eine verlässlichere Quelle darstellt als spätere, stärker legendenhaft ausgeschmückte Texte.
Wie unterscheidet sich die im Text beschriebene Weltflucht von späteren Darstellungen?
Im Majjhimanikāya wird die Weltflucht als ein schlichter Vorgang ohne dramatische Inszenierung oder nächtliche Flucht mit Dienern beschrieben, im Gegensatz zu den später in der Tradition populär gewordenen legendenhaften Erzählungen.
Wie bewertet der Autor die Schilderungen zur Askese Buddhas?
Der Autor hebt hervor, dass der Text die extreme Magerkeit und die drastischen Formen der Selbsttortur sehr plastisch beschreibt, was ein "bodenständiges" Bild vermittelt, das sich von verklärten Heiligenlegenden unterscheidet.
- Arbeit zitieren
- Thomas Köhler (Autor:in), 2005, Der historische Buddha - Die Gestalt des Buddha im Majjhimanikāya, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199259